Fühle mich fremd?

21 Antworten

Weshalb sollte ich micht denn irgendwo "fremd" fühlen?

Für ein Baby ist jeder, der nicht aus der Ursprungsfamilie stammt zuerst einmal fremd. Im Lauf des Lebens nimmt ein Mensch normalerweise langsam auch die weitere Umgebung und damit auch weitere, früher "Fremde" als bekannt und vertraut wahr. Als ausgewachsener Weltenbürger sollte man imstande sein die gesamte Weltbevölkerung als vertraut und bekannt wahrzunehmen. Man kann doch mit Jedem/er, der einem auf der Strasse begegnet, Kontakt aufnehmen, ihn/sie nach seiner/ihrer Herkunft usw. fragen und sich mit ihm/ihr beschaäftigen; dann sind "Fremde" nicht mehr fremd.

Wenn ein Mensch micht bereit ist, Neue/s kennenzulernen ist er ja gar nicht mehr lebendig!

Selbstverständlich ist er dann noch lebendig! Was hat der Umstand der Neugierde mit dem Lebenszustand zu tun? Rein gar nichts. Apathische und desinteressierte Menschen haben einfach nur eine andere Lebenseinstellung.

"Lebendig" als figurative Hyperbel zu nutzen ist m.M.n inadäquat.

Des Weiteren beantworte ich gerne deine Frage: In einem fremden Land, umgeben von fremden Menschen, wirst du dich fremd fühlen. Spätestens dann, wenn sie dich nicht akzeptieren und - schlimmer noch - nicht tolerieren.

Ein Mensch wird nicht zum - wie nennst du es? - "Weltenbürger" erzogen, sondern zu einem Menschen, der in der eigenen Kultur und lokalen Gesellschaft zurechtkommt. Diese mag ihm durchaus vertraut sein, aber doch nicht die ganze Weltbevölkerung! Welch Wahn! Allerhöchstens in einem objektiven Verständnis, der uns früh bewusst wird: Es gibt eine Menschheit und wir sind Teil dieser Menschheit. Dies suggeriert zwar ein Gefühl der Zugehörigkeit und Vertrautheit, aber nimmt es nicht die eigentliche Fremdheit.

Freilich ist eine Kontaktaufnahme mit Fremden möglich. Freilich lässt sich dadurch ein Fremder entfremden. Aber wer wäre denn verrückt genug, diese Prozedur bei jedem Fremden zu vollziehen? Ich jedenfalls nicht. Es ist auch gar nicht notwendig. Denn Fremdheit ist nur ein natürlicher Bestandteil des Menschen. Ob nun gegenüber fremden Menschen (gleich welcher Herkunft) oder fremden Kulturen oder fremden, weltlichen Begebenheiten. Fremde ist ein stetiger, wenn auch meist latenter Begleiter des Menschen. Ob er "gut" oder "böse" ist, hängt ganz von uns ab.

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In manchen Stadtvierteln oder Städten stelle ich durchaus fest, dass das gewohnte Umfeld einer mitteleuropäischen Stadt sich immer schneller verändert. Ich war vor kurzem wieder einmal nach vielen Jahren in meiner Geburtsstadt, einer süddeutschen Kleinstadt.  Ich wollte an vertraute Orte gehen und ein wenig  Erinnerungen nachhängen. Das gelang mir kaum. 

In den Straßen ist der Anteil an Neubürgern hoch. Die bekannten Jungmännergruppen aus Nordafrika, Eritrea und Schwarzafrika, beschwingt gehend, Smartfone bedienend, besonders viele Türken der dritten, vierten Generation. Überall die unverständlichen Laute, vielleicht wie in einer Stadt am Mittelmeer, Beirut. Einheimische Bevölkerung in der Minderheit, alte Leute, einzelne junge Männer mit Ohrstöpseln, junge Mädchen zu zweit.

Mehrmals jagen schnelle, teure Autos mit Ausländern am Steuer durch die Straßen, lassen die Motoren aufheulen, fahren quietschend an Ampeln an. Öfter laute orientalische Musik aus den Autoradios. 

Ich betrachte die Lutherkirche, wo ich
konfirmiert wurde. Hinter mir eine alte Türkin in schwarzer
Gesamtverhüllung mit dem bekannten nach hinten ragenden Kopfteil, dabei die jüngere in derselben Kleidung, allerdings grell geschminkt, um sie herum mehrere Kleinkinder. Man wirft Abfälle in Tonnen.

Überall Dönerbuden („Anatol Döner“ etc.), Nail-Studios, Klamottenshops, Oriental-Imbisse, "Istanbulgrills", ein Friseur für Afrolook, unzählige Lokale für Sportwetten etc. 

Ich kann dein Gefühl also sehr gut verstehen. Natürlich verändern sich Orte ständig. Aber diese Veränderung ist zu schnell und zu einseitig. 

Schön, du hast also ein Gefühl. Ich teile dieses Gefühl nicht, was aber jetzt unwichtig ist.

Allerdings: Gefühle können rational begründet oder irrational sein. Z.B. ist die Angst vor einen bellenden Hund, der hinter einem hohen Zaun ist, irrational. Wenn dir dieser Hund dagegen ohne Leine auf der Straße entgegenläuft, dann hast du allen Grund dazu, Angst zu haben. 

Was du dich jetzt also fragen solltest, ist, ob dein Gefühl rational oder irrational ist. Du fühlst dich unangenehm, wenn du durch die Straßen gehst und viele Migranten siehst. Aber: Gibt es dazu einen rationalen Grund? Oder ist das eine irrationale Angst? Das solltest du dich fragen. 

Woher ich das weiß:Hobby – Eigenes politisches Engagement, Allgemeinbildung

... Man  könnte  auch die Grundeinstellung  als Auslöser der Emotion sehen. Wer annimmt, das Migranten nicht das eigene Land ausmachen und einen  andere Definition von Deutschland hat, der wird bei dem Anblick Fremdsein empfinden. Wer hingegen akzeptiert, dass Deutschland aktuell bevölkerunstechnisch bunt zusammengesetzt ist, der fühlt sich nicht fremd ...

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In meiner Stadt ist der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund sehr hoch. Würde sagen, nahezu 50%

Trotzdem fühle ich mich nicht fremd im eigenen Land, eher fremd in der Stadt, denn der Großteil der zugewanderten Bürger lebt länger hier als ich (7 Jahre).

Ich bekomme in den Kneipen deutsches Bier, deutsche Speisen und sehe jede Menge deutscher Mitbürger.  In den Supermärkten und Einkaufsmeilen sind 90% deutsche Produkte zu finden.

Zusätzlich habe ich den Vorteil auch türkische, russische, vietnamesische, griechische und was weiß ich noch alles  Restaurants, Läden, Bars und Ähnliches nutzen zu können.

Zudem gröhlen die Zugereisten nicht ganz so laut wie die einheimischen und sind etwas toleranter. 

Also ich hab kein grundsätzliches Problem mit angeblicher Überfremdung.

Nein ,ganz im Gegenteil .Ich komme mir sehr verbunden vor mit allen Menschen .Einfach ein Teil von dieser Welt ,keine Ahnung wie ich das anders ausdrücken kann :D

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