ich rolle es nicht

Der Grund liegt darin, wie man es gelernt hat: wie die Eltern oder die Umgebung es sprechen. Das kann heutzutage schon innerhalb eines Ortes variieren. Verantwortlich dafür ist einerseits die zunehmende Mobilität - ursprünglich war die Aussprache regional bedingt und innerhalb einer Region relativ einheitlich, aber indem Leute ihren Wohnsitz wechseln, nehmen sie ihre Aussprache mit und beeinflussen damit auch die Aussprache ihrer Umgebung. Andereseits findet durch überregionale Medien eine Nivellierung und Standardisierung statt. (Schon Hochdeutsch ist eigentlich der Versuch, einen einheitlichen nationalen Standard zu schaffen jenseits der ursprünglich benutzten Dialekte.)

Im Hochdeutschen wird eher nicht gerollt - auch das ist regional unterschiedlich, aber der derzeitige Medienstandard (Fernsehen und Radio) vermeidet das Rollen. Mundartliche Sendungen, "volkstümliche Programme" und regionale Sender greifen aber daruf zurück (man denke an die unsäglichen "Sissi"-Verfilmungen ...). Im Bühnendeutschen war das vor 40 Jahren noch der Standard, das hat sich aber wohl erledigt mittlerweile. In der klassischen Musik wird mit Zungenspitzen-R gerollt.

Ich komme aus Oldenburg, meine Eltern (Mutter aus Oldenburg, Vater aus Ostfriesland) rollen das "r", wenn sie Platt sprechen, aber nicht im Hochdeutschen.

Ich selbst spreche fast nur Hochdeutsch und rolle es dort nicht. Plattdeutsch spreche ich im Prinzip nicht, aber den einen oder anderen Schnack kann ich noch. Dann rolle ich aber auch, ganz automatisch.

Hier ein Link zu einer Antwort zu einer ähnlichen Frage als Ergebnis einer kurzen Internet-Recherche (auf Englisch):

https://www.quora.com/In-which-German-Dialects-accents-are-r-s-tapped-or-trilled/answer/G%C3%BCnter-Neessen

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Die Frage ist ja schon etwas älter, aber da ich gerade darauf gestoßen bin und gerade jetzt die Serie sehe, antworte ich mal, zumal hier einige falsche Antworten sind.

Generell sind Wikias zu Serien eine gute Quelle. Blakkroze hat das ganz gut gemacht, nur leider ist seine Quelle unzuverlässig. (https://merlin.fandom.com/de/wiki/Merlin_-_Die_neuen_Abenteuer_Zauberspr%C3%BCche) Die Angabe, dass die Sprüche in Walisisch seien, war wohl eher Wunschdenken des Menschen, der den Eintrag verfasst hat. Andererseits wäre das aber auch logisch, da die alten Briten eine Sprache gesprochen haben, die dem heutigen Walisisch ähnlich gewesen sein muss.

Ehrlich gesagt hab ich nicht wirklich auf die Zaubersprüche geachtet, aber soweit ich da reingehört habe, klingen sie nach Altenglisch ("Anglo-Saxon", Angelsächsisch), verwandt mit Altsächsisch (Vorläufer des Plattdeutschen) und Althochdeutsch. Ich bin aber nicht sicher, ob das auf alle Sprüche zutrifft.

Mein Problem bei der Analyse wäre, dass ich Walisisch nicht kenne und in Altenglisch nicht wirklich bewandert bin. Klassisch kennzeichnend für Altenglisch (wie für alle nordseegermanischen Sprachen, also auch Altsächsisch und Friesisch) sind die Diphthonge (Doppelvokale) ea, eo; das „th“ (graphisch als þ – stimmlos wie in „thunder“, „thorn“ - oder ð – stimmhaft wie in  „the“, „that“ realisiert), das rollende „r“, das es im heutigen Englischen nicht mehr gibt, aber im Friesischen noch verwendet wird. All das taucht in den Zaubersprüchen auf. (Nur weiß ich eben nicht, ob es das im Walisischen nicht auch gibt …)

Gerade habe ich Staffel 1, Episode 7 gesehen, „Auf dem Wege nach Avalon“, die Folge mit den Sidhe, die zurück zu ihrem Volk wollen. In einer Kampfszene verwendet Merlin den Spruch „Forbærnan firgenholt“. Das ist definitiv Altenglisch. Forbærnan ist der Infinitiv von dt. verbrennen – for = ver, bærnan = brennen; die Vertauschung des ersten Vokals mit dem „r“ (Metathese: Umstellung eines Lautes oder Vertauschung von Lauten innerhalb von Wörtern) ist recht häufig bei germanischen Sprachen, vgl. neuhochdeutsch Brunnen, altenglisch burna, neuenglisch burn, altsächsisch born, plattdeutsch Born; deutsch Christiane, niederdeutsch Kirsten. Firgen ist altenglisch für Berg, auch Bergwald, holt meint sowohl Holz als auch Gehölz.

Altsächsisch wäre das farbrėnnian bergholt“. Der Infinitiv ergibt natürlich keinen Sinn, es müsste ein Imperativ sein (Befehlsform); „Bergholz“ ergibt auch nicht wirklich Sinn, das Wort habe ich trotz Suche nicht gefunden, aber ich vermute, da „firgen“ auch Bergwälder bezeichnet, dass es sich um Krüppelholz handeln soll, da der Spruch in der Szene sich auf einen Aststumpf bezieht. Andererseits darf man bei jemandem, der einen Infinitiv nicht vom Imperativ unterscheiden kann, vielleicht auch nicht zu viel erwarten …

Die Anglistin Bettina Breitenberger hat eine Arbeit genau zu dem Thema verfasst: Merlin, Magie und fauler Zauber? Analyse altenglischer Zaubersprüche in der Serie "Merlin", in der sie die Sprüche als Altenglisch identifiziert und sich mit ihrer grammatischen Korrektheit befasst ... Dort finden sich auch weitere Beispiele altenglischer Zaubersprüche aus „Merlin“.

Das wird vom englischen Wikipedia-Eintrag zur Serie bestätigt: „The Old English for spells was written by university scholar and medievalist Dr. Mark Faulkner,[7] and later by the script editing team." (https://en.wikipedia.org/wiki/Merlin_(2008_TV_series)

An sich ergibt Altenglisch keinen Sinn, da die Briten, zu denen Merlin, Artus und Co. gehörten, natürlich kein Angelsächsisch gesprochen haben, sondern das keltische Britannisch. Sie haben ja eben gerade Britannien gegen die Angeln, Sachsen und Jüten verteidigt. Altenglisch ist das Ergebnis der Verschmelzung der Sprachen (oder besser Dialekte) der germanischen Eroberer. Aber in einer Folge taucht auch der Fürst von Mercia auf, und Mercia ist ein sächsisches Königreich in Britannien ca. 200 Jahre später. Deren König hätte tatsächlich Altenglisch gesprochen, also dieselbe Sprache, in der die Zaubersprüche abgefasst sind. Und er hätte kein Wort von dem verstanden, was Uther da von sich gibt. Aber als es Mercia gab, waren Uther und Co. auch schon lange tot. (Und der Sage nach war Merlin ja auch schon ein alter Mann, als er zu Artus‘ Mentor wurde.)

Man darf von solchen Serien keine historische Korrektheit erwarten.

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... de Dör to ... (im Ollnborger Platt)

"Die" ist bereits Hochdeutsch. Plattdeutsch unterscheidet übrigens zwischen Neutrum und Utrum (männlich und weiblich in einem Genus vereint), wie auch die skandinavischen Sprachen. Entsprechend gibt es zwei Artikel, "de" (der, die) für Utrum und "dat" (das) für Neutrum.

Wo kummst du her? (Hochdeutsch: Woher kommst du?) :)

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"Shinmai Maou no Testament Season 3 is confirmed by Production IMS but
the official release date if yet to be revealed. As the anime will enter
production stage in early 2018 so it means we can see The testament of
Sister New Devil Season 3 by spring 2019."

http://filmschoolwtf.com/shinmai-maou-no-testament-season-3-release-date/

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1. ist das ein englisches Wort. Jeder Sprecher und Schreiber weiß das. Sonst müssten wir uns bei der Schreibung des Wortes (Wörter sind zunächst einmal Lautgebilde) ein "Task Mennedjer" abwürgen. Und selbst dann stimmt es nicht genau, weil die Laute im Englischen und Deutschen nicht ganz identisch sind. Ich halte es für etwas fragwürdig, deutsche Rechtschreibung auf englische Wörter anzuwenden, solange wir ein Wort offensichtlich (eigentlich ja -hörbar, aber egal) englisch sprechen.

2. hast du im Deutschen immer die Möglichkeit, ein zusammengesetztes Wort auch mit Bindestrich zu schreiben. Das ist eigentlich der Deutlichkeit vorbehalten (bei langen Wörtern, bei Wörtern, die Elemente aus zwei oder mehr Sprachen enthalten, zur Betonung eines Aspekts usw.), aber generell nicht falsch.

Bei der Zusammenschreibung im Deutschen ist es so, dass in der Regel der erste Bestandteil ein Attribut des zweiten ist, das heißt, er erläutert den zweiten näher (Weihnacht, Geburtstag, Rechtschreibreform). Die Betonung liegt dann auf dem Attribut. Beim Task Manager "höre" ich beide Bestandteile betont, was für eine Bindestrichschreibung spräche.

Ich persönlich schreibe die meisten englischen Begriffe englisch (wie ich sie auch spreche), das heißt also getrennt, nur groß, weil im Deutschen Substantive großgeschrieben werden. Will ich sie aus der deutschen Schreibung herausnehmen, schreibe ich sie kursiv, dann in der Regel klein. Das hat sich in ethnologischen Schriften durchgesetzt, wo es viele Begriffe gibt, die nicht übersetzbar sind, weil sie keine Entsprechung in der Sprache der Autoren haben, und ist auch die gängige Methode in Verlagen.

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"Hochdeutsch" hat zwei Bedeutungen: Einmal ist es ein Synonym zu Standarddeutsch und meint dann dasselbe. Wegen der Benennungsgleichheit schwingt bei "Hochdeutsch" allerdings auch die soziolinguistische Konnotation von "Hochsprache" im Unterschied zur Sprache des "gemeinen Volks" mit bzw., schlimmer: die wertende Konnotation von sozial hochgestellt und sozial niedrig. Das kommt noch aus der Zeit, als die Leute im Alltag Dialekt gesprochen haben und Hochdeutsch nur in offiziellen Begegnungen, im Kontakt mit Behörden oder wenn sie Leuten aus anderen Regionen begegneten. Nur die Gebildeten sprachen Hochdeutsch. Die Opposition ist hier Hochdeutsch zu Dialekt.

In der Dialektologie bezeichnet "Hochdeutsch" die Gruppe von Dialekten, die an der 2. Lautverschiebung (auch Hochdeutsche Lautverschiebung) teilgenommen haben. Das sind alle Dialekte, die nicht Niederdeutsch sind. Der Begriff leitet sich hier aus der landschaftlichen Bestimmung her: die Dialekte der landschaftlich höher gelegenen Gebiete gegenüber denen aus dem Flachland. Die Opposition ist hier Hochdeutsch zu Niederdeutsch.

Das ist zum Teil begründet dadurch, dass das heutige Standarddeutsch aus der Meißnerischen Kanzleisprache entstanden ist, einer hoch standardisierten Verwaltungssprache mit Ostmitteldeutsch als Ausgangspunkt. "Mitteldeutsch"* ist eine Variante des (dialektologischen) Hochdeutschen, zwischen der Benrather Linie (Isoglosse, Trenner zwischen Niederdeutsch und Hochdeutsch im weiteren Sinne (Hochdeutsch im engeren Sinne plus Mitteldeutsch): maken-machen-Linie) und der Speyerer Linie (Trenner zwischen Mitteldeutsch und Hochdeutsch im engeren Sinne (Oberdeutsch): Appel-Apfel-Linie; "Äppeläquator"). Für die niederdeutschen Sprecher war das alles nicht Niederdeutsch = Hochdeutsch.

Wegen seiner Mehrdeutigkeit, die nur vom Kontext aufgeschlüsselt werden kann und auch noch Wertungsaspekte aufweist, verwendet man für die soziolinguistische Betrachtung (1. Absatz) besser "Standarddeutsch", für die dialektologische Betrachtung (2. Absatz) besser "Mitteldeutsch" bzw. "Oberdeutsch".


* Siehe beigefügte Graphik.

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Im Grunde gibt es drei Optionen: am Montag, letzten Montag, Montag letzter Woche.

"Am Montag" bezieht sich immer auf den nächstliegenden Montag sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft. Die Richtung gibst du durch die Zeitform des Verbs an: Ich werde am Montag fahren bzw. Ich bin am Montag gefahren. In deinem Fall, wenn es drei Tage her ist, verwende ich üblicherweise diese Form. Jeder versteht das richtig.

"Montag letzter Woche" ist eindeutig, du kannst dir das auf einem Kalender ansehen und hast dort einen Zeitraum, innerhalb dessen sich dieser Montag befindet: in der entsprechenden Kalenderwoche; liegt die eine Woche vor der jetzigen, ist nicht der letzte Montag gemeint, sondern der davor.

"Letzten Montag" ist im Grunde synonym mit "am Montag", gibt aber die Zeitrichtung vor: Gemeint ist der letzte Montag vor dem heutigen Tag. Faktisch ist das präziser als "am Montag" und eindeutig (vgl. Als ich das letzte Mal da war - bei "letzt(e,er)" gibt es nichts zu deuteln). Nach meinem Gefühl drückt das aber eine größere zeitliche Distanz aus als "am Montag", und ich vermute mal, dir geht es ähnlich, weil du es gefühlt mit dem Montag letzter Woche gleichsetzt.

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Ob jemand überredet oder überzeugt wurde, erfährst du, wenn du ihn fragst, weshalb er etwas getan hat. Wenn er antwortet, "weil X mich darum gebeten hat", ist er überredet worden, wenn er einen inhaltlichen Grund angeben kann, wurde er überzeugt. Er hat dann die Einstellung des "Überzeugers" angenommen und zu seiner eigenen gemacht.

Dein Satz ist schräg, entweder hast du etwas verstanden oder nicht. Wenn du den Eindruck hast, etwas verstanden zu haben, kann das falsch sein, die Formulierung "Ich bin überzeugt, dass ich die Erklärung von Duden verstehe" kann also hinterfragt werden (nicht deine Überzeugung natürlich, aber ob du es tatsächlich verstanden hast). Wenn du hingegen den Eindruck hast, etwas nicht verstanden zu haben, dann hast du es nicht verstanden und würdest doch wohl "Ich verstehe die Erklärung im Duden nicht" formulieren.

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Nun, auf jeden Fall ist "Normalsprache" kein Fachbegriff.


Ich hab Germanistik studiert und den Ausdruck tatsächlich noch nie (jedenfalls im Studienzusammenhang) gehört. Im "Lexikon der Sprachwissenschaft" (Bußmann) steht er auch nicht, also sollte man besser die Finger davon lassen.

"Normal" ist so etwas von unspezifisch, dass ich nicht glaube, dass es in auch nur irgendeinem Fachbegriff auftaucht ... Man müsste ja auch erst mal umständlich anfügen, in Bezug auf was das Gesuchte "normal" sei. Dann kann man auch gleich den Bezug anstelle "normal" in den Ausdruck übernehmen (Fachsprache, Umgangssprache, Standardsprache, Vermeidungssprache, Ausbausprache, Abstandsprache, Jugendsprache, Verkehrssprache usw.).

Hab jetzt also gegoogelt und ein paar Treffer gehabt, die aber genauso vage und unwissenschaftlich sind wie der Ausdruck selber und nichts zur Klärung beitragen (im Sinne von "wie ich eben so spreche/schreibe oder, noch schlimmer: wie man eben so schreibt ...); Der immerhin vorhandene Wikipedia-Treffer ("Zuletzt bearbeitet vor 12 Jahren von einem anonymen Benutzer") verlinkt auf den Eintrag "Umgangssprache". Das wäre dann hoffentlich geklärt.

Immerhin titelt Valerio, "Das Magazin der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung" (Darmstadt, die verleihen immerhin u.a. den Georg-Büchner-Preis, das ist der wichtigste deutsche Literaturpreis), Heft 14/2012 mit "Fachsprachen und Normalsprache". Im Begleittext ist dann die Rede davon, dass "wir (...) im Alltag (sprechen), wie uns der Schnabel gewachsen ist". Das ist bestenfalls feuilletonistische Sprache und hilft nur insofern weiter, dass wir im Alltag Alltagssprache sprechen. Das ist die Sprache, die wir im (all)täglichen Umgang gebrauchen, also die Umgangssprache. Da sind wir wieder!

Wikipedia führt einen *ähem* längeren Beitrag zur Umgangssprache, da findest du vielleicht mehr darüber, als du je wissen wolltest. Wenn du Fragen dazu hast, melde dich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache







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Du brauchst die Nennung des Namens gar nicht zu einem "Zitat" hochjazzen, dann hast du nur ein Zitat. Da offenbar der ganze Satz sich auf dieselbe Passage bezieht, kannst du  eine Anmerkungsziffer hinter den Satz (= hinter den Punkt) setzen, die Fußnote bezieht sich dann auf den ganzen Satz und du gibst unten die Seite ein, eventuell "Vgl. Meyer (2003), S. 23 f., Zitat S. 24".

Interessant übrigens, dass der Name nicht einfach darauf hinweist, sondern erzählerisch darauf hinweist. Wie macht er das nur? Ich hoffe auch, er begründet im Folgenden, weshalb er meint, dass der Name symbolisch stehen soll für eine "typische Jüdin". Vielleicht ist Haag auch nur ein Schwaller und man sollte ihn mit Vorsicht verwenden.

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Wissenschaft ist eine Methode, nicht ein bestimmtes Ergebnis. Dabei geht es darum, mithilfe von im Laufe der Entwicklung von Wissenschaft gesicherten, nachvollziehbaren und überprüfbaren Vorgehensweisen Erkenntnisse über die Wirklichkeit zu gewinnen. Wenn ich mir ohne jede Ahnung etwas aus dem Hirn sauge, was zufällig richtig ist bzw. sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen deckt, so hat das mit Wissenschaft dennoch nichts zu tun. 

Aus dem Wesen von Wissenschaft ergibt sich auch, dass sich die Annahmen über die Beschaffenheit von Dingen oder der Welt an sich im Laufe der Jahrhunderte geändert haben, weil neue Erkenntnisse zu neuen Interpretationen der Realität geführt haben. Wenn sich im Koran Stellen finden, deren Inhalt mit wissenschaftlichen Aussagen kompatibel sind, so heißt das nicht, dass der Koran wissenschaftlich ist oder mit Wissenschaft vereinbar ist.

Wissenschaft fragt: Wie ist etwas beschaffen, untersucht dies dann und kommt zu prinzipiell hinterfragbaren Antworten. Ein Religionssystem ist im Prinzip das Gegenteil davon: Dinge werden ein für alle Mal gesetzt, die Aussagen werden als letztgültig wahr aufgefasst und sind nicht hinterfragbar. Wenn in einem religiösen Text steht, dass alles nach unten fällt, hat das mit wissenschaftlichen Aussagen über die Schwerkraft rein gar nichts zu tun.

Deshalb wird das eine WISSENschaft genannt und das andere ist ein GLAUBENSsystem.

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Psychedelic Rock

Ich hab diese Goa-Geschichte nie richtig verstanden. Für mich geschieht da zu wenig, was für mich gerade auf Trip vor allem - Leerlauf erzeugt. Was für eine Vielfalt an Möglichkeiten/Bildern hingegen erzeugt das, was ich unter psychedelischer Musik verstehe (wobei ich hier zum Beispiel auch Debussy und Ravel erwähnen würde ...), und welche Welten versage ich mir demgegenüber bei Goa.

Umgekehrt hab ich auch Grenzen bei den Goa-Leuten erlebt: Ich hab mal beim Trampen ein paar Jungs kennengelernt, die vielleicht zehn, fünfzehn Jahre jünger waren als ich und Goa im Auto gehört haben. Die Ähnlichkeit war natürlich schon da, definitiv psychedelische Musik. Ich hab ihnen dann Sachen vorgespielt, die in meiner Hippie-Szene (70er ...) unter psychedelisch liefen (Gong, Embryo, Amon Düül, Pink Floyd ...), und das war ihnen zu unruhig. Anscheinend können die Bedürfnisse, aus denen heraus man psychedelische Musik hört, sehr verschieden sein.

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Standardweg

Genauso wie vor der neuen Rechtschreibung ...

Sicher, dass du uns nicht verarschen willst? Deine Beispiele sind etwas ... seltsam. O_o

Zur Sache:

Jede gedankliche oder physische Einheit (Ding oder Konzept) im Deutschen wird als Substantiv in einem Wort und groß geschrieben und lässt sich durch Hinzufügung von weiteren Komponenten noch erweitern.

Folgende Ausnahmen gibt es, die sämtlich der besseren strukturellen und/oder inhaltlichen Erfassung dienen:

Die Regeln zur Schreibung von Wörtern, die die deutschen Nachrichtenagenturen Anfang dieses Jahrtausends (hehe) veröffentlicht haben, empfehlen im Falle von Fügungen aus verschiedenen Sprachen, dass diese Bestandteile durch Bindestrich gegliedert werden (als Hilfe für den Leser).

In diesem Sinne kann generell zur Betonung oder zur Verdeutlichung der Struktur eines Wortes die Bindestrichschreibung verwendet werden. Das würde man aber wohl eher für längere, kompliziertere und mehrdeutige Wörter in Anspruch nehmen oder zur Kontrastierung (Haftpflicht-Versicherung im Kontrast zur Hausrat-Versicherung, Standard-Behandlungsanweisungen  / Standardbehandlungs-Anweisungen; Ur-Insekt / Urin-Sekt ... ähm ..., Ministerial-Amtsschimmel / Ministerialamts-Schimmel, Drucker-Zeugnis / Druck-Erzeugnis u.Ä.).

Entsprechend wäre die Standardschreibung Standardweg, Standard-Weg lässt sich in bestimmten Zusammenhängen rechtfertigen (wenn beispielsweise drei andere Wege mit anderem Attribut genannt worden sind, von denen dieser abgehoben werden soll). Was gar nicht geht, sind deine anderen Optionen: Ein Substantiv wird immer großgeschrieben, auch nach einem Bindestrich; ein Leerschritt nach einem Bindestrich - der, wie der Name dezent andeutet, verbindet ...-  ist in sich widersprüchlich.

Eigentlich braucht man aber neben Grundkenntnissen nur ein wenig nachdenken, um den Unsinn vom Sinn zu trennen.

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Die Präposition vor regiert den Dativ: Vor wem oder was? - Vor dem Schlafengehen. "... den Schlafengehen" wäre Akkusativ Maskulinum, es müsste dann im Nominativ "der Schlafengehen" heißen, was offensichtlich falsch ist. ;-)

Der Artikel weist Schlafengehen eindeutig als Substantiv aus (genauer: substantiviertes Verb; die syntaktische Funktion "überlagert" sozusagen die formale Wortart).

Das Verb "schlafen gehen" wird getrennt geschrieben (Amtliche Regeln der deutschen Rechtschreibung, § 33,4: Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben); die Substantivierung "das Schlafengehen" hingegen wird in einem Wort geschrieben (Amtliche Regeln, § 37,2; Duden 9: Substantivierte Infinitive mit vorangehender Bestimmung werden groß- und zusammengeschrieben).

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Im Deutschen werden (unter anderem) alle Substantive großgeschrieben. Das betrifft originale Substantive wie auch substantivierte Wörter anderer Wortarten (die also in der Funktion eines Substantivs in einem Satz vorkommen). Ob eine Substantivierung vorliegt, erkennst du unter anderem an einem Artikel - nur Substantive sind artikelfähig, können also einen Artikel mit sich führen.

In deinem Fall: beim = bei dem - da hast du den Artikel!* :) Bohren ist hier also ein substantivierter Infinitiv und wird damit großgeschrieben.

* Diese Verschmelzung von Präposition und Artikel kommt im Deutschen häufig vor. Wenn du auf den ersten Blick keinen Artikel entdeckst, kann sich dennoch einer in einer Präposition "verstecken". Das erkennst du an der Endung der Präposition (zur = zu der; am = an dem etc.). Bei zu ist zu unterscheiden zwischen dem Infinitiv mit zu (Konjunktion!: Er hat vor zu bohren) und dem Infinitiv mit der Präposition zu(m/r) (Er ist nicht zum Bohren gekommen).

Darüber hinaus weist generell eine Präposition das an sie anschließende Wort als Substantiv aus - auch ohne Artikel (auf Biegen und Brechen); dasselbe gilt für einen Infinitiv, der mit einem Genitivattribut (bzw. präpositionales Attribut mit von) ausgestattet ist - der Genitiv ist der Kasus, der Substantive verbindet (attributiver Genitiv: (Das) Bohren eines Loches (von Löchern) krieg ich gerade noch hin).

Ich hoffe, das war jetzt nicht verwirrend ...

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Ich könnte dir deine Frage so beantworten, wie du nach dem Gedicht fragst, aber ich denke, ich helfe dir mehr, indem ich deine Frage nicht so beantworte, wie du beabsichtigst.

Nachdem ich ein paar Zeilen deines Textes in die Google-Suchmaske eingetragen hatte (bester Treffsicherheit: Anführungszeichen am Anfang und am Ende setzen!), hatte ich neun Ergebnisse. (Gewöhnlich sind es mehr, aber in diesem Fall ist es ja eigentlich ganz gut.)

Das kannst du auch! ;-)

Nicht jeder Treffer hatte den Text mit einem Titel abgedruckt, manchmal stand aber Zum 14. November 1868 über dem Gedicht. (z.B. http://www.deutsche-liebeslyrik.de/fontane.htm#g13) Dass nicht immer ein Titel darübersteht, weist darauf hin, dass dies nicht ein offizieller Titel ist, sondern eher eine Notiz Fontanes, die je nach Edition vom Herausgeber anstelle eines Titels darübergestellt ist. Auf der oben von mir angegebenen Seite steht der Hinweis: Alle Gedichte aus: Theodor Fontane, Sämtliche Romane, Erzählungen, Gedichte; Nachgelassenes; Sechster Band; Herausgegeben von Walter Keitel und Helmuth Nürnberger; Carl Hanser Verlag, München, 1978. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass dieser Text nie von Fontane veröffentlicht worden ist, sondern in seinem Nachlass gefunden wurde. Woanders habe ich den Hinweis entdeckt: GEDICHTE AN EMILIE FONTANE GEB. ROUANET-KUMMER (das war seine Göttergattin), dort wird dieses Gedicht im Inhaltsverzeichnis geführt unter "An Emilie, Zum 14. November 1852" - wieder ein Hinweis, dass es sich hier um ein privates Liebesgedicht an seine Frau handelt, dem er vermutlich keinen Titel gegeben hat. Es gibt bestimmt einen Fachbegriff für solche, ich nenne es einmal "editorische Titel", die eben nicht offizielle Titel des Autors sind, den weiß ich aber nicht. Kann man aber bestimmt auch googeln. ;-)

Näheres findest du wahrscheinlich in einem Buch mit diesem Gedicht, ganz sicher in einer textkritischen Ausgabe der Gedichte von Fontane. Sollte es in jeder besseren Bibliothek geben.

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In diesem Fall wird "essen" kleingeschrieben. Oft ist bei solchen Formulierungen nicht klar, ob das Verb oder seine Substantivierung gemeint ist. Bei "Essen ist gesund" ist nämlich beides möglich: etwas zu essen oder das Essen. In deinem Fall entscheiden die Regeln für die Substantivierung von komplexen Verben die Interpretation, welche deren Bestandteile in ein Wort zusammenfügen. Das Essen von Obst würde in deiner Formulierung also als das Obstessen substantiviert.

Also entweder Obstessen ist gesund oder Obst (zu) essen ist gesund. Ob es jetzt gesund macht, sei mal dahingestellt.

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"Aller Dinge Maß ist der Mensch, der seienden, daß sie sind, der nicht seienden, daß sie nicht sind." (Protagoras)


"Dass (...) das Seiende in der Vorgestelltheit seiend wird, zeichnet das Wesen der Gegenwart aus." (Heidegger)

Eigentlich habe ich einen Satz von Brecht gesucht, der ein großer Freund des Partizips Präsens war, aber dabei im wesentlichen erfahren, dass Google nicht zwischen sein und seiend unterscheiden kann ... :(


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Mir fällt keine wirklich repräsentative Sammlung ein, aber ein ziemlich umfassende und gute, die Gedichte aus weiten Teilen der Welt präsentiert, ist die 1963 von Georg Britting herausgegebene Sammlung "Lyrik der Welt". Zwei Bände, "Lyrik des Abendlands" und "Lyrik des Ostens", Band 1 beginnt mit Homer und Band 2 mit altägyptischen Hymnen. Das Abendland (Europa und USA ...) wird chronologisch abgehandelt, "der Osten" chronologisch nach Ländern.

Man kann ein paar Einwände vorbringen: Leider endet das Ganze eben 1963, womit neuere spannende Texte fehlen (Ginsberg, Brinkmann ...), ebenso gibt es hier keine Lyrik aus Afrika (sehr verbreiteter Fehler) und Lateinamerika (Asturias, Neruda, Cardenal ...), die mediterranen Dichter des 20. Jahrhunderts (Ritsos, Seferis, Elytis ...) nur begrenzt, Asien jenseits der arabischen/islamischen Welt besteht aus Indien, China und Japan, und Britting mag anscheinend keine Balladen (Goethe, Fontane, Schiller, Brecht!!). Aber die enthaltenen Texte sind exzellent, und mit insgesamt über 1300 Seiten hast du einiges an Material zum Stöbern. Die Lücken lassen sich dann immer noch auffüllen. ;-)

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Als "Zufall" würde ich es jetzt nicht direkt bezeichnen, aber das trifft es schon eher. Tatsächlich ist das ein wenn auch etwas merkwürdiges Ergebnis von 1400 Jahren unterschiedlicher Sprachentwicklung. Das Warum ist dabei nicht zu beantworten, man kann nur feststellen, dass es so ist/war.

"Wo" heißt im Altsächsischen hwā̌r, im Altenglischen (auch: Angelsächsischen)  hwǣr, hwā̌r, also praktisch dasselbe; zur weiteren Entwicklung im Deutschen heißt es bei DWDS (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache):

"Auslautendes r fällt im Dt. bei einsilbigen Partikeln seit dem 11. Jh. ab, Verdumpfung von ā zu ō (beeinflußt durch vorangehendes w) ist (hd.) seit der 2. Hälfte des 13. Jhs. belegt. Der alte Lautstand ist erhalten in der Zusammensetzung warum (...)." Nicht zu vergessen, dass das anlautende "h" im Deutschen verschwunden ist und im Englischen den Platz mit dem "w" getauscht hat (linguistisch: Metathese; kommt häufig vor; Beispiel: Born Brunnen); während der Vokal im Deutschen verdunkelt wurde (a → o), wurde er im Englischen aufgehellt (a → e).

Altsächsisch ("Festlandsächsisch") ist die Sprache des germanischen Stammesverbands der Sachsen (hat nichts mit dem und den heutigen Sachsen zu tun - auch eine merkwürdige Entwicklung ...), die zusammen mit den Angeln die Angelsächsische Landnahme im damaligen Britannien betrieben haben. In England ("Angelland") ist daraus die englische Sprache geworden, in Deutschland das Niederdeutsche. Altenglisch ("Inselsächsisch") ist die anglo-sächsische Variante zur selben Zeit auf der Britischen Hauptinsel. Wobei es entsprechend den Schriftzeugnissen nicht um den Zeitraum der Landnahme ca. 450-600 geht, sondern eher ca. 800, die beiden Sprachen (damals wohl eher noch Dialekte derselben Sprache) also bereits dabei waren, sich auseinanderzuentwickeln.

"Wer" heißt im Altsächsischen hwē, im Altenglischen hwā̌ (hier also klanglich deutlich (?) anders); der helle Vokal ist laut DWDS eine originär deutsche (hochdeutsche?) Entwicklung, das Englische da also konservativer.*

DWDS: "Die für das Maskulinum und Femininum geltende Form ahd. (h)wer (8. Jh.), mhd. wer zeigt als nur dt. Neubildung* den aus dem Genitiv (h)wes (und wohl in Anlehnung an er, s. d.) stammenden Vokal e; bewahrt ist auslautendes -r (aus germ. -z). Daneben stehen asächs. hwē (diphthongiert hwie), mnd. wē, wī, wi(e), mnl. nl. wie, aengl. hwā̌, engl. who, got. ƕas ‘wer’ (...). Anlautendes h- fällt im Ahd. vom 9. Jh. an ab. In den westgerm. Sprachen (außer dem Hd.) schwindet das (aus s entstandene) auslautende -r des Maskulinums."

*So DWDS; im heutigen Schwedisch/Dänisch/Norwegisch heißt es aber (h)vem, im Isländischen hver.

Dt. = Deutsch, hd = hochdeutsch,, germ. = germanisch, westgerm. = westgermanisch (Englisch, Niederländisch/Flämisch, Luxemburgisch, Friesisch, Niederdeutsch, deutsche Dialekte), ahd. = althochdeutsch, mhd. = mittelhochdeutsch, mnd. = mittelniederdeutsch, asächs. = altsächsisch, aengl. = altenglisch, engl. = englisch (war wohl klar ... :D), mnl. = mittelniederländisch, nl. = niederländisch, got. = gotisch

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