Wer bietet wem das DU an: der Psychotherapeut dem Klienten oder der Klient dem Psychotherapeuten?

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11 Antworten

Als Therapeut habe ich eine professionelle Distanz zu wahren und keine freundschaftliche Beziehung - schon gar nicht mehr als das - mit dem Patienten zu führen. Insofern verbietet sich das Du, da es ein falsches Signal wäre.

Herzlichkeit kann man prima auch mit einem Sie verbinden.

Wenn mein Patient jünger als 16 ist, frage ich ihn, ob er/sie geduzt oder gesiezt werden möchte. Ab 16 sieze ich sowieso. Unter 14 Duze ich. :-)

Ich als Therapeut werde grundsätzlich gesiezt. Ich bin aber auch schon älter als 15. :-)

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Grundsätzlich bleiben beide beim Sie.

Bei Kindern wird der Patient geduzt, bei sehr kleinen Kindern auch die Therapeuten noch.

Bei Jugendlichen idr schon gesiezt, der Jugendliche wird gefragt wie er es möchte.

Eine seltene Ausnahme bilden Klienten mit Dissoziativer identitätsstörung. Da ist es vom Persönlichkeitsanteil abhängig.

Ganz junge Anteile dürfen den Therapeuten meist duzen (würden es gar nicht anders hinbekommen), jeder der alt genug ist, siezt.

Der Therapeut fragt idr ob der Klient bzw jeweilige Anteil mit du, Sie oder "ihr" bzw "euch" (Mehrzahl) angesprochen werden will oder mit Namen.

Es wird sich teils auch auf seltsame Ansprachen wie "Gott" geeinigt, falls Anteile drauf bestehen und nur so zur Kooperation bereit sind. Das liegt im ermessen des Therapeuten was für ihn da akzeptabel ist.

Meine Therapeutin spreche ich mit Sie an, sie mich aber mit du (obwohl weit volljährig!). Das hat gute Gründe die im Therapiethema begründet sind und ist so zwischen uns abgesprochen. Empfinde das auch als angenehmer.

Letztlich isses aber egal - ich kann genauso respektlos siezen, wie ich respektvoll duzen kann.

Dennoch sollte zwischen Therapeut und Klient eine professionelle Atmosphäre und Beziehung herrschen und das ist aus vielen Gründen einfacher wenn beide beim Sie bleiben.

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Seanna 08.04.2016, 21:31

Gibt es einen konkreten Anlass bzw einen konkreten Fall, um den es geht? Gern auch per PN wenn es nicht öffentlich sein soll. Hab mich intensiv mit dem Thema Therapiebeziehung in allen Facetten beschäftigt und bin gern zu detaillierteren Erläuterungen ggf mit Quellen bereit.

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Regulus123 09.04.2016, 21:23
@Seanna

Hallo Seanna, geht auch hier: mir ist aufgefallen, dass mein Therapeut viele Patienten duzt, die nach mir in die Stunde zu ihm kommen. (Es handelt sich dabei nicht immer um dieselbe Person). Irgendwie hatte mich das irritiert, da ich auch davon ausgehe, dass man sich normalerweise siezt. Ich würde ihn eigentlich total gerne duzen, aber für mich war es eigentlich auch ein no go zwischen Therapeut und Klient sich zu duzen. Bei den Klienten, die er duzt, handelte es sich um Personen, die ich alle für volljährig halte.

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Keiner von beiden.

Zwischen einem Therapeuten muss eine gewisse Distanz gewahrt werden und wenn man da per Du ist, ist diese nicht mehr vorhanden.

Es sei, der Patient ist noch ein Kind, Jugendlicher bis zu einem gewissen Alter und der Therapeut darf ihn noch duzen. Das aber keinesfalls bedeutet, dass der Patient den Therapeuten in dem Fall dann auch duzen kann.

Oder Therapeut und Patient kennen sich bereits privat.

Auf keinem Fall der Patient dem Therapeuten. Ich biete ja meinem Hausarzt auch nicht das Du an und er mir auch nicht.

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DottorePsycho 08.04.2016, 17:34

Wenn sich Therapeut und Patient schon privat kennen, verbietet sich eine psychotherapeutische Zusammenarbeit.

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Seanna 08.04.2016, 21:36

Kommt auf den Kontext an.... kennt man sich als Bekanntschaft über gemeinsame Freunde und hat sich vllt mal auf ner Geburtstagsparty gesehen.... ist eine Zusammenarbeit sicher möglich. Oder wenn es zb die Nichte der Kollegin der Frau ist, die man mal auf einem Betriebsfest sah... Anders sieht es aus beim Freundeskreis oder Familie. Das ist grundsätzlich abzulehnen. Ebenso jeder Fall in dem man nicht objektiv bleiben kann. Auch Fälle von nahen Verwandten von Patienten sind abzulehnen zb Tochter und Vater.

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Bei jungen Patienten frage ich nach, ob sie geduzt oder gesiezt werden möchten. Manche finden das "Du" angenehmer. Ich werde in der Regel gesiezt, es sei denn, es ergeben sich in der Therapie besondere Umstände, die es auch für mich in Ordnung sein lässt, geduzt zu werden. Das ist z.B. der Fall bei sehr langen Therapien oder wenn bei Seminaren ein allgemeines "Du" herrscht und der Patient anschließend wieder in meiner Therapie ist o.ä. Kommt aber selten vor. Normal ist das gegenseitige "Sie". Der Patient kann aber natürlich von sich aus sagen, dass er geduzt werden möchte (wie gesagt, wenn jung), wird mich dann aber weiter siezen.

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hi Regulus123 - in DE, Frankreich oder Türkei, da ist das mit dem DU so ne eigentümliche Sache, wa? Also zb in der Türkei hat mich n Flughafenpolizist geduzt, war aber nicht als Angebot gemeint, sondern eher einseitig. Und in DE, bei ner Vernehmung, wenn sie mit dir guter Kriminaler böser Kriminaler spielen, dann duzt dich der böse und kloppt mit die Beene uffn Tisch :D

Aber in Schweden, da gehste zun Carl XVI. Gustaf, und suchste vergeblich in dein Wörterbuch das schwedische Wort "Sie". ne, musste sagen: du Carl Gustav, König, wie gehst dir denn so. Ist halt in jeden Land anders, und in GB gibts überhaupt kein du mehr, sondern bloss noch you. Wenn dich n Ami duzen möchte, dann nennt er dich bein Vornamen, mit you (SIe)

Und in DE, beim Nervenarzt oder Psychologen, da wird logo nicht hin und hergeduzt, stammt eig vom Altmeister Sigi, der hat rausgefunden, dass in der Psychoanalyse "positive Übertragung" eher nicht so gut ist. Im Deutschen ist Sie einfach n gegenseitiger Respekt, muss ja absolut nicht unfreundlich sein.

Also wenn mich n Seelenklempner duzen würde, denn hätt ich den Eindruck, er hält mich für n aussichtslosen Fall. Aber ist halt meine private Ansicht.

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Regulus123 08.04.2016, 19:01

Danke für die unterhaltsame Antwort ;)

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extrapilot350 09.04.2016, 19:18
@Regulus123

Gerade Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten werden es immer vermeiden mit einem Patienten per Du zu sein. Für eine Therapie ist eine professionelle Distanz unbedingt erforderlich die ein Du unterschreitet.

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Eigene Erfahrung:
Ich wollte etwas in der Therapie fragen und musste ein "Sie" bzw. "Du" dort einbauen - weil ich mir unsicher war, habe ich einfach nachgefragt, was die Psychologin will -> Sie hat gemeint, das ich mir das aussuchen darf, wie es besser geht. Bei der Therapie sollte es schon möglich sein, dass der Klient auch das DU vorschlägt -> immerhin schafft das Nähe und der Klient fühlt sich mehr verstanden. Man darf nicht vergessen, dass man über sehr persönliche Informationen in der Therapie redet und da ein "du" mehr als angebracht ist.

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Wenn dann Therapeut dem Patienten....allerdings bleiben die meisten bei Erwachsenen Patienten beim " Sie" was ich vollkommen ok finde

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Wenn dann macht dies der Therapeut aber das auch (meistens) nur bei Kindern / minderjährigen

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Keiner von beiden!

Zwischen Therapeut und Klient soll zwar Vertrauen sein, es muss aber eine gewisse Distanz bleiben.

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Wenn überhaupt dann wohl der Patient. Als behandelnder Arzt dem Patienten von sich aus duzen zu wollen ist doch recht unprofessionell.

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ich würde da immer beim sie bleiben, schon aus respekt.

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