Wie kann man Mk 2,18-22 verstehen (Kerngedanke)?

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7 Antworten

Im Bibelkommentar von Dr. John F. Walvoord findet sich zu Markus 2,18-22: "Markus berichtet, dass die Jünger des Johannes (der verbliebene treue Rest der Anhänger Johannes des Täufers) und die Pharisäer (sowie ihre Jünger oder Anhänger) viel fasteten, während Jesus und seine Jünger es sich in Levis Haus wohlsein ließen. Das Alte Testament schrieb ein Fasten für alle Juden als einen Akt der Buße nur am Versöhnungstag vor (3Mo 16,29-31), doch die Pharisäer propagierten darüber hinaus ein freiwilliges Fasten an jedem Montag und Donnerstag als Akt der Frömmigkeit (vgl. Lk 18,12). Als Antwort auf die kritische Anfrage einiger Leute erklärte Jesus, wie widersinnig es für seine Jünger wäre, in ihrer Situation zu fasten (Mk 2,19-22). Dabei lehnte er das Fasten nicht prinzipiell ab, sondern befürwortete es, wenn es auf die rechte Weise geschah (vgl. Mt 6,16-18).

Mit dem Vergleich, den Jesus in seiner Gegenfrage zog, stellte er eine verborgene Analogie zu sich selbst her. Wie es für Hochzeitsgäste (wörtlich: "Söhne des Brautgemachs", die Begleiter des Bräutigams) unangemessen wäre zu fasten (ein Ausdruck der Trauer), wenn der Bräutigam anwesend ist, so war es auch für Jesu Jünger unangebracht (in Trauer) zu fasten, solange er bei ihnen war.

Jesu Anwesenheit gab zu ebensogroßer Freude Anlaß wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit (wörtlich: "die Tage") kommen, daß der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen (aparthE; das Verb impliziert eine gewalttätige Entfernung, Raub; vgl. Jes 53,8) würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn vonTrauern statt Fröhlichsein. Diese Anspielung auf seinen bevorstehenden Tod ist der erste Hinweis auf das Kreuz im Markusevangelium.

 Die beiden ersten Gleichnisse Jesu, die Markus erzählt, haben einen breiteren Bedeutungshorizont als nur das Thema "Fasten". Mit Jesu Anwesenheit bei seinem Volk brach eine neue Zeit (die Zeit der Erfüllung) an, sein Kommen war ein Zeichen, dass das Alte vergangen war. Der Versuch, diese Neuheit des Evangeliums mit der alten Religion des Judentums zu verbinden, war ebenso nutzlos, wie einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes (palaion, "abgetragen") Kleid zu setzen. Wenn der neue (kainon, "qualitativ neu") Lappen (plErOma, "Fülle") naß wird, wird er einlaufen und vom alten abreißen, und der Riß wird noch ärger werden.

Ebenso katastrophal wirkt es sich aus, wenn man neuen (neon, "frisch"), noch nicht voll ausgegorenen Wein in alte (palaious, "abgenutzt", ohne Elastizizität, brüchig) Schläuche füllt. Wenn der neue Wein gärt (sich ausdehnt), zerreißt er die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch. Die Rettung, die Jesus brachte, hatte nichts mehr mit dem alten jüdischen System zu tun (vgl. Joh 1,17)."

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Kommentar von maddin2003
08.03.2017, 20:34

Genauso ähnlich hat es mein Relilehrer, der sehr gebildete Theologe und Autor Reuß aus Bamberg auch erklärt. Respekt, Sie haben mir sehr weitergeholfen.

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Kommentar von chrisbyrd
10.03.2017, 11:48

Vielen Dank für den "Stern", liebe Grüße und Gottes Segen!

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eine recht gute Anwendung:

Einige haben Matthäus 9:15 als ein Fastengebot für Christen aufgefaßt. In Wirklichkeit aber sagte Jesus lediglich voraus, was nach seinem Tode geschehen werde. Als er noch bei seinen Jüngern auf der Erde war, war es nicht angebracht, daß sie fasteten. Als er aber starb, trauerten und fasteten sie.
Nach seiner Auferstehung und besonders nach der Ausgießung des heiligen Geistes hatten sie keinen Grund mehr, aus Trauer zu fasten (Mar 2:18-20; Luk 5:33-35).
Gewiß waren Christen nicht verpflichtet, am Jahrestag des Todes des Herrn zu fasten, denn als der Apostel Paulus Mißbräuche berichtigte, die sich in Verbindung mit dem Einnehmen des Abendessens an der Zusammenkunftsstätte vor dem Abendmahl des Herrn eingeschlichen hatten, sagte er: „Habt ihr denn nicht Häuser, um dort zu essen und zu trinken? . . . Darum, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um es [das Abendmahl des Herrn] zu essen, so wartet aufeinander. Ist jemand hungrig, so esse er zu Hause, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt“ (1Ko 11:22, 33, 34).

Das Fasten ist zwar kein religiöses Erfordernis, dennoch fasteten die Christen bei bestimmten Gelegenheiten. Als Barnabas und Paulus mit einem besonderen Missionarauftrag nach Kleinasien gesandt wurden, tat man dies unter Fasten und Beten. Auch wurde „unter Fasten“ gebetet, wenn in einer neuen Versammlung Älteste ernannt wurden (Apg 13:2, 3; 14:23). Christen ist daher das Fasten weder geboten noch verboten worden (Rö 14:5, 6).

Im Hinblick auf die Verse 21,22 kann ich hinzufügen:

Als die Pharisäer Christus Jesus fragten, warum seine Jünger nicht fasteten wie die Pharisäer und die Jünger des Johannes, erklärte Jesus, daß der Riß in einem alten Kleid größer würde, wenn man einen Flicken nicht eingelaufenen Tuches darauf nähte (Mar 2:18, 21). Beim Waschen würde der Flicken eingehen und sich dabei von dem alten Kleid lösen und es einreißen. Mit dieser Veranschaulichung wollte Jesus seinen Zuhörern erkennen helfen, daß es für sie an der Zeit war, seine Nachfolger zu werden, und daß es verkehrt war, zu versuchen, seinen Jüngern ihre Bräuche aufzudrängen. Johannes hatte früher erklärt, daß er mit seinem Werk das Kommen Christi vorbereite und es deshalb nur vorübergehend sei (Joh 3:27-30).
Besonders der letzte Teil sollte zeigen, dass die Zeit der überlieferten BRÄUCHE des JUDENTUMS bald ein Ende hatte und es an der Zeit war, "alte Zöpfe" abzuschneiden und dem Christentum beizutreten........alte Fastenregeln waren unwichtig.
cheerio

cheerio

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Dass die "ursprüngliche Lehre" neuen Inhalt bekommt, welcher die alten Vorstellungen über den Haufen wirft.

Christus brachte uns seine Gnade (Röm.3,24; 11,6) und erlöste uns von den früher dafür notwendigen "Werken" (Röm.5,9; 11,6).

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Mk.2,18-20 ist eine rein rhetorische Erwiderung Jesu zu den Vorhaltungen.
Genau genommen wollte er wohl (ausweichend !) rüber bringen, daß die Beachtung der Vorschriften des mos. Gesetzes nicht zur Erlangung des Heils taugen.
So ist auch ergänzend dazu Mk.2,21-22  verstehen. Das Gesetz des "Neuen Bundes" verträgt sich nicht mit den Gesetzen des "Alten Bundes".
Das "Neue" zerreißt das "Alte"
Im Hebräerbrief, 8,10-13 wird dies z.Bsp. auch gut ausgesagt.
https://www.bibleserver.com/text/EU/Hebr%C3%A4er8

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Jesus versuchte den Jüngern Johannes' des Täufers klarzumachen, daß man von seinen Nachfolgern nicht erwarten sollte, sie würden sich den althergebrachten Bräuchen des Judentums, wie z. B. dem rituellen Fasten, unterwerfen. 

Er war nicht gekommen, um ein altes, ausgedientes System der Anbetung, das kurz vor seinem Ende stand, auszubessern, damit es länger halten würde. 

Das Christentum sollte sich nicht dem Judentum jener Tage und dessen menschlichen Traditionen anpassen. Es sollte nicht wie ein neuer Flicken auf einem alten Kleid sein oder wie neuer Wein in einem alten Weinschlauch

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Man muss den Text lesen.

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Kommentar von Viktor1
07.03.2017, 20:32
Man muss den Text lesen.  

Gut daß du das sagst, da wär keiner drauf gekommen.

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Es wäre einfacher, wenn du den Text hier reinkopiert oder verlinkt hättest, dann müsste man nicht selbst danach suchen.

Ich mach das mal für dich:

Die Frage nach dem Fasten

18 

Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten?

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19 

Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.

 

20 

Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.

 

21 

Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch vom alten Kleid ab und es entsteht ein noch größerer Riss.

8

 

22 

Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

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Kommentar von gromio
07.03.2017, 18:34

eine recht gute Anwendung:

Einige haben Matthäus 9:15 als ein Fastengebot für Christen aufgefaßt. In Wirklichkeit aber sagte Jesus lediglich voraus, was nach seinem Tode geschehen werde. Als er noch bei seinen Jüngern auf der Erde war, war es nicht angebracht, daß sie fasteten. Als er aber starb, trauerten und fasteten sie. 

Nach seiner Auferstehung und besonders nach der Ausgießung des heiligen Geistes hatten sie keinen Grund mehr, aus Trauer zu fasten (Mar 2:18-20; Luk 5:33-35). 

Gewiß waren Christen nicht verpflichtet, am Jahrestag des Todes des Herrn zu fasten, denn als der Apostel Paulus Mißbräuche berichtigte, die sich in Verbindung mit dem Einnehmen des Abendessens an der Zusammenkunftsstätte vor dem Abendmahl des Herrn eingeschlichen hatten, sagte er: „Habt ihr denn nicht Häuser, um dort zu essen und zu trinken? . . . Darum, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um es [das Abendmahl des Herrn] zu essen, so wartet aufeinander. Ist jemand hungrig, so esse er zu Hause, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt“ (1Ko 11:22, 33, 34).

Das Fasten ist zwar kein religiöses Erfordernis, dennoch fasteten die Christen bei bestimmten Gelegenheiten. Als Barnabas und Paulus mit einem besonderen Missionarauftrag nach Kleinasien gesandt wurden, tat man dies unter Fasten und Beten. Auch wurde „unter Fasten“ gebetet, wenn in einer neuen Versammlung Älteste ernannt wurden (Apg 13:2, 3; 14:23). Christen ist daher das Fasten weder geboten noch verboten worden (Rö 14:5, 6).

Im Hinblick auf die Verse 21,22 kann ich hinzufügen:

Als die Pharisäer Christus Jesus fragten, warum seine Jünger nicht fasteten wie die Pharisäer und die Jünger des Johannes, erklärte Jesus, daß der Riß in einem alten Kleid größer würde, wenn man einen Flicken nicht eingelaufenen Tuches darauf nähte (Mar 2:18, 21). Beim Waschen würde der Flicken eingehen und sich dabei von dem alten Kleid lösen und es einreißen. Mit dieser Veranschaulichung wollte Jesus seinen Zuhörern erkennen helfen, daß es für sie an der Zeit war, seine Nachfolger zu werden, und daß es verkehrt war, zu versuchen, seinen Jüngern ihre Bräuche aufzudrängen. Johannes hatte früher erklärt, daß er mit seinem Werk das Kommen Christi vorbereite und es deshalb nur vorübergehend sei (Joh 3:27-30).

Besonders der letzte Teil sollte zeigen, dass die Zeit der überlieferten BRÄUCHE des JUDENTUMS bald ein Ende hatte und es an der Zeit war, "alte Zöpfe" abzuschneiden und dem Christentum beizutreten........alte Fastenregeln waren unwichtig.

cheerio

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Kommentar von MatthiasHerz
07.03.2017, 22:32

Ganz schön viel Interpretation für ein paar Zeilen verworrene Texte, aber eben Interpretation.

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