Der Unterschied zwischen Narzissmus und Selbstliebe?

5 Antworten

Wie du schon völlig richtig argumentierst, ist Selbstliebe kein Synonym für Narzissmus. Abgesehen davon, dass gerade und ganz besonders bei derartigen Definitionsfragen die Meinungen immer auseinander gehen (müssen), ist die Selbstliebe an sich ein viel umfassenderer Begriff. So sagt man in der Tat, dass die Liebe eines Menschen zu sich selbst Voraussetzung für die Nächstenliebe ist und eine ganz wichtige Komponente des Selbstwertgefühls, -vertrauens oder wie auch immer man das in Worte fassen möchte, darstellt, auch wenn der Begriff Selbstliebe in unseren Köpfen eher negativ vorbelastet ist. Noch extremer ist es da beim Begriff des Narzissmus, obwohl auch dort zwischen Narzissmus als (wichtige) Entwicklungsstufe und als Fehlentwicklung nach Freud unterschieden werden muss. Jedoch ist das "andere Menschen runtermachen", um sein eigenes mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren, nicht das klassische Bild eines Narzissten. Dieses beschränkt sich eher auf den unverhältnismäßig großen Wunsch nach Bewunderung und der völligen Überbewertung der eigenen Wichtigkeit, was aber vermutlich in der Realität mit ersterem einhergeht.

So würde ich dir teilweise recht geben, denn Narzissmus ist meiner Ansicht nach tiefgreifend verschiedenartig gegenüber meiner Auffassung von Selbstliebe. Selbstliebe ist ungemein wichtig für den menschlichen Entwicklungsprozess, wohingegen Narzissmus nach moderner Argumentation dem Menschen mehr schadet, oder ein Ausdruck von anderen Schäden in dieser Entwicklung sein kann.

Was heißt, "ein gewisses Maß?" Selbstliebe ist sehr wichtig, und zwar bedingungslos und unbegrenzt. Und eben weil sie bedingungslos ist, steht sie einer sachlich-objektiven Selbstreflektion nicht im Wege, die für das eigene- und das Wohl anderer unabdingbar ist. Selbstliebe schadet niemandem. Selbstliebe bedeutet, sich selbst genug zu sein, was die Voraussetzung dafür darstellt, sich nicht auf Kosten anderer bereichern zu müssen, und jeder Mensch sollte Eltern haben, die es als eines der obersten Ziele in der Erziehung ansehen, ihrem Kind selbstliebe mitzugeben.

Ich denke, dass es zu einem großen Teil davon abhängt, wie etwas alltagspsychologisch definiert ist, ob es nun "gut" oder "schlecht" besetzt ist. Erstens entsteht dabei die Frage, was denn "gut" oder "schlecht" tatsächlich ist, zweitens wird meines Erachtens generell alles, was nicht unmittelbar kollektiv und auf menschlich konstruierten moralischen Konstrukten beruht, negativ bewertet.

Es ist ganz natürlich, dass ein Lebewesen, dessen eigene Identität als Selbst in sich wohnt, für sich der/ die KönigIn dieser Welt ist. Darin besteht auch die Tatsache, dass sich jedes Lebewesen in Todesgefahr für sein eigenes Leben - oder bestenfalls für das seiner Kinder/ Angehörigen entscheiden wird, und nicht für eine irrationale kollektive Masse. Diese Tatsache verhindert jedoch nicht, sich im alltäglichen gesellschaftlichen Leben prosozial zu verhalten, schlicht, weil es eben auch zu einem eigenen besseren Leben und dem seiner "Lieben" führt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Genauso verhält es sich mit Egoismus, der auch negativ besetzt ist. Im Grunde genommen ist jeder Mensch Egoist - jeder auf seine Art. Und jeder auf seine Art, es zu definieren.

Ich bin allergisch auf dieses heroisch-moralische "Natürlich stelle ich mich selbst immer hintan" - Getue. Wenn man sich selbst genug ist, heißt das noch lange nicht, dass damit anderen geschadet wird. Natürlich kann man sich jedoch für ein schwingungsreiches kollektives Leben entscheiden, das das Leben abwechslungsreicher und leichter macht.

Als Ergänzung zu meinem Beitrag ist es mir jedoch ein Anliegen, zu bemerken, dass mir sehr wohl bekannt ist, dass es eine "krankhafte" Form der Selbstbewunderung gibt, wie sie vielleicht der ein- oder andere bereits selbst in seiner eigenen Entwicklung einmal erlebt hat. "Krankheit" ist aber wiederum fachlich derart definiert, dass jemand, der sich in einem gewissen Zustand befindet, unter ebendiesem LEIDET. Es ist also weder so, dass andere darunter leiden, noch zwangsläufig so, dass der/ die Betroffene unter Selbstbewunderung leidet. Ob etwas krankhaft ist, ist also subjektiv und nich allgemein gültig.


Narzissten leben und handeln ohne Rücksicht auf Verluste.

Selbstliebe bis zu einem gewissen Grad ist annehmbar, solange darüber nicht die Umwelt aus den Augen verloren wird.

Es handelt sich nicht um Selbstliebe bei Narzissten. Es ist eine Selbstsucht nach Anerkennung, weil sie sich eben selbst nicht ausstehen oder lieben können, sondern hassen und minderwertig fühlen. Der Größenwahn ist ein Abwehrmechnismus, der auf einer Illusion aufbaut. Es ist nicht echt.

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Narzismus ist krankhaft, ein gewisses Maß an Selbstliebe normal.

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