Glücklich durch "sinnlose" Beschäftigungen - warum?

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Scheinbar sinnlose Tätigkeiten wie diese erhöhen das Gefühl des Erlebens der Werke anderer, man vernetzt sich (auch ohne Internet) mit seiner Umwelt und gibt der Fantasie Freiraum, wir erhalten einen Ausgleich gegenüber der Pflichterfüllung, werden entspannter und arbeiten dadurch auch besser. Es macht glücklich, gerade weil es sich dem erdrückenden Zwang im Zusammenhang von Tätigkeit und Nutzen entzieht und man die Möglichkeit erhält, über den Tellerrand seiner standartisierten Präferenzen hinauszublicken und Innovationen zuzulassen. Dass dies bei manchen eine ungenutzte Möglichkeit ist, steht auf einem anderen Blatt...

"wir erhalten einen Ausgleich gegenüber der Pflichterfüllung"

Warum sehen viele Leute ihren Job als etwas, was sie machen müssen?

Dass man öfters Geld braucht und dann nur einen shitty Job bekommt ist mir klar, doch warum versuche ich dann nicht mich da raus zu holen und mir etwas zu suchen, was mir Spaß macht?

Klar hat man dann nicht immer die Energie seine Projetmanagementskills zu verbessern, oder eine Sprache zu lernen, doch gibt es zu den Tätigkeiten oben, meist eine sinnvollere Version, auf die man ausweichen könnte (siehe meine Antwort auf @engelsco's Antwort), um dann nebenbei auch etwas zu lernen oder anderen zu helfen.

Woran liegt es also, dass die meisten nicht darauf ausweichen? An ihrer Willenskraft? Oder ihrem falschen Verständnis der Situation in dieser Welt?

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@thunaprotecter

Nicht jeder hat in der Arbeitswelt die Wahl. Manchmal spielt nur eine einzige Frage bei der Arbeitsplatzwahl, eine Rolle. "Kann ich damit meine Familie ernähren"?

Natürlich ist es schön, wenn man Spaß bei der Arbeit hat, sich selbst verwirklichen kann, und die Arbeit auch noch Sinn macht. Aber wenn du eine Familie hast, und Kinder ernähren musst, muss man Prioritäten setzen!

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@zippo1970

Pflichterfüllung muss sich auch nicht auf den Job allein beschränken. Fast jeder hat irgendwie geartete Pflichten gegenüber anderen und die wenigsten sind rund um die Uhr mit allem zufrieden, was sie tun. Man kann es zwar positiv sehen im Sinne von "Ich hab mir das ja nur auferlegt, weil das, was ich dafür bekomme, es mir wert ist.", dennoch kann es belastend sein und Ausgleich erfordern. Wenn du auf einen Berg kletterst, kann das Spaß machen und du kannst dich oben über den Ausblick freuen, aber du musst auch ab und zu eine Pause einlegen, weil du es sonst schlichtweg nicht durchhältst.

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@Serela

Der Unterschied bei dem Berg ist aber, dass dies als freiwillige "Pflicht" angesehen wird und du es nicht machen "musst". Beim Job sehen das die meisten anders. Da "müssen" sie es machen und sind dadurch gestresst - was wieder Ausgleich fordert.

Es geht um dieses Gefühl des Müssens. Wer sagt denn, dass man in dem Job bleiben muss? Und wenn man das Geld braucht, um seine Liebsten zu ernähren, wäre es möglich die oftmals "sinnlos" vergeudete Zeit für die Jobsuche oder eigene Weiterentwicklung zu verwenden.

Oder sehe ich da was falsch?

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@thunaprotecter

Nein, das ist im Grunde richtig, aber: Wenn man sich erstmal einen Job erkämpft hat und versucht, dabei über die Runden zu kommen, auch wenn es keinen Spaß macht, hat man schlichtweg nicht den Nerv, noch einen Schritt zurückzutreten und seine Situation zu überblicken, neu zu bewerten und eine Verbesserung anzustreben. Wenn du am Ertrinken bist, trittst du erstmal Wasser und überlegst dir erst, wenn du eine Planke gefunden hast, in welche Richtung du paddeln sollst. Ich rede hier von der nervlichen Belastung, nicht von der zeitlichen, denn da hast du Recht: viele Menschen haben einen Beruf, der ihnen nicht passt, und verschwenden ihre Freizeit dann auf das, was du eben sinnlos nennst. Aber es ist ein großer gedanklicher Schritt zu erkennen, dass man auch die Ursachen und nicht nur die Folgen bekämpfen kann, und viele haben das nie beigebracht bekommen. Und wenn sie damit beschäftigt sind, ihre Pflichten zu erfüllen und sich davon zu erholen, haben sie auch nicht mehr die zusätzlich nötige Kapazität, das zu erkennen. (Dieses Erholen ist aber zumindest teilweise notwendig, da nur "Job" und "Arbeit, um einen besseren Job zu finden" genauso zur Überlastung führen können.)

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@Serela

Das heißt, um dein Beispiel aufzugreifen, die meisten treten also blindlings im Wasser, bis sie kurz herausgefischt werden und ihren Job erledigen dürfen (ja, dürfen! denn wer hat den schon eine Wahl über seinen Arbeitgeber in der heutigen Gesellschaft), nur um dann wieder ins weite Gewässer der Gesellschaft entlassen zu werden, wo sie sich krampfhaft an alles klammern was ihnen die Gesellschaft (naja, irgendwie sind das ja wieder Arbeitgeber?!) vorgehalten wird.

Sehe hier nur ich einen Teufelskreis oder ist das eh allen klar?!

Durch die Einstellung, dass man sich glücklich schätzen muss mit dem was man hat, gewinnen die Arbeitgeber (Staat, Unternehmensführer, Medieninhaber - kurz die gesellschaftliche Elite) die Oberhand über uns treibenden Haufen. Und damit wir nicht aufmucken, halten sie den Großteil von uns mit Unterhaltung auf Distanz.

Es gibt also vier Möglichkeiten: zur Elite aufsteigen, mitschwimmen, aussteigen oder zugrundegehen.

Die meisten haben wohl gar keine Wahl... die schimmen einfach. Tja, und der Rest... Was mein ihr? Ich tendiere zwischen Elite und aussteigen =D

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@thunaprotecter

Auch wenn meine Metapher ein bisschen anders gemeint war, ist der Teufelskreis definitiv vorhanden. Sich gegen "die Elite" auflehnen zu wollen, führt mir aber zu sehr in Richtung Verschwörungstheorie. Diese Sichtweise ist mir zu einfach (ich werde auch nicht gern in ein indifferentes "wir" eingezogen), denn sie fördert die Anarchie als Gegenpol zur angeblich ach so bösen Staatsmacht, ohne zu beachten, dass es nicht darum geht, dass man Recht behält, sondern dass das Beste für alle erreicht wird. Außerdem kann man, um bei der Metapher zu bleiben, nicht einfach aussteigen, wenn man gerade am Ertrinken ist. Man kann sich dafür entscheiden, auf das Rettungsboot "Rücksichtsloses Verhalten" zu klettern (sofern es einem angeboten wird), man kann einfach aufgeben, man kann auch weiter Wasser treten, ohne sich umzusehen. Das "Aussteigen" gestaltet sich aber dadurch, dass man nach einer Alternative Ausschau hält, während man Wasser tritt, um vielleicht irgendwann aus dem Wasser rauszukommen, einfach so geht das aber nicht, man muss zuerst die Insel sehen und es dann schaffen, bis zu ihr hinzuschwimmen und sich an Land zu ziehen. Das ist das Schwierige daran, nicht die bloße Entscheidung.

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@Serela

sorry deine Metapher missbraucht zu haben ;) eigenet sich aber ganz gut für unsere Diskussion! Das mit der Elite war natürlich eine Vereinfachung... Ich mein damit, dass diese blindlings Treibenden halt leicht von jemandem mit "rücksichtslosem" Verhalten zu missbrauchen sind, da sie eben nicht nach links und rechts blicken, und auch nicht von Grund her skeptisch sind oder sich halt entschließen, dass es eh keinen Sinn macht sich dagegen aufzulehnen (dies sind halt dann die, die über alles schimpfen und nichts tun).

Für dich heißt also zur (vereinfacht gesagten) Elite aufzusteigen, bedeutet rücksichtslos zu werden. Als Alternative (wenn man skeptisch ist, und sich entschließt etwas dagegen zu unternehmen) kann man ertrinken, oder darauf hoffen, dass einen die Strömung oder eben das eigene verzweifelte Plantschen in die richtige Richtung bringt und man dann, wenn man sich wirklich geschickt anstellt, vielleicht die Insel erreicht, um es sich auf ihr "gemütlich" zu machen.

Also ich weiß nicht, welche Variante ich da bevorzuge... Keine?

Grundsätzlich bin ich ja für Sonne, Strand, wenig stress - also die Insel! Doch wenn ich mir denke, wie unwahrscheinlich es ist sie zu erreichen - da bin ich doch alleine drauf, sollte ich es tatsächlich schaffen?! Und bekanntlich ist wirkliches Glück nur geteiltes Glück. Kann ich also nicht glücklich sein?! Ich bin es nämlich auch nicht wenn ich mich entscheide rücksichtslos zu werden, oder mich freiwillig dem Ozean hingeben.

Wo ist die Lösung?!

(Haha, wenn sie wer hat, schnell patentieren lassen bevor sie gepostet wird - aber unbedingt posten!! :P)

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@thunaprotecter

Du bist nicht zwangsläufig alleine, es ist ja nicht gesagt, dass jeder seine eigene Insel finden muss, es können auch mehrere dieselbe Insel finden und dort zusammen glücklich werden. Man kann sich auch im Wasser aneinander festhalten und gemeinsam schwimmen, das macht es leichter, und die Wahrscheinlichkeit steigt, die Insel zu erreichen. Auf dem Rettungsboot dagegen ist nur wenig Platz, je mehr da drauf wollen, desto eher wird man wieder runtergeschubst und ist dann vielleicht zu verzweifelt, um nochmal zu schwimmen. Ist die Insel die Lösung? Es kann immer schief gehen, man verliert die Orientierung oder die Kraft, wird vom Rettungsboot überfahren oder von Haien gefressen, aber dass es schiefgehen kann, heißt nicht, dass es das muss, und ich finde, der Versuch ist es auf jeden Fall wert.

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@Serela

Danke Serela, dass du die lange Diskussion durchhältst ;)

Ich sehe den langen, gefährlichen Weg zur Insel nicht... Ich glaube ja, dass sie direkt vor unserer Nase ist, die meisten aber damit beschäftigt sind, sich über Wasser zu halten, als dass sie Zeit haben auch nur kurz still zu halten und sich umzusehen. Dann würden sie die Insel sehen. Das Problem ist aber nicht sie zu finden, sondern raufzuklettern über ihr scharfes Riff und die steile Felswand. Hat man es erst mal geschafft die Insel zu betreten, ist es dort äußerst ungemütlich: es herrscht Wildnis, mit ist inmitten der rauen See und mit wenig Nahrung versorgt. Die Leute die auf der Insel sind, sind also die Intelligenten (haben zuerst gedacht, und dann gehandelt) und Starken (haben die Hürden, die Insel zu erklimmen, also dem System zu entweichen genommen).

Man möge nun glauben, dass man sich dort wohl fühlt, doch wird es wieder noch intelligentere geben, die das selbe Spiel spielen werden und eine Gesellschaft in der Gesellschaft schaffen werden (Elite der Elite). Das ganze wird so weiter gehen bis der Intelligenteste sie alle im Griff hat. Ist natürlich relativ, aber splittet das ganze ganz gut glaub ich... Hat der Mensch mal angefangen sich zu über die anderen hinwegzuheben, kann er glaube ich nicht mehr aufhören - so lange er in einer Gesellschaft lebt.

Die Lösung wäre also eine einsame Insel. Versuchen allein über die Runden zu kommen. Doch geht das kaum, nur mit äußerster Anstrengung. Und ob man dann glücklich ist? Wenn man sich mit sich selbst beschäftigen muss, da es keine "Unterhaltung" gibt? Wohl auch nicht...

Wo das im Endeffekt wieder hinausläuft ist wohl ein Mittelweg - individuell, je nach Vorlieben und Bedürfnissen. Einen goldenen Weg gibt es nicht. Wer sagt, dass der der alle anderen "unter sich" hat am glücklichsten ist? Ist er wahrscheinlich nicht, da er von nichts mehr träumen kann, alles hat.

Worauf es daher ankommt sind wohl nicht die Träume, die man sich individuell weit steckt, sondern inwieweit man in seiner jetzigen Situation glücklich ist - haha, im Hier und Jetzt, wie so viele gesagt haben =P Gesellschaft ist nur ein Nebenprodukt, was halt da ist. Es ist gut die Grundsysteme zu verstehen die da um einen herum existieren, aber wir Menschen sind zu individuell verschieden, um die Gesellschaft an sich zu verstehen. Ich glaube man muss sich einfach mit dieser Überkomplexität abfinden und versuchen, wie die Meisten geschrieben haben, glücklich zu sein.

Je weiter der Horizont, desto mehr Möglichkeiten hat man, doch im Endeffekt kommt es darauf an, die zu wählen, die einen im Hier und Jetzt glücklich machen, aber auch in Zukunft. --> Meine Ursprüngliche Situation =D

Warum gibt es Menschen, die versuchen zu verstehen, und Menschen die einfach versuchen glücklich zu sein?

Die, die verstehen wollen, haben es schwerer glücklich zu sein, da sie mehr Möglichkeiten haben. Außerdem wird es immer etwas geben, was sie nicht verstehen. Auf der anderen Seite entspricht ihr Horizont genau der Anzahl der Möglichkeiten, die managebar sind... Naja das könnte man jetzt ewig spinnen... vl ein andern mal =D

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@thunaprotecter

Du gehst davon aus, dass jeder die Macht über die Insel für sich haben will, das ist aber gar nicht so. Die Rücksichtslosen sind bereits zum Rettungsboot geschwommen, sie streiten sich darum und haben gar nicht nach der Insel Ausschau gehalten. Wer nach der Insel gesucht hat, ist bereits jemand, der nicht so engstirnig ist, das liegt nicht nur an der Intelligenz, sondern auch an der sonstigen Einstellung. Wenn sie die Insel erklommen haben, tun sie alles, anderen über die Klippen hinweg zu helfen und versuchen nicht, sie wieder zurückzustoßen, weil sie die Insel eben nicht für sich alleine haben, sondern mit allen, die darauf zuschwimmen, teilen wollen. Ein solcher Mensch hat das Bedürfnis, sich über andere zu erheben, bereits überwunden.
Wer glücklich ist, weil er von nichts eine Ahnung hat ("selig sind die geistig Armen"), kann dieses Glück von einem Moment auf den anderen verlieren, denn er besitzt nicht die Kraft, auf die Dinge einzuwirken, die sein Glück bestimmen, sondern ist ihnen ausgeliefert, auch wenn sie sich zum Schlechten wenden. Das muss nicht zwangsläufig passieren, aber wer ein Verständnis der Welt anstrebt, so unvollständig es immer sein muss, kann mit den Dingen, die ihm begegnen, um einiges besser umgehen und sie oftmals zum Besseren wenden.

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@Serela

Danke! Sehr gute Antwort =) Du vertraust halt, dass die Menschen auch anders können, als nach ewiger Macht zu streben. "Lord of the Flies" von William Golding hat schön gezeigt, dass nichtmal unschuldige Kinder ohne dieses Streben auskommen. Irgendwer muss die Gruppe/Gesellschaft leiten. Daher auch die Probleme mit Kommunismus - der Ursprungsgedanke, dass alle gleich sind und jeder gleich viel bekommt, mag ja ganz in Ordnung sein, doch es gibt welche, die die Gesellschaft leiten müssen (so gut ihr Grundgedanke auch ist) und die haben zwangsläufig mehr Macht. Wenn jetzt einer vom Rettungsboot rüberschwimmt (die auf der Insel nehmen ihn natürlich mit offenen Armen entgegen) und an diese Macht gelangt - dann kann diese leicht missbraucht werden. So wie es halt auch wirklich geschehen is in unserer Vergangenheit.

Von dieser heilen Insel zu träumen, auf der alles gut ist und jeder jedem hilft, gibt zwar Hoffnung, wird es auf Grund unserer menschlichen Natur nicht geben - so schade es auch ist!

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@thunaprotecter

Kinder mögen unschuldig sein, weise sind sie nicht, und wer je Mobbing in der Schule erfahren hat, weiß, dass sie auf ihre ganz eigene Art grausam sein können. Eine ganze Gesellschaft von guten Menschen wird in der Tat kaum möglich sein, das macht das Streben danach nicht weniger lohnenswert (oder höchstens geringfügig). Die Insel gibt es bereits, allerdings nur in kleinem Rahmen, nicht als Gesellschaftsform. Gleichberechtigte Partner in einer Ehe, Familie oder Freundschaft wollen sich nicht übereinander erheben, um es wörtlich auszusprechen: Liebe existiert. Sie ist in Gefahr, das ist nicht zu leugnen, und doch schaffen wir es immer wieder, sie trotzdem zu finden und eine eigene Welt des Friedens zu erschaffen. Eine bedrohte Welt, ganz klar, aber auch eine, für die sich einzustehen lohnt (doch ohne für sie zu kämpfen im Sinne einer Unterdrückung anderer, denn das ist es, was sie auch selbst zerstören würde). Dazu fällt mir eine Textzeile aus dem Musical Rebecca ein: "Zwei die sich vertraun, die verzweifeln nicht, wenn sie vor dem Abgrund stehn, weil sie Brücken baun, Brücken baun aus Licht, über die sie weitergehn." Deswegen gebe ich die Hoffnung nicht auf, auch wenn der Weltfrieden utopisch ist.

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@Serela

Echt schön zu lesen und ich kann diesmal beistimmen =) Im kleinen existiert die Liebe und sie ist wohl auch der Weg "des Lichts", der uns also durch die doch oft sehr dunklen Gassen unserer Gesellschaft tragen kann. Je mehr Menschen man dabei aus diesem Dunkel herausholt, desto besser. Es ist danach ihre Entscheidung, ob sie bleiben wollen, oder gehen.

Aber ist es nicht so, dass diese Menschen, die fähig sind dieses Licht (oder Liebe) zu verbreiten, dies auch alleine tun könnten? Ist es nicht ihr Wissen nach diesem Weg, der sie zum strahlen bringt und nicht die Gesellschaft anderer die es auch Wissen? Ist es nicht dieses Wissen, dass Gesellschaft keine Bedeutung hat und dass sie es auch allein schaffen könnten, das sie frei von jeglichen fremdgesteuerten Ängsten macht es ihnen erst wirklich ermöglicht bedingungslos zu Lieben? Ist es so, dass man erst wenn man frei von den Verlustängsten ist, die einem die Gesellschaft einpflanzt, wirklich Lieben kann?

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@thunaprotecter

Nur, weil man etwas tun kann, heißt das nicht, dass man es auch muss. Genauso ist es ein Unterschied, ob man etwas gerne tut oder zwanghaft. Wenn man zum Beispiel Schokolade mag, ist dagegen ja nichts zu sagen, man kann sich daran freuen und es genießen. Wenn man aber süchtig ist, fett wird und daran verzweifelt, ist das was ganz anderes. Genauso ist es mit der Gesellschaft auch: Wer sich aus Angst vor der Einsamkeit dem Gruppenzwang der Nächstbesten unterwirft, wird daraus keine wahre Freude ziehen können, dennoch ist Freunde zu haben nichts Schlechtes, im Gegenteil. Man ist auch nicht automatisch frei von Ängsten, wenn man der Gesellschaft den Rücken kehrt, ebenso wie sie nicht allein dadurch bestehen bleiben, dass man - zumindest partiell - in ihr verweilt. Du hast schon Recht - zum Teil. Aber es ist (leider?) nie so einfach...

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@Serela

Ui, jetzt interessierts mich natürlich, warum ich zum Teil unrecht habe ;) Weil es nicht so einfach ist, die Gesellschaft hinter sich zu lassen und dann frei von allen Ängsten zu sein? Ersten glaube ich ja, dass man die Gesellschaft nicht hinter sich lassen kann (daher halte ich nicht so viel vom Aussteigen und auf den Verzicht der Annehmlichkeiten die sich unsere Zivilisation geschaffen hat), sondern eher lernen sollte angstfrei in ihr zu leben. Genausowenig wie man aber jemals ohne jegliche Angst sein kann (außer man ist Buddha), wird man jemals bedingungslos lieben können. Aber der Weg ist das Ziel und wenn man an seinen Ängsten arbeitet, wird man mehr und mehr fähig bedingungslos zu Lieben...

Das leider bezieht sich auf die Jagd nach Abenteuern? Wäre da nicht immer wieder diese Angst, die es zu überwinden gibt, um noch größeres Glück zu erfahren, wäre das Leben vielleicht lustlos... Kann schon sein, hab mich das auch gefragt... Was ist, wenn man sich so weit entwickelt hat, dass sich weltliche Gefühle quasi auflösen? Ist man dann noch menschlich? Buddha hats angeblich geschafft in dem er immer weiter an seine Grenzen gegangen ist und zuletzt sogar die Angst vor dem Tod überwunden hat... Hm, lohnt es sich danach zu streben, eine Angst nach der anderen zu überwinden? Wird man dadurch glücklicher, oder kann das krankhaft werden, wie bei Extremsportlern auch, die immer nach einem neuen Adrenalinkick suchen? Bin nämlich etwas abenteuerlustig veranlagt, aber weit weg vom extremsportler... eher in die Richtung Extremsocializer, was mich schon manch mal in eine nicht so rosige Lage gebracht hat =D

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@thunaprotecter

Unrecht insofern, als das Verlassen der Gesellschaft nicht automatisch Freiheit von allen Ängsten bedeutet (wie du danach ja auch darlegst, bloß im Beitrag vorher war nicht ersichtlich, dass du es so siehst). Zugleich hast du Recht, wenn du sagst, dass das ohnehin nicht einfach ist (weder das eine noch das andere).

Wenn man überwundene Angst (und nicht allein den Prozess des Überwindens) als Glückssache ansieht - wogegen meiner Meinung nach nichts spricht - lässt sich allein der Logik nach der Zustand nach Überwindung aller Ängste nicht als negativ einstufen. Fehlen kann dir natürlich trotzdem etwas, auch wenn dir dieses Fehlen keine Angst mehr macht. Der Vergleich mit krankhaften Extremsportlern hakt daran, dass diese - da sie es ja krankhaft betreiben - auch Ängste in sich tragen, z.B. die Angst davor, schwächer oder übertrumpft zu werden oder sich ohne ihre Aktionen in der Normalität ihres Alltags zu verlieren, weshalb sie nach immer neuen Herausforderungen suchen. Krankhaft deshalb, weil sie es nicht um der Herausforderung willen tun, sondern weil sie eben diese Ängste haben, ansonsten wäre es ja in Ordnung. Insofern ist die Überwindung einer Angst gleichzeitig möglicherweise mit der Entwicklung einer anderen verbunden. Das macht das Streben nach Überwindung seiner Ängste nicht weniger lohnenswert, denn wenn man sich nicht verrennt und dadurch neue Probleme aufbaut, entwickelt man sich zum Positiven weiter. Ob du dann noch "menschlich" bist, ist eine andere Frage, doch müsstest du für eine zufriedenstellende Antwort erstmal "menschlich" definieren, was nicht so ohne Weiteres möglich ist. Wenn du aber die Schwächen miteinbeziehst, ist "menschlich sein" vielleicht gar nicht mehr so erstrebenswert. Darüber kann man allerdings jahrzehntelang diskutieren, was auch getan wird, und dürfte wohl den Rahmen deiner Frage sprengen. Ich würde sagen, du bist auf dem besten Weg, dich philosophisch zu betätigen, wogegen nun wirklich nichts spricht, aber vielleicht sollte das nicht auf einer Ratgeberplattform stattfinden, sondern in Diskussionszirkeln, an der Uni oder in entsprechenden Foren.

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@Serela

Danke danke danke Serela für deine sehr logischen und bereichernden Antworten! Die Diskussion sprengt schon fast den Rahmen und du hast Recht damit, dass sie nicht hier weitergeführt werden sollte. Vielleicht gräbt sie ja mal wieder wer aus und kann einige Sachen für sich herauspicken... Hab lange gebraucht, um mit meinem Denken so weit zu kommen, vl kann wer hier anknüpfen, um mit seinem Denken weiterzukommen! Für mich ists ein super Ausgangspunkt für mehr =)

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Was dir sinnlos erscheint, kann für andere Menschen durchaus Sinn haben. Menschen sind verschieden. Sie denken, fühlen, und handeln unterschiedlich. Wer hat das Recht darüber zu urteilen.

Ich persönlich, halte es für völlig sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. :-))

Deine Punkte greifen alle nicht. Du hast eine naive Aufstellung gemacht. an einem Punkt denke ich reicht es aus , dies zu erklären:

Dein Punkt:Sie verschwenden ihre Zeit zur Verbesserung ihrer Lebenssituation. Nach... Deiner Aussage ein junger Mensch finanziert sein Studium,weil er leben will und muß jobt er nebenbei für Dich heißt es er verschwendet seine Zeit, weil er seine Lebenssituation verbessern will...demnach heißt das auch....er verschwendet sein Geld, weil er evtl. Dich oder andere unterrichtet................frdl.;-)

sorry himako333! Diesen Punkt den du erwähnst hab ich vl etwas falsch formuliert... Sollte heißen:

Verschwenden ihre Zeit mit der sie ihre Lebenssituation verbessern könnten.

Jetzt klarer?

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Sicherlich macht das alleine nicht glücklich, aber es es ist eine nette Abwechslung und vllt etwas wo man sich ein bisschen entspannen kann.

Ansonsten müsste man natürlich auf die einzelnen Medien genauer eingehen um zu sagen was genau daran fasizinierend ist

Wenn man ständig nur Leistung bringen und alles verbessern möchte macht einen das auch kaum glücklich. Zufriedenheit hat auch was damit zu tun einfach ein stück weit den Moment zu genießen und nicht ständig mit dem Kopf in zukünftigen Ereignissen zu sein.

Wer seine Zeit wirklich nur damit verbringt etwas sinnvolles zu tun und auf ein Ziel hinzuarbeiten, der werfe den ersten Stein...

Mal ehrlich, vieles von dem was du oben angeführt hast ist so sinnlos nicht. Ob ich mir nun Hollywoodfilme oder Independent-Filme anschaue mag zwar nen Unterschied machen (ob nun auf intellektueller Ebene oder der eingebildeten Bildung wegen) aber das ändert nichts daran, dass ich mir einfach nur nen Film anschaue. Allerdings stimmt es nicht, dass man nichts lernen kann wenn man sich nen Film anschaut oder Nachrichten ansieht oder sogar nur shoppen geht oder sich Talkshows anschaut (da kann man z.B. seine Sozialkompetenz schulen). Der Mensch braucht auch erstmal Interessen um überhaupt ein Mensch zu sein. Und die Ausübung dieser Interessen darf auch mit kurzweiligem Vergnügen verbunden sein, denn ohne kurzweiliges Vergnügen hätte man im Leben doch auch keine Anknüpfungspunkte für langfristige Ziele. Man muss also erstmal wissen was die eigenen Ziele sind um darauf hin zu arbeiten und dazu muss man manchmal eben auch sein langweiliges Leben vor sich hin leben.

Hinzu kommt: Ständig allen helfen zu wollen ist einfach ilusorisch. Das erinnert mich an meine ehemaligen amerikanischen Mitvolunteers in Indien: Die kamen um die Welt zu retten -.- da stand ich nur daneben und dacht' mir so: jaja, kriegt euch mal wieder ein... Wer zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, überschätzt meiner Meinung nach auch seinen Beitrag zum Allgemeinwohl und übersieht dabei das Wesentliche. Es ist ziemlich blasphemisch nach einem Jahr "aufopferungsvoller Arbeit" in einem "Dritt-Welt-Land" wieder zu Routine überzugehen, aber sich aufgrund des "geleisteten" für heilig zu halten. Helfen ist etwas dessen Qualität nicht in der Menge oder Anzahl oder der Honorierung besteht. Dasselbe gilt übrigens auch für Träume. Träume sollten flexibel sein, sie sollten etwas sein auf deren Erfüllung man sich freuen kann, aber die einen nicht zerstören, nur weil sie nicht erfüllbar sind. Diese Fixierung auf Selbsterfüllung finde ich etwas gefährlich, man macht sich damit auf der einen Seite zum Abhängigen seiner Träume und zum anderen fixiert man sich evtl. auf eine Zukunft ohne Möglichkeit zur Realisierung.

Der eigentliche Punkt ist ja eigentlich nicht, was ich mir ansehe (wie du so schön sagst: es ist und bleibt nur ein Film), sondern was ich dann damit mache.

Kommt es nicht darauf an, was ich mir von diesen Tätigkeiten für mich selbst herausnehme? Pauschal zu sagen, dass man durch Fernsehen nichts lernt, oder Shoppen nur sinnloses Geldausgeben ist, ist eine nicht zutreffende Verallgemeinerung (wie du auch schön sagst =).

Doch trotzdem stört mich noch etwas daran... Woran liegt es, dass die meisten ein langweiliges Leben haben? Du kannst mir nicht erzählen, dass man durch das Herschieben eines "langweiligen Lebens" seine Ziele finden wird... Doch ist es nicht schon ein Ziel, kein langweiliges Leben zu haben? Warum verfolge ich es dann nicht und suche mir eine Beschäftigung? Und genau das ist das Thema... Ich verstehe nicht, warum sich viele dann einfach gehen lassen.

Warum sind ihre Ziele zu unerfüllbaren Träumen verkommen?

Nie zuvor gab es so viel Freiheit, um sein Leben zu gestalten wie heute - zumindest bei uns in Europa. Ist das Ziel nicht unbedingt Topmodel (außer man hat die Veranlagungen dazu...), oder Präsident von Amerika zu werden, ist es, glaube ich, nicht zu hochgesteckt.

Gibts Antworten auf diese zwei Fragen? =D

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@thunaprotecter

Du gehst das ganze sehr intellektuell an. Ich schätze mal, du bist noch sehr jung, und hast noch nicht sehr viel Lebenserfahrung. Aber du scheinst sehr idealistisch zu sein, was ich durchaus positiv finde.

Aber ich spreche jetzt mal für den deutschen Arbeiter. Dem deutschen Arbeiter ist dein "intellektuelles Geschwafel" egal. Er macht einen harten Job, und kommt abends müde nach Hause. Dann spielt er noch ein bisschen mit den Kindern, und um 20 Uhr, setzt er sich auf die Couch, macht den Fernseher an, eine Flasche Bier auf, und nimmt seine Frau in den Arm. Das ist für ihn Glück.

Niemand hat das Recht, dass zu kritisieren. Auch wenn der ein oder andere, sich vielleicht mehr von seinem Leben erhofft hat, sind die meisten doch zufrieden damit.

Denn mit etwas Lebenserfahrung stellt man fest, dass das gar nicht so wenig ist. Eine Familie, ein Heim, ein Job der das alles bezahlt. Das ist mehr, als viele andere Menschen haben. Und auch wenn es manchmal langweilig erscheint, es ist doch auch sehr schön, und gibt Halt und Sicherheit.

Meine Mutter würde sagen: "Lieber ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach"! :-)

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@zippo1970

Danke für deine Antworten zippo1970! Zwei Jahrzehnte dürften uns schon trennen glaub ich ;) Eines meiner Ziele ists den Idealismus zu behalten. Immerhin haben es andere geschafft... Warum also aufgeben meine eigenen Ziele zu verfolgen?

Wie ich das ganze sehe (aus meiner noch eher unerfahrenen Sichtweise): Mit fortschreitendem Alter wird die (Gesellschaftliche-)Last immer größer und irgendwann geben die meisten ihr halt nach... und ihre Ziele zerrinnen wie Sand zwischen den Fingern. Ich verstehe, dass es eines der schwierigsten Unterfangen überhaupt ist seine eigenen Ängste zu überwinden. Ich selbst arbeite seit vielen Jahren dran... Es ist halt nicht leicht (oft alleine) über seine Ängste hinweg zu kommen und die gewohnten Bahnen zu verlassen, die uns durch unsere Eltern gelegt wurden (ihnen durch deren Eltern, usw.). Je eingefahrener die Bahnen der eigenen Eltern sind, desto schwieriger wirds wohl, diese zu verlassen und seine eigenen zu schnitzen. Deshalb ists ja auch so weit verbreitet es gleich gar nicht zu versuchen - frei nach dem Motto: Hilfe! Meine Ziele könnten doch in Erfüllung gehen! Und was dann?!

Und genau dieses Unbekannte ist es, was die meisten halt dann davor zurückschrecken lässt, ihre Ängste zu überwinden. Oder sehe ich da was falsch?

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@thunaprotecter

Mhmm, nein das würde ich nicht unbedingt so sehen.

zippo1970 hat schon ganz recht, wenn er schreibt, dass manchen Menschen weniger einfach genug ist - aber ich bin nicht der Meinung, dass das unbedingt mit der Lebenserfahrung zusammenhängt.

Ziele werden am Horizont gesteckt und wenn ich eine Person bin, die sich nicht sonderlich dafür interessiert diesen Horizont zu erweitern sind die Ziele dementsprechend auch andere. Für einige meiner ehemaligen Mitschüler sind diese Ziele eben genau das: Familie, vielleicht noch ein nettes Auto und ein schöner Jahresurlaub. Und ich habe auch kein Problem mit diesen Zielen. Vielleicht, weil meine Eltern selbst eben aus genau so einem Land stammen, indem ein Jahresurlaub schon ein unerreichbares Ziel darstellen kann. Ich empfinde große Wertschätzung dafür was meine Eltern und Großeltern geleistet haben und kann ihr Bedürfnis für Sicherheit vollkommen nachempfinden. Das muss natürlich nicht bedeuten, dass man seine eigenen Ziele nicht weiter stecken kann - was ich definitiv tue. Aber ich würde trotzdem nicht diejenigen Menschen verurteilen die ihre Ziele an dem orientieren was ihre Eltern erreicht haben. Nicht, weil ich glaube, dass diese Menschen direkt "Angst vor dem Unbekannten" haben, sondern weil sie keinen Anhaltspunkt dafür haben wo sie ihr Ziel stecken können.

Mal ein Beispiel:

Ich hatte nach dem Abi fest vor, ins Ausland zu gehen und irgendwas zu machen, was mir nicht nützt oder meiner Karriere nützlich ist oder irgend so nen Kram, sondern einfach anderen Menschen etwas zurückzugeben. Wie genau das aussehen sollte konnte ich mir nicht vorstellen. Allerdings bin ich a) anpassungsfähig und b) interessiert an fremden Kulturen und Lebensweisen. Schon lange bevor ich nach Indien bin hatte ich ein vages, aber doch aussagekräftiges Bild davon was mich in diesem Land erwartet. Demenstprechend fiel mein Kulturschock entsprechend gering aus, einfach weil meine Erwartungen relativ nah an der Realität waren. Auf der anderen Seite habe ich vor und nach meinem Indienaufenthalt Leute getroffen, die eben genau diesen angesprochenen Horizont nicht hatten und deren Weltbild durch den Aufenthalt in einem anderen Land gehörig angekratzt wurde. Wenn ich jetzt eben mal so jemanden, der sich vollkommen unvorbereitet "ins Abenteuer" stürzt, mit jemandem vergleichen muss, der schon von vorneherein sagt: "Nee, das ist nichts für mich, ich kann damit nicht umgehen" muss ich sagen, dass ich ganz persönlich vor letzteren mehr Respekt habe. Jemand der versucht realistisch zu sein ist mir eben einfach lieber als jemand, der mich im Nachhinerin zuquatscht wie gräslich Indien doch ist oder jemand der die Armut in den Slums vollkommen romantisiert und gleichzeitig ruhig in einem 5* Hotel nächtigen konnte.

Ich komme nicht ganu auf den Nenner, aber für mich scheinst du hier verschiedene Elemente miteinander zu verkreuzen, die nicht verkreuzt werden sollten. Lebensziele sind das eine. Interessen und die kleinen Dinge die man im Alltag so tut sind das andere. Interessen mögen auf der Mikroebene unsere Lebensziele beeinflussen aber ich finde nicht dass sie einander bedingen. Das was du als langweiliges Leben empfinden magst, ist für den anderen vielleicht die Erfüllung, das sagt aber nicht direkt etwas über die Lebensträume dieser Person aus oder darüber, dass sie dafür "nichts" tut. Jeder einzelne muss selbst die Faktoren und Bedingungen abschätzen können die für die Erfüllung eines Lebenstraumes notwendig sind. Wenn dafür Energie notwenig ist, die viele im Alltag nicht aufbringen, muss man sie dafür noch lange nicht verurteilen - und seien diese Träume noch so klein.

Ergo: Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben, was er aus den Möglichkeiten macht, die unsere Gesellschaft ihm bietet ist seine Sache und ich würde Menschen nicht dafür verurteilen, dass sie eben genau diese vielen Möglichkeiten "ungenutzt" lassen um das zu haben, was andere Menschen in anderen Gesellschaften nicht haben: ein bequemes Leben.

Und: Träume sind was individuelles. Unerfüllbare Träume haben Menschen die ihre Ziele hinter den Horizont stecken und eigentlich gar nicht wissen worauf sie sich einlassen (siehe die Unterschiede bezüglich Indienerfahrung). Erfüllbare Träume, die du als unzureichend angesichts der Potentiale unserer Gesellschaft empfindest sind ebenfalls immernoch die Sache ihrer Träumer - vielleicht gilt es anzuerkennen, was viele Leute die auf Traumjagd sind vergessen zu scheinen: das die Erfüllung dieser Träume einen glücklich machen soll. Da ist es doch besser sich drei kleine Träume im Leben zu erfüllen, als fiebernd auf die Erfüllung des einen großen Traums hinzuarbeiten. Und, was nicht minder wichtig ist: Träume werden entlang des Weges gesteckt. Jeder verändert sich im Laufe seines Lebens und dementsprechend auch seine Träume.

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@niska

Danke für die lange Antwort niska! Du hast sehr oft erwähnt, dass ich niemanden verurteilen soll... Ich verurteile niemanden und auch niemandens Ziele und Lebenssituationen ;-) Alles was ich versuche ist, den unterschied zwischen mir und meinen Mitmenschen ausfindig zu machen! Ich generalisiere da sehr stark, daher mag es öfters sehr hart klingen, aber wenn ich da zu sehr in die Metaebenen des menschlichen Empfindens reingehe, wird das eine zu komplexe Diskussion :D Sorry, also für meine unpersönlichen Formulierungen...

Meine Gedanken also zu deiner Antwort: Als Kinder haben wir alle ähnliche, utopische Träume: Eine/n Prinzen/Prinzessin heiraten, zig Haustiere haben, am Meer leben, um nur einige der unrealistischen Träume zu nennen.

Klar ändern sich diese Träume im Laufe der Zeit durch unsere Lebenserfahrungen und wir gleichen sie immer mehr mit realistisch zu erreichenden Zielen ab. Dies bedeutet, aus dem Prinzen wird dann halt jemand mit einem guten Job, relativ gutem Aussehen und vl Kochskills zum drüberstreuen. Aus den zig Haustieren wird eine Katze, oder wenns wirklich gut läuft ein Hund. Und aus dem Haus am Meer wird eben dieser Jahresurlaub. Ich glaube also nicht, dass wir Menschen von Grund her unterschiedliche Träume haben, daher unterschiedlich Ansprüche von Geburt her haben.

Den Unterschied, inwieweit man an diese "kindlichen", unrealistischen Träume im Endeffekt ran kommt, könnte man aber im von dir erwähnten Horizont sehen. Je weiter der Horizont, desto mehr Möglichkeiten habe ich, meine für andere unrealistischen Ziele zu erreichen. Je enger, desto weniger Möglichkeiten habe ich, desto mehr muss ich meine kindlichen Träume zurechtstutzen, desto zufriedener bin ich auch mit einem für andere eher unbefriedigenden Resultat, da mehr einfach nicht in meinen Möglichkeiten gestanden wäre.

So weit so gut. Wenn man also ständig daran arbeitet seinen Horizont zu erweitern, bekommt man ja, nach der vorhergehenden Folgerung, immer neue Möglichkeiten dazu, seine Träume/Ziele zu erfüllen. Könnte man dadurch nicht darauf schließen, dass, idealistisch gesehen, alle Träume erfüllbar sind?! (außer die, die irgendwelchen Grundgesetzen widersprechen würden)

Woran könnte man dann trotzdem scheitern?

An den eigenen Ängsten? Doch Ängste kann man auch durch genügend Selbstdisziplin besiegen. An was könnte es dann liegen?

Gibt es, wenn man ständig an seinem Horizont und seinen Ängsten arbeitet, den Zeitpunkt, an dem man vor einer unüberwindbaren Kluft steht, die man einfach nicht überwinden kann?

Seht ihr - ich will meinen Horizont erweitern =D Vl könnt ihr mir helfen. Mercí.

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@thunaprotecter

Wau, hier läuft ja eine sehr interessante und ausführliche Diskussion. Ich bin kein Intellektueller, ich bin auch kein Philosoph, und ein großer Denker, bin ich sicherlich auch nicht.

Aber ich bin ein Mensch, der versucht hat, sich seine Träume zu erfüllen. Beruflich aber auch privat. Sich Träume zu erfüllen, heißt sich Ziele zu stecken, und diese konsequent zu verfolgen. Man muss bereit sein "Opfer" zu bringen, und Prioritäten zu setzen.

Als Jugendlicher, wollte ich immer im sozialen Bereich arbeiten. Am liebsten als Sozialarbeiter im Jugendhilfebereich. Ich träumte auch von einer eigenen Familie, mindestens 2 Kinder, ein kleines Haus mit Garten. Und einen klassischen amerikanischen Sportwagen, hätte ich auch gerne gehabt. Schauspielerei fand ich auch immer ganz toll, und ich träumte vom großen Durchbruch mit meiner eigenen Band. So viele Träume.

Irgendwie hat es bei mir nur zum Hauptschulabschluss gereicht. Da ich handwerklich ziemlich geschickt war, habe ich nach der Schule eine Schreinerlehre gemacht. Dann lernte ich meine spätere Frau kennen, und der Traum der eigenen Familie, ging schneller in Erfüllung wie erhofft.

Als das erste Kind sich ankündigte, hatte ich nur noch ein Ziel. Finanzieller Erfolg, um meiner Familie ein Heim, und Sicherheit zu schaffen. Ich habe im Messe- und Ladenbau angeheuert, war immer unterwegs, habe viel gearbeitet und war manchmal nur 4 Tage im Monat zu Hause.

Meine Frau hat dann irgendwann die Reißleine gezogen, um mich daran zu erinnern, dass es mehr im Leben gibt, als Geld. Sie hat mir meine Träume aus Jugendtagen wieder näher gebracht. Ich musste damals eine Entscheidung treffen. Manchmal ist es nur eine Entscheidung im Leben, die dafür sorgt, ob Träume in Erfüllung gehen, oder eben nicht.

Ich habe den Job gewechselt, nebenher meine Meisterprüfung gemacht, danach auf eigene Kosten eine Arbeitstherapeutische Zusatzausbildung gemacht. Heute arbeite ich bei einem sozialen Träger, und qualifiziere, und bilde benachteiligte Jugendliche aus. Ich habe mittlerweile 3 Kinder, ein kleines Haus, dass aber noch 20 Jahre der Bank gehört. Ich spiele in meiner Freizeit Theater, mache manchmal noch Musik, und engagiere mich für Obdachlose. Ich habe mir meine Träume erfüllt.

Was sich hier so idyllisch anhört, war verdammt schwer. Alleine hätte ich es nicht geschafft. So etwas braucht Mut, Selbstdisziplin, aber vor allem Menschen, die einen unterstützen. Nach einem harten Arbeitstag sich noch mal abends und am Wochenende hinzusetzen und zu lernen, hätte ich ohne meine Frau nicht geschafft. Das finanzielle Risiko, von Hauskauf, Kindern, und den teuren Zusatzqualifikationen, hätte ich ohne Hilfe meiner gesamten Familie, nie tragen können.

Ich hatte oft Angst es nicht zu schaffen. Ich war oft kurz davor, alles hinzuwerfen. Ich hatte viele schlaflose Nächte. Aber ich hatte Menschen in meinem Leben, die mir geholfen haben. Letztendlich hat es sich gelohnt. Ich habe es geschafft, und bin nicht, an der Erfüllung meiner Träume gescheitert.

Zu Träumen ist einfach. Das erfüllen ist oft sehr schwer. Harte Arbeit, Disziplin, Kampf-, Opfer- und Risikobereitschaft, Mut, kreative Ideen, günstige Gelegenheiten, Glück, und nicht zuletzt Menschen die einen unterstützen. Das alles braucht man um Träume zu erfüllen. Ist schon eine ziemliche Menge.

Nicht jeder Mensch kann das alles leisten. Manchmal vergessen wir unsere Träume, im eingefahrenen Alltag, oder sind bequem geworden. Aber ich denke Angst, spielt die Hauptrolle. Angst zu versagen, Angst etwas zu riskieren. Ich glaube nicht, dass man existenzielle Ängste, allein durch Selbstdisziplin besiegen kann. Da braucht es Menschen, die einem Mut machen. Aber auch nicht jeder hat die Menschen an seiner Seite, die einem Mut geben, und mit denen man seine Träume erfüllen kann.

Ich wünsche dir, dass du deinen Idealismus nie verlierst, und immer Menschen um dich hast, die dir helfen, deine Träume zu erfüllen!

LG :-)

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@zippo1970

Wow! War echt ergriffen von deinem Text... Du hast für deine Träume gekämpft und wurdest belohnt - das freut mich so sehr!! Klar ists nicht immer leicht, aber du hast deine Ängste überwunden, und daher hast du deine Ziele erreicht. Aber sicher gibts noch einiges was zu erreichen willst ;) Daher nicht aufgeben und weiter deinen Ängsten ins Gesicht blicken!

Ich glaub ja, dass wir uns immer das wünschen, was sich hinter einer Angst verbirgt... Je größer die Angst, desto größer ist daher der Traum und daher die Genugtuung die man haben wird, wenn man sie erst einmal überwunden hat. Ich stell mir meine Ängste immer also so riesige, eklige Monster vor, welche ich zwar jetzt noch nicht besiegen kann, doch ich weiß, dass ich intelligenter bin als sie und es über kurz oder lang schaffen werden, an ihnen vorbei zu kommen. Große Ängste haben viele kleine Monster die ich besiegen muss und die mich trainieren, um dann auch den "Endgegner" zu überwältigen... Haha, man sieht, auch meine Gameboyspiele haben ihren Teil beigetragen ;)

Es gibt heute kaum mehr lebensbedrohliche Gefahren und daher sind unsere Ängste fast alle übertrieben. Vor ihnen davonzulaufen ist zwar die einfachere Methode - doch sicher nicht die glücklichere! Also auf in den Kampf und einen Endgegner nach dem anderen nehmen =D

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