Geht dieses Gefühl von der alten Heimat jemals weg?

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4 Antworten

Ich kenne das Gefühl. Ich lebe zur Zeit in Mecklenburg-Vorpommern, habe davor 6 Jahre in Berlin gewohnt. Davor in Niedersachen, Ba-Wü und Bayern, bin also schon "viel rumgekommen", inklusive Schulwechsel etc. Bis auf das Gymnasium hat es mir in Berlin mit Abstand am besten gefallen.

An den anderen Orten, wo ich davor gewohnt habe, haben wir immer nur 3 Jahre gewohnt, also haben sich Freundschaften und so weiter auch nicht so wirklich "gelohnt". In Berlin sah es dann schon anders aus, ich hatte wirklich Zeit, mich einzuleben (ich brauche bei sowas immer ein bisschen), kannte mich schon etwas mehr in der Stadt aus, kannte die Leute, hatte Freunde etc. Mit 18 (letztes Jahr) haben meine Eltern mich gezwungen, auszuziehen, ich musste weg, und hab mich dann mit meinem Freund entschieden, hier her zu ziehen, wegen des Studiums. Ich habe jetzt in einem Jahr immer noch keinen Anschluss hier gefunden, fast alle Leute sind komisch, die Mentalität hier ist zum K**zen, und manchmal geh ich durch die "Stadt" (GRÖSSTE IRONIE DES JAHRHUNDERTS) und frag mich, was ich hier soll.

Vielleicht schaffen es mein Freund und ich, unseren Studienort nach Berlin zu wechseln. Ich will jetzt nicht nach Opfer klingen, aber in Berlin war ich das erste Mal wirklich glücklich (jetzt vom Wohnort her gesehen).

Was du machen kannst? Keine Ahnung, denn mir geht es selber bescheiden. Man kann sich nur versuchen, zu arrangieren (muss man ja, sonst geht man zugrunde), die alte Heimat oft besuchen, und sich vielleicht vornehmen, später mal da hinzuziehen und das ganze am neuen Ort eher als Übergang zu sehen. Mein Freund z.B. hat die selbe Meinung wie ich, und wir "tun" quasi so, als ob wir auf einer langen Geschäftsreise wären und in ner Ferienwohnung wohnen. :)) Verstehst du, was ich meine? Wir investieren kein Geld in die Wohnung, denn wir ziehen eh mal weg.

So kann man es schaffen. Vielleicht wird es bei dir irgendwann nachlassen, wenn du eine einnehmende Beschäftigung hast, Freunde, Beziehung und so weiter, aber garantieren würde ich dafür nicht.

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Zuhause und Heimat sind ganz tiefe Gefühlsbindungen, die ganz viel damit zu tun haben, wie es dir an einem Ort gegangen ist. Ich mag deshalb auch heute noch den Ort, an dem ich mal großgeworden bin. Ich könnte mir auch vorstellen, dort wieder zu leben - denn auch als erwachsener Mensch find ich es dort noch schön. Zur Zeit lebe ich etwa 6000 Kilometer weit weg, in einem anderen Land. Also eine GANZ andere Mentalität - manchmal nervig ;)

Ich habe zwischenzeitlich auch an Orten gewohnt, die mir nicht so gut bekommen sind. Und an Orten die gar nichts dafür konnten, dass ich mich schlecht gefühlt habe (wegen Verlust von Arbeitsplatz, einem lieben Menschen und einer langjährigen Beziehung, die kaputt ging). Ich kann mir also vorstellen, wie es dir geht.

Was mir hilft ist sozusagen ein bisschen in meinen Gefühlen aufzuräumen. In deinem Fall wäre das mal zu sehen, wieviel von deinem Gefühl mit deiner Abwehrhaltung zu tun hat, weil ihr 'weggezwungen' wurdet. Wenn du deshalb jeden anderen Ort eh schon als zweite Wahl betrachtest, wird das Idealbild einer verlorenen heilen Welt dich daran hindern, die schönen Seiten vom Neuen überhaupt zu sehen und zu erleben. Denk mal an ein richtig extremes Beispiel. Nelson Mandela hat sich nie über seine Haft beschwert oder sich als Opfer begriffen. Damit verglichen geht es dir vermutlich erstaunlich gut. Dein Denken macht den Unterschied. Es gibt überall etwas zu entdecken, das dich zum Stauen oder Lachen bringt. Zuhause kann wirklich überall sein, weil es zuerst das Gefühl in dir selber zuhause zu sein ist, was dich glücklich sein lässt.

Du schreibst, dass es wohl anders wäre, wenn ihr als Familie gemeinsam beschlossen hättet wegzugehen. Du hast also nicht nur das Wohnumfeld, sondern auch deine Heimat in deiner Familie verloren und das ist richtig mies. Das ist eine Situation, für die du natürlich keinerlei Verantwortung trägst, die dir aber trotzdem eins überbügelt. Es klingt vielleicht ein bisschen oberflächlich, aber wie wäre es wenn du aus den Zitronen, die dir das Leben da vor die Füße geschmissen hat Limonade machst? Fang mit einer ganz einfachen Übung an. Finde jeden Abend drei Dinge, die an der neuen Umgebung gut sind. Vielleicht magst du euer Klingelschild, oder hinter dem Haus steht ein alter Baum, oder der Nachbar hat ein Auto in deiner Lieblingsfarbe. Und da wäre noch dein Vater, Verwandte, Haustiere, Sonnenuntergänge..... Egal, drei positive Dinge jeden Abend. Klingt platt? Es ist erstaunlich wie so eine Kleinigkeit deine Sicht verändert.

Und wenn du mehr machen willst, finde Hobbys, Sport etc die dich interessieren und finde Leute, denen es genauso geht. Und wenn du keine Gruppe findest, die meinetwegen Drachensteigen auf dem Stoppelacker liebt oder gerne Bettdecken häkelt - dann gründe selber eine. Aktiv werden verhindert, dass du dich weiter als Spielball des (bösen) Schicksals fühlst. Und das heißt dann auch, dass aus dem Heimweh eher eine schöne Erinnerung wird, die dir dabei hilft, für dich den richtigen Platz zu finden. Und der könnte näher liegen als du jetzt grad denkst. Oder am anderen Ende der Welt. Denk dran, zuhause ist wo DU bist.

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Kommentar von Hikadster
15.07.2016, 13:29

Ach Gott.^^ Komme ich durch den Text so depressiv rüber. Also so schlimm ist das alles dann doch nicht bei mir. Für mich stellte sich nur die Frage, ob dieses Gefühl jemals weg geht, was ich wegen Holzkirchen habe. Ich sehe jetzt in Holzkirchen auch nicht das Paradies auf Erden, aber einfach ausgedrückt, ich habe mich dort einfach wohler gefühlt als in Fürstenwalde.

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Zu Hause ist da, wo man mich mag -Verfasser unbekannt

Das Gefühl wird verblassen - ganz weg gehen wird es nicht.

Du solltest Holzkirchen bzw. Bayern als Ziel für deine Zukunft sehen und alles dafür tun, dass du später wieder dort hin oder in der Nähe leben und studieren/arbeiten kannst - und eventuell deinen Vater nachholen, wenn er älter wird bzw. dort auch wieder einen job findet. Das ist doch bestimmt irgendwie machbar.

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Ich kenne es das Gefühl ist schrecklich. Aber ja lass dir etwas Zeit. Trete einem Verein bei. Bau dir einen neuen Freundeskreis auf und du wirst sehen das du bald kaum mehr an deine Alte Heimat denkst.

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