Frage zum Buddhismus/Reinkarnation (Götter)?

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3 Antworten

Liebe Sophirosie,

in den kanonischen Schriften der
Theravada-Tradition (einer von vielen frühbuddhistischen Schulen, welche
sich untereinander in vielen Bereich stark ähneln) gibt es immer
wiederkehrende Beschreibungen verschiedener Existenzebenen in denen
Wiedergeburt möglich ist, dies auch häufig in Verbindung mit Erklärungen
zu bestimmten absichtsvollen Handlungen (in Pali "Kamma" oder Sanskrit
"Karma" genannt)  welche Wiedergeburt in den verschiedenen Ebenen, je
nach dem moralischen Charakter der Handlung, erzeugen. Diese
Existenzebenen sind:

1. Die Höllenwelten

2. Die Tierwelt

3. Die Geisterwelt

4. Die Dämonenwelt

5. Die Menschenwelt

6. Die Götterwelten

Auch finden sich sehr häufig Berichte von geistesmächtigen Mönchen, Nonnen
und Laienanhängern (männlich wie weiblich), allen voran natürlich der
Buddha selbst, welche angeben, diese Existenzebenen durch persönliche
Erfahrungen erkannt zu haben und auch weiterhin in Kontakt mit diesen zu
stehen. Die Erinnerung an vorgeburtliche Existenzen findet sich dabei
wohl nicht minder häufig, häufig durch Gleichnisse veranschaulicht. Hier
zur Verdeutlichung eine Textstelle die einen Bezug zu Himmel und Hölle
herstellt:

„Als mein konzentriertes Herz auf solche Weise geläutert, klar, makellos, der
Unvollkommenheit ledig, gefügig, nutzbar, stetig und unerschütterlich war,
richtete
ich es auf das Wissen vom Sterben und Wiedererscheinen der Wesen. Ich
sah mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen
überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen, niedrige und
hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend. Ich verstand, wie die
Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern: ,Diese geschätzten Wesen,
die sich mit Körper, Sprache und Geist übel benommen haben, die die
Edlen geschmäht haben, die falsche Ansichten hatten und diesen in ihren
Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem
Tode in Umständen, die von Entbehrungen geprägt sind, wiedererschienen,
an einem unglücklichen Bestimmungsort, in Verderbnis, ja sogar in der
Hölle; aber jene geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und
Geist wohl benommen haben, die die Edlen nicht geschmäht haben, die
richtige Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen,
sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode an einem
glücklichen Bestimmungsort wiedererschienen, ja sogar in der himmlischen
Welt.‘ So sah ich mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem
menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen,
niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend, und ich
verstand, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern.“ (Die
Lehrreden des Buddha aus dem Majjhima Nikaya, Lehrrede Nr. 100)

Hier ist auch der moralische Bezug zu erkennen. Der Buddha lehrte, dass
diese Welten allesamt der Vergänglichkeit unterworfen sind (auch wenn
wir hier in manchen Ebenen von Jahrmillionen, gar Jahrmilliarden der
Existenz die Rede ist) und das kein allmächtiger Schöpfergott die Fäden
im Universum zieht. Das die Frucht unserer Handlungen nicht zur Reife
kommt, wannimmer die Bedingungen erfüllt sind (also z.B. eine
Wiedergeburt im Himmel aufgrund von moralisch leichten und heilsamen
Taten wie das Einhalten von Sittlichkeit  - nicht Töten, Stehlen etc. -
oder auch Großzügigkeit und Geistesruhe), dass kann niemand in der Welt,
auch kein Gott, sei er auch noch so hoch und mächtig, bewirken.

Um zusammenzufassen: Der Buddha lehrte eine Kosmologie verschiedener
vergänglicher Existenzebenen in denen Wiedergeburt je nach der
moralischen Qualität unserer Handlungen stattfinden kann und kennt dabei
keine absolute Macht eines Schöpfergottes. Götter oder himmlische Wesen
("devata" im Pali genannt) existieren allerdings laut der Lehre des
Buddha so wirklich wie ein Mensch oder Blauwal.

Ich hoffe die Antwort war hilfreich. Wenn Sie Quellenangaben wünschen oder weitere Klärung, dann würde ich mich darum gerne bemühen. Ich habe auch noch eine Bilddatei angefügt. Sie stellt die buddhistische Kosmologie grafisch dar. Entgegen der generalisierten Klassifizierung der Kosmologie (wie oben von mir mit seinen Unterpunkten gegeben und als vereinfachte Darstellung anzusehen) ist die sechste Stufe (die der himmlischen Wesen) weiter aufgeteilt, dies aber nicht im Widerspruch zu den frühbuddhistischen Schriften des Theravada-Buddhismus. Vielleicht ist diese Datei ja von weiterem Interesse für Sie.

Mit herzlichen Grüßen

Dukkhanirodha

p.s. das diese Existenzebenen nur unseren Geisteszustand in unserer jetzigen menschlichen Existenz widerspiegeln, halte ich für sehr
unwahrscheinlich. Aus folgenden Gründen:

1. Wirklich massenweise Textpassagen in den frühbuddhistischen Schriften die von Wiedergeburt in den verschiedenen Ebenen "nach der Auflösung des Körpers, nach dem Tode" sprechen, auch die spätbuddhistischen
Traditionen des Mahayana nehmen diese Existenzebenen traditionell als
tatsächliche Orte (wobei diese (z.B. die Himmelswelten) auch
feinstofflicher Natur sein können), in denen Wiedergeburt möglich ist,
an,

2. Textspassagen in denen erwähnt wird, dass selbst jemand
der ein Leben lang gut gelebt hat, in einer niederen Welt wiedergeboren
werden kann (der letzte Moment vor dem Tode ist dabei auschlaggebend;
die guten Taten haben aber weiter das Potenzial Früchte zu tragen) und
umgekehrt.

3. Es würde, aufgrund dieser immer wiederkehrenden
Texstellen, in Verbindung mit so essentiellen Themen wie der
Erleuchtung oder dem Kamma, dem Geiste der Lehre - wie er sich in den
uns noch erhaltenen Schriften bewahrt hat - äußert stark, wenn nicht
eher gänzlich, widersprechen,

4. Erfahrungsberichte einzelner Menschen innerhalb des Buddhismus aus der Antike, durch das Mittelalter hindurch bis in die Moderne hinein, welche diese Existenzebenen bestätigen,

5. Religionsübergreifende Erfahrungsberichte etlicher Individuen (Jesus
oder Mohammed als Gründer von Religionen oder als Nachfolger z.B. die
Wüstenväter im Christentum oder die Mystiker des europäischen
Mittelalters und selbst der Moderne),

6. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen z.B. zum Thema der Nahtod- und/oder Außerkörperlichen Erfahrungen liefern Indizien, die auf eine Möglichkeit einer geistigen Existenz (wohl eher feinstofflicher Art?) hindeuten, auch außerhalb unserer allweltlichen Fünfsinnesfähigkeit.

Das der Buddhades Weiteren nur die Kosmologie der Brahmanen (Eine Art  Vorstufe des modernen Hinduismus) übernommen hat, halte ich auch für
unwahrscheinlich. Wieder eine kleine Auflistung der Gründe

1. Er erwähnte häufig direkt, dass er einzig und alleine aus eigener Erfahrung lehre,

2. Auch implizierte Lehren sind zu finden, wo er einen Bezug zu seiner
eigenen Erfahrung herstellt, z.B. finden sich Textstellen wo er erwähnt,
dass er den Weg in die Brahmawelt (einer hohen Götterwelt, in der
Götter leben die vergleichbar sind mit dem Gottesbild im Christentum)
besser kenne und weisen könne als jemand den Weg zurück in das Dorf in
dessen Umgebung er sich befindet und in welchem er aufgwachsen ist und
lebt (nicht ganz sicher über den Punkt des im Dorf Lebens).

3. Ich frage mich, wenn er sich in empfindlichen Themen (wie z.B. in seiner
wirklich striktesten und unkompromisslosesten Ablehnung des auch damals
schon herrschenden Kastensystems) nicht angepasst hat, warum sollte er
dies in einem anderen (dem Bereich der Fragen bezüglich anderer Welten)
tun?

4. Die Lehre von striktester Glaubwürdigkeit und  Aufrichtigkeit, teilweise auch unter für uns vielleicht unverständlichen Umständen.

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Ich bin Buddhist und versuche zu helfen.

Im Buddhismus gibt es keinen allmächtigen Schöpfergott.

Allerdings hat der Buddhismus, der ja seinen Ursprung im Grenzgebiet von Nepal und Indien hat, auch Elemente aus dem Hinduismus aufgenommen, vermutlich auch als Teil der Volksgläubigkeit.

Anstatt zu sagen  "Gottheiten (Devas) oder Schlangenwesen (Nagas) gibt es nicht!" hat der Buddhismus sie kurzerhand assimiliert und sie zum Teil als "Schützer der buddhistischen Lehre" eingefügt, so dass die einfache Bevölkerung an ihren Vorstellungen festhalten konnte.

Somit gehören Elemente wie Devas und Nagas einfach zum asiatischen Lokalkolorit.

Ich persönlich halte nichts von der allgemein akzeptierten Annahme, der Begriff der Wiedergeburt beziehe sich auf Dinge, die nach dem körperlichen Tod geschehen.

Der Buddha hat sich nie zu metaphysischen Fragen geäußert, sondern stets darauf verwiesen, dass solche Fragen nach dem Ursprung der Welt einen nicht bei der Befreiung weiterhelfen.

Weshalb sollte er also ausgerechnet bei einer Theorie zu einer Wiedergeburt nach dem Tod eine Ausnahme machen?

Ich folge daher einer anderen Auslegung, die zB auch von den japanischen Priestern Sekkei Harada und Shohaku Okumura unterstützt wird:

https://www.gutefrage.net/frage/wenn-es-die-wiedergeburt-wirklich-geben-sollte-wie-kann-es-dann-sein-dass-aus-vielleicht-10000-menschen-milliarden-geworden-sind-rest-steht-unten?foundIn=list-answers-by-user#answer-189570040

In diesem Modell sind die sechs Daseinsbereiche der Wiedergeburt lediglich eine Bezeichnung für bestimmte Geistesverfassungen, von denen sich Menschen unterschiedlich stark dominieren lassen.

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Kommentar von ArbeitsFreude
16.03.2016, 11:38

Enzylexikon hat Recht: Im wesentlichen sind die Götter ein "Überbleibsel" aus dem Hinduismus - je nach spezieller Glaubensrichtung werden sie in manchen Schriften noch erwähnt (z.B. in denen Nichiren Daishonins, eines japanischen Mönchs aus dem 13. Jahrhundert) - Doch ist mir keine einzige buddhistische Richtung bekannt, die heute noch an irgendeinen Gott glaubt.

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Im Buddhismus gibt es keinen allmächtigen, ewigen Gott wie in der Christenheit. Da die Götter im Buddhismaus nicht die höchste Stufe der Reinkarnation darstellen, sind sie natürlich auch dem Gesetz der Wiedergeburt unterworfen.

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