Sex und Religion?

6 Antworten

In ferner Vergangenheit war eine jungfräuliche Braut die Gewähr dafür, dass der frischgebackene Ehemann nicht versehentlich die Nachkommen eines Konkurrenten großzieht bzw. eine ledige Mutter ohne Versorger mittellos zurückbleibt. Daher haben praktisch alle Religionsstifter den vorehelichen Verkehr zur "Sünde" erklärt und dem „unsichtbaren Himmelszauberer“ entsprechende Gebote in den Mund gelegt.

Aus Sicht eines Religionsstifters ist Sex ja nur eine unerwünschte Ablenkung vom Wesentlichen (nämlich zu beten, missionieren usw.) und daher zähneknirschend zur Vermehrung (der Gläubigen) geduldet. Dies ist auch der Grund warum Verhütung, Abtreibung usw. meist ebenfalls verboten ist. Da man die Menschen in den Betten meist häufiger "Oh Gott!" rufen hört, als in Kirche, Tempel oder Moschee, lässt sich dieses Konkurrenz-denken gut nachvollziehen ;-)

Dank Geburtenkontrolle, Safer Sex und Vaterschaftstest sind die eigentlichen Beweggründe für die Forderung nach Jungfräulichkeit längst obsolet. Jetzt geht es nur noch um den obskuren Begriff der "Ehre" - wobei meiner Meinung nach der wichtigste Beweggrund die Angst vor dem Vergleich ist ("Was ist, wenn meine Frau/mein Mann mit einem meiner Vorgänger mehr Spaß hatte...?").

Interessant ist, dass dieses Ideal dann allerdings oft mit allerlei Doppeldeutigkeiten umgangen wird. So ist es manchen Muslimen gestattet eine Zeitehe einzugehen - d.h. ein Mann kann eine Frau (Prostituierte) für eine Stunde "heiraten" und verstößt so nicht gegen heilige Gebote. Viele Gläubige - auch in der christlich-amerikanischen "Purity-Bewegung" haben einfach bis zur Ehe ausschliesslich Oral- und Analverkehr und bleibenso "rein" und "jungfräulich" bis zur Ehe... . Sex ist ja auch etwas, was den Partner nicht "abnutzt" oder "entweiht" - warum also das ganze Bohei?

Ob man also sein modernes Leben nach den Buchstaben uralter Schriften und Gebräuche richtet und ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man nicht mehr lebt wie vor tausend und mehr Jahren, muss jeder für sich entscheiden bzw. sich überlegen, ob er sich von anderen Menschen (Pfarrer, Imam, Rabbi oder sonstwem) sein Leben diktieren lassen möchte.

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Woher ich das weiß:Berufserfahrung – Langjährige Tätigkeit als Life-Coach und Fachbuch-Autor

In der "Evangelischen Landeskirche" kenne ich solche Einmischungen kaum noch.

Dafür um so mehr in einigen sehr konservativen christlichen Gruppierungen und ganz besonders im Islam, wo man oft schon Freundschaften zwischen Mann und Frau als ersten Schritt zur "Unzucht" sieht.

Ich finde das sicher auch nicht mehr zeitgemäß.

Auch in meiner evang. Kirchgemeinde(sehr gut) hat sich nie jemand für mein Sexualleben interessiert oder gar den Finger gehoben weil ich einen Freund habe.

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Sexualität ist eine sehr starke Antriebskraft. Sexuelle Verbote, je strenger sie sind, werden also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht eingehalten. Und so stellt man sicher, dass möglichst alle Menschen "Sünder" sind, also Bittsteller um Vergebung und dementsprechend unterwürfig.

Sünde, Schuld, schlechtes Gewissen - das ist das Geschäftsmodell der Religionen.

Die Bibel empfiehlt, dass Sexualität in den geschützten Bereich der Ehe gehört. Das soll die Menschen aber nicht knechten, sondern schützen, indem es zur Treue anleitet und den Wert von Partnerschaft und Ehe unterstreicht. Vermutlich führt dies im Endeffekt auch zu wahrer und wirklicher Freiheit...

Weil sie sonst überhaupt kein Thema hätten mit dem man Aufmerksamkeit erregen kann. Es war und ist eine beliebtes Mittel um Menschen zu kontrollieren und zu steuern. Greife in ihr tiefstes und privates Leben ein und bestimme darüber. Der Mensch gehört dir