Waren die Sommer früher wirklich beständiger
Meine Uroma, und meine Oma sagen immer, das man früher von Anfang Mai bis ende September fast immer schönes warmes, und beständiges Sommerwetter hatte, ausser mal 1-3 Tage Regen, und Abends Gewitter...
26 Stimmen
10 Antworten
Ich bin selbst Jahrgang 1947, auch früher hat es zu nasse, zu kalte und auch zu heiße Sommer gegeben.
Meine Familie lebte von der Landwirtschaft. Bei uns gab oft Blitzaktionen bei denen alle mit anpacken mussten, damit das trockene Heu möglichst noch vor dem sich nahenden Unwetter eingebracht wurde.
Vor der "Mähdrescherzeit" wurden das Getreide noch geschnitten und zu Garben gebunden, die Garben wurden auf dem Feld zu Garbenmänner aufgestellt um dort richtig völlig abtrocknen zu können, weil oft bei der Getreideernte das Wetter nicht optimal war.
Der "rosige" Blick auf die Vergangenheit blendet oft die unangenehmeren Erfahrungen aus.
Nein, die mitteleuropäischen Sommer waren früher eher unbeständiger, wechselhafter und auch kühler als heute.
Das belegt jedenfalls die Statistik.
M / 19
Aufzeichnungen und Daten der letzten 50 Jahre belegen z.B. unter anderen dass die Sommer der Jahre 1975, 1977, 1979 und 1980 besonders in Norddeutschland zu kühl und deutlich zu nass waren. Auch 1987 war der Sommer meist durchgehend beschissen. Uroma hat also augenscheinich hier nicht so ganz recht.
Das ist die rosarote Rücksichtbrille. Die wirkt bei jedem von uns.
Ich hab eben einfach Mal die Temperaturdaten eines x-beliebigen Jahres eingegeben. 1973. Meine Antwort war gewesen das es einen sehr nassen und kühlen Juni mit Bodenfrost gab, weshalb die Ernte mies ausfiel.
Sprich, es kam vielleicht deiner Oma rückblickend so vor. Aber es war nicht so.
1972 war wohl auch nicht besser:

Deine Ur-Oma hat bestimmt keine Wetteraufzeichnung geführt, sondern es sind nur die schönen Sommer in ihrer Erinnerung haften geblieben.
Die unbeständigen, verregneten Sommer hat sie schlicht und einfach vergessen.
Das ist so eine Sache mit der Erinnerung. Einerseits sagt meine Erinnerung, dass ich im Sommer jeden Tag Baden gefahren bin, oder Angeln. Andererseits weiß ich, wie viele Bücher ich in den Ferien gelesen habe, und gelesen habe ich meist an Regentagen. Ich weiß auch, dass die Gummistiefel wichtige Ausstattung waren - das wäre an Sonnentagen kaum der Fall gewesen.
Ich weiß, wo der Effekt herkommt. Wir waren einfach immer draußen, haben die Zeit genossen, auch wenn es mal etwas geregnet hat. Wir waren mit den Fahrrad unterwegs, oder zu Fuß. Wir haben uns untergestellt, und waren wieder draußen, wenn es besser wurde. Dadurch haben wir viel Zeit draußen verbracht. Wenn man aber immer nur drin sitzt und auf das beständig schöne Wetter wartet, bleiben nur wenige Tage.
Und: irgendwo muss das Wasser in Seen, Bächen und Flüssen ja herkommen. Ein Sommer mit Sonnenschein über 4 Monate wäre eine Dürre gewesen. Hat es auch gegeben, aber zum Glück nicht so oft.
Gerade die, Sommer die Omas und, Uromas ansprechen hatten derartiges nicht. Eine absolut herausragende Hitze und Dürre gab es 1992. Das war damals der Sensation sommer in Österreich. Sensationell war neben dem Temperatur Rekord für alle Ewigkeit vor allen braunes Gras Und kompletter Ernteausfall vielerorts, ob der Dürre. 1994 war wärmer aber feucht. Also eine kurze Ewigkeit. Ach ja, heuer war es wärmer.
Und seither, 2003, 2015, 2024, und etliche weitere. Aktueller Rekord, 2024. Wohl nicht für die Ewigkeit. Und ja, 03, 15 waren auch unangenehm trocken. Vielleicht sind warme, etwas unveständige Sommer ja doch besser.
"Vielleicht sind warme, etwas unbeständige Sommer ja doch besser." - Auf jeden Fall.
Jetzt komm der Uroma doch nicht mit Fakten ;-)