Ist Autismus/Asperger eine Modediagnose?

8 Antworten

Das Asperger-Syndrom (AS) ist eine Variante des Autismus und wird zu den Störungen der neurologischen Entwicklung gerechnet. Es grenzt sich von anderen Autismusformen vor allem dadurch ab, dass im Regelfall weder eine Intelligenzminderung noch eine Entwicklungsverzögerung der Sprache vorliegt.[1]

Merkmale sind Besonderheiten und Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie Unterschiede bei der Wahrnehmung und Reizverarbeitung (dazu gehören insbesondere sensorische Über- und Unterempfindlichkeiten und Schwierigkeiten bei der Reizfilterung) sowie häufig außergewöhnliche Interessen und Begabungen.[2][3][4]

Beeinträchtigt ist vor allem die Fähigkeit, nichtsprachliche Signale (GestikMimikBlickkontakt) bei anderen Personen zu erkennen, diese auszuwerten (zu mentalisieren) oder selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Personen mit Asperger-Autismus kann dadurch merkwürdig und ungeschickt erscheinen. Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt leicht als wunderlich wahrgenommen. Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen.[5]

Das Asperger-Syndrom ist nicht nur mit Beeinträchtigungen, sondern auch mit Stärken verbunden (etwa in den Bereichen der objektiven, nicht emotionalen Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit oder der Gedächtnisleistung). Ob es als Krankheit oder als eine Normvariante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte, wird von Wissenschaftlern und Ärzten sowie von Asperger-Autisten und ihren Angehörigen uneinheitlich beantwortet. Grundbedingung für die Diagnose eines Asperger-Syndroms ist jedoch, dass es zu Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen kommt (siehe Kriterium C im DSM). Medizinisch besitzt es somit Krankheitswert und wird daher momentan als psychische Störungeingestuft. Uneinig ist sich die Forschergemeinschaft auch darüber, ob man im Asperger-Syndrom ein qualitativ eigenständiges Störungsbild oder eine abgeschwächte Variante des frühkindlichen Autismus sehen sollte.[6]

Im DSM-5 und der ICD-11 (endgültige Neufassung der ICD von Mai 2019) wurde die Klassifikation von Autismus deutlich geändert. Man gab die traditionellen Subtypen (z. B. frühkindlichen Autismus, atypischen Autismus oder das Asperger-Syndrom) ganz auf und fasst nun alle Erscheinungsformen in einem allgemeinen Spektrum autistischer Erkrankungen (Autismus-Spektrum-Störungen, ASS) zusammen. Grund hierfür war die zunehmende Erkenntnis in der Wissenschaft, dass eine klare Abgrenzung von Subtypen (noch) nicht möglich ist – und man stattdessen von einem fließenden Übergang zwischen milden und stärkeren Autismusformen ausgehen sollte.[7][8]

https://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom

Dass Asperger heute häufige diagnostiziert wird, liegt nicht daran, dass heute mehr Personen davon betroffen wären, sondern daran, dass die Leute "abweichendem Verhalten, Fühlen und Denken" gegenüber aufmerksamer sind und entsprechend eine Diagnose haben wollen.

Das trifft auch auf andere psychische Störungen zu (wobei ich persönlich Autismus nicht zu den psychischen, sondern zu den neurologischen Störungen zählen würde und man sie demnach nicht unter F, sondern unter G im ICD-10 einordnen müsste).

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – hab Psychologie studiert

Ich finde diese Bezeichnung "Modediagnose" als etwas sehr abwertendes, v.a. Menschen gegenüber die oft jahrzehnte lange Ärztemarathone und Leidenswege hinter sich haben. AS ist nichts was man sich über Nacht aus Langeweile zulegt, nichts womit sich Fachärzte mit Schwerpunkt die Zeit vertreiben, nichts was man vorspielen kann.

AS ist erst seit 2015 wieder in den Fokus der Erwachsenenpsychiatrie gerückt. Vorher war es so, wer nicht als Kind diagnostiziert wurde hatte es einfach nicht. Der wurde mit unzähligen anderen Diagnosen belegt. Viele sind daher spätdiagnostiziert die das Pech hatten in den 70igern, 80igern aufzuwachsen, insbesondere Frauen bei denen sich AS sowieso anders zeigt. Das ist zu einfach, alles als Modediagnose zu belegen was man nicht verstehen. Damit muss man nicht um die Ecke denken, sich mit tatsächlichen Fällen beschäftigen, mit den Auswirkungen, mit den Leidensgeschichten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Modediagnose leider auch deswegen weil sich viele damit schmücken ohne die Diagnose tatsächlich zu haben.

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@AppleTea10

Ein Problem wurde es als die Thematik in die Medien kam. Vor einigen Jahren tippten sich hier schon viele die Finger wund weil gefühlt jeder 2. Jugendliche glaubte Borderline zu haben. Das wurde dann auch als Modediagnose dargestellt. Es ist aber ein großer Unterschied was man vermutet, glaubt, meint und was tatsächlich auf einem Befundbericht steht.

Man muss sich nur in den Aspergerforen umsehen. Selbst dort gibt es mehr Verdachtsautisten als tatsächlich Diagnostizierte.

Es ist nicht jeder dafür ausgelegt eine solche Diagnose zu stellen, weder Onlinetests (die nur bedingt einen Anhaltspunkt geben können), noch Lehrer, Erzieher, nicht jeder Psychiater oder Psychotherapeut. Ich möchte nicht wissen wie viele von den tatsächlichen Diagnosen (die ganz sicher nicht so viele sind wie angenommen) noch revidiert werden würden täten diese Personen in eine Autismusambulanz gehen wo genauer hingesehen wird, ADOS Testungen gemacht werden, Elterngespräche geführt werden, neuropsychiatrische Gutachten erstellt werden bei Fachärzten die sich im Schwerpunkt mit Entwicklungsstörungen beschäftigen und genau wissen worauf sie achten müssen.

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Früher galten nur die extremfälle als autist. Diejenigen, die offensichtlich anders sind und zumeist kein eigenständiges leben führen können sondern lebenslang ein Heim mit Betreuung brauchen.

Mittlerweile weiß man, nicht jeder Autist ist unbedingt sofort unfähig, einen Einkauf zu machen. Es werden mehr Autisten auch als solche erkannt. Dazu wird honoriert, dass autismus bei Frauen oft anders aussieht als bei Männern.

(Achtung: Meine Meinung!) Ja ist es. Filme wie "Rain Man" (in welchem es eigentlich gar nicht um einen Autisten geht, sondern um einen Savant, aber das nur am Rande) haben Autismus quasi salonfähig gemacht.

Früher war es etwas Schlimmes für die Eltern, ein autistisches Kind zu haben, heute können sie sich damit besonders fühlen, Mitleid ernten und haben für jede Eigenheit ihres Kindes eine perfekte Ausrede ("mein Kind hat die Sandburg nicht kaputt gemacht, weil es ungezogen ist, sondern weil es autistisch ist").

Und auch die Betroffenen selbst machen sich diese Vorteile später zunutze, finden es - gerade im Jugendalter - teilweise einfach "cool" autistisch zu sein, weil sie das von der Masse abhebt, ihnen Aufmerksamkeit beschert, und überspitzen wegen ihres Wunsches nach einer Autismusdiagnose ihre Symptome - bewusst oder unbewusst - so weit, bis es eben "passt".

Das trifft natürlich bei weitem nicht auf alle zu! Es gibt viele Autisten, die sehr unter ihrer Symptomatik leiden oder die sich wünschen würden, neurotypischer zu sein. Für diese gilt das Gesagte selbstverständlich nicht. Jeder zieht sich den Schuh an, der ihm passt.

Zudem muss man fairerweise sagen, dass die Diagnostik in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel ausgereifter und die Hemmschwelle, zu einem Psychiater zu gehen und eine entsprechende Diagnostik durchführen zu lassen deutlich gesunken ist, wodurch der Anschein entsteht, Autisten würden momentan wie Pilze aus dem Boden schießen.

Doch trotz dieser Faktoren bin ich davon überzeugt, dass ein nicht unbedeutender Anteil der diagnostizierten Autisten "Modeautisten" sind.

Ich habe die Diagnose selbst vor Jahren erhalten, befinde mich momentan jedoch in einer Phase, die mich daran Zweifeln lässt, ob der Hund nicht doch irgendwo anders begraben liegt.

Ob man eine entsprechende Diagnose erhält oder nicht, kommt halt auch immer sehr auf den behandelnden Arzt an. Manche nennen alles autistisch, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und manche gehen mit den Diagnosen so sparsam um, dass selbst "richtige" Autisten nicht als solche diagnostiziert werden.

Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur bei Autismus zu beobachten, sondern auch bei einer Vielzahl anderer psychischer Erkrankungen, insbesondere Depressionen, Borderline, bipolare Störungen ect.

Die Gründe fallen denke ich überall ähnlich aus, aber das würde hier jetzt zu weit führen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – diagnostizierter (Asperger-)Autist

Denkst du also, dass psychische Störungen im Allgemeinen oft "Pseudo-Diagnosen" sind ?

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@Brauchenel

Nein. Ich denke, dass die Diagnostizierten teilweise Pseudo-Betroffene sind. Sowohl Autismus als auch psychische Erkrankungen wie Depressionen sind keine Hirngespinste. Die Einbildung findet in den Köpfen mancher Menschen statt, auch in denen mancher Ärzte.

Aber das es diese Störungen gibt und das viele Menschen tatsächlich unter ihnen leiden, halte ich für unbestritten.

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Asperger Syndrom hat eine klare Definition und ich bezweifle, dass man so was jemandem leicht andichten kann. Die Leute zeigen die Auffälligkeiten seit derer Kindheit. Das ist nicht etwas, was plötzlich erscheint.

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