Wie kann ich als Nicht-Zahlen-Mensch im Beruf der Steuerfachangellten erfolgreich arbeiten?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Eine Umschulung nur nach den "Verwertungsmöglichkeiten" zu wählen ist zwar verständlich, aber auch gefährlich. Was bedeutet Du bist kein Zahlen-Mensch?

Kannst Du Dir Telefonnummern nicht merken oder Geburtstage?

Fällt es Dir schwer den Kurvenverlauf einer Kostenanalyse zu erstellen?

Wie sieht es mit anderen Dingen aus? Also vor einem Jahr hat Dir jemand beim A-Amt erzählt, dass er sich sorgen wegen seiner Kinder mache. Eines sei jetzt nach dem Abi im Unklaren wie es weiter geht und das andere Kind sei im Krankenhaus.

Kennst Du 25 Deiner Lieblingslieder so auswendig, dass Du die in der Dusche für Dich singen kannst?

Also, erst mal nach dem Fragenschock ganz locker. Wer sich keine Zahlen merken kann, der hat keine wirklich merklichen Nachteile. Natürlich gibt es die KollegInnen, die von 50 Mandaten die regelmäßigen Einzüge am Betrag erkennen und die Kontierung dazu natürlich im Kopf haben. Ich kann es nicht, hat aber auch keinen Unterschied ergeben.

Es gibt keine Mathematik in dem Beruf. Da wird gerechnet. Da gibt es mal einen Dreisatz, aber auch nur den, wo die Zahlen sich gleich verhalten. Und nicht den, wo die eine Zahl steigt und die andere sinkt.

Formel? Absolute Fehlanzeige. Kurvenverlauf oder Kostenanalyse kommt nicht vor. Höchstens wenn man Relationen ungewöhnlich sind. Aber für Fachgehilfen eigentlich überhaupt kein Thema.

Wie jede Merkfähigkeit ist natürlich jede Merkfähigkeit in fast allen Lebensbereichen hilfreich. Bei den sogenannten Geschäftsvorfällen, da handelt es sich eigentlich um Lebenssachverhalte. Jemand hat mit dieser oder jenem etwas vereinbart. Die Folgen sind... Das muss man sich merken können. Weil das über die steuerliche Einordnung entscheidet.

Simples Beispiel. Kioskbesitzer Erwin Z. aus K. kauft für sein Unternehmen 40 Schreibblöcke. 10 mit Linien, 10 mit Kästchen, 10 mit Rauten und 10 sind blanko. Da sollte man eben verstehen, dass ist der Einkauf von Ware. Denn wenn die Steuerberaterin Gundula B. aus C. die Blöcke kauft, dann nicht um diese zu verkaufen. Sondern es ist Büromaterial. Unterschied Wareneinsatz und Kosten. In der Folge sollte der Fachgehilfe wissen, dass Ware bei der StB'in ungewöhnlich ist, also vielleicht fragen sollte. Das wäre die unterste Ebene der Erkenntnis für Fachleute. Eigentlich sollte im Hinterkopf klar sein, welche Gewinnermittlungsarten haben wir bei Erwin und Gundula. Welche negativen Auswirkung hat die Buchung von Waren bei der Bilanz? Ist es wichtig, dass Erwin der (nicht) bilanziert sich zwei karierte Blöcke ins Büro für die Grundaufzeichnungen und betriebliche Notizen legt?

Es gibt auf der Ebene von Fachgehilfen höchstens 10 Definitionen, die müssen wörtlich sitzen. Sonst kann die Zuordnung schief gehen. Daher hilft es nichts - die 10 Paragrafen müssen auswendig sitzen. Allerdings nicht ganz, sondern nur Sätze daraus.

Vielleicht weitere 10 §§ muss man wissen was darin steht, also den Regelungsinhalt kennen.

Das sind die Dinge, die dann in Fleisch und Blut übergehen müssen und später kein nachdenken mehr erfordern dürfen. Von den Grenzfällen abgesehen, da darf man denken und auch mal ins Gesetz gucken. Dazu noch mal die Richtlinien nehmen können.

Das ist die Ausbildung. Die Praxis erwartet dann wirklich auch das Wissen über die Inhalte. Also was steht denn hier wichtiges in den Lohnsteuerrichtlinien, obwohl der Mandant keine Angestellten hat oder was findet man in anderen Richtlinien?

Da geht es dann um Begriffe wie Reisekosten, Bewirtung, Liebhaberei usw.

In Praxen, die qualifiziert arbeiten, da man auch wissen, ob es da wichtige (aktuelle) Rechtsprechung gibt.

Egal ob Buchführung oder Steuererklärung: Es geht um die Sortierung der einzelnen Sachverhalte nach den gelernten Kriterien.

Vieles davon muss man - und darum dauert die Ausbildung so lange - selber erkennen lernen und selber raus finden. In der Regel wird es nämlich nicht dazu gesagt. Nicht im Betrieb und nicht in der Schule. Dafür ist es den AusbilderInnen und LehrerInnen zu selbstverständlich.

Das ist wie mit dem Laufen. Da sagt auch keiner: Jetzt vordere Oberschenkelmuskulatur anspannen und jetzt die Wadenmuskulatur. Das muss man dann selber raus finden.

Doch solche Konsequenzen aus dem zu lernenden Wissen wird es vermutlich in jedem Beruf zu ziehen geben. Es ist eben nicht für alle Menschen in jedem Bereich gleich leicht. Gib mir eine Materialtabelle und verlange von mir die richtige Auswahl eines Stoffes (oder richtiger Weise mehrerer Stoffe) für die Herstellung einer Zahnprothese. Ich würde da wohl die lustigsten Ideen haben, aber das Ziel nicht erreichen oder nur nach ganz viel üben, probieren und lernen. So ist es in der Steuerberatung auch.

Wenn Du daran Spaß hast, dann ist der Beruf eine positive Herausforderung. Wenn nicht, dann informiere Dich über Alternativen und laufe vorher aber vor der genannten Umschulung weg - weit weg. Denn dann ist es nicht gut für die Mandanten und für Dich, wenn Du diesen Beruf versuchst zu erlernen.

Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.

Forts.:

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P.S. Nur wer wirklich Spaß an genauer Formulierung hat, also die eigene und die von anderen, wird das wirklich verstehen, was zu machen ist. Trifft das bei Dir zu?

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@Dirk-D. Hansmann

Lieber Gullup! Ja, an genauer Formulierung finde ich schon Spaß! Ich denke gerne. Und ich fuchse mich gerne auch rein in eine Materie. Ich finde es auch schön, etwas zu verstehen, das motiviert mich sehr, durchzuhalten, bis ich es verstanden habe und wenn es dann noch jemandem nützlich ist, dann bin ich froh darüber! Dann kann es sogar richtig Spaß machen.....

Du hast mir wirklich viel mitgegeben für die Entscheidungsfindung. Ich habe besser verstanden, worum es in der Tiefe geht, also die steuerlichen Konsequenzen von Sachverhalten und diese mit meinem Wissen einzuordnen, vieles richtig einzuordnen und auch Mandanten zu beraten und auf sie aufpassen. Zum ersten Mal fange ich an, mich zu fragen, ob es mir vielleicht sogar Freude machen könnte, das Ganze... Wissen anzuwenden, eine Materie durchdringen, Sachverhalten einordnen...

Das mit der Freude am Beruf, das hatte ich hier gar nicht gefragt, beschäftigt mich aber auch sehr. Es ist in der Tat äußerst kompliziert, einen Beruf anzugehen, der keinen echten Spaß macht. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, bei dem Du mir auch sehr wertvolle Anregungen gegeben hast. Habe vielen Dank für Deine Umsicht.

Einen herzlichen Gruß schickt LaToulousaine

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Ich bin selber in einer Umschulung zum Steuerfachangestellten und sagen wir es mal so - nicht gerade ein Mathegenie ;) Das braucht man auch überhaupt nicht zu sein, außer den Grundrechenarten, ein bisschen Zins- und Prozentrechnen passiert da auch nicht viel.

Viel wichtiger ist, das man sich relativ schnell in die Gesetzestexte reinversetzen kann und diese richtig interpretiert. Die Umschulung besteht aus drei Fächern: 1) Steuerlehre (natürlich das Wichtigste bestehend aus Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer und Abgabenordnung); 2) Rechnungswesen (der Beruf der Steuerfachangestellten ist wohl der Ausbildungsberuf, bei dem das Rewe am ausführlichsten behandelt wird - viel tiefgründiger als z.B. beim Bürokaufmann. Also sollte man schon einen gewissen Faible für Buchungssätze entwickeln und in der Lage sein die Grundlagen schnell zu verstehen - sonst verliert man leicht den Anschluß) und 3) WiSo (eigentlich kein Problem, erst recht nicht, wenn man aufgrund von etwas Lebenserfahrung vieles wie Kaufvertragsrecht ohnehin schon einigermaßen kennt.)

Insgesamt kann ich die Umschulung empfehlen, und zwar nicht nur aufgrund guter Berufsaussichten, auch bereitet mir die Materie (z.B. wenn man einem Mandanten in einer schwieren Steuersache helfen kann) viel Freude. Eins steht allerdings fest - leicht wird es nicht, den ganzen Stoff innerhalb von 2 Jahren einzupauken; man sollte sonst privat alles in geordneten Bahnen haben und sich voll auf die Umschulung konzentrieren zu können.

Ich hoffe, dass ich bei Deiner Entscheidung ein wenig behilflich sein konnte.

VG Matze

Du arbeitest den gesamten Tag mit Zahlen, das wird also nicht gut gehen. Du musst das schon irgendwie mögen..

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So sehe ich das auch - wenn man keine "Antenne" für Zahlen bzw. buchhalterische / steuerliche Vorgänge hat, sollte man besser die Finger davon lassen.

Im Übrigen ist die Abbrecher- / Durchfallquote in diesem Fachbereich recht hoch...


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Ja sehe ich selber. Bin momentan im dritten Lehrjahr und unsere Auszubildendenzahl hat sich halbiert. Mir hängt es manchmal auch raus wenn ich wieder etwas aufrechnen muss auch wenn es nicht kompliziert ist, es ist jedoch jeden Tag die Aneinanderkettung von Zahlen..

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@Simtastic

Aber wenn man die Ausbildung geschafft hat, kann man stolz darauf sein, und beruflich darauf aufbauen.

Ich habe selbst einmal in einem Steuerbüro gearbeitet, und viele meiner Ex-Kollegen haben ihren Weg konsequent verfolgt und nach der dafür erforderlichen Erfahrungszeit die Steuerberaterprüfung abgelegt. Dadurch ergaben sich weitere Möglichkeiten, z.B. sich selbständig zu machen, oder als Companion in eine bestehende Steuerberatungsgesellschaft einzusteigen.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Anschlussprüfung!

Gruß @Nightstick

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