Klingt dieses Arbeitszeugnis gut?

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5 Antworten

Hallo kim294,

"weniger ist manchmal mehr" und dieser Ausspruch gilt auch für Arbeitszeugnisse.

Man merkt diesem Zeugnis deutlich an, dass es ein vom AN selbstverfasstes ist, mit dem Versuch, durchweg die Note 1 im Zeugnis zu beurkunden [stets].

Typisch für solche Zeugnisse ist, dass kein "roter Faden" mit eigenem Sprachstil zu erkennen ist, sondern das Zeugnis aus einer Aneinanderreihung von Floskeln aus dem Sammelsurium von Internet-Ratgebern besteht.
Auch die Vermischung von Beschreibung und Wertung in einzelnen Sätzen findet man bei Zeugnissen, die tatsächlich von AGs geschrieben wurden, eher nicht, denn üblich ist die Reihenfolge: erst beschreiben, dann bewerten.
Insgesamt zeigen gute Zeugnisse von AGs eine gewisse Ausgewogenheit in Beurteilung und Stil, statt permanente "Lobelei in Superlativen", die jedem erfahrenen Zeugnisleser eher unglaubwürdig erscheinen. [Vergleicht man das dann noch mit anderen (Schul-/ Arbeits-)Zeugnissen, die ebenfalls einer Bewerbung beiliegen, und eben nicht durchweg sehr gute Noten bescheinigen, bestätigt sich der Verdacht.]

Bei deinem Zeugnis speziell sind mir darüber hinaus noch mehrere Punkte negativ aufgefallen:
1) bei jemandem, der neun Jahre in einem Betrieb tätig war, muss (nach der Einleitung und vor den zuletzt ausgeführten Tätigkeiten) auch eine berufliche Entwicklung erkennbar sein, die fehlt hier vollkommen.
2) alle Sätze, die zur Leistungsbeurteilung dienen, werden in folgender Reihenfolge geschrieben: 1. Arbeitsbereitschaft  2. Arbeitsbefähigung 3. Fachwissen und Weiterbildung 4. Arbeitsweise und 5) Arbeitserfolge.[Du fängst direkt mit deinem Fachwissen an.... und die für ein gutes Zeugnis alles entscheidenden Erfolge lässt du komplett weg...]
3) überwiegend sehr kurze Sätze, aneinandergereihte Floskeln. Ein AG, der für den im Zeugnis genannten AN nicht viel Wertschätzung übrig hat -egal ob der Inhalt der Sätze etwas Wohlwollendes aussagt-- bedient sich des Sprachstils der kurzen und knappen Sätze.....
4) teils schlechte Formulierungen, besonders zum Umgang mit den Kunden.

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Kommentar von kim294
28.11.2015, 22:53

teils schlechte Formulierungen, besonders zum Umgang mit den Kunden

Wie kann man gerade diesen Aspekt denn besser schreiben?

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Da würd ich vorsichtig sein, ich kenn mich da nicht so 100% aus aber bei einigen Sachen, können sehr gut klinge Formulierungen eine verheerende Aussage beinhalten.

Ja, stets ist zu oft drin, was stets genau bedeutet im Zusammenhang mit Arbeitszeugnissen weiß ich nicht, kann auch eher eine 3 als Schulnote ausgedrückt heißen.

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Sagen wir es mal so: "Gut gemeint" ist leider oft das Gegenteil von gut. Dass hier eine eigentlich des Zeugnisschreibens wenig Kundige ein 1+ Zeugnis aus dem Baukasten zusammenpuzzlen wollte, merkt ein Fachmann sofort. Daran ist - auch - die exzessive Verwendung des "stets" und des Superlatives Schuld. Ich lese weiterhin heraus, dass du zwar hingebungsvoll und auf höchstem Niveau gearbeitet haben sollst, aber der letztendliche Erfolg ("Entscheidend ist, was hinten raus kommt" sagte einmal Altbundeskanzler Kohl) bleibt offen.

Beim Sozialverhalten hapert es. So, wie es da steht, bist du auch gerne mal auf die Hinterbeine gegangen. Dass man im Servicebereich mit Kunden "sehr gut zurechtkommt", ist eigentlich eine Grundvoraussetzung und sagt zunächst nur etwas über den Umgang, nicht aber die Qualität der Dienstleistung und die Zufriedenheit der Kundschaft. Es muss nicht nur der Umsatz stimmen, die Kunden müssen auch so überzeugt sein, dass sie selbst bei der Stange bleiben und die Firma möglichst auch weiter empfehlen.

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Kommentar von kim294
28.11.2015, 10:52

Wie kann ich denn den Passus mit dem Sozialverhalten besser formulieren? Auf die Hinterbeine gegangen bin ich nämlich meiner Ansicht nach nie. Und ich meine schon, dass die Kunden auch zufrieden mit mir waren. Das habe ich auch oft zu hören bekommen. Meinem Chef und dadurch auch mir war das auch immer das wichtigste. Da wurde dann auch lieber auf einen Vertragsabschluss verzichtet, wenn das nicht so zum Kundenvorteil war.

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Klingt für mich gut. Das mehrmals "stets" benutzt wurde, würde mich jetzt nicht stören. 

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Das ist gut. Der Schreiber war nur einfallslos, dass er immerzu stets geschrieben hat. 

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