Einfühlungsvermögen und Mitleid unterschied, bitte Beispiel?

7 Antworten

Hallo Gangsta...,
diese Thematik ist eminent wichtig für alle helfenden Berufe, denke ich.
Du schriebst schon richtig, dass die Empathie das Vermögen eines Menschen umschreibt, sich in die Gefühle eines anderen hineinzuversetzen, sich einzufühlen. Diese Fähigkeit brauchen Menschen, wenn sie dem anderen helfen wollen. Dazu brauchen sie Abstand zur Sache und zur Person, um von außen dann auch richtig einschätzen(!) und helfen zu können. Ja, dazu wäre es hilfreich, sich in andere und deren Situation auch gedanklich hineinversetzen zu können.

Das Mitleid ist das, was es heißt: Mit-leiden, mit dem/der Leidenden den Schmerz fühlen, mit jammern oder auch einfach nur leise (aber immer ziemlich abstandslos und unkritisch) mitempfinden.
Ich fühle mich aktiv und absichtsvoll in jemanden ein und leiste ihm bewusst Empathie.

Im anderen Fall leide ich passiv an demselben Schmerz, bin also ebenso ausgeliefert, zur aktiven Hilfe nicht in der Lage. Oft aber hilft es manchen  schon, wenn sie nicht alleine gelassen werden und andere auch mitleiden.
Das leider Wahre, Leiden wird auch durch sehr echtes Mitleid nicht geringer oder leichter! Aber Achtung, dennoch hat Mitleid eine unerhört wichtige soziale Funktion!

Verzeih bitte, Gansta, dein "Wenn ich z.b. einen Gesichtsausdruck sehe, sehe ich schon wofür er steht..." Nein, Gansta, das ist ganz offenbar ein Irrtum!

Du 'interpretierst' den Gesichtsausdruck nach deinen Vor-Stellungen (sie stehen VOR der Realität) und würdest Erschreckendes in nur gering differenten Kulturen (Südeuropa) erleben...! Da setzt sie ja eben ein, die echte Empathie. Eine Einfühlung, die eben nicht mal schnell nach Äußerlichkeiten (Gesichtsausdruck) angenommen werden kann. Dann muss man eben auch Empathie für zum Beispiel für Leute/Situationen aufbringen, in denen man vielleicht ganz anders empfinden würde. Gerade für den therapeutischen Bereich, eine unerhört nötige Fähigkeit!

Wie es bei "normalen" Menschen ist, hängt natürlich ersteinmal von den jeweils gesetzten Normen ab. Im eben genannten südlichen Europa haben Empathie und Mitleid sicher andere Wertigkeiten ...und wohl auch Inhalte? Ich weiß es nicht.
Vielleicht ist der beliebte Begriff der "Spiegelneuronen" auch nur zu kompliziert, als dass er schnell mal eben mit Migefühlen erklärt wäre. Ob du nun Psychopath bist (allein deine Frage danach deutet lt. Freuds Zitat über Egoismus gerade nicht darauf ;) oder nicht, würde ich deiner Analyse überlassen! ;- ))



  • Empathie bedeutet, sich in die Gefühle anderer hineinversetzen zu können. Man kann sich dann also vorstellen, wie der andere fühlt -- egal um welche Gefühle es geht. Freude, Wut, Eifersucht, Hoffnung, Ekel. Man kann die Gefühle nicht nur zuordnen, weil man sie selbst kennt, sondern auch weil man Mimik, Gestik und die Situation, in der der andere sich befindet, zu einem Gefühlempfinden kombinieren kann.
  • Mitleid beschreibt dagegen ein eigenes Gefühl, nämlich das Gefühl, das einem der andere leid tut für das, was ihm gerade widerfährt. Das bedeutet nicht, dass man wirklich "mit ihm leidet", sondern dass man dieses bestimmte Gefühl hat, das aussagt "er tut mir leid". Oft bewirkt Mitleid das Gefühl, helfen zu wollen.
  • Bei kleinen Kindern ist es eine wichtige Lernstufe, Empathie zu empfinden und das kann man fördern, indem man darüber spricht, wie wohl andere Menschen gerade fühlen, egal ob andere Kinder oder Erwachsene. Das Kind mit Empathie kann dann nicht nur Sachaussagen treffen, z.B. "Das Kind backt Kuchen in der Sandkiste" sondern "Das Kind freut sich gerade, weil der Kuchen so toll gelungen ist." oder "Das Mädchen hat Angst vor dem Jungen" oder "Der Mann dort sieht sehr traurig aus, er weint fast." oder "Die Frau dort ärgert sich sehr über den Mann". All das sind empathische Äußerungen, die mit dem eigenen Gefühl des Kindes nichts zu tun haben, im Gegenteil bringt so ein Spiel den Kindern viel Spaß, egal ob die Gefühle der anderen positiv oder negativ sind. Bei traurigen Personen kann das Kind aber natürlich zusätzlich Mitleid entwickeln wie "Das Kind tut mir leid. Wollen wir ihm helfen? Wollen wir es trösten?"
  • Was das Hineinversetzen in Gefühle wie "Die Oma ist gestorben" angeht, so fällt es umso leichter, je besser man das Gefühl selbst kennt. Wenn du echte, eigene Trauer erlebt hast, dann kannst du sie bedeutend leichter nachempfinden als ohne dieses Erlebnis. Mach dir also keine Sorgen, falls du zum Glück noch nicht selbst so trauern musstest.

Einfühlungsvermögen heißt, dass man wort-wörtlich nachfühlt, wie die Person sich fühlt. Wenn du zum Beispiel nachvollziehen kannst, wie deine Nachbarin sich fühlt, wenn ihr Großvater gestorben ist oder so.

Mitleid, kannst du auch mit deiner Nachbarin haben, wenn du den Schmerz nicht nachfühlen kannst. Wenn du zum Beispiel noch nie jemanden verloren hast, dann kannst du das Gefühl nur erahnen, nicht nachfühlen. Also kannst du dann nur Mitleid mit ihr haben.

Außerdem kann man Einfühlungsvermögen auch in einer positiven Situation zeigen. Mitleid nicht.

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