Haltet ihr den Struwwelpeter für pädagogisch bedenklich?

Das Ergebnis basiert auf 38 Abstimmungen

Struwwelpeter ist okay 71%
Struwwelpeter ist grausam 24%
Struwwelpeter und Gebrüder Grimm sind gleich schlimm 5%
Hast du Max und Moritz vergessen 0%
Keine Meinung/Mir doch egal, habe keine Kinder 0%
Kenne ich alles nicht 0%

31 Antworten

Struwwelpeter ist okay

Ich finde den Struwwelpeter auch OK - Kinder sehen schon, dass das heute nicht mehr wortwörtlich zu nehmen ist - sehen aber auch, wenn man sie darauf hinweist, dass da reale Gefahren in Verse und Bilder gekleidet sind.

Z.T schon erstaunlich, wie "aktuell" manche Dinge sind: Zappelphilip = ADHS (Danke M.P.) - Suppenkasper = Bullemie - Der böse Friederich = jugendlicher schwererziehbarer Mensch - Geschichte von dem schwarzen Buben = Ausländerhass

Hab ihr schon mal drüber nachgedacht, dass der Struwwelpeter vielleicht gar nicht für Kinder geschrieben wurde?

Heinrich Hoffmann war Arzt (Allgemeinmedizin, Nervenarzt, später Leiter der Städtischen Nervenheilanstalt). Das Buch wurde anfangs unter einem Pseudonym veröffentlicht. Es gibt zwar die "tolle" Entstehungsgeschichte (nachzulesen bei Wikipedia), aber da gab es auch schon früh einige Ungereimtheiten (das "Urmanuskript" sieht nicht aus wie ein Heft u.ä.). In dem Buch steckt eine Menge Gesellschaftskritik (Stichworte: aufstrebendes Bildungsbürgertum, autoritärer Staat) und mit der Meinungsfreiheit war es 1845 noch nicht weit her! Ich würde euch jetzt gerne ein Buch als Quelle dazu nennen, aber unter diesem Blickwinkel wurde der Struwwelpeter bisher kaum erforscht.

Interessanter Hinweis! DH von mir!

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Struwwelpeter ist grausam

Die Geschichten des Herrn Hoffmann, die ja von ihm erdacht wurden und nicht - wie Grimms Märchen - Volksmärchen sind, sollten zur konformistischen repressiven Erziehung dienen. Ich fand als Kind die Moral der Geschichten entsetzlich doof, den Struwwelpeter als Figur allerdings ziemlich "cool". Ich hätte gerne auch so lange Fingernägel gehabt, aber ich habe sie mir abgekaut...

Allerdings glaube ich nicht, dass Kinder davon wirklich Schaden nehmen. Ich habe ja die Absicht hinter den Geschichten damals schon durchschaut. Allerdings stand mir immer viel Lesestoff ganz unterschiedlicher Art zur Verfügung, das schärft natürlich das Urteilsvermögen.

Struwwelpeter ist grausam

DAS IST SCHLIMM!! KINDER WAECHST MAN MIT LIEBE, DOCH NICHT MIT DROHUNGEN!! ICH UND MEINE SCHWESTERN KONNTEN WEGEN DIESEM BUCH NIE SCHLAFEN, HATTEN IMMER ALBTREUME DOCH UNSEREN ELTERN SAGTEN WIR NICHTS, WAS VERSTEHEN DIE SCHON.. JETZT BIN ICH ZUM GLUECK ERWACHSEN UND DANK DEN FEHLERN MEINER ELTERN EINE GUTE MUTTER.

Kinder haben oft eine ganz eigene Vorstellung davon, was gut und richtig ist.

Sie brauchen die extreme Schwarz-Weiß-Malerei und die Gewissheit, dass das Gute siegt / der aufopferungsvolle Held seinen Lohn erhält / das Böse "angemessen" bestraft wird.

Du liest die Geschichten und Märchen sicherlich nicht ohne erklärende Hinweise einfach nur vor.

Vor den Geschichten der Brüder Grimm stand für mich die Geschichte der Brüder Grimm -- erläutere Deinen Kindern altersgerecht, wie es zu dieser Märchensammlung kam und dass sich die Menschen früher gern in die Vorstellung ergossen, alles könnte besser sein, wenn es Wunder gäbe. Auch Standesunterschiede und Lebenssituationen haben die oft "grausamen" Enden der Geschichte geprägt -- eine Art Rache, die einfache Leute nicht wirklich ausüben konnten.

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