Bei jeglichen Fehlern der "Ich bin ein schlechter Mensch" Gedanke. Was dagegen machen?

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Du hast als kleines Kind dich anpassen müssen. Das müssen so gut wie alle Kinder. Denn: als Kind werden wir nicht so geliebt wie wir sind, sondern wie wir zu sein haben. Liebe gibt es nicht umsonst. Wir müssen Bedingungen der Erwachsenen erfüllen. Z.B. brav sein, leise, lieb, ordentlich, fleißig, sauber, ein "richtiger" Junge und ein "richtiges" Mädchen sein, gute Noten bringen, den Eltern keine Schande machen etc. Diese Muster haben wir alle verinnerlicht. Wenn wir es den Eltern, Erziehern etc. recht machten und uns verbogen haben, erhielten wir ein wenig Liebe, Aufmerksamkeit, Beachtung, vielleicht mal ein Lob. Haben wir sog. Fehler begangen wurden wir gerügt, uns das oft jahrelang unter die Nase gehalten mit Worten wie: schäm dich was! Wer glaubst du, wer du bist? Nimm dich bloß nicht so wichtig! Was sollen denn die Leute denken... usw.

Das alles hat in uns in der Kindheit Schuld- und Schamgefühle hervorgerufen. Emotionen wie Schuld, Scham, aber auch Angst, Wut, Trauer, Kleinheit etc. haben jedoch kein Verfallsdatum. Diese Gefühle wirken oft noch Jahrzehnte später wenn wir erwachsen sind. Wir alle machen keine Fehler, wie man es uns als Kinder eingetrichtert hat. Wir machen nur Erfahrungen auf unserem Lebensweg. Klar, sollte man keine "Fehler" mehrfach machen, denn man lernt daraus. Aber diese Erfahrungen gehören dazu. Kein Mensch wird in diesem Leben zur Perfektion gelangen. Also freue dich über deine "Fehlerchen" und sage dir: Toll, ich habe heute 15 Fehler gemacht und viel dabei gelernt. Erbarme dich deiner sog. Fehler. Du hast es bis jetzt richtig gut gemacht, du hast es so gut gemacht, wie du konntest. Das sei dir gewiß. Lege diese alten Muster ab, die man dir und auch den anderen Kindern eingetrichtert hat. Irgendwann sollte dieser alte Kreislauf der Unliebe, der Perfektion, des Verurteilens wenn es einer nicht richtig gemacht hat unterbrochen werden.

Wir alle sind auf der Erde, um zu lernen. Unsere Seele trennt nicht in gut und böse. Das einzige, was unsere Seele möchte, viele Erfahrungen machen, denn das ist das einzige, was wir einmal, wenn wir unseren Körper verlassen, mitnehmen können. Kein Geld, kein Gut, nur Erfahrungen und die Liebe, denn allles was du liebst wird bleiben.

Dann füge ich noch einmal das Wort "Selbstabwertung" hinzu. 

Du darfst dich nicht selbst bewerten.

Wer sich überbewertet und wer sich abwertet, zerstört sein inneres Gleichgewicht. Überbewertung und Abwertung verkrüppeln unser Selbstgefühl. Die Abwertung äußert sich als Selbstunsicherheit und Selbstzweifel, als Minderwertigkeitsgefühl, als Depression oder Angst.

Die Selbstüberbewertung zeigt sich als arrogante Überheblichkeit oder als Prahlerei und Angeberei. Sie kann auch als gönnerhafte Wohlgefälligkeit oder als illusionäre Phantasterei auftreten. Wichtig ist, zu verstehen, dass sich die Selbstüberbewertung und die Selbstunterbewertung gegenseitig erzeugen und gegenseitig steigern.

Wer selbst unsicher ist, gibt sich gern vor anderen den Anschein der Sicherheit. Darum benimmt er sich übertrieben selbstsicher. Er verhält sich selbstherrlich oder selbstgerecht oder arrogant. Zugleich fühlt er sich ständig unsicher, weil er nie weiß, ob ihn die anderen in seiner überheblichen Pose ernst nehmen. Mit der Überheblichkeit läuft also der Selbstzweifel so parallel wie zwei Wagenräder auf derselben Achse. Überheblichkeit und heimliche Selbstzweifel gehören zusammen wie die Außen- und Innenseite einer Hohlkugel. Beide zerstören die Selbstachtung.

Wahrscheinlich sitzt Du in einem falschen Selbstbild fest. Du stellst Dir vielleicht vor, Du müßtest immer und überall perfekt sein, alles, was mit Dir zu tun hätte, müßte rund laufen und so weiter. Vielleicht hast Du Schwierigkeiten, Dich als Menschen anzunehmen und lieb zu haben, der fehlbar ist und dem nicht alles immerzu gelingt, so wie es uns allen geht. Womöglich hat das mit den Erwartungen zu tun, die man immer schon an Dich gestellt hat.

Manchmal geht ein Selbstbild so schief, weil die Eltern, Verwandte, Lehrer und andere wichtige Leute nur dann Lob aussprechen und belohnen, wenn man sich völlig fehlerfrei verhalten hat oder wenn die Leistung makellos war. Dann kommt man tief im Inneren zu dem Schluß, daß man nur geliebt werden kann, wenn man vollkommen ist. Und man liebt sich auch selbst nicht mehr, wenn man nicht vollkommen ist. Man selbst weiß aber am besten wo und wie oft man Fehler macht und deshalb kann man sich nie wirklich annehmen und lieb haben, man kann keine Freundschaft mit sich selbst haben, sondern lebt in einem permanenten Kriegszustand.

Das muß nun nicht heißen, daß das genau Dein Problem trifft. Aber Du könntest einmal versuchen, diese Aspekte in Deinen Gedanken über Dich selbst einzufügen und Dich zu befragen, ob da etwas dran sein kann. Jeder von uns ist ein bißchen anders und jeder hat deshalb auch andere Probleme. Aber mit etwas Anregung gelingt es Dir vielleicht, herauszufinden wie das bei Dir selbst genau ist. Viel Glück, q.

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