Gewerbeanmeldung Content Creator?

1 Antwort

Dir fehlen erkennbar jegliche Kenntnisse, deshalb solltest Du unbedingt ein Existenzgründerseminar bei Deiner IHK besuchen, damit Du zumindest mal die kaufmännischen Grundlagen beherrschst, andernfalls wirst Du nämlich gnadenlos scheitern.

Also einmal das große Paket....Es gibt nur Gewerbe oder kein Gewerbe, daher erübrigt sich die Frage welches Gewerbe du anmelden musst.

Du musst gem §138 AO sowie §14 GewO deine gewerbliche Tätigkeit mit dem ersten tätig werden bei der zuständigen Gemeinde sowie dem Finanzamt anmelden. Weder im Steuerrecht noch im Gewerberecht gibt es diesbezüglich Freigrenze/Freibeträge.

Beim Finanzamt musst du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (FsE) ausfüllen und diesen elektronisch übermitteln, dieses wird dann deine Eingaben prüfen und dir denn eine Steuernummer zuweisen. Für den "Online-Handel" auf Marketplace wie eBay benötigst du noch eine USt-IdNr. zum Nachweis, dass du steuerlich geführt wirst.

Dann mal zu den Steuern:

Umsatzsteuer: sofern du kein Kleinunternehmer bist, sind i. d. R. 19% des Umsatzes fällig. Die USt hast du in Form der MwSt. an deine Kunden weitergereicht.

Die Grenze beträgt:

  • 25.000 € Umsatz im Vorjahr

und

  • 100.000 € im laufenden Jahr (Im Jahr der Gründung 25.000€)

Die Betrachtungsweise beginnt jedes Jahr neu.

Sofern du nicht aktiv auf die KUR verzichtest, nimmst du teil. Es wird nicht mehr nach voraussichtlichen Umsatz geschaut, sondern lediglich nach den tatsächlichen.

Liegst du im Vorjahr über den 25.000 € ist im aktuellen Jahr die KUR nicht möglich. Sobald du in einem Jahr unter den 25.000 € liegt, wäre die KUR wieder möglich. Werden jedoch in einem Jahr die 100.000€ überschritten, so entfällt sofort die Steuerfreiheit und die USt ist abzuführen.

Einkommensteuer: Hier werden alle Einkunftsarten zusammengerechnet und bilden nach Abzug von Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen dein zu versteuerndes Einkommen. Bis zur Höhe des Grundfreibetrages fällt keine Steuer an.

So wird gerechnet

  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit = Bruttoarbeitslohn - Werbungskosten
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb = Umsatz - Betriebsausgaben
  • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit = Umsatz - Betriebsausgaben
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung = Mieteinnahmen - Werbungskosten

Einkünfte aus Gewerbebetrieb + etwaige weitere Einkünfte = Summe der Einkünfte und vermutlich auch = Gesamtbetrag der Einkünfte

Gesamtbetrag der Einkünfte - Sonderausgaben - außergewöhnliche Belastungen = zu versteuerndes Einkommen

Das zu versteuernde Einkommen bildet dir Grundlage der Belastung mit Einkommensteuer.

Die etwaige vom Arbeitgeber einbehaltene Lohnsteuer wird natürlich auf die Einkommensteuerschuld angerechnet

Betriebsausgaben sind Aufwendungen, die in einem Unternehmen auf Grund der betrieblichen Tätigkeit anfallen, sie müssen also betrieblich veranlasst sein. Sie können entweder vollständig oder teilweise von den Betriebseinnahmen abgezogen werden. Zudem verringern sie den Gewinn eines Unternehmens.

Betriebseinnahmen umfasst alle Zahlungen in Geld oder Geldeswert (bspw Sachlohn) , die dir durch deine landwirtschaftliche, gewerbliche oder selbständige Tätigkeit zuströmen (§ 8 EStG).

Nicht zu den Betriebseinnahmen gehören Einlagen (§ 4 Abs. 1 S. 5 EStG), Einkommensteuer (§ 12 Nr 3 EStG im Umkehrschluss) oder durchlaufende Posten (§ 4 Abs. 3 S 2 EStG).

Die Umsatzsteuer wäre bspw. Kein durchlaufender Posten! Gezahlte USt ist eine Betriebsausgaben, erhaltene USt wäre Betriebseinnahmen. (Auf die Ausnahme beim Bilanzierer gehe ich mal nicht ein)

Gewerbesteuer: Das FA setzt ab einem Gewerbeertrag von 24.500 € einen Messbetrag fest, deine Wohnsitzgemeinde (bzw. die wo der Sitz deines Gewerbes ist) wendet darauf ihren Hebesatz an und setzt dann Gewerbesteuer fest. Und bevor nun einzelne User rumheulen: in den Stadtstaaten erfolgt die Festsetzung durch die Finanzämter .


GamerGirl9710 
Beitragsersteller
 17.01.2025, 06:41

Danke für die ausführliche Erklärung. Trotzdem dachte ich dass es 3 Arten eines Gewerbes gibt.

  • freie Gewerbe
  • reglementierte Gewerbe und Handwerke
  • Rechtskraftgewerbe
anTTraXX  17.01.2025, 06:44
@GamerGirl9710

Alles 3 sind Gewerbe und alle 3 musst du gleichermaßen erstmal anmelden. Bei 2 und 3 musst du die entsprechenden Qualifikationen nachweisen, jedoch bleibt es ein Gewerbe.

GamerGirl9710 
Beitragsersteller
 17.01.2025, 06:50
@anTTraXX

Unabhängig jetzt vom Shop, sondern nur von Yt Videos usw. Wären das hier grob gesagt, die ersten Schritte?

  1. Gewerbe anmelden beim Gewerbeamt.
  2. Steuererklärung beim Finanzamt einreichen und entscheiden, ob ich die Kleinunternehmerregelung nutze.
  3. Krankenversicherung und Rentenversicherung prüfen?
  4. Buchhaltung führen und jährlich Steuererklärung abgeben.
  5. Betriebsausgaben korrekt angeben, um meine Steuerlast zu senken.
anTTraXX  17.01.2025, 06:53
@GamerGirl9710

Nein

  1. Gewerbeamt
  2. Finanzamt (FsE)
  3. KV (RV muss hier wohl eher nicht geprüft werden)
  4. Buchhaltung führen, dazu zählen auch die BA
  5. Steuererklärungen/-anmeldungen angeben
Geochelone  17.01.2025, 09:45
@GamerGirl9710

Ich frage nur, weil es die 3 von dir genannten Gewerbearten in Deutschland nicht gibt. Die gibt es nur in Österreich.