Existiert ein Originaltext von Caesar's "de bello gallico"

6 Antworten

Ich mußte den Anfang davon in der Schule auswendig lernen. Kann es auch jetzt noch. Ich gehe mal davon aus, daß das Original, also mit Caesars Handschrift nicht mehr existiert. Bei wikipedia siehst du eine Buchausgabe von 1783. http://de.wikipedia.org/wiki/DebelloGallico Aber ich denke mal, das ist nicht die älteste Version dieses Werkes.

Dafür bräuchtest du eine Kritische Edition, z.B. eine Oxford-Ausgabe dieses Werkes. Darin stehen alle für den Herausgeber relevanten Überlieferungen, Handschriften(gruppen) incl. Abweichungen im Text (verschiedene Lesarten). Es wird auch erklärt, wo die Handschriften liegen, aus welchem Jahr sie stammen und wer von wem abgeschrieben hat (lässt sich durch Unterschiede und Fehler beim handschriftlichen Kopieren nachvollziehen. Der Autograph ist mit Sicherheit nicht mehr erhalten, das wäre zu schön. ;-)

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Mir fällt z.B. noch ein, dass man De re publica von Cicero auf einem codex rescriptus gefunden hat. Das heißt, De re publica stand auf einem Pergament, wobei man dieses Werk im Mittelalter abgeschabt hat, um es für Psalmkommentare von Augustinus zu verwenden (Pergament war sehr teuer, deshalb entfernte man antike Texte und verwendete die Rollen für neue Texte). Es waren quasi zwei Werke auf ein und derselben Rolle, die Wissenschaftler mussten "nur" den abgeschabten Text von Cicero bestmöglich wiederherstellen. Im 19. Jahrhundert entdeckte man übrigens erst, dass sich unter den Augustinus-Kommentaren De re publica befand. Bis heute werden darüber Forschungen angestellt!

Was du immer alles weißt.
staun

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@chromoson

Hmm, da muss ich mich auskennen, das ist genau mein Studieninhalt. :-)

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Über die Überlieferungssgeschichte des Textes von der Entstehung bis zur Spätantike ist wenig bekannt.

Ein von Gaius Iulius Caesar geschriebener oder wohl eher diktierter Originaltext ist nicht mehr vorhanden. Buchrollen aus Papryus waren damals die übliche Form.

Informationen stehen in textkritischen Ausgaben, vor allem in der Vorrede (Praefatio), die üblicherweise in lateinischer Sprache geschrieben ist, eine Auflistung der Handschriften direkt vor Beginn des Textes des Werkes.

Die älteste erhaltene Handschrift ist aus dem 9. Jahrhundert. Bekannt ist eher, aus welchem Kloster eine Abschrift stammt.

Es werden Klassen von Handschriften unterschieden, nach dem Zurückgehen mittelalterlicher Handschriften auf verlorengegangene Handschriften der Spätantike. α enthielt nur die Commentarii de Bello Gallico, β das ganze Corpus Caesarianum (M.[ichael] W.[interbottom], Caesar. In: Texts and transmission : a survey of the Latin Classic. Edited by L.[eighton] D.[urham] Reynolds. Oxford : Clarendon Press, 1983, S. 35 – 36).

Für die Textherstellung relevant sind von α:

Codex Amstelodamensis 73, Amsterdam, zweites Viertel 9. Jahrhundert, geschrieben in Fleury = A

Codex Parisinus Latinus 5056, Paris, 11./12. Jahrhundert, geschrieben in Moissac = Q

Codex Parisinus Latinus 5763, Paris, erstes Viertel 9. Jahrhundert = B

Codex Vaticanus Latinus 3864, Vatikan, drittes Viertel 9. Jahrhundert, geschrieben in Corbie = M

Codex Laurentianus Ashbumhamensis 33, Florenz, 10. Jahrhundert = S

British Library Add. Mss. 10084, London, 11./12. Jahrhundert, aus Gembloux (?) = L

Für die Textherstellung relevant sind von β:

Codex Laurentianus 68.8, Florenz, 10. Jahrhundert, einst im Besitz von Niccolò Niccoli = W

Codex Vaticanus Latinus, Vatikan, 11./12. Jahrhundert = U

Codex Parisinus Latinus 5056, Paris, zweite Hälfte 11. Jahrhundert = T

Codex Vindobonensis 95, Wien, erste Hälfte 12. Jahrhundert = V

In Büchern stehen nähere Informationen zur Überlieferung und zu einzelnen Handschriften:

Wolfgang Hering, Die Recensio der Caesarhandschriften. Berlin : Akademie-Verlag, 1963 (Schriften der Sektion für Altertumswissenschaft / Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin ; 41)

Virginia Brown, The textual transmission of Caesar's Civil war. Leiden : Brill, 1972 (Mnemosyne : Supplementum ; 23)

Will Richter, Caesar als Darsteller seiner Taten : eine Einführung. Heidelberg : Winter, 1977 (Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften : Reihe 2 ; N.F., 61)

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