Cäsar - Commentarius?

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4 Antworten

1. Commentarii waren allemöglichen Aufzeichnung, meistens von römischen Beamten oder Staatsleuten, wie Journale oder Memos, auch private Haushaltsbücher.

2. Die Commentarii von Gaius Julius zählen eher zu eine kunstvollen aber puristischen Form der Literatur.

3. Ich weiß nicht in welcher Weise hier ein Exkurs gemeint ist, nach dem lateinischen Sinn ist es ja nur eine "Abschweifung", die aber heute im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Abhandlungen verwendet wird. Vllt. war Gaius Julius sich beim Verfassen seiner Commentarii bereits seinem historischen Vermächtnis sicher? ;)

4. Weil sie sehr viele, eher subjektive Tatsachen wiedergibt, aus der Sichtweise von Gaius Julius.

suziesext123 03.04.2017, 13:03

ich glaub, mit Excursiones sind so ne ulkigen Geschichten gemeint wie die, wo sich Caesar hat von den gallischen Barden richtig verarschen lassen:

27.
Ferner der Elch. Er gleicht an Gestalt und Farbenwechsel des Fells einer Wildziege, ist aber etwas größer; seine Hörner sind nur ein Stumpf, und seine Beine ohne Knöchel und Gelenke.
(2) Wenn er ausruhen will, legt er sich deshalb nicht nieder
und kann sich, wenn er durch einen Zufall niederstürzt, nicht aufrichten oder aufhelfen. (3) Bäume dienen ihm daher als Lager; an sie lehnt er sich an und so ruht er, nur etwas rückwärts gebeugt, aus. (4) Wenn nun die Jäger an den Spuren bemerken, wo er sich hinzubegeben pflegt, so untergraben sie entweder alle Bäume in der Wurzel oder hauen sie so an, dass sie nur noch dem äußersten Schein nach stehen. (5) Lehnt sich dann ein Elch seiner Gewohnheit nach daran, so drückt er den geschwächten Baum durch seine Last nieder und fällt selbst mit zur Erde.

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Commentarien sind schriftliche Aufzeichnungen, Notiz- und Tagebücher, Protokolle, Chroniken usw.

Beim "De Bello Gallico" handelt es sich demanch um die Kriegsberichte Cäsars, die er ursprünglich als Rechenschaftsberichte für den Römischen Senat verfasste und die als Legitimation für sein militärisches Vorgehen in Gallien, bei denen er seine Vollmachten als Proconsul der Provinz Gallia Cisalpina weit überschritten hatte, dienen sollten.

Dabei stellte er die Wanderungen der Helvetier unter Orgetorix und der Sueben unter Ariovist als Bedrohung für die Provinz und verbündete Volker dar und legitimierte damit seine Intervention.

Andererseits verschleierte er seine militärischen Misserfolge wie die gescheiterten Rheinüberquerungen. Viele Historiker glauben heute noch, dass es sich Strafexpeditionen und um "psychologische Kriegsführung" zum Zwecke der Abschreckung handelte. Tatsächlich waren es Versuche, rechtsrheinisches Gebiet zu erobern, die aber nach wenigen Tagen als totale Fehlschläge endeten. Die ausführliche Schilderung der Pionierleistungen beim Brückenbau vernebelt das so ziemlich.

Zur Erklärung des dadurch entstandenen status quo bedient sich Cäsar einer fiktiven Ethnographie: Links des Rheins leben die halbwegs zivilisierten Gallier, also ein Volk, dass es sich zu beherrschen lohnt und deren Land gute Ertäge (Tribute usw.) einbringt. Rechts des Rheins leben in finsteren Wäldern die wilden Germanen. Da gibt es für Rom nichts zu holen, aber man muss starke Armeen unterhalten, um sich vor Angriffen der Barbaren zu schützen.

So konnte Cäsar dem Senat und seinen Landsleuten die eigenmächtige Eroberung Galliens gut verkaufen und den ebenfalls eigenmächtigen Aufbau eines von ihm befehligten Heeres rechtfertigen.


Ein Exkurs ist eine Abschweifung vom Thema.
Cäsar hat gern über Land und Leute (Völker) geschrieben, die ihm bei seinen Feldzügen begegnet sind. Das war nicht die sonstige unmittelbare Kriegsberichterstattung. Dabei hat er vermutlich nicht einmal so viel geschwindelt wie später Marco Polo.

Für viele, denen seine Bericht dann in Rom vorgelesen wurde, waren es die ersten Informationen über die fernen Völkerschaften, die sie je gehört hatten.

commentarius war ein Rechenschaftsbericht mit politischer Tendenz, mit dem Caesar sich als hervorragender Stratege, Verwaltungsbeamter und Consul empfehlen wollte. Er beschönigt somit seine eigene Tätigkeit und ist ähnlich vertrauenswürdig wie jeder andere Politiker auch mit seiner Propaganda. Auch was Caesar über die Gallier und Germanen berichtet, ist nicht 100% zuverlässig, da er einige Dinge mit aufnahm nicht aus eigener Kenntnis, sondern auch vom bloßen Hörensagen.

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