Wie soll ich meinen Eltern sagen, dass ich (14) schwanger bin?

18 Antworten

In einer Schwangerschaftkonfliktsituation ist in jedem Alter keine Option leicht und jede Entscheidung schwer zu treffen. Sicherlich ist erstmal moralische Unterstützung gut für dich und es besser, deine Eltern mit ins Boot zu holen. Meist ist die Reaktion gar nicht so "schrecklich" wie befürchtet.

Viele junge Frauen haben Angst davor, ihrer Mutter oder ihren Eltern zu erzählen, dass sie schwanger sind. Die meisten, die sich ihrer Mutter oder ihrem Vater anvertrauen, erfahren Unterstützung – oft viel mehr, als sie zunächst gedacht haben.

Auch deine Eltern waren mal jung und naiv und vielleicht sogar ein bisschen leichtsinnig. Nach dem ersten Schock - sicherlich haben sie sich etwas anderes für dich gewünscht - wollen sie bestimmt nur dir helfen, dich schützen und unterstützen.

Am Besten vereinbart du zeitnah einen Termin z.B. bei der

http://www.profamilia.de/fachpersonal/beraterinnen/schwangerschafts-konfliktberatung.html?fsize=1%2F

für eine Schwangerschaftskonfliktberatung. Dort erhälst du nützlichen, individuellen und unparteiischen Rat und Hilfe bei deiner Entscheidung, wie es denn nun weiter gehen soll.

Eine Schwangerschaftskonfliktberatung umfasst die Konfliktklärung hinsichtlich der emotionalen, seelischen, partnerschaftlichen und lebensplanerischen Aspekten von Elternschaft bzw. eines Schwangerschaftsabbruchs.

Sie gibt Informationen über staatliche und andere Sozialleistungen und Unterstützungen – Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt, Wohngeld, existenzielle Leistungen.

Du erhälst dort eine medizinische Aufklärung hinsichtlich eines operativen oder medikamentösen Eingriffs, eine Erläuterung der Rechtsgrundlage und bekommst die Kosten und Finanzierung eines Schwangerschaftsabbruchs erklärt.

Wenn du dich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidest, hast du das Recht auf umfassende Beratung, angemessene ärztliche Versorgung und respektvolle Behandlung.

Für einen Schwangerschaftsabbruch brauchst du als Minderjährige nicht zwingend die Erlaubnis deiner Eltern.

Aber mit deinen 14 Jahren wird die Ärztin oder der Arzt wahrscheinlich die Zustimmung deiner Eltern oder zumindest von einem Elternteil für den Schwangerschaftsabbruch einholen wollen. Das hängt davon ab, ob die Ärztin oder der Arzt der Ansicht ist, dass du reif genug bist (im Gesetz steht dafür der Ausdruck „Einsichtsfähigkeit“), diese Entscheidung zu treffen.

In der Beratung können auch deine Eltern, der potentielle Vater oder eine andere Vertrauensperson anwesend sein, wenn du das möchtest.

Wenn du das Kind zur Adoption freigibst, erlöschen alle Rechte und Pflichten unwiderruflich. Bevor du eine solch wichtige Entscheidung triffst, solltest du dies sehr sorgfältig überdenken und dich ausführlich über Perspektiven für ein Leben mit Kind und über verschiedene unterstützende Angebote beraten lassen (z.B. bei Arzt, Sozialarbeiter, Jugendamt oder Beratungsstellen in freier und kommunaler Trägerschaft).

Es gibt auch die Möglichkeiten der "vertraulichen Geburt" und der "anonymen Geburt".

Ich wünsche dir die Kraft, deine Entscheidung zu treffen, die für deine jetzige Lebenslage und Lebensplanung richtig ist und dir von Herzen alles Gute!

ELTERN

  • Denk erst einmal selbst drüber nach, ob du die ungewollte Schwangerschaft abbrechen oder austragen möchtest. Dann denke darüber nach, wie wahrscheinlich es ist, dass deine Eltern offen für deine Wahl sind und dich unterstützen werden. Wenn Deine Eltern extrem gegen Abtreibung sind, aber du abtreiben möchtest, dann solltest du dir überlegen, ob du sie einweihst. Eine Abtreibung ist auch ohne das Wissen der Eltern möglich.
  • Zwischen 14 und 16 entscheidet der Arzt über die Reife und Einsichtsfähigkeit der Schwangeren und kann auf die Einwilligung der Eltern verzichten. Nur wenn der Arzt Zweifel an der Einwilligungsfähigkeit des Mädchens hat, müsste er die Zustimmung der Eltern einholen. Dies ist regelhaft nicht der Fall, so dass ein Abbruch ohne Einwilligung und Kenntnis der Eltern in Deutschland normal ist.
  • Ab 14 Jahren gilt die Schweigepflicht des Arztes uneingeschränkt. Hat er also Zweifel an der Einwilligungsfähigkeit, so darf er nicht gegen den Willen des Mädchens die Eltern informieren, sondern allenfalls den Abbruch verweigern. Du kannst Dich also problemlos und ohne Angst an einen Frauenarzt oder an ProFamilia wenden und Dich ausführlich beraten lassen.

ALLGEMEIN

  • Ganz entscheidend ist, die Schwangerschaft unverzüglich von einem Frauenarzt bestätigen (oder ausschließen) zu lassen. Nur wenn die Schwangerschaft ärztlich festgestellt ist, hat es Zweck, weiter darüber nachzudenken. Als Minderjährige kannst Du jederzeit ohne Termin als Notfall zu einem Frauenarzt gehen und kommst mit Sicherheit ran, wenn Du sagst, dass Du ungewollt schwanger bist.
  • Falls Du wirklich schwanger bist, solltest Du Dir UNVERZÜGLICH einen Termin für eine dringliche SCHWANGERSCHAFTSKONFLIKTBERATUNG geben lassen. ProFamilia berät neutral, professionell und umfassend. Auf profamilia.de findest Du rechts-oben "Angebote vor Ort" und kannst dort eine nahegelegene Filiale kontaktieren. Nach der Beratung hast Du immer noch ALLE Optionen und kannst Dich fundiert entscheiden.
  • In Deutschland hat jede Frau die freie Wahl, eine Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen. Diese freie Wahl sollte sie nutzen und dabei ihre Lebensziele und Lebensplanung, ihre eigenen Ansichten und Wertvorstellungen, ihre wirtschaftliche Lage und die eventuelle familiäre Zukunft und Partnerschaft berücksichtigen. Schwangerschaftsabbrüche sind immer eilig. In Deutschland gilt die strenge Fristenlösung, nach der Abbrüche nur bis zur 12. Woche nach Empfängnis erlaubt sind.
  • Persönlich rate ich meistens dazu, eine ungewollte Teenager-Schwangerschaft abzubrechen und Dir nicht das ganze weitere Leben zu verpfuschen. Lass Dir von den Moralaposteln und Gutmenschen nicht Deine eigenes Leben zerreden. Sei Dir bewusst, welche weitreichenden Konsequenzen eine so junge Schwangerschaft für Dein gesamtes Leben in fast allen Aspekten haben wird.

Hallo,

Wenn du normalerweise ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast, sind sie natürlich deine ersten Ansprechpartner. Dass das Gespräch nicht angenehm wird und deine Eltern keine Freude haben werden, ist schon klar, aber wenn ihr euch sonst gut versteht, werden sie nach dem ersten Schock sicher zu dir stehen.

Ich würde sie bitten, sich mit dir zusammenzusetzen, da du eine Nachricht hast und dringend ihre Hilfe brauchst. Wenn ihr dann beisammen sitzt, würde ich so ähnlich wie "Bitte helft mir, es ist etwas passiert" sagen. Darauf werden sie nachfragen, was los ist und dann sagst du einfach "Ich bin schwanger." Alles weitere musst du auf dich zukommen lassen.

Wenn du kein gutes Verhältnis zu den Eltern hast und es auch sonst niemanden in der Familie gibt, dem du dich anvertrauen kannst und der zwischen euch vermittelt, kannst du dich ans Jugendamt wenden. Davor musst du keine Angst haben, denn deren Aufgabe ist es, dir zu helfen, dich zu unterstützen und mit dir zusammen Lösungen zu erarbeiten, die deinen Wünschen entsprechen. Sollten die Eltern tatsächlich nicht für dich da sein und zu dir stehen, bekommst du dort Hilfe und breite Unterstützung.

Auch wenn sich deine Eltern überfordert fühlen, kannst du vorschlagen, gemeinsam zum Jugendamt zu gehen und um Hilfe für euch alle zu bitten. Damit kannst du vielleicht schon ein erstes Mal beweisen, dass du dir Gedanken machst und Verantwortung für das, was da passiert ist, zu übernehmen.

Informiere deine Eltern so bald wie möglich! Du wirst dich besser fühlen, wenn du das hinter dich gebracht hast.

Also, Kopf hoch, Mädchen! Du schaffst das! Wenn du möchtest und wenn es dir hilft, kannst du uns ja dann schreiben, wie es gelaufen ist.

Alles Gute und liebe Grüße!

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