Wirklich nur ein Problem in Franken/Bayern?

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11 Antworten

Das Verbum fragen ist seit Anbeginn des Deutschen, also schon seit althochdeutscher Zeit, ein schwaches Verb. Und das ist es bis heute geblieben. 

Die althochdeutsche Form sah so aus: frāgēn, im Präteritum frāgēta, woraus sich später fragte entwickelte.

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Dass man du frägst und er frägt sagt, hängt natürlich nicht mit einem Infinitiv namens frägen zusammen.

Es ist eine falsche Analogie zu dem starken Verbum tragen: ich trage – du trägst – er trägt – ich trug --> ich frage – du frägst – er frägt – ich frug.

Diese Analogie entsteht irgendwann im ausgehenden Mittelalter im Bereich von Thüringen und Obersachsen. Von dort schwappt sie auch ins heutige Plattdeutsche über, weshalb dort noch öfters das Pendant zu frug verwendet wird.

Welche Region liegt nahe Thüringen? Franken!

Es ist also gut möglich, dass sich die Umlautformen der 1. und 2. Person Singular im Ostfränkischen (und auch in anderen Dialekten) gehalten haben. 

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Solange es von genug Leuten verwendet wird, ist es richtig. Und wenn es ausschließlich innerhalb eines Dialekts benutzt wird, ist es zwar in der Standardsprache falsch, im Dialekt aber natürlich richtig.

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Hallo,

unser fragen geht laut Grimmschen Wörterbuch auf das gotische fraihnan (Präteritum: fragn) zurück, aus dem sich später ein frägen oder gar fregen (bei Hans Sachs) ableitete. Das ä hat sich im Raum nördlich der Donau erhalten, während sich in anderen Regionen das spätere a durchsetzte und teilweise das Präteritum frug entsprechend tragen, trug bildete.

Im Angelsächsischen begegnet uns frignan, Präteritum: frägn.

Du siehst: Das Wort frägen geht auf ältere Wurzeln zurück als das Wort fragen. Das a ist wahrscheinlich später aus einer Präteritumform auf das Präsens übertragen worden.

Herzliche Grüße,

Willy

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Kommentar von Deponentiavogel
20.08.2016, 20:45

Also ich wusste bis dato nicht, dass das Gotische eine Vorstufe des Deutschen ist. 

Ein frägen hat es natürlich nie gegeben. Unser fragen geht auf ahd. frāgen (langes e) zurück.

Und was hat das Angelsächsische jetzt mit dem Deutschen zu tun?

Das ist zusammenhanglose Information.

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In Südbayern - wo ich herkomme - verwendet man diese Variante offensichtlich nicht, auch nicht im Dialekt.

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Auch wenn manche meinen, das sei Dialekt: die irren sich.

Es ist eine im Duden anerkannte Version. Beides ist möglich

er fragt oder er frägt

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Kommentar von Bswss
20.08.2016, 12:01

DH, stimmt aber nicht ganz, lb. HansH41.

Der Duden nennt die Form "frägt" landschaftlich. Das heißt, sie kommt nur in begrenzten Regionen vor.

http://kommunikationsabc.de/2011/11/28/wer-nicht-fraegt-bleibt-dumm/

(Also z.B. in der Kurpfalz und in Teilen Frankens.)

Dagegen sagt der Duden, dass es z.B.  sowohl "du backst" als auch "du bäckst" gibt (also ohne die Bezeichnung "landsch."), und auch die Vergangenheitsform "buk" wird vom Duden nicht als "landsch." markiert.

"frägst" isl also weniger anerkannt als "bäckst".

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Kommentar von HansH41
21.08.2016, 10:15

Ich werde mich bessern, falls du mich fragst.

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Aus dem Duden kann man auch lernen, dass die Version "fräg" das ursprüngliche Deutsch ist.

mittelhochdeutsch vrāgen, althochdeutsch frāgēn, frāhēn

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Kommentar von Deponentiavogel
23.08.2016, 12:27

Wenn du etymologische Untersuchungen anstellst, dann lass lieber die Finger vom Duden.

Es gibt hier das Standardwörterbuch der deutschen Sprache (Grimms Deutsches Wörterbuch) und Kluges Etymologisches Wörterbuch.

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Hallo,

bei mir in der Gegend, Unterfranken, Landkreis Aschaffenburg, ist die Form mit "ä" wenig verbreitet. Ich persönlich kenne niemanden, der das so sagt.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr Belx

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Weisch desch eifach nur a Dialekt, det komm schomma vor.

A wennsch inna Grammadig ni ganz rischtisch isch - desch muschu hinnehme.

Isch hädd a au gern, dass alle rischtisch Deutsch schpresche, aber desch isch nu ma so.

Im Norde vo Deutschland, da schpresche sie relativ gudes Hochdeutsch.

LG Willibergi 

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Das ist kein Problem, das ist Dialekt.

Machen die Pfälzer auch so.

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Ich höre das auch leider ab und an von manchen Hessen.

Grausam - aber sowas von.

Ich verbuche das unter Dialekt.

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Ich kenne es auch . Gibt es nicht nur in Bayern. Dialekt ist die eine Sache. Grammatik die andere.

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Kommentar von Deponentiavogel
20.08.2016, 21:02

Dialekt ist sogar höchst grammatisch. In der Standardsprache geht man beim Sprechen nicht immer so klug vor wie im Dialekt. 

Siehe: wegen des Spiels, als ob er brauchte, …

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Wo ist das ein Problem? Wir leben in einem Land mit vielen Mundarten/Dialekten, und das ist gut so. Wenn Dich das "agressiv" macht (was ich für maßlos übertrieben halte!), dann musst Du z.B. nach Hannover ziehen. Wir sprechen das klarste Hochdeutsch.

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