Hatte das Wort "Türke" einmal eine andere Bedeutung?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Im 18. und 19. Jahrhundert, also nach dem Sieg über die Türken bei Wien, war "türkisch" hierzulande gleichbedeutend mit "fremdartig, morgenländisch", aber keineswegs abwertend, sondern mit der Assoziation von "bunt, exotisch". Daher auch der "Türkische Marsch" von Mozart, der mit der Türkei absolut nichts zu tun hat.

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Vielen Dank an alle Beteiligten; einige gute Antworten, und auch diejenigen, die hier gegenseitige Beleidugungen angeführt haben, haben sich daran beteiligt, die Frage nach der Wortbedeutung abzurunden. Wenn's ginge, würde ich den Stern zwischen dieser Antwort hier und denen von LeonBelmont und osmond aufteilen.

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Hi, Türke ist eine Bezeichnung eines Angehörigen der Türkei, des osmanischen Reiches, der Turkvölker. Türken sind den Europäern seit den Kreuzzügen, so etwa ab 1100 bekannt. Dann nach dem Fall von Konstantinopel 1453. Wien 1529. Der Türke wurde als ernste Gefahr für das Christentum und politisch für das Reich gefürchtet. Wegen seines Islams, gleichzeitig als Nichtchrist etwas verachtet, andrerseits wegen seiner Glaubensfreiheit im osmanischen Reich als beispielhaft gesehen. Türke war auch ein Schimpfwort (Fluch) für einen Zerstörer: Kruzitürk - Schwerenot. Es wurde lange noch wegen Errettung aus Türkennot die Glocke geläutet. Wenn etwas getürkt ist, ist es gefälscht: das kommt vom schachspielenden Türkenautomaten - Schachtürken um 1769 (in dem ein schachspielender Zwerg saß). Gruß Osmond

http://www.youtube.com/watch?v=ivOdhpDQHLY

Türken sind eine Untergruppe der Turkvölker. Ursprünglich in Mittelasien beheimatete Nomaden. Nach dem 11. Jahrhundert unter anderem Nach Anatolien eingewandert.

Der erste Staat mit "Türk" im Namen war das Reich der Kök-Türk oder Gök-Türk (= Himmelstürke) im 6. Jahrhundert und danach; belegt u. a. durch eine Runenschrift. - Der Himmel war bei den alten Turkvölkern der höchste Gott (Kök Tengri), und blau die heilige Farbe.

Die Gründer des Osmanischen Reichs waren ein Stamm der Oghusen, ebenfalls ein Turkvolk. Osman hieß der Stammesführer, der den Staat im Jahr 1299 gegründet hat. Das heißt, eine Ethnie "Osmanen" hat nie existiert.

Der Osmanen-Staat entwickelte sich nach und nach zu einem Vielvölkerstaat. Die herrschende Kaste distanzierte sich mehr und mehr vom Fußvolk, den Türken. Persische und byzantinische Traditionen bestimmten zunehmend die Staatsführung; das Arabische wurde im Rechtswesen (Scharia) und neben dem Persischen in der Literatur wichtig. Auf diese Weise entstand "Osmanisch", eine Mischsprache aus Türkisch, Persisch und Arabisch. Das Volk hat aber nicht "osmanisch" gesprochen, sondern, je nach Volkszugehörigkeit, Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Griechisch, Albanisch, usw. usf.

Damit die herrschende Elite ("Osmanen") sich von ihrem Ursprung unterscheiden konnte, wurden die Türken als dumme Bauern angesehen. Im Vielvölkerstaat "Osmanisches Reich" war Türkentum eher störend (zumal diese an vielen Bauernaufständen beteiligt waren).

Die Aufwertung der türkischen Identität kam erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und gipfelte in der Gründung der "Republik Türkei" im Anschluss an den Niedergang des osmanischen Reichs.

Soweit zur Bedeutung des Worts "Türke" - mehr oder weniger objektiv.

Etwas anders verhält sich, wie benachbarte Völker die Türken wahrnehmen und bezeichnen. In der Expansionsphase des Osmanischen Reichs zogen leichte türkische Reiterverbände durch Süd- und Osteuropa bis nach Kärnten und in die Ukraine. Sie waren Renner und Brenner - wofür sollte die dortige Bevölkerung die Türken halten außer für Teufel und Mordbuben? Von diesem Bild war natürlich auch Luther nicht frei. Denn die Visitenkarte, die die Türken an den Grenzregionen abgaben, war weder Kunst noch Wissenschaft, sondern Raub und Mord. (Übrigens auch auf See).

Viele Völker im Osmanischen Reich hingegen wussten, dass die Herrschaften Türken waren, auch wenn diese ihre Volkszugehörigkeit verleugnen wollten. In der Kleidung des Osmanen erkennt z. B. der Grieche den Türken.

Häufig wird ein Nachbarvolk mit dem Namen belegt, den die Gruppe trägt, zu der die engsten Kontakte bestehen. So sind die Deutschen in der Französischen Sprache "Alemannen", für Thailänder sind alle Ausländer "farang", für die Araber war Anatolien "Römerland", in Südamerika werden alle Araber "Türken" genannt usw. -- Was hinter den Grenzen sich tummelt, muss man eben nicht so genau kennen.

Redewendungen wie "Schachtürke" "Einen Türken bauen" usw. gehen auf Anekdoten oder Legenden zurück, die irgendwie mit einem Türken zu tun haben (sollen), und sind für die Wortbedeutung an sich ohne Belang.

Ist das Wort ,,Türke" eine Beleidigung?

Ich komme mir immer so vor, als wenn ich Menschen beleidige, wenn ich fragen möchte ob sie aus der Türkei stammen. Oder wenn ich einem was erzählen möchte, und den Namen erwähne, fragen die meistens: Ist die Deutsche? Und ich dann sage: Ne die ist Türkin / Ne der ist Türke, klingt es für mich immer als Beleidigung, wie seht ihr das? Oder, auch ihr Leute aus der Türkei? Ist das für euch anstößig?

LG , freue mich auf eure Antworten !

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