Bundeswehr - Heer unqualifizierte Truppe?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich werde Dir jetzt sagen, wie ich es als ehemaliger Heeres-FWDLer (Grundausbildung bei der Infanterie, weitere Verwendung bei der Artillerie) mit Abitur erlebt habe, was das Thema schlau und dumm in der Bundeswehr angeht, es ist alles also komplett subjektiv. Meine Grundausbildung begann im April und dementsprechend war ich mit relativ vielen frischen Abiturienten zusammen, hatte aber auch Leute dabei, die, naja, dumm waren. Während wir Abiturienten im Prinzip alle von Anfang an uns sicher waren nur unseren Grundwehrdienst zu leisten und eventuell noch etwas zu verlängern, waren erstaunlich viele der "Dummen" der Meinung, dass ihre Zukunft in der Bundeswehr zu finden sei. Diese Personen sind teilweise auch tatsächlich dann genommen worden, obwohl sie teilweise vorher, als sie sich aus dem Zivilleben beworben haben, knallhart abgelehnt wurden. Du wirst sie heutzutage im Bereich der Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee finden, dort ist der Anteil wirklich sehr groß, der wie du meinst "dumm im Kopf" ist (75% "Dumme" zu 25% "Schlaue"). Was mich hier tatsächlich extrem gestört hat, war dass tatsächlich einige Personen unfähig waren, deutsch zu sprechen. Das ist kein Witz und es war kein verschwindend geringer Anteil. Nähern wir uns dem Bereich der Unteroffiziere mit Portepee an, sprich den Feldwebeln, wirst du hier bis zum Dienstgrad des Oberfeldwebels immer noch viele weniger schlaue Zeitgenossen finden, wenngleich es hier meinem subjektiven Empfinden nach mehr fähige Personen gibt, als in den zuvorgenannten Dienstgradgruppen (ich denke, in diesem Bereich liegt die Verteilung von "dumm" und "schlau" bei 60/40). Ab dem Bereich Hauptfeldwebel ist eigentlich alles in Butter, da diese Personen in 90% der Fälle Berufssoldaten sind und die Beförderung zum Hauptfeldwebel keine Pflicht ist, sondern allein nach Leistung passiert. Du wirst in einigen Fällen trotzdem merken, dass Du intelligenter als diese bist, doch diese Personen lassen mit sich reden und sind niemals das, was man als "dumm" bezeichnen würde. Die meisten Offiziere sind ebenfalls brauchbar und nicht dumm, höchstens arrogant und bilden sich etwas auf ihren Dienstgrad ein, aber dieser Teil ist verschwindend gering und legt sich meiner Meinung nach mit dem Alter, insbesondere ab dem Dienstgrad Hauptmann, der eben auch eine Leistungsbeförderung ist. Ich für meinen Teil hatte hauptsächlich mit Offizieren und Stabsoffizieren zu tun und insbesondere, was die Stabsoffiziere betrifft, fühlte ich mich stets von Leuten umgeben, die Spaß an ihrer Arbeit haben, ihr Bestes geben, sehr fähig und gebildet sind. Und was mir und meinen guten Freunden, die ähnlichen Umgang während ihrer Wehrdienstzeit hatten, auffiel ist, dass sich die Offiziere und Stabsoffiziere ebenfalls der Tatsache bewusst sind, von sehr vielen Idioten umgeben zu sein (ich habe einiges an Wutausbrüchen während diverser Offizierstreffen mitbekommen). Daher verstehe ich auch, dass man als halbwegs intelligenter Mensch mit Abitur, zu denen ich mich zähle, von verschiedenen Stellen bekniet wurde, sich zu verpflichten. Nach diesem ganzen Geplaudere aus dem Nähkästchen empfehle ich dir zum Schluss, dass Du Dich wohl besser auf eine Offiziersstelle beim Heer bewirbst, weil hier bist du wohl mit größerer Wahrscheinlichkeit mit Leuten zusammen, die tatsächlich Lust auf ihren Job haben und dazu auch befähigt sind. Und auf die Wochenendsoldaten von der Luftwaffe mit Biwak in der Turnhalle kannst Du doch gut verzichten, egal was sie Dir über das Heer erzählen! ;)

Danke für den Stern und viel Erfolg auf deinem Berufsweg!

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Hallo ,

da hat deine Bekannt echt Bockmist von sich gegeben ! Sicherlich hat jede Truppengattung ihren sg. Waffenstolz , der auch mal gerne nach aussen gekehrt wird, aber dennoch gibt es keinen Unterschied. "Dumpfbacken kommen nicht zur Bundeswehr! Grundvorraussetzungen sind für die Mannschaftsdienstgrade , ein Hauptschul oder höherer Abschluss , sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung! Für Unteroffiziere , gilt mindestens Hauptschule und eine abggeschlossene Berufsausbildung. Sowie Einstellungsvoraussetzungen , die anhand von Sporttest und Allgemein-Tests statt finden.Danach geht es auf die Fachdienst-Laufbahnlehrgänge.Diese müssen bestanden werden ! Man darf in der Regel nur einen Lehrgang wiederholen. Für die Offizierslaufbahn ist Abitur und die Bereitschaft zu einem Studium notwendig. Alle Lehrgänge müssen eine guten Notendurchschnitt aufweisen!

Zum Waffenstolz: Aus der Tradition heraus , bekennen sich viel Truppengattungen , natürlich zu ihrer Waffengattung! Auch gibt es interne Vergleichswettkämpfe , wie zB. Märsche ,Schiessen ect.

Standesdünkel ist in der Bundeswehr aber kein Thema !!!

Soweit aus meiner Sicht und meinem Backround-Wissen , als Frau eines Berufssoldaten und Mutter eines Berufssoldaten !

Alles Weitere kannst Du bei: www. Bundeswehr-karriere .de erfahren !

GLG und ein schönes , sonniges Wochenende!

Grundvorraussetzungen sind für die Mannschaftsdienstgrade , ein Hauptschul oder höherer Abschluss , sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung!

Nein, man benötigt hier nicht einmal einen Schulabschluss, sondern muss die Vollschulzeitpflicht erfüllt haben.

Für die Offizierslaufbahn ist Abitur und die Bereitschaft zu einem Studium notwendig.

Es gibt einen marginalen Anteil der Offiziere (5%), die nicht studieren. Es ist also möglich...

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@Rusty1995

Das trifft aber auf alle drei Teilstreitkräfte zu, nicht nur auf das Heer. Für die Beantwortung der Frage ist lediglich wichtig, dass sich qualifizierte und unqualifizierte gleichmäßig über alle Truppengattungen verteilen und nicht z. B. die unqualifizierten zum Heer und die qualifizierten zur Marine kommen.

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@kosy3

Ja, das meinte ich auch. Steht auch in meinem Beitrag mit drin :-)

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@Rusty1995

Eher könnte man sagen, dass die Qualifikation mit dem Dienstgrad zunimmt.

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@kosy3

Ja mit einigen Ausnahmen wäre das eine bessere "Abstufung".

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Hallo,

zwischen Teilstreitkräften bzw. auch Truppengattungen oder Verwendungen gibt es hin und wieder Konkurrenzgedanken bzw. werden Vergleiche gezogen. Der Vater deiner Bekannten spiegelt genau dieses Phänomen wider, indem er sich über die Teilstreitkraft unter Benutzung von Stereotypen erhebt. Vielen sagt die Luftwaffe als "sauberer Arbeitsplatz" zu, wobei das natürlich auch wieder nur ein Vorurteil ist, weil es hier viele analoge Berufsbilder zum Heer gibt.

Von dem Bildungsdefizit kannst du dich auch verabschieden, der ist theoretisch bei allen Teilstreitkräften gleich, weil die Anforderungen in Bezug auf schulische Qualifikationen nahezu äquivalent sind (mit wenigen Ausnahmen). Somit hast du natürlich auch in der Luftwaffe "Zebras" (Mannschaftsdienstgrade), die auch über einen mangelnden oder nicht vorhandenen Schulabschluss "verfügen".

Ich kann dir das aber dennoch an einem Beispiel näher erläutern, was die kameradschaftliche Konkurrenz unter den Truppengattungen betrifft. So haben die Fallschirmjäger in Afghanistan den Afghanen in einem Dorf, in dem sie regelmäßig patrouillierten, ein wenig Deutsch beigebracht: "Fallschirmjäger gut, Panzersoldaten schei..." Das sollte auf die baldige Übernahme von Panzergrenadieren in der Gegend anspielen und schon Grundlagen für die Zusammenarbeit schaffen ;-). Auch kasernenintern gibt es bspw. nette Bemerkungen der Panzergrenadiere gegenüber den Sanitären usw.

MfG Rusty

Hallo,

schon Hermann Göring als ehemaliger Jagdflieger im Ersten Weltkrieg sagte mal: "Soldaten des Heeres, Kameraden der Marine, meine Herren von der Luftwaffe."

Das ist aber heute obsolet. Natürlich gibt es ein (gesundes) Konkurrenzdenken, aber die eigenen Kameraden, egal von welcher Teilstreitkraft, als dumm zu bezeichnen, ist die Dummheit!

Früher kamen die Offiziere bzw. gerade die Generalstabsoffiziere fast nur aus dem Adel oder aus gutsituierten Familien, in denen eine sehr gute Allgemeinbildung Stand der Dinge war, was man eben von Arbeiterfamilien nicht sagen konnte. Deshalb blieb den Söhnen der Arbeiterklasse eine Offiziersausbildung oder eine Ausbildung an hochkomplexen Geräten versagt.

Ein Gewehr abzufeuern konnte man aber jedem einfachen Soldaten beibringen. Heute ist das aber ganz anders. Die Ausbildung eines Soldaten kostet viel Geld und muss sich rein betriebswirtschaftliche betrachtet, auch lohnen. Außerdem werden die Waffensysteme, egal bei welcher Teilstreitkraft, immer komplexer und durch die zukünftig zunehmende asymmetrische Kriegsführung braucht man auch Soldaten, die einen Plan von den weltweiten Zusammenhängen haben und dann im Sinne der politischen und militärischen Führung tätig werden können.

Lass Dich also nicht verunsichern, sondern versuche, für Dich das Beste herauszuholen und arbeite an Deiner Allgemeinbildung, gerade im Bereich der NATO- und EU-Außenpolitik. Nur wenn Du die Zusammenhänge - zumindest im Groben - verstehst, wirst Du zufrieden sein, egal in welcher Teilstreitkraft. Du musst natürlich auch hinter der Idee, dass eine Armee Teil der Politik ist, stehen.

Moin,

was erwartest du, was dir so ein Schlipssoldat von den Schlammkriechern erzählt und was die Seelords über beide zu sagen haben ;) Sprüche wie Panzergrendadiere sind hohl, Gebirgsjäger sind hohler, sollten ja wohl keinen Bewertungsmaßstab bilden.

Die Qualifikation und Intelligenz hängt von der Laufbahn, von der Ausbildung, von der Stellung/Verwendung und von den Personen an sich ab. Beim Heer gibt gibt es ebenso studierte Spezialisten, wie es bei der Luftwaffe Gefreite gibt, die "irgendwelche Putzaufgaben" übernehmen. Früher wie heute.

mfg Nauticus