Wissenschaft und Religion vereint, geht das?

Das Ergebnis basiert auf 38 Abstimmungen

Es geht 76%
Es geht nicht 13%
Ist fragwürdig 10%

26 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Es geht

Also "für den Fortschritt" bin ich nicht. Jedenfalls nicht blind und ohne Risikoabwägung.

Man muss m.E. Glaube und Wissen streng auseinander halten.

Gott kann niemals Teil der Wissenschaft sein. Deswegen kann die Wissenschaft auch keine Aussagen über Gott machen. Wer als (Natur-) Wissenschaftler Aussagen über Gott macht, nimmt sich selbst als Wissenschaftler nicht ernst.

Wissenschaft ist ein nie endender Prozess der Theoriebildung darüber, wie die Welt funktioniert. Und spätestens seit Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung, Briefe um April 1944) sollte klar sein, dass Gott nicht als eine Variable missbraucht werden darf, um ungeklärte Teile der Theoriebildung aufzufüllen.
Auf diese Weise ist Wissenschaft eine ganz konkrete Weise, die Welt zu erklären, zu beschreiben und zu interpretieren.

Glaube ist ebenfalls eine Weise, die Welt zu beschreiben, aber auf einer ganz anderen Ebene. Meiner Meinnung nach geht es da vor allem darum, sich mit Glück und Leid, mit Krankheit, Tod, Leben, Behinderung, Unrecht usw., aber auch mit den Beziehungen zwischen Menschen auseinander zu setzen. Das ist keine Theoriebildung (etwa: "So entsteht das Böse."), sondern eher eine narrative Auseinandersetzung.

Die Paradieserzählungen etwa träumen von einer Welt ohne Krankheit, Krieg und Tod und machen zugleich deutlich: Eine solche Welt ist für uns unerreichbar.

Zugleich helfen sie, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Wenn nicht mehr nur der König als Gottes Ebenbild angesehen wird, dem sich alle anderen Menschen unterwerfen müssten, sondern wenn jeder Mensch (unabhängig vom Geschlecht) als Gottes Ebenbild gilt, dann hat das Konsequenzen für das menschliche Miteinander.

Wer diese Paradieserklärungen als naturwissenschaftliche Texte missbraucht, nimmt weder die Wissenschaft noch den Glauben wirklich ernst, sondern versucht, Gott in ein wissenschaftliches System einzubauen und sich auf diese Weise über Gott zu erheben. Gott ist dann nicht nur Teil eines solchen Systems und kann als solches manipuliert werden, sondern man würde auch noch eine Ebene höher dieses System bewerten können. Das ist gotteslästerlich. Das machen sich aber die Kreationisten leider niemals wahr.

Was sich viele Gläubige nicht klar machen: Wie unmöglich das ist, was sie da glauben. Auferstehung nach 3 Tagen Herzstillstand ohne Beatmungs- bzw. Herz-Lungenmaschine führt niemals zu einer Auferstehung. Das, was wir da glauben, ist wissenschaftlich gesehen, völlig unmöglich. Darum sollte man bei Glaubensaussagen niemals naturwissenschaftlich diskutieren.

Glaube und Wissenschaft haben völlig unterschiedliche Geltungsbereiche. Und wenn man die nicht gegenseitig austauscht oder vermischt, kann man man beides gut miteinander kombinieren.

Vielen Dank, dass du dir dafür so viel Zeit genommen hast! Danke.

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Es geht

Ich denke schon, dass Wissenschaft und Bibel miteinander vereinbar sind.

Es gibt auch Wissenschaftler, die an die Bibel glauben, z. B. Prof. Dr. Werner Gitt, Prof. Dr. Walter Veit, Dr. Markus Blietz usw.

Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist beispielsweise ein wissenschaftlicher gemeinnütziger Verein, in der Wissenschaftler sich austauschen und mitarbeiten. Thematische Schwerpunkte der Arbeit bilden Grundlagenforschung und Bildungsarbeit im Spannungsfeld "Naturwissenschaft und christlicher Glaube": http://www.wort-und-wissen.de

Sehr interessant sind auch die folgenden Zitate berühmter Naturwissenschaftler:

"Die Naturwissenschaften braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln. Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen." Max Planck (1858-1947), deutscher Physiker, Begründer der Quantentheorie

"Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen." Sir Arthur Stanley Eddington (1882-1946), englischer Astronom und Physiker

"Halbes Wissen führt von Gott weg – ganzes Wissen führt zu Gott hin." Kurt Schwalbe, deutscher Physiker

"Ohne GOTT (=1) ist NICHTS (=0)" Gottfried W. Leibniz, (1646-1716), deutscher Mathematiker und Philosoph

Es geht

Hallo DitFisch,

grundsätzlich sind Glaube an Gott und Wissenschaft aus der Sicht einiger durchaus miteinander zu vereinbaren, sofern sich jede der beiden Richtungen ihrer Grenzen bewusst sind.

Unglaubwürdig werden Vertreter des Glaubens, wenn sie z.B. eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, ignorieren oder schlichtweg ablehnen. Das beraubt sie natürlich ihrer Glaubwürdigkeit und spielt in die Hände derer, die die Existenz Gottes ablehnen.

Wissenschaftler bewegen sich grundsätzlich auf einem anderen Terrain als ein Verfechter des Glaubens. Ein Wissenschaftler hält sich bei seinen Forschungen an empirisch belegbare Tatsachen. Da jedoch die Existenz Gottes in diesem Sinn nicht belegbar ist, ziehen viele Wissenschaftler die Existenz eines Schöpfergottes erst gar nicht in Betracht.

Hierbei sollte ein Wissenschaftler jedoch an die Grenzen denken, die ihm gesetzt sind. Wenn er denkt, dass nur das existieren kann, was auch wissenschaftlich belegbar ist, überschreitet er in gewissem Sinn diese Grenzen.

Die Wissenschaft kann eben nur einen Teil dieser Welt erklären. Die Frage nach Gott liegt somit eindeutig jenseits dessen, was Wissenschaft erforschen und beschreiben kann. Mit anderen Worten: Es weder Sache der Wissenschaft, Gott zu widerlegen als auch seine Existenz zu beweisen!

Andererseits hat bei dem einen oder anderen Wissenschaftler das Beschäftigen mit den Details seines Fachgebietes dazu geführt, an die Existenz Gottes zu glauben. Wie das? Zum Beispiel zeigt das immer weitere Vordringen in den molekularen Aufbau der Strukturen des Lebens, dass überragende Intelligenz mit im Spiel ist.

Dabei geht es dem gläubigen Wissenschaftler nicht darum, in einem Schöpfer eine Erklärung für das Unerklärbare zu suchen. Es geht für ihn einfach darum, anzuerkennen, dass allein das Zusammenwirken natürlicher Prozesse keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage ist, wie das Leben in all seinen vielfältigen Formen und seinem komplexen Aufbau entstehen und sich weiterentwickeln konnte.

Daher gibt es auch heute etliche Wissenschaftler, die ihre Überzeugung, dass es einen Schöpfer gibt, klar und deutlich zum Ausdruck bringen. Sie sehen also in ihrer wissenschaftlichen Arbeit einerseits und ihrer religiösen Überzeugung andererseits keinen Widerspruch.

LG Philipp

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