Kann Rache ethisch sein?

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Ja. Viele Leute denken bei „Rache“ immer gleich daran, jemanden umzubringen oder dergleichen mehr. Das ist aber gar nicht unbedingt so. Rache bedeutet erst einmal, für jemanden, der sich etwa einen ungerechten Vorteil verschafft hat, gleichsam künstlich einen Nachteil zu schaffen.

Das kann auch etwa darin bestehen, dass man den Betreffenden bloßstellt, etwa als Raffzahn, als der er keinesfalls gelten will.

Im Wikipedia - Artikel steht, dass Rache das Gewaltmonopol des Staates verneine, und räumt dabei ein, dass es Gesellschaften gibt, in denen es rechtsstaatliche Institutionen nicht gibt, wo also Rache eine Frage des Überlebens sein kann. Der Artikel beantwortet die Frage also grundsätzlich mit „ja“, denn die lautet ja nicht, on Rache ethisch sei, sondern ob sie es sein könne.

Ich möchte hinzufügen, dass auch der Rechtsstaat gar nicht immer greift, weil manche Gemeinheiten gar nicht justiziabel oder aufgrund einer Gesetzeslücke legal sind.

Dabei möchte ich daran erinnern, dass noch vor Kurzem selbst eine Vergewaltigung straffrei sein konnte, wenn sich das Opfer - etwa aus Angst vor dem Täter - nicht gewehrt hatte. Dass der damit durch kommt und selbst keine negativen Folgen zu spüren bekommt, ist natürlich unerträglich. Einen Racheakt wie die Zerstörung von etwas, an dem er hängt, müsste man sicherlich aus generalpräventiven Gründen bestrafen, aber das Verhalten des Betreffenden sollte man, wenn es das Motiv ist, mildernd berücksichtigen.

Oder, wenn sich eine Heiratsschwindlerin speziell ihn als Opfer aussuchen und ihn bis auf's Hemd ausziehen würde, wäre ihr Verhalten zwar grundsätzlich unmoralisch, die Wahl ihres Opfers jedoch nicht.

hmhm ja ich wunder mich auch, wieso so viele bei Rache unmittelbar an Mord und Todschlag denken. Das hatte ich bei der Frage auch nicht vor Augen, eher sowas wie Bloßstellen.

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Hi Derrenfer.

Um die Frage zu beantworten, muss man sich die Definition von Rache und Ethik genauer anschauen.

Rache ist dabei eine Handlung, die erlittenes Unrecht ausgleichen soll.

Ethik ist die Lehre von Fairness und Unfairness.

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Das Problem mit Rache ist die Subjektivität.

Generell sehe ich "Gleiches mit Gleichem" per Definition als fair an, da ein Ausgleich nur fair sein kann.

Aber gesellschaftlich würde Gleiches mit Gleichem zu einem totalen Chaos führen, die Menschlichkeit würde verloren gehen.

Somit ist Fairness auf der einen Seite gesellschaftlich positiv,  andererseits jedoch auch negativ.

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Nun zur Fairness.

Fair ist das, was keinen benachteiligt.

Und hier grenzt sich die Ethik von der Moral ab:
Moral unterscheidet zwischen Gut und Böse, und das ist wohl mehr als subjektiv.

Ethik muss mit allen Blickwinkeln zusammenwirken.

Und Rache benachteiligt immer jemanden, auch  wenn die Person davor dasselbe getan hat.

Also ist Rache allerhöchstens moralisch, aber höchst unethisch.

LG.

Rache ethisch? Hmm - der offizielle Weg über einen Richterspruch würde bei komplex gelagerten Fällen diverse Hintergründe für die ursprüngliche Tat einbeziehen und das Urteil die Vergeltung bringen. Dieser Schritt würde bei direkter Rache entfallen.

Es fühlt sich für einen Geschädigten sicher besser an, direkt Rache üben zu können - auch wenn er schlimmstenfalls eine Strafe dafür bekommt, das ist ihm die Sache wert. Für ihn ist Rache ethisch.

Als 'Zuschauer' kann ich den Wunsch nach Rache oft nachempfinden, gerade wenn es um Mißbrauch Schwächerer durch Stärkere geht. Es könnte nur schwierig werden, ein gesundes Maß an Rache zu finden, gerade wenn solche Gefühle im Spiel sind.

Fallen ethisch und rechtlich für dich zusammen?

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@Derrenfer

Nein, das kann ja nicht sein. Aber ich wünsche mir oft die Möglichkeit, Rache zu üben, weil es ethisch vertretbar wäre und nur so seine Wirkung auf den Täter hätte.

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Kommt auf deine Meinung an, wenn du es gerechtfertig findest dass ein Mann ermordet wird nachdem er eine unschuldige ermordet hat. Wenn das für dich dann ethisch gerrecht ist dann ja. Und der unterschied ist dass Rache eher persönlich ist glaube ich, du rächst dich für deinen Freund zum Beispiel aber Vergeltung kannst du immer üben wenn du findest diese Person hat unrecht getan.

also Vergeltung wäre so etwas wie eine gesellschaftliche Rache?

Finde ich es gerecht? So ganz ohne weitere Details, die jetzt nach und nach Entlastendes liefern: Ja, schon.

Deshalb frage ich mich, was so viele Leute gegen Rache haben als Konzept und wie sie das begründen. Ich formuliere die Fragen nur lieber offen, um zu schauen, wie sich das entwickelt.

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Ja aber ich bin mir echt nicht sicher, ich gucke nur gerade die Serie *revenge* und musss auch viel drüber nachdenken, da geht es ja nur um sowas. (Gucks dir an, die Serie ist voll cool xD)

Meiner meinung nach ist Rache oder Vergeltung beides ab einem gewissen punkt notwendig. Aber man kann auch aufs Karma vertrauen ;)

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@Rexania

Moin,

ich schau mir die Serie mal an, wenn ich sie sehen kann. Mal schauen, was die darüber denken. Bin gestern noch auf ein Nietzschezitat gestoßen, das so geht:

"Wenn man sich an einem Gegner durchaus rächen will, so soll man so lange warten, bis man die ganze Hand voll Wahrheiten und Gerechtigkeiten hat und sie gegen ihn ausspielen kann, mit Gelassenheit: sodass Rache üben mit Gerechtigkeit üben zusammmenfällt."

Bei ihm kann Rache also in Gerechtigkeit übergehen. Siehst du das auch so?

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Ja find ich auch, am schlimmsten sind die, die sich rächen und dann aber merken dass es eigentlich ein missverständniss war und der andere ihn gar nichts getan hat aber dann rächt sich der wiederum, und so entstehen highschool filme xD das thema ist glaub ich einfach sehr komplex und kompliziert :/

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Nein. 

Wikipedia sagt es doch ganz gut: 

Im gegenwärtigen deutschsprachigen Raum wird Rache als ein emotional gesteuerter Akt angesehen, der der Rechtsordnung widerspricht, wenn er das Gewaltmonopol des Staates verneint. In der archaischen Gesellschaft wurde dagegen die Rache als ein rechtmäßiges Mittel angesehen, den sozialen Frieden wiederherzustellen.

Mit Rache ist fast immer ein unkontrolliertes Gefühl verbunden. Rationales Denken ist ausgeschaltet. Rachegefühle hat z. B. ein Vater, dessen Kind umgebracht wird. Er wird von "Rachegelüsten" überschwemmt und würde im Affekt am liebsten losrennen und den Täter töten, womöglich qualvoll. 

Das alles ist eine primitive Form der Konfliktregelung, eine "Notlösung", aus der allerdings neue, noch zerstörerische Konflikte erwachsen. Rache gehört zu einer primitiven, archaischen Gesellschaft, wo es keinen funktionierenden Rechtsstaat gibt. 

In dem Moment, wo ein Rechtsstaat gegründet ist und die Konflikte regelt, ist Rache unmoralisch. 

Kann man nicht auch kalkuliert Rache üben? Also Gleiches mit Gleichem vergelten? Und wieso denkst du, dass Recht und Moral hier ineinsfallen? Kann ein Rechtsstaat per se nicht unmoralisch handeln, obwohl es die Bundesrepublik ständig vormacht?

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Nietzsche schrieb dazu übrigens:

" Wenn man sich an einem Gegner durchaus rächen will, so soll man so lange warten, bis man die ganze Hand voll Wahrheiten und Gerechtigkeiten hat und sie gegen ihn ausspielen kann, mit Gelassenheit: sodass Rache üben mit Gerechtigkeit üben zusammmenfällt."

Daher die Frage.

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Der Wikipedia - Artikel sagt nicht ausdrücklich „nein“, denn er räumt ja ein, dass es nicht überall funktionierende rechtsstaatliche Strukturen gibt. Dennoch würde ich dem widersprechen, dass Rache generell das Gewaltmonopol des Staates verneine. Manche Gemeinheiten sind nicht justiziabel, und z.B. zu arrangieren, dass derjenige, der sie begangen hat, sich selbst unabsichtlich bloßzustellen, ist auch ein Racheakt und ebenfalls oft nicht justiziabel.

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