Wie reich sind Landwirte?

8 Antworten

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Woher kommt das Klischee, dass Bauern arm sind?

zum guten Teil sind solche selbst schuld. Wer es eben nicht fertig bringt, auf sagen wir mal Dorffesten oder Festivitäten zu duschen und ein sauberes Hemd plus Jeans anzuziehen, dem mag man sicher schnell Armut (wohlwollend) oder Geiz (abwertend) nachsagen.

Man sieht sie in vielen Berichten in dreckiger Kleidung, was natürlich logisch ist.

Naja,ich kenn KFZ-Mechaniker die sind weitaus 'dreckiger' als wir ;-) Binmir sicher, würden wir uns auf der Straße treffen, dass der letzte Beruf, den du mir zutraust, Landwirtin wäre ;-)

Man sieht die Ställe, die dreckig sind, was auch logisch ist.

Nein, ist es nicht. Ställe sind quasi die Wohnungen der Tiere, diese müssen sauber sein, damit sich die Tiere auch wohlfühlen können, was wiederum die Leistungsfähigkeit steigert . Keine Kuh, keine Henne oder ein Pferd legt sich freiwillig in seine eigenen Exkremente, nur müssen viele Tiere das genauso hinnehmen.

Da die Nachfrage nach Lebensmitteln dauerhaft hoch ist, müssten Bauern doch eigentlich ein gutes Einkommen haben.

Dazu müsste es etwas genauer sein: Meinst du Feldfrüchte wie Weizen,Roggen,Gerste,Dinkel oder reden wir von Gemüse-/Obstbauern? Du vergisst auch hoffentlich nicht, dass gerade die, die Getreide für ihre Tiere anbauen und ernten müssen,zwar subventioniert aber immer benachteiligt werden?

Liegt es ausschließlich an den niedrigen Preisen (Z.B. für Milch), dass sie als arm gelten?

Ein reiner Milchbauer, der seine 20,30 Kühe hat, evtl noch etwas eigenes Land dazu und die Technik aus 19wasweißich ist ein armer Schlucker. Überleg mal (Achtung, Rechenaufgabe): Eine Kuh gibt am Tag im Schnitt 50l Milch, für den Liter (eig Kg) konventionell erzeugter Milch bekommt man derzeit ca 36cent, das sind dann also? naaaa? Ja, genau, 18€ pro Tag und Kuh. Klingt viel, aber die Kuh hat noch nix gefressen, hat nix zu saufen gehabt, krank war sie bis jetzt auch noch nicht und evtl. Pachten bzw Altenausträge sind auch noch nicht bezahlt geschweige denn Reparaturen an den Maschinen.

Ganz ehrlich? Das kann nicht funktionieren.

Private Ausgaben müssten im Vergleich auch geringer sein, das Bauern nahezu rund um die Uhr arbeiten.

Öhm, auch Landwirte besitzen Internet, können Amazon, Ebay oder Zalando bedienen oder sich auch klassisch in´s Auto setzen und Einkaufen/Shoppen fahren.

Der Tag beginnt früh, endet spät und oft wird man grad bei Nutzviehhaltung jäh unterbrochen in der Nachtruhe. Auch die Feldarbeit hat´s in sich: soll es übermorgen regnen, ist man gut bedient mit dem Drescher und den Kippern/Sattelschleppern Sonderschichten einzulegen,die auch mal bis 2Uhr morgens (oder länger) gehen können.

Ich spreche nicht vom Wert des Hofes und der Felder oder den Maschinen.

Doch genau damit hat´s zu tun. Warum? Ganz einfach: ein Landwirt verkauft im Normalfall kein Land, sondern sieht eher zu, dass die ganze Sache wächst.

Wer mit den Maschinen vom Uropa fährt, wird bald draufkommen, dass das Richten und der Zeitaufwand in keinem Verhältnis steht, somit sind neue Maschinen (einhergehend mit der Vergrößerung des Betriebes) unumgänglich.

Großbauern

sind nicht zu vergleichen mit Landwirtschaften, die eben 'schon immer so waren', weil´s der Opa schon so gemacht und der Uropa auch und eigentlich hat sich weder an der Struktur noch an der Hierarchie noch am Hof selbst verändert. Genauso sehen die Höfe dann auch aus.

Erst wenn man weiß, was so eine 'Sache' wert ist und bereit ist Risiko einzugehen, Veränderung zu wagen und seine Möglichkeiten auszubauen weiß, dann erst kann ein Betrieb wachsen und sich entwickeln, deshalb hat es jeder Bauer/Landwirt selbst in der Hand, ob er als arm oder reich betitelt wird.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Ich kenne das Klischee zwar nicht, aber ich habe praktische Erfahrung in der Landwirtschaft denn ich helfe viel als Rentner bei einem Bauern und einem Weingut aus.

Den Einheitstyp Bauer so wie du ihn schilderst kenne ich so auch nicht, " mit dreckiger Kleidung und dreckigen Ställen", denn es gibt inzwischen viele spezialisierte Landwirtschaftliche Betriebe die sich z.B. auch ihre Milch und andere Lebensmittel so wie du im Supermarkt kaufen müssen.

Bei uns im Dorf gibt es noch einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh, alle anderen haben sich mehr oder weniger spezialisiert. Schweinemäster gibt es bei uns auch keine mehr, die haben schnell umstellen müssen, da dieser Zweig defizitär wurde.

Dafür haben wir Spargelbauern, Gemüsebauern, Obst- und Beerenbauern. Viele Betriebe haben sich auf Weinbau, Obstbau und Getreidebau kombiniert spezialisiert.

Diese Kombinationen sollen die Arbeit zu vernünftigen Erträgen sichern, was oft auch nicht immer funktioniert.

Wenn heute ein Landwirt nicht nach ökonomischen Grundsätzen plant und arbeitet, kann er ganz schnell finanziell scheitern, die Preise sind vielfach am Boden, dazu kommt heuer noch die Trockenheit. Die landwirtschaftlichen Maschinen - die die körperliche Arbeit reduzieren - werden immer leistungsfähiger, aber auch teurer und komplizierter.

Wenn eine umsichtiger Landwirt seinen Betrieb im Schuss hat, dürfte er über ein Einkommen, das über dem eines Industrie-Angestellten liegt, verfügen. Der Haken dabei ist, dass um dieses Einkommen zu erreichen die ganze Familie (Frau, Kinder, Grosseltern und Bekannte, ausl. Saissonarbeiter) mithelfen müssen und das nicht nur 7.5 Arbeitsstunden pro Tag. Deutsche Aushilfskräfte findet solch ein Landwirt z.B. zur Spargelernte kaum noch, diese Aushilfen melden sich bereits am nächsten Tag krank.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Das Einkommen kann nicht überdurchschnittlich sein, da sehr viel Geld in die Bestellung der Äcker und Ressourcen fließen. Die Traktoren welche heute benötigt werden sind nicht günstig. Die verbrauchen bei hoher Last durchaus 10 bis 15 Liter Diesel pro Stunde.
Es geht auch nicht nur um Milchbauern. Man bekommt für Schweine ebenfalls kaum Geld. Zudem hat man einen Arbeitstag von 24 Stunden. Es gibt weder Urlaub, noch kann man in Urlaub fliegen.
Durch die ganzen Auflagen, benötigen Anschaffungen usw. bleibt meinen Eltern nicht mehr viel Geld übrig. Sie verdienen zusammen ca. Netto 3000€ im Monat. Pro Person 1500€ Netto. Versuch dir damit mal von 0 auf eine Existenz zu gründen.

Die Rente fällt später mal mit 400€ Pro Person sehr mager aus. Landwirte haben keine Auswahl bei der Kranken- und Rentenversicherung. Nur als Info.

noch dazu soll alles bio sein. Das ist noch größerer Aufwand.

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@Minerva78

Eben. Die Leute beschweren sich auch, dass die Werkstatt soooo teuer ist. 70€ Pro Arbeitsstunde sind relativ günstig, wenn man die Unkosten im Blick hat.

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Die Landwirte leben nicht in ewiger Armt. Allerdings ist deren Arbeitszeit mit der eines Handwerkers nicht zu verglaichen, da weitaus höher und auch zu ungünstigeren Zeiten. Wenn man die Stundenlöhne dann gegenrechnet, kommt der Landwirt schlechter dabei weg.

Mal überlegen: Otto Normalverbraucher kauft Schweinefleisch bei Aldi für fünf Euro pro Kilo (also ungefähr zum gleichen Preis wie Brot beim "Bäcker"). Aldi bezahlt dem Bauern also deutlich weniger als die fünf Euro, denn Aldi will Geld verdienen. Hier kannst du schauen, was der Bauer für sein Schwein bekommt: https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/565.htm

Um ein Kilo Schweinefleisch zu produzieren, muss der Bauer aber fünf Kilo Futter in das Schwein reinstecken. Und er braucht einen Stall, in dem das Schwein wohnt. Mit Beleuchtung. Er muss den Tierarzt und Medikamente bezahlen. Und das arme Viech am Ende zum Schlachthof karren.

Klar, dass der Bauer dabei total reich wird.

Schön geschrieben!

Aber ein huhn braucht 1,8kg Futter für ein Kilo Fleisch.

Ein Schwein 3kg Futter

Und ein Rind 7kg Futter

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