'Akkusativ vs. Dativ'

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Uiii, schön, dass diese Frage noch da ist!!

Also: Es ist schwer zu sagen, warum Dativ und Akkusativ verwechselt werden. Im Grunde sind die Kasus, auch was das Sprachgefühl anbelangt, eng mit den Verben und den einschlägigen Präpositionen verbunden. Möglich wäre allenfalls, dass (1) die nötige Sprachbildung fehlt (Dativ und Akkusativ werden ja nicht beliebig mit Verben verbunden, sondern haben unterschiedliche syntaktische Funktionen, was durch die [vor allem bei den romanischen Sprachen gebräuchlichen] Termini direktes und indirektes Objekt gut ausgedrückt wird. Im Akkusativ steht das Patiens, auf das die Handlung des Agens direkt übergeht, im Dativ in der Regel das mittelbar betroffene Objekt) oder (2) sich die Formen zu sehr ähneln und mitunter ohnehin im Abnehmen begriffen sind. (In vielen Sprachen kann man feststellen, dass Formen schwinden. Die Dativendung ist ja auch so gut wie gestorben.) Allerdings muss man auch da differenzieren. Einerseits gibt es da Fehler wie Ich danke dich, die rein sprachlogisch nachvollziehbar sind (da danken durchaus ein Akkusativobjekt fordern könnte) aber andererseits Fehler wie die von dir angeführten, wo die richtige Kasuszuordnung absolut relevant ist. Bei den Präpositionen, die mit mehreren Kasus kombinierbar sind, ist die Verwendung ja mitunter bedeutungsunterscheidend (Dativ — Position vs. Akkusativ — Bewegung). Diese Fehler sind für mich nicht richtig zu erklären, könnten allenfalls mit einer allgemeinen Gleichgültigkeit im Bezug auf den Sprachgebrauch einhergehen. Andererseits unterscheidet das Deutsche auch genau bei diesen Bedeutungen auch die Verben (transitiv/intransitiv), sodass die richtigen Kasus für das Verständnis doch nicht obligat sind (vgl. stehen/stellen, sitzen/setzen usf.).

Bei »Ich gehe heute nicht raus, weil es regnet« ist der Hauptsatz als solcher nicht zu erkennen, da die finite Form nicht nur an zweiter Stelle, sondern damit auch am Satzende steht und deshalb auch ein untergeordneter Satz sein könnte. Aber im Grunde ist weil natürlich eine Subjunktion. Genau das ist ja ihr Unterschied zu denn, das einen Hauptsatz einleitet. Hier liegt vielleicht der Einfluss anderer Sprachen vor: Es ist fast einmalig im Deutschen, untergeordnete Sätze durch die Finalstellung des finiten Verbs zu kennzeichnen! Und da Sprache grundsätzlich zur Vereinfachung neigt, werden diese Formen vielleicht abgebaut.

Zu guter Letzt: Wenn sich grammatikalische Gewohnheiten ändern, muss das nicht immer schlecht sein. Mir gefällt falsche Verwendung auch ganz und gar nicht, allerdings muss man auch bedenken, dass sich Grammatik immer gewandelt hat und dass sie, vor allen Dingen, immer nur künstlich normiert wurde. Man hat nur zu einem beliebigen Zeitpunkt den Sprachstatus erfasst und niedergeschrieben. In jener Zeit gab es allenfalls Varianten, aber nicht »richtig« oder »falsch«. Mit anderen Worten: zu 99% der Zeit, in denen es Sprachen gab, war ganz einfach richtig, was gesprochen wurde. Dass man sagen kann: »Das ist falsch!«, hängt eigentlich nur damit zusammen, dass etwas Wandelbares einmal fixiert und normiert wurde.

Diss is auch wegen den Lothar Matthäus seine Aussprache, der wo redet, wie ihn der Schnabel krumm gehauen wurde.

Weil - man gewöhnt sich an allem, sogar am Dativ!!

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