Wie lange muss das Fohlen dort bleiben?

4 Antworten

Optimal wäre wenn das Fohlen ein Jahr lang mit anderen Fohlen zusammen ist. Absetzen von der Mama kann man es mit ca. 6 Monaten. Dann könnte die Stute wieder in ihren alten Stall und das Fohlen bei seinen Kameraden bleiben.

Der gängigste Weg ist nicht immer der beste. Natürlich ist es nicht, die Fohlen auf einer Fohlenweide ohne erwachsene Pferde aufwachsen zu lassen. Bei freilebenden Herden bilden sich normal immer Familien. Aber es gibt Herden, die so klein sind, dass sie nur aus einer Familie bestehen. Wenn dort nur eine Stute tragend ist, wächst das Jungtier immer ohne Altersgenossen auf. Das ist also deutlich naturnäher als wenn man die Jungtiere nimmt und von den erwachsenen Tieren entfernt.

Während der Trächtigkeit und für die Geburt würde ich auf jeden Fall die Stute immer in ihrer gewohnten Umgebung lassen, ich kenne viele Geburten innerhalb der Herde. Meist schicken die Stuten die Wallache weg, wenn eine von ihnen gebährt und die dürfen erst wieder in die Nähe, wenn die ersten Stunden vorbei sind. Das regelt die Herde ganz alleine. Ein Hengstfohlen muss man irgendwann absetzen, weil es geschlechtsreif wird und man den ungewollten Deckakt ausschließen muss. Wenn man die Stute wirtschaftlich nutzt, muss man auch ein Stutfohlen absetzen, um die Mutterstute wieder einsetzen zu können. Bei privater Nutzung würde ich aber die Mutterstute entscheiden lassen, wann sie ihr Stutfohlen absetzen möchte. Das Stutfohlen wird von ihr dann abgenabelt, das würde ich komplett in der Herde, wo es geboren wird, aufwachsen lassen. Ein Hengstfohlen eben in einer anderen Herde. Wenn der Junghengst dann mal kastriert ist, kann er ja zurück kommen.

Die Stute selbst ginge für mich keinen einzigen Tag aus der Herde. Ein Umzug ist für ein Pferd ein enormer Stress, manchen sieht man das über ein Jahr lang an. Oft stecken es männliche Tiere leichter weg, weil die auch, wenn sie aufmüpfig werden aus natürlichen Herden mal raus fliegen. Stuten hingegen wechseln ihre Herde niemals in freier Natur, entsprechend sind die noch herdengebundener als Hengste bzw. dann Wallache.

Wer das mit dem "Pferdekindergarten" aufgebracht hat, weiß ich nicht, entstanden ist das aber wahrscheinlich eher aus wirtschaftlichen Gründen als aus Gründen der Herdenlogik. Fakt ist, dass die kleinen nicht von den älteren lernen (grade alte Pferde blühen oft richtig auf, wenn sie Onkel oder Tante sein dürfen), wie es in der Natur der Fall wäre, man hat dann einfach ein ausgewachsenes Fohlen, wenn man sie wieder holt. Wer's braucht ...

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Durchgenend Pferdeerfahrung seit 1981

Ich würde meine Stute nicht fortgeben, sondern in ihrer gewohnten Umgebung lassen, in der sie sich wohl fühlt und im Rahmen ihrer Herde auch sicher. Ich würde viel eher das Fohlen dann zum Herbst absetzen und zur Aufzucht in eine Jungpferde und Fohlenherde weggeben. Unser Fohlen dieses Jahr war ein superfrühes Fohlen. Es kam bereits im Februar und hat bis jetzt noch keine Spielkameraden, weil die anderen Fohlen erst jetzt kommen, da deren Mütter im letzten Jahr schlecht angenommen haben. Es wird von allen Stuten, nicht nur von seiner Mama verhätschelt und erzogen und freut sich seines Lebens. Sozialverhalten lernt es innerhalb dieser Herde und im Herbst geht es für das Fohlen dann ins Münsterland.

Auch in der freien Natur kann es durchaus sein, dass es in einer Herde einmal nur ein lebendes Fohlen gibt und auch dort enden diese "Einzelkinder" nicht als Charakterkrüppel.

Unsere Stute würde sich woanders auch überhaupt nicht schicken. Sie braucht ihre Herde, ihre Bezugspersonen und ihre gewohnte Umgebung zum Glücklich-Sein. Und unser Fohlen wird sich nach anfänglichem Trennungsschmerz inmitten von neuen Freunden sicherlich gut einleben und eine glückliche und unbeschwerte Zeit auf weiten Weiden verbringen, bis wir es mit ca. 3 Jahren zur Ausbildung wieder zu uns holen werden.

Der Vorschlag von Sallyvita ist der gängige Weg. Die Stute wegstellen ist eigentlich nicht nötig, sondern das Fohlen kommt in der Herde der Mutter zur Welt und wird dann später in eine Aufzuchtherde gegeben.

Woher ich das weiß:Beruf – Pferdewirtschaftsmeister

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