Wer hat "Vorfahrt" bei einem Spurwechsel?

8 Antworten

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Beide Fahrzeugführer unterliegen in einer solchen Situation einer besonderen Sorgfaltspflicht. Ein Fahrstreifen darf nämlich nur dann gewechselt werden, wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Dabei ist es unerheblich, ob nach rechts oder nach links gewechselt wird.

Wenn also beide gleichzeitig den Fahrstreifen wechseln und es dabei zu einem Unfall kommt, dann werden auch beide eine Teilschuld bekommen, vermutlich wird die Quote 50:50 betragen.

Rechtsgrundlage ist der § 7 Abs. 5 StVO:

§7 Benutzung von Fahrstreifen durch Kraftfahrzeuge

(...)

(5) In allen Fällen darf ein Fahrstreifen nur gewechselt werden, wenn eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Jeder Fahrstreifenwechsel ist rechtzeitig und deutlich anzukündigen; dabei sind die Fahrtrichungsanzeiger zu benutzen

ausgezeichnete umfangreiche Antwort

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@Win32netsky

Jou. Gib ihm das Sternchen. Frage vollständig und korrekt  beantwortet.

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Bei gleichzeitigem Spurwechsel auf die mittlere Spur hat keiner Vorfahrt. Dieser Vorgang ist in der StVO nicht vorgesehen und nicht beschrieben. 

Im Zweifelsfall gilt aber immer §1:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Vorfahrt kann hier gar keiner haben - denn der Begriff "Vorfahrt" ist nur im Zusammenhang mit Kreuzungen und Einmündungen definiert. ;-)

Es geht hier also um Vorrang. Aber auch dazu gibt es in der StVO für diese Situation keine Regelung. Das ist genau so wie in Autobahnkreuzen, wo sich die ein- und ausfahrenden Fahrzeuge auf der Nebenspur "einigen müssen".

Einen Vorrang der "schnelleren" Spur gibt es nicht - weil es keine per Definition "schnellere Spur" gibt.

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