"Muss" man eine Entschuldigung annehmen?

9 Antworten

Es kommt ganz drauf an, wie "schlimm" der Fehler war. Sollte sich z.B. jemand bei dir Entschuldigen weil er dir die 20€ nicht sofort wiedergegeben hat, sollte man die Entschuldigung schon annehmen, auch wenn man ihm den Fehler dann später trotzdem vorhalten kann, sollte er nochmal was von dir wollen. Will sich aber jemand entschuldigen weil er dich z.B. Schlagen wollte oder arg Beleidigt hat ohne einen Grund dafür zu haben (oder Betrunken, High,... war) dann sollte man sowas nicht verzeihen müssen.

Es kommt also drauf an wie schlimm du den Fehler einschätzt. Man muss nicht alles verziehen, man sollte aber auch nicht jedem jeden kleinen Fehler extrem Büßen lassen, denn jeder macht mal Fehler.

eigentlich gehört es sich schon wird einem schon von kleinauf beigebracht

Eine sehr interessante Frage. Ich möchte etwas vom sog. rationalen Standpunkt her vortragen.

Es gibt eine Untersuchung (Univ of Michigan, Axelrod, The Evolution of Cooperation) zu der Frage, ob koorperatives Verhalten auch entsteht, wenn alle Parteien nur auf die Maximierung des eigenen Nutzens aus sind. Die Antwort ist: Ja, unter bestimmten Bedinungen. Eine der Bedingungen sind wiederholte Kontakte. Eine andere, dass das unkooperative Verhalten nicht zu schwerwiegend / existentiell ist.

Der maximale Nutzen entsteht, wenn

  • man von Anfang an kooperiert (Vertrauensvorschuss),
  • man auf unkooperatives Verhalten sofort ebenfalls nicht kooperiert (Provozierbarkeit),
  • danach sofort wieder kooperiert (Verzeihlichkeit),
  • durchschaubar handelt (Verständlichkeit).

Der dritte Punkt ist der hier entscheidende. Die Verzeihlichkeit bewirkt, dass mit diesem Mitmenschen für den Rest des Spieles (damit kann das ganze Leben gemeint sein) weiterer Nutzen für beide entsteht, was bei Unverzeihlichkeit nicht der Fall ist.

Der zweite Punkt heißt "Tit For Tat" (Wie Du mir, so ich Dir, aber nur ein Mal). Ohne den funktioniert die Kooperation nicht. Dann braucht man Erbarmen, aber nicht alle Mitspieler erbarmen sich.

Im Vaterunser kommt das auch schon vor: "Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern." Es heißt nicht, "damit" oder "weil", sondern "wie wir vergeben", das ist eine Selbstsugggestion, die uns nahelegt, welches Verhalten das Richtige ist. Es enthält gleichzeitig die Feststellung, dass wir alle Fehler machen, für die wir Vergebung wünschen.


Andreas Starke  09.12.2016, 12:17

Die Studie von Axelrod bewertet übrigens, bei welchem Verhalten (im Sinne einer Lebensphilosophie, d.h. gegenüber allen Menschen in einem ganzen Leben) der größte Gesamtnutzen entsteht. Das schließt natürlich ein, dass man gegenüber einzelnen Partnern den Kürzeren zieht. Wichtig ist, dass man in dem Bemühen, unkooperative Partner zu identifizieren, nicht zu viel Zeit vertut, die man besser für kooperatives Verhalten hätte nutzen können. Und dann das kooperative Verhalten nicht wieder aufnimmt, d.h. dem einmal unkooperativen Partner keine neue Chance gibt. Das ist der Kern des Nicht-Verzeihens in diesem Kontext. Wegen eines Fehlers (unkooperatives=schädigendes Verhalten) des Partners keine weiteren Kooperationsversuche mehr unternehmen.

Bei Immobiliengeschäften funktionieren diese Überlegungen für einen privaten Käufer/Verkäufer übrigens nicht, weil man das nur selten macht und schon gar nicht mit demselben Partner, und weil es um sehr erhebliche Beträge geht, die den schädigenden Partner richtig reich und den anderen richtig arm machen können. Da wird die Ehre des ehrlichen Kaufmanns schon mal vollkommen außer Acht gelassen.

Es ist deine Sache ob du eine Entschuldigung annehmen willst oder nicht, egal wie ernst sie gemeint ist. Es gibt einfach so Sachen im Leben, die will man einem anderen nicht Verzeihen und man ist in keiner Weise dazu verpflichtet, sie anzunehmen.

Allerdings solltest du es auch nicht ausnutzen, dass wenn andere Fehler gemacht haben und ähnliche Sachen passieren du weiter darauf rumhackst, sowas macht einfach die Stimmung kaputt und wenn du es sowieso nicht verzeihen würdest, könnten sie auch nichts tun , um es wieder zurückzunehmen oder etwas in der Richtung.

Du könntest auch erst einmal abwarten, was die Person nach der Entschuldigung macht, dann sieht man auch meisten, ob es ihm/ihr wirklich Leid tat, einfach in der Art wie er/sie dann mit dir umgehen wird. Du kannst auch einfach sagen, dass es dir noch zu früh ist, um darüber hinwegzukommen. Das sollten die meisten eigentlich verstehen und werden dann auch rücksichtsvoller damit umgehen als wenn du es eiskalt ablehnst und die dann immer aufpassen müssen, dass ihnen nichts rausrutscht, was ähnlich wie ihr Fehler war.

Es kommt halt auch darauf an, um was für einen Fehler es sich handelt, sei es jetzt z.B. umschmeißen von Kaffee auf dem neuen Teppich oder einen auf irgendeine Art und Weise verraten hat, z.B. Geheimnisse weitererzählt oder so. Musst du halt schauen, was du wirklich schlimm findest und was du auch verzeihen könntest, da solltest du deinen Stolz einfach vergessen, weil der dir hierbei zur Problembewältigung nur im Weg wäre.

manche sachen kann man nicht entschuldigen. egal wie sehr man bettelt und fleht!