Wie hat Alexander der Große die West-Persischen Territorien gehalten?

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Von Experte Neugier4711 bestätigt

König Alexander (griechisch: Ἀλέξανδρος [Alexandros]; lateinisch: Alexander) III. (verbreitet ist der Beiname »der Große«) von Makedonien ist mit einem Heer aufgebrochen, dessen Stärke antike Autoren etwas unterschiedlich angeben, mit 34.000 Mann als niedrigste und 48.500 Mann als höchste Zahl. Dieses Heer war sehr schlagkräftig, gut bewaffnet und geübt. Es hat Verluste gegeben, aber es kamen auch Verstärkungen hinzu.

In der Schlacht bei Issos 333 v. Chr. hat das Heer des persischen Großkönigs Dareios (altpersisch: Dārayava(h)uš; griechisch: Δαρεῖος; lateinisch: Darius) III. eine vernichtende Niederlage erlitten. Seine Mutter, seine Ehefrau, sein Sohn und zwei Töchter gerieten bei der Eroberung des Lagers in Gefangenschaft. Die Makedonen eroberten auch Damaskus und erbeuteten den dort belagerten königlichen Schatz. Dadurch bekamen sie große finanzielle Mittel.

Alexander konnte mit seinen Streitkräften Syrien, Phoinikien, Palästina und die Insel Zypern erobern. In vielen Fällen geschah eine Unterwerfung ohne Widerstandversuche. Tyros und Gaza wurden nach längerer Belagerung erobert.

Dareios hatte den Westteil seines Reiches verloren. Er versuchte, in Verhandlungen eine Rückgabe seiner Familienangehörigen und einen Friedensvertrag zu erreichen, wozu er bereit war, Alexander die Herrschaft über einen Teil seines Reiches vertraglich abzutreten.

Im Verlauf des Jahres 332 v. Chr. besiegte eine griechisch-makedonische Flotte unter den Anführern Hegelochos (griechisch: Ἑγέλοχος: lateinisch: Hegelochus) und Amphoteros (griechisch: Ἀμφοτερός; lateinisch: Amphoterus) persische Streikräfte und ihrer Unterstützer in der Ägäis. Die persische Seemacht im östlichen Mittelmeer war ausgeschaltet und es gab keine Küstengebiete und Inseln mehr, die als Flottenstützpunkte des Perserreiches im Mittelmeer dienen konnten.

Auch als Alexander in Ägypten war, hat es makedonische Truppenabteilungen in anderen Gegenden gegeben.

Dareios hat anscheinend nach den großen Verlusten seines Heeres nicht an eine Chance auf eine schnelle Rückeroberung des Westteils seines Reiches geglaubt.

Antike Autoren nennen, wahrscheinlich wie bei den Gesamtzahlen der Armee übertreibend, als Verluste auf persischer Seite in der Schlacht bei Issos, außerordentlich hohe Zahlen. Arrian(os), Alexandrou Anabasis (griechisch: Ἀλεξάνδρου ἀνάβασις; Alexanderzug; lateinischer Titel: De expeditione Alexandri)  2, 11, 8: ungefähr 100.000, darunter mehr als 10.000 Reiter; Diodor(os), Bibliotheke historike (griechisch: Βιβλιοθήκη ἱστορική; Historische Bibliothek; lateinischer Titel: Bibliotheca historica) 17, 36, 6: mehr als 100.000 Fußsoldaten, nicht weniger als 10.000 Reiter; Iustinus 11, 9, 10: 61.000 Fußsoldaten, 10.000 Reiter, 40.000 Gefangene; Plutarch, Alexander 20: mehr als 110.000; Curtius Rufus 3, 11, 27: 100.000 Fußsoldaten, 10.000 Reiter.

Dareios fehlte ein ausreichend starkes Heer für eine rasche Offensive. Er hat geplant, ein großes Heer zu sammeln und dann Alexander entgegenzutreten. Die Aushebung des Heeres, vor allem aus den östlichen Gebieten des Perserreiches, benötigte längere Zeit. 331 v. Chr. versammelte Dareios ein sehr großes Heer bei Babylon. Die Zahlenangeben antiker Autoren sind unterschiedlich und möglicherweise übertrieben: Arrian(os), Alexandrou Anabasis (griechisch: Ἀλεξάνδρου ἀνάβασις; Alexanderzug; lateinischer Titel: De expeditione Alexandri) 3, 8, 6: 40.000 Reiter, 1.000.000 Fußsoldaten, 200 Sichelwagen, 15 Elefanten; Diodor(os), Bibliotheke historike (griechisch: Βιβλιοθήκη ἱστορική; Historische Bibliothek; lateinischer Titel: Bibliotheca historica) 17, 53, 3: 800.000 Fußsoldaten, 200.000 Reiter; Iustinus 11, 12, 5: 400.000 Fußsoldaten, 100.000 Reiter; Plutarch, Alexander 31 und Plutarch, Basileon apophtegmata kai strategon [griechisch: Βασιλέων ἀποφθέγματα καὶ στρατηγών; Aussprüche der Könige und Feldherren; lateinischer Titel; Regum et imperatorum apophthegmata] 27, 12 (Moralia/Ethika [griechisch: Ἠθικά]/Schriften zur Ethik 180 c): Heer von 1.000.000; Curtius Rufus 4, 12, 13: 45.000 Reiter, 200.000 Fußsoldaten.

Dareios wollte eine Entscheidungsschlacht auf einem ebenen Gelände in Mesopotamien gewinnen, wo sein Heer seine große Anzahl zu Überflügelungsversuchen nutzen konnte und die Bedingungen für einen Einsatz seiner Reiterei günstig waren. Er verlor dann aber 331 v. Chr. die Schlacht bei Gaugamela und Arbela.

Fantastisch zusammen gefasst und mit so vielen interessanten Fakten versehen, dass ich immer wieder nur staunen kann.

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Hallo Albrecht,

auf eine Antwort von dir hatten wir natürlich gehofft. Herzlichen Dank für die ausführliche und interessante Erklärung!

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