wie lange kann ein typ 1 diabetiker ohne insulin überleben?

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4 Antworten

Hallo!

Ohne Basalinsulin ist es immer noch möglich, die höheren Blutzuckerwerte mit dem schnell wirkenden Insulin zu senken. Deshalb kann man - bei engmaschiger Kontrolle - sicherlich einige Zeit auch ohne Basalinsulin überstehen.

Nimmst du deinem Körper aber alle beiden Insuline, dann wird der Blutzucker innerhalb von wenigen Tagen stark ansteigen, selbst wenn du kaum Kohlehydrate zu dir nimmst. Ohne Basalinsulin steigt der Blutzucker auch wenn wir nichts essen.

Es zeigen sich sicherlich bald alle Symptome von unbehandeltem Diabetes. Der Körper versucht dann den hohen Blutzucker über die Nieren auszuscheiden und entwässert dadurch stark. Man muss also sehr oft Wasserlassen und hat großen Durst. Diese Gegenregulation beheb nur den hohen Blutzucker ein wenig aber eben zu wenig. Verursacht aber auch eine Vielzahl an anderen Problemen, wie das starke Entwässern. Solche Gegenregulationen finden einige im Körper statt und das verursacht dann eine vollständige Entgleisung des Stoffwechsels.

Ich denke, nach einigen Tagen oder vereinzelt auch 1-2 Wochen wird der Körper einfach aufgeben und ins Koma fallen. Wie lange das dauert, hängt sicherlich vom Menschen ab. Bei einigen wird es sehr schnell gehen, andere werden länger durchhalten.

Da aber jede Stoffwechselentgleisung lebensgefährlich sein kann, würde ich es sicherlich nicht darauf ankommen lassen!

Gruß Lirin

Tatsächlich braucht der Körper kein Insulin, um die Zellen mit Energie zu versorgen. Das ist eine Falschinformation, die sich leider seit Jahrzehnten hält.

Glucose kann auch so in die Zellen aufgenommen werden (wenn auch etwas langsamer)!

Die bei Diabetes kritische Eigenschaft von Insulin ist die Hemmung von Glucagon. Glucagon regt nämlich die Leber zur Produktion von Glucose (Gluconeogenese an). D.h. einen beträchtlichen Teil des Überzuckers produziert der Körper selbst - weil die Bremse (Insulin) für diesen Vorgang kaputt ist. Versuche mit direkten Glucagonhemmern haben das bstätigt: Kein Diabetes ohne Glucagoneinfluss!

Hier die Wissenschaft dazu: http://www.thefatemperor.com/blog/2015/1/17/wow-what-a-lecture-on-diabetes-prof-roger-unger-thx-slmorgan-for-this

Glucagon kann aber selbst bei vollständiger Entfernung der Bauchspeicheldrüse immer noch im Magen gebildet werden (als Reaktion auf bestimmte Aminosäuren). Das dürfte der Grund dafür sein, dass Typ 1 Diabetiker selbst bei peinlich genauer Blutzuckerkontrolle gerne mal üble Schwankungen erfahren.

Insofern kann ich mir durchaus vorstellen, dass ein Typ 1 Diabetiker sich auch ohne Insulingabe irgendwie durchschlagen kann - wenn er körperlich aktiv ist und streng kohlenhydratarm isst!

Allerdings würde ich davon abraten, das leichtfertig bzw. ohne engmaschige Blutzuckermessung auszuprobieren. Nur weil man ohne Sicherungsseil klettert stürzt man nicht ab - aber wenn, dann hätte man besser eines gehabt...

Dr. Richard K. Bernstein vertritt auch strenge Low Carb Ernährung für Diabetiker. Er ist selbst seit seinem 12 Lebensjahr Typ 1 Diabetiker und hat die Erfahrung gemacht, dass kein Insulin der Welt eine kohlenhydratreiche Ernährung richtig kontrollieren kann. Da aber kein Mensch Kohlenhydrate braucht, kann man sie einfach weglassen. Besonders für Diabetiker ist das sinnvoll...

Tut mir leid, ich denke, du hast da einiges falsch verstanden!

Der Körper braucht unbedingt Kohlehydrate! Sie werden nicht nur gebraucht um die Körperzellen - in Form von Zucker - zu versorgen, sondern auch um den Glykogenspeicher zu füllen. Diese Speicher befinden sich in der Leber und zum Teil auch in den Muskeln. Sie werden angezapft, wenn der Blutzucker zu stark sinkt, wie beim Leistungssport. Da diese Speicher beim Sport sehr schnell geleert werden können, müssen sie auch regelmäßig wieder aufgefüllt werden und zwar aus den Kohlehydraten, die wir zu uns nehmen!

Und es ist sehr wohl so, dass der Körper Insulin zwingend braucht um die Körperzellen mit Zucker zu versorgen!

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Zum einen muss ich Lirin (hoffentlich richtigngeschrieben) zustimmen ...

Zum anderen übersiehst du komplett, dass sich ohne insulin giftstoffe im körper bilden (sognannte Ketone). Die zu einer gefährlichen Ketonvergiftung führen. DAS ist bei einem kompletten insulinentzug wohl das lebensgefährliche. Und nicht der erh9hte blutzuckerspiegel.

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@DerMike1989

Dass Gott erbarm!

Bitte, guckt euch erst das Video an. Der Typ hat sei 1955 Diabetesforschung betrieben und dafür 2014 nen Preis bekommen! Glaubt nicht mir. Aber glaubt ihm...

Erstens: Wir brauchen keine Kohlenhydrate zu essen. Nada. Sie sind nicht essentiell. Die geringe Menge an Glucose, die der Körper wirklich braucht, die stellt die Leber problemlos selbst her. Sonst wären wir nach 2 Tagen (etwa so lange reichen die Glykogenspeicher) Kohlenhydratentzug tot. Ist aber nachweislich nicht so.

Zweitens: Ketokörper als Gifte zu bezeichnen ist Quatsch. Sie sind vielmehr alternative Energieträger (statt Glucose). Ich mache regelmäßig in Ketose Sport. Geht besser als mit Zucker im Blut.

Bitte die ernährungsbedingte Ketose nicht mit der diabetischen Ketoazidose verwechseln. Ersteres ist ein vollkommen normaler Vorgang, so normal wie Schlafen. Tatsächlich gleitet der Gesunde regelmäßig während des Schlafs in die Ketose.

Die diabetische Ketoazidose ist lebensgefährlich, ja. Weil Insulin nicht nur die Blutzuckerausschüttung (ja, Ausschüttung!) der Leber deckelt, sondern auch die Produktion von Ketokörpern (Fettverbrennung). Absoluter Insulinmangel ist lebensgefährlich ja. Aber schon Spuren von Insulin reichen aus, um die Ketonproduktion zu stoppen.

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@DerMike1989

Ein Link zu einem Schriebs eines Anssi H Manninen, der 2004 in einem Journal (Journal of the International Society of Sports Nutrition) veröffentlich wurde.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2129159/

Behandelt Ketokörper, Ketoazidose vs ernährungsbedingte Ketose, dass KH nicht essentiell sind, und auch dass Insulin nicht nötig ist um Zucker in die Zellen hineinzubekommen.

Mit umfangreichen Quellenangaben zu Studien, die all das belegen.

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ah ... also bilde ich mir die gefährliche ketonvergiftung nur ein

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@DerMike1989

Genaugenommen liest du meine Beiträge und Quellen nicht. ;-)

Ketokörper sind nicht "giftig", (jedenfalls nicht giftiger als Glucose) sondern physiologisch völlig normal, nützlich und gesund. Haben sogar Vorteile gegenüber Glucose.

Eine ungebremste Ketonproduktion führt zur diabetischen Ketoazidose und ist lebensbedrohlich. Das kann nur bei völliger Abwesenheit von Insulin passieren.

Wir sprechen bei einer ernährungsbedingten Ketose von ca. 3mmol/L 3-OHB (beta-Hydroxybuttersäure), bei einer unkontrollierten diabetischen Ketose von 15-25mmol/L und mehr. Das ist ein Faktor 7. Bei einem Blutzucker von 7x dem normalem Wert sind wir bei 630mg/dl. Da ist Zucker dann auch schon lange nicht mehr ungefährlich.

Das bemerkenswerte ist, dass Ketokörper nicht unkontrolliert über die Nahrung zugeführt werden. Sie werden ausschließlich von der Leber gebildet. Und diese Bildung wird schon von niedrigeren Insulindosen gestoppt, als die Blutzuckerbildung. Jedoch kann man Zucker ungebremst über die Nahrung aufnehmen.

Glaubst du echt noch, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung einem Diabetiker gut tut?

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hallo ArchEnema,... Mit Deinem Wissen solltest Du bei einer Uni-Klinik anheuern und dort die Vorträge halten. Hier verunsicherst Du nur die Fragesteller und das ist unverantwortlich
spatzi321

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Ich vermute, ganz ohne Insulin nur Stunden bis wenige, einzelne Tage, da der Typ I Diabetiker dann ins Koma fällt und an der Hyperglycämie stirbt. So wie noch vor 70 oder 80 Jahren, als es noch kein Insulin gab... Wie genau sieht denn deine eigene Erfahrung aus, das du diese Frage stellst?

LG, deine Diätassistentin

Mal in der Apotheke oder beim Hausarzt nachfragen !

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