Die Revolution 1918/19 - Eine ungenutze Chance zur Demokratisierung?

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4 Antworten

Das Arbeitsthema lautet:

Die Revolution 1918/19- Eine ungenutzte Chance zur Demokratisierung?

Das setzt voraus, dass vornehmlich zwei Unterthemen erarbeitet werden müssen:

  1. Was geschah in der Revolution 1918/19?
  2. War das Ergebnis der Revolution eine "Demokratisierung" Deutschlands?

Noch einige Tipps bzw. Hinweise für die Prüfung:

  • Die Begriffe "Revolution" und "Demokratie/Demokratisierung" solltest du erklären können.
  • Was meinst du denn mit "schwache Fundamente der Weimarer Republik"?  -  In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass die Weimarer Republik nur ein Nebenthema sein kann! Viel wichtiger wäre es, sich mit der Verfassung der Weimarer Republik auseinanderzusetzen. War sie wirklich ein "schwaches Fundament"?
  • "Widerspruch zwischen demokratischer Verfassung und der in weiten Teilen vordemokratischen gesellschaftlichen Wirklichkeit" - mit dieser Aussage wäre ich sehr vorsichtig! Die Gesellschaft der Kaiserzeit war schon sehr demokratisch, was z. B. am Aufstieg der Sozialdemokratie klar erkennbar ist. Große Teile der deutschen Gesellschaft sahen in demokratischen Wahlen eine Chance auf politische und damit auch gesellschaftliche Veränderungen, sodass die Sozialdemokratie trotz großer Benachteiligung bei der Wahlkreiseinteilung schließlich zur stärksten Fraktion im Reichstag wurde. Außerdem: für die Wahlen zum Reichstag galt ein modernes, nämlich einallgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht, wenn auch nur für Männer. Noch vor Kriegsende wurde das Reich zu einer parlamentarischen Monarchie. In der Weimarer Republik erhielten auch die Frauen das moderne Wahlrecht. Der Adel wurde abgeschafft. Inwiefern gab es denn in der Weimarer Republik eine "in weiten Teilen vordemokratische gesellschaftliche Wirklichkeit"?
  • Was die Punkte "Belastungen der Republik" und "Heer" angeht, so verweise ich noch einmal darauf, dass es um die Revolution und ihre Ergebnisse, nicht um eine Beurteilung der Weimarer Republik und ihre Politik in den 1920er Jahren geht! Und wenn du schon diese Punkte ansprichst: Haben die Politiker der Republik die Folgen des Versailler Vertrages denn nicht erfolgreich bewältigt, die Revision eingeleitet? Hätte die Verfassung der Republik nicht genug Möglichkeiten geboten, auch die Wehrmacht zu einer demokratischen Institution umzugestalten?

Wenn du noch Fragen hast, dann lass' es mich wissen!  :-)

MfG

Arnold

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Kommentar von SquirtingBanana
18.06.2016, 20:31

Hallo Arnold, 

Vielen Dank für dein Feedback.

Ich habe nun vor Allem die Verfassung und deren Demokratische Merkmale aufgezeigt, sowie ihre Schwächen (RP zu machtvoll, Art.48/25,...)

Als "verpasste Chance" könnte ich mir eventuell eine bessere Absicherung in der Verfassung vorstellen(z.B sowas wie eine 5%-Klausel, dem RP weniger Macht zusprechen).

Würden für dich Faktoren wie der Versailler Friedensvertrag, die Dolchstoßlegende oder allgemein antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik noch zum Thema miteinfließen? Oder geht das schon darüber hinaus?

Im Grunde hat die Revolution ihr Hauptziel, die Beendigung der Monarchie und die Verlagerung der Souveränität auf das Volk erreicht, oder?

MfG

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Die MSPD verhinderte durch das Bündnis mit der alten Reichswehrführung
1918/19 einen möglicherweise drohenden Bürgerkrieg; nichtsdestoweniger
kam es zu erheblichen Gewaltexzessen der rechtsgerichteten Truppen. Durch das Bündnis und die Exzesse, die diesem zugerechnet wurden, verlor die MSPD auch viele Anhänger. Die alten Eliten des Kaiserreiches in Militär, Verwaltung und Bildung, die erklärte Antidemokraten waren, wurden in die neue Republik importiert, und wurden teilweise (wie z. B. Wolfgang Kapp) gefährliche Feinde für die Republik. Es wurde versäumt, Posten mit neuen, demokratisch gesinnten Leuten zu besetzen, was aber angesichts des Zeitdrucks und der Masse von Problemen möglicherweise auch nicht durchführbar gewesen wäre.

aus https://de.wikipedia.org/wiki/Ebert-Groener-Pakt

Wäre die Revolution nicht (mit Zustimmung von Ebert und MSPD) niedergeschlagen worden, wären wohl mehr von den antidemokratischen Kräften in Machtpositionen entfernt worden, denke ich mir mal.


Ein sehr interessantes Buch zum Thema ist Die deutsche Revolution 1918/19 von Sebastian Haffner.

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Kommentar von earnest
19.06.2016, 13:23

Rundherum DH.

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Die deutschen Arbeiter und sonstige Gedeckelte des Landes hatten noch nicht die Reife für eine Revolution. Dazu gehörte auch, dass die damalige SPD seit Bernstein, also seit Bebels Tod in eine bloße opportunistisch-revisionistische Partei versumpfte, daher für einen Umsturz nicht geeignet war. Eine Kommunistische oder Anarchistische Partei gab es zu dieser Zeit noch nicht, daher war eigentlich fast schon Hopfen und Malz verloren. Als dann die sPD gar noch ausgesprochen verräterisch wurde, sich mit der Reichswehr verbündete, war es um die Arbeiter, - und soldatenräte geschehen.

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Du solltest 2 Aspekte noch miteinbeziehen:

1. der Friedensvertrag von Versailles, der von allen seiten in Deutschland abgelehnt wurde, weil er die alleinige Schuld bei D festschrieb - und seine wirtschaftlichen Konsequenzen; Die Tatsache, daß er von Vertretern der Weimarer Regierung (Zustimmung erfolgte unter Druck der Entente) unterschrieben wurde, wurde der Demokratie als solches angelastet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag\_von\_Versailles

2. Die Dolchstoßlegende: Das aufglöste Heer sah sich in seinen Anstrengungen verraten. Es war zwar klar, daß der Krieg nicht weiter geführt werden konnte, aber immerhin stand man immer noch in Frankreich. Dies führte zu der verbreiteten Meinung (und das haben nicht erst später die Nazis erfunden), daß letzt endlich die Revolution 18/19 und Demokratie die Niederlage verursacht haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dolchsto%C3%9Flegende

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Kommentar von gerolsteiner06
17.06.2016, 15:58

zum Versailler Vertrag: (aus Wiki)

Neben der Art seines Zustandekommens und den Inhalten des Vertrages –
insbesondere auch die Gebietsabtretungen mit deutschen
Bevölkerungsgruppen – beschädigte dieses Revisionssyndrom nachhaltig das
Ansehen der demokratischen Westmächte und das Vertrauen in die neue Demokratie in Deutschland.[33] Manche Historiker sehen in dem Vertrag eine wichtige Ursache für den Aufstieg des Nationalsozialismus.

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Kommentar von SquirtingBanana
17.06.2016, 15:59

Danke, das werde ich berücksichtigen. Allerdings würde mich immer noch interessieren, inwiefern die Chance zur Demokratisierung bei der Novemberrevolution ungenutzt blieb oder eben nicht. Kann mir da jemand weiterhelfen?

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