Aristoteles / Kant Eudaimonia?

2 Antworten

Aristoteles vertritt eine eudaimonistische Ethik, Immanuel Kant eine nicht-eudaimonistische Ethik. Darin liegt ein grundlegender Gegensatz. Die Unterschiede überwiegen. Alle Einzelheiten lassen sich nicht schnell und kurz zusammentragen.

Gemeinsamkeiten von Aristoteles und Immanuel Kant beim Thema «Glück(seligkeit)»

  • Glück/Glückseligkeit ist ein Gut.
  • Glück/Glückseligkeit ist ein erstrebenswertes Ziel und wird erstrebt.
  • Bedürfnisse und Wohlergehen spielen eine Rolle.


Unterschiede von Aristoteles und Immanuel Kant beim Thema «Glück(seligkeit)»

  • Grundlage der Ethik: Bei Aristoteles ist Glück/Glückseligkeit Grundlage der Ethik. Immanuel Kant dagegen lehnt ein Streben nach Glück Glück/Glückseligkeit als Grundlage der Ethik ab, weil er Glück/Glückseligkeit für ungeeignet hält, eine Ethk darauf aufzubauen. Das Streben nach Glück/Glückseligkeit ist seiner Einschätzung nach in einem empirischen Bereich angesiedelt, für die es Regeln der Klugheit (hypothetische Imperative gibt). Dem Streben nach Glück/Glückseligkeit fehlt seiner Meinung nach eine Allgemeinheit und Notwendigkeit (es gibt nicht, was für alle Menschen dabei verbindlich ist), die Voraussetzung für ein grundlegendes Prinzip der Ethik ist. Moralisch ist nach Auffassung von Kant ein Wille, der eine Maxime (einen subjektiven Grundsatz) wählt, in der er von der Gesetzesförmigkeit (etwas kann Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft sein) bestimmt ist, nicht von empirischen Triebfedern.
  • Abstufung bei der Bewertung als Gut: Aristoteles hält Glück/Glückseligkeit für das höchste Gut im Bereich des Handelns, Immanuel Kant nicht. Kant hält Tugend für das oberste, aber nicht das vollendete, höchste Gut. Nach Auffassung von Kant besteht das höchste Gut in der Übereinstimmung von Glückseligkeit und Glückwürdigkeit, bei der die Tugendhaften entsprechend ihrer Tugend belohnt werden.
  • Begriffsverständnis von Glück/Glückseligkeit: Aristoteles versteht Glück/Glückseligkeit als gutes Leben und Wohlbefinden, also etwas Objektives. Empfindungen und Zufriedenheit sind darin enthalten, aber es geht wesentlich um eine längere Dauer, nicht nur einen kurzen Augenblick, und Freude ergibt sich als Begleiterscheinung bei der gelungenen Entfaltung von Fähigkeiten. Immanuel Kant versteht Glück/Glückseligkeit als ein Empfindungsglück, bei dem die subjektive Zufriedenheit wesentlich ist. Kant verbindet Glück/Glückseligkeit mit Wohlergehen, Wohlbefinden/Wohlfahrt und Wohlsein, mit dem Genießen von Annehmlichkeiten
  • Erreichen von Glück/Glückseligkeit: Nach Auffassung von Aristoteles beruht Glück/Glückseligkeit auf Entfaltung von Fähigkeiten, wobei die Vernunft hervorragt. Eine der Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit gemäße Tätigkeit der Seele ist wichtig. Immanuel Kant denkt beim Erreichen von Glück/Glückseligkeit an Befriedigung/Erfüllung der Neigungen/Bedürfnisse/Triebe. Glück/Glückseligkeit hängt davon ab, ob Wünsche verwirklicht werden. Die Tugend beurteilt Kant als für die Moral wichtig. Voraussetzung für das Erreichen von Glück/Glückseligkeit ist seiner Meinung nach an sich nicht Tugend, sondern Übereinstimmung von Glückseligkeit und Glückwürdigkeit kann nur durch ein intelligentes, gutes und sehr mächtiges Wesen, das die Welt leitet, garantiert werden.
  • Egoismus: Beide sind gegen einen ethischen Egoismus in der Bedeutung eines rücksichtslosen tendenziell, schrankenlosen Verfolgen des eigenen Vorteils mit engem Blickwinkel, Aristoteles ist aber mehr darauf ausgerichtet, zwischen scheinbar und wirklich gutem Handeln zu unterscheiden (der schlechte Egoismus liegt nicht im wohlverstandeenn Eigeninteresse, sondern verfehlt das eigene Ziel), Kant, das Prinzip der eigenen Glückseligkeit als verwerflich anzuprangern.

Gemeinsamkeiten??? Naja, beide haben was dazu gesagt. Aber das Gegenteil.

Für Aristoteles ist sie das höchste und letzte Ziel, für Kant gar keins.

Die Aussage zu Kant ist falsch. Kant hält Glück/Glückseligkeit für ein Gut (wenn auch nicht das höchste) und ein Ziel, das erstrebt wird. Kant lehnt ein Streben nach Glück/Glückseligkeit als Grundlage der Ethik ab, was aber etwas anderes ist, als es für gar kein Ziel zu halten. Glück/Glückseligkeit wird in hypothetischen Imperativen erstrebt, was in der menschlichen Natur angelegt ist. Kant grenzt allerdings so etwas scharf vom moralischen Sollen ab.

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