Wird man für eine Verzweiflungstat vor Gericht milder bestraft?

7 Antworten

Nach deutschem Recht gibt es zwei Arten von Straftaten: Verbrechen und Vergehen. Und der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Verbrechen mit min. eine Jahr Freiheitsstrafe bestraft werden. Der wichtigste Unterschied ist, dass bei Verbrechen bereits der Versuch strafbar ist.

Den Begriff der Verzweiflungstat gibt es im Strafrecht nicht. Evtl. kann die Situation des Täters ein Strafmilderungsgrund darstellen, aber Geldmangel rechtfertigt keine Straftaten.

Hallo.

Aus Verzweifelung eine Tat, das ist nicht nötig, bei Tafel oder so was zu essen, oder weil die Freundin verkracht hat, oder geklaut.

Finanzielle Not, ja das käme auch nicht zum Tragen, Weil du als Obdachloser dir bei der Gemeinde oder Kirche einen Tagessatz holen kannst. Oder ein Gutschein zum Essen.

Mit Gruß

Bley 1914

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Es gibt schon einige mehr Arten von Verbrechen. Und Verzweiflungstat ist kein Verbrechen an sich, sondern sagt eher etwas über das Motiv aus...

Und nen Laden raubt man nicht aus Verzweiflung aus, das kannst du niemandem weismachen! Brötchen klauen vielleicht, oder sein Kind aussetzen, wenn man obdachlos und minderjährig ist. Und es kann milder bestraft werden. Aber nur dann, wenn du dir mit objektiv gesundem Menschenverstand nicht anders helfen konntest. Wenn du also vor Hunger was zu Essen klaust, du aber ganz einfach zum Sozialamt oder zur Tafel oder zur Caritas oder zum Jobcenter hättest gehen können und dir Geld, Sachleistungen, Essen holen - dann wird der Richter wenig Verständnis dafür haben. Oder wenn man sein Kind im Krankenhaus oder ner Babyklappe anonym abgeben konnte, wird man wohl nicht mit milder Strafe rechnen können, wenn man sein Kind einfach aussetzt.

Generell musst du dir einmal klar machen, dass eine Tat immer tatbestandsmäßig sein muss und zwar objektiv als auch Subjektiv. d.h., dass immer die Absicht (Wissen und Wollen der objektiven Tatbestandsmerkmale) bei der Bewertung der Tatbestandsmäßigkeit berücksichtigt wird. Mit Schuld hat das wenig zu tun.

Dann muss die Tat rechtswidrig, also nicht gerechtfertigt sein. Dies setzt also eine Rechtfertigungssituation vorraus (z.B. Notwehr) und der Täter muss sich auch darauf berufen, also objektiv die Situation abwehren wollen. Dann wird gar nicht bestraft.

Wenn die Tat aber begangen wurde und nicht gerechtfertigt war, wird geprüft, ob du schuldhaft gehandelt hast, also zum Tatzeitpunkt schuldfähig warst (z.B. nicht stockbesoffen, high, unter Hypnose oder aufgrund einer krankhaften, seelischen/geistigen Störung das Unrecht nicht einsehen konntest). Liegt kein Entschuldigungsgrund vor (z.B. auch entschuldigender Notstand) handelt man schuldhaft und wird bestraft.

Wenn du auf Deutsch gesagt nur zu blöd bist, dir beim Amt Geld zu holen, oder nicht mit Geld umgehen kannst und deshalb aus Geldnot ne Tanke überfällst, wirst du - zu Recht - ohne Zugeständnisse verurteilt.

Was du schilderst ist lediglich die Frage, ob der Täter sich strafbar macht. Dass steht hier gar nicht zur Debatte. Gefragt ist hier ausdrücklich nach der Strafzumessung. Auf diese kann sich die Verzweiflung des Täters natürlich auswirken (z.B. § 46 Abs. 2 S. 2 Nr. 1 StGB).

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