Eure Meinung zu Anglizismen?

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11 Antworten

Hallo,

natürlich haben Anglizismen Einfluss auf unsere Sprache. Ich glaube
auch, dass sich diese Entwicklung mit fortschreitender Globalisierung
nicht aufhalten lassen wird.

Sprache ist nun mal lebendig und verändert sich.

Im Zeitalter von Chat, Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wie fb
sind auch Wortschöpfungen, wie adden, liken usw. angesagt, ob es einem
gefällt, man es versteht und man diese Wortschöpfungen nutzt, ist eine
andere Sache.

Einige solcher Wortschöpfungen bleiben Modeerscheinungen, andere
setzen sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum auch durch und
finden sich dann auch im Duden wieder.

Auch wenn z.B. in Frankreich Anglizismen bis März 2015 mehr als 20
Jahre lang per Gesetz verboten waren und in Deutschland alljährlich der
Sprachpanscher (2007: DB) und der Sprachwahrer (2013: DB) des Jahres gekürt werden (siehe: PS),

ist die Sprach- und Wortwanderung keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren nicht nur Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen – bei manchen wird die Schreibweise angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.) –

sondern exportieren genauso deutsche Wörter ins Englische – manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten) – und in andere Sprachen.

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an
sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger,
Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

- Deutsche Wörter ein Exportschlager

(bairische-sprache.at/Index/Zeitungsartikel/2009/MM/Deutsche%20Woerter%20-%20ein%20Exportschlager%20-%20MM%2013.7.2009.pdf)

- Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

(merkur-online.de/aktuelles/kultur/diese-deutschen-woerter-werden-ausland-benutzt-882170.html)

- Denglisch für Anfänger I

(fr-online.de/meinung/kolumne-denglisch-fuer-anfaenger-i,1472602,3244474.html)

- Zwiebelfisch: Weltsprache Deutsch

(spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-weltsprache-deutsch-a-356502.html)

Eine Liste mit Germanismen findest du unter folgendem Link:

spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-deutsch-als-amtssprache-der-usa-a-295157.html

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr
lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei
weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen
aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen
möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf
Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster,
Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit,
Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes
), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Weitere sind z.B.:

Manager, Hairstylist, Backshop, Sale, Coffee to go, coachen,
checken, Cardigan, downloaden, casten, canceln, Boxershorts, Pullover,
Wellness, Happy End, Shampoo, Babysitter, Chips, Service-Point, Counter,
McClean, Event, Performance, Highlight, cool, Teenager, Kids,
Showmaster, Quizmaster, Talkmaster, Beamer, Spleen, High Heels, Slipper,
Slip, Smoking, Pudding, Oldie, Oldtimer, Evergreen, Hometrainer,
Egoshooter

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber Achtung bei der Übersetzung, denn es können auch falsche Freunde dabei sein.

So heißt

- Mobiltelefon - mobile oder cell phone; handy aber praktisch usw.

- body bag - Leichensack und nicht Handtasche

- check - kontrollieren und nicht verstehen

- control - (an)steuern und nicht kontrollieren

usw.

Nett auch der undertaker (Leichenbestatter) als Unternehmer.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu

PS: Interessant auch, dass es sowohl in Frankreich als auch in
Deutschland inzwischen entgegengesetzte Bestrebungen zu den o.g. gibt.

So wurde in Frankreich das o.g. Gesetz zum Verbot englischer Wörter in der französischen Sprache aufgegeben (siehe: htt p://w ww.welt.de/kultur/article138497201/Frankreich-gibt-Kampf-gegen-englische-Woerter-auf.html; die Leerschritte in der URL bitte löschen)

und ist Deutsch wieder im Kommen (siehe: angehängter Artikel aus dem Münchner Merkur vom 30.01.2015.)

Bist du sicher dass Kindergarten aus der Zeit des dritten reiches eingefuehrt wurde? Ich denke du meinst Blitzkrieg oder?

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@AntiBan

Das Wort Kindergarten ist zwar älter und stammt von Fröbel, aber seine Verbreitung als Bezeichnung für ein pädagogisches Betreuungskonzept begann tatsächlich erst mit dem Erfolg der Reformpädagogik in den 1920er Jahren.
International übernommen wurde es dann mit dem zunehmenden Bekanntheitsgrad des Konzeptes, und das war ab den 30er Jahren.

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Mein Danke für diese sehr umfangreiche Darstellung!

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Für Anglizismen gilt wie für alle anderen Fremdwörter auch, dass man sie nur dann benutzen sollte, wenn man wirklich kein geeignetes deutsches Wort findet.

Mit leichtfertiger Übernahme und Verwendung von Fremdwörtern kann man sich schnell als ungebildet bloßstellen. Dafür gibt es viele und auch prominente Beispiele, wie z.B. König Friedrich II. von Preußen (der "alte Fritz"), der unbedingt französisch parlieren wollte, obwohl er es nicht konnte, nur weil es zu seiner Zeit gerade "in" war.

Tückisch ist dabei, dass Wörter aus anderen Sprachen bei der Verwendung im Deutschen ihre Bedeutung ändern können, z.B.:

"realisieren" heißt im Deutschen "verwirklichen" (so wie im lateinischen Ursprung). "to realize" heißt dagegen "bemerken, erkennen".

Wenn ich sage: ... ich realisierte ... Was meine ich denn jetzt: ich verwirklichte, oder ich bemerkte/erkannte?

Ist normal, Thema nennt sich Sprachwandel und gab es schon immer. Nur so sind unterschiedliche Sprachen doch erst möglich

Ich bin da ganz pragmatisch... Wenn irgendjemand Energie in die Konservierung der Sprache investieren will, die hier gesprochen wird, bzw wurde, viel Spaß. Wenn ich kein passendes Deutsches Wort finde, mach ich keine Kopfstände sondern nehm das englische. 

Jeden Tag stirbt eine Sprache aus, vielleicht wäre es sinnvoller zu versuchen deren Besonderheiten irgendwie für die Nachwelt festzuhalten, als sich an Anglizismen zu stören.

Das widerspricht sich irgendwie. Dann solltest du deutsch auch mehr benutzen, sonst stirbt das auch irgendwann mal aus. 

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@Malavatica

Deutsch verändert sich, aber es werden immer mehr Leute die es sprechen.

Bei den Sprachen von denen ich spreche ist es genau umgekehrt.

Ein bisschen hast du schon recht, dadurch dass sich Sprachen verändern, gehen auch Eigenarten verloren, aber dass ist doch ein vergleichsweise sehr langsamer Prozess, und die deutsche Sprache ist für die Nachwelt sehr gut dokumentiert.

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Standard ;) ich benutze sie oft - gehöre auch zu der jungen Generation die mit vielen davon aufgewachsen ist.

Gerade beim Spielen / Zocken geht es teilweise gar nicht ohne :p

Hat sich halt mittlerweile eingebürgert und selbst wenn man sie nicht mag, kommt man heute zutage kaum drumherum.

bringt mich zum Lachen manchmal,

Hausmeister heißt heutzutage Facility Manager und gibt noch viele andere Sachen

Dass sich Sprache verändert, lässt sich nicht vermeiden.

Im Deutschen benutzen wir sehr viele Begriffe, die nicht ursprünglich "deutsch" sind und wir merken es nicht mal, da wir es nicht anders kennen. Meistens kommen diese aus dem Altgriechischen und Latein. Oft sind es auch "Mischwörter", also zusammengesetzt aus zwei Sprachen.

Hier zwei Listen dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_lateinischer_Lehn-_und_Fremdw%C3%B6rter_im_Deutschen

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Wortst%C3%A4mme_in_deutschen_Fremdw%C3%B6rtern

Sehr interessant zu lesen, finde ich!

Wer seine eigene Sprache perfekt beherrscht, für den sind sie unnötig. Manche wissen gar nicht so richtig, was genau sie mit den tgl. benutzten Anglizismen ausdrücken.

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Verstehe ich Dich richtig?

Die überflüssigen Fremdwörter nerven ein wenig, aber dieses dauende Gestänker dagegen geht mir langsam auf den Keks!

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Wer sie zu ausgiebig benutzt, wird unter Umständen von älteren Leuten nicht ernst genommen.

Oder benutzt Germanismen :D

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