Kann man als Gutgläubiger sein Erwerb, der gestohlen ist behalten oder nicht?

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Bei dem gutgläubigen Erwerb, der in den §§ 932 ff. BGB geregelt ist, denken die meisten direkt an gestohlene Sachen, du wahrscheinlich auch, wenn ich deine Frage richtig interpretiere.

Gerade auf diesen Fall bezieht sich der gutgläubige Erwerb aber nicht, denn § 935 Abs. 1 BGB regelt, dass eben kein Eigentum erworben wird, wenn die Sache "abhanden gekommen" ist, d.h. der Eigentümer unfreiwillig den unmittelbaren Besitz verloren hat. § 935 BGB regelt also die Fälle, in denen der Eigentümer eine Sache verliert, sie ihm gestohlen wird oder ähnliches.

In all diesen Fällen hat der Eigentümer nach § 985 BGB einen Herausgabeanspruch gegen den Besitzer der gutgläubig erworbenen Sache. Derjenige, welcher die Sache erworben hat, hat also Pech gehabt und muss sich, um sein Geld zurück zu erhalten, an den Verkäufer wenden (der aber vielleicht schon über alle Berge ist).

Diese Vorschrift dient natürlich dem Schutz des Eigentümers. Er soll sein Eigentum nicht verlieren können, indem beispielsweise Diebe die Unwissenheit eines Dritten ausnutzen und Diebesgut weiterverkaufen; denn im Zweifel wird man eher den gutgläubigen Erwerber als den Dieb zu fassen bekommen. Dieses Risiko soll dem Eigentümer nicht aufgebürdet werden.

Jetzt bleibt die Frage, wofür dann der gutgläubige Erwerb überhaupt existiert. Er betrifft all die Fälle, in denen der Eigentümer den unmittelbaren Besitz an der Sache eben freiwillig aufgegeben hat, indem er beispielsweise die Sache verliehen oder jemandem gegeben hat, der sie dann einem Dritten übereignete, ohne dazu befugt zu sein. In diesen Fällen, wo der "Böse" also nicht ganz so böse wie der Dieb ist, weil er z.B. nicht wusste, dass er die Sache nicht weitergeben durfte oder es einfach aus Geschäftstüchtigkeit tat, wird dem Eigentümer zugemutet, die Sache mit dem Veräußerer zu regeln, weil man an diesen (im Gegensatz zum Dieb) meist noch herankommt und durch die verschiedenen anderen Vorschriften immerhin an das dafür erlangte Geld kommt.

In diesen Fällen soll also der gutläubige Erwerber geschützt werden, um Rechtssicherheit zu schaffen - denn ansonsten könnte man sich nie ganz sicher sein, ob man denn tatsächlich Eigentümer wurde oder nicht. Nur in den Fällen, wo der Eigentümer den Besitz an der Sache nicht freiwillig aufgibt, ist er gegen den gutgläubigen Erwerb geschützt. Gibt er die tatsächliche Sachherrschaft (=den Besitz) dagegen freiwillig auf, ist er sozusagen selbst schuld, denn er kann ja bestimmen, an wen er die Sache weitergibt.

Grundsätzlich kann man an gestohlenem Gut kein Eigentum erwerben (§ 935 Abs. 1 BGB). 

Ausnahme: "Geld oder Inhaberpapiere sowie auf Sachen, die im Wege öffentlicher Versteigerung oder in einer Versteigerung ...veräußert werden."(§ 935 Abs. 2 BGB).

Hat man aber die gestohlene Sache 10 Jahre in gutgläubigem Besitz, so erwirbt man auch daran das Eigentum durch Ersitzen (§ 937 BGB).

Na, das wäre ja eine tolle Rechtssprechung - natürlich nicht!

Völlig egal, ob man gewußt hat oder nicht, dass es sich um Diebesgut handelt, darf man es natürlich nicht behalten - der Eigentümer würde sich herzlich bedanken....

Wenn man keine Ahnung hatte, was man da gekauft hat, geht man straffrei aus, aber die gestohlenen Sachen werden natürlich beschlagnahmt, das ist doch aber glasklar, oder?

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Hallo,

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Dürfen die das ?

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§ 932 Also der 932er sagt mir, sehr kurz formuliert, dass der Erwerber auch dann Eigentümer wird, wenn das Eigentum dem Veräußerer garnicht zusteht, es muss lediglich eintreten, dass der Erwerber im guten Glaube ist, und dass ein Rechtsgeschäft vorliegt.

JETZT mein ABER. der 935er sagt, dass dieser gutgläubige Eigentumserwerb NICHT erfolgt, wenn die Sache die veräußert werden soll, geklaut oder ähnliches wurde.

---> was heißt das denn? Der Erwerber weiß das ja nicht, wenn der Veräußerer son schlimmer Finger ist, und das geklaute Gut jetzt verkauft und so tut als ob es seins wäre. Wenn die Sache geklaut wurde... ja was passiert denn da? Also der Erwerber hat ja dann nunmal die (unbewusst)geklaute Sache gekauft. Geht das Eigentum ohne weiteres an den Eigentümer, dem die Sache geklaut wurde zurück? Aber was is dann mit dem Geld, welches der Erwerber dem Dieb für die Sache gezahlt hat?

Ich hoffe einer von euch kann mir helfen !! :D

* Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten

(1) Durch eine nach § 929 erfolgte Veräußerung wird der Erwerber auch dann Eigentümer, wenn die Sache nicht dem Veräußerer gehört, es sei denn, dass er zu der Zeit, zu der er nach diesen Vorschriften das Eigentum erwerben würde, nicht in gutem Glauben ist. In dem Falle des § 929 Satz 2 gilt dies jedoch nur dann, wenn der Erwerber den Besitz von dem Veräußerer erlangt hatte.

(2) Der Erwerber ist nicht in gutem Glauben, wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt ist, dass die Sache nicht dem Veräußerer gehört *

§ 935 Kein gutgläubiger Erwerb von abhanden gekommenen Sachen (1) Der Erwerb des Eigentums auf Grund der §§ 932 bis 934 tritt nicht ein, wenn die Sache dem Eigentümer gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen war. Das Gleiche gilt, falls der Eigentümer nur mittelbarer Besitzer war, dann, wenn die Sache dem Besitzer abhanden gekommen war. (2) Diese Vorschriften finden keine Anwendung auf Geld oder Inhaberpapiere sowie auf Sachen, die im Wege öffentlicher Versteigerung oder in einer Versteigerung nach § 979 Absatz 1a veräußert werden.

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