Welche Wirklichkeit bildet die Kunst ab?

15 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Sie kann zwei Wirklichkeiten abbilden...

  1. Die äußere Welt, also die visuelle Realität, die wir durch die Augen aufnehmen.

  2. Die innere Welt, die dem Herzen entspringt und Ausdruck unserer Gefühle ist.

So wird es dem Laien leicht fallen in einem Stillleben, einem Portrait oder einer Landschaft naturgetreue Abbilder der uns umgebenden Welt zu erkennen. Ganz anders sieht es bei abstrakter Kunst aus. Interpretationsansätze und Überlegungen wie "Was will der Künstler hier zum Ausdruck bringen?" sind keine Seltenheit und sogar erwünscht. Wer´s wissen möchte, sollte tieferen Sinn (oder Unsinn ;) beim Künstler hinterfragen - weil er in seinem Werk einen ureigenen Gedanken/Empfindung verarbeitet hat.

http://www.youtube.com/watch?v=xpcQqpzSYvA

Dankeschön für das ☆chen :-)

0

Ich schließe mich der Meinung von "Dichterseele" an: Die Wirklichkeit des Kunstwerkes ist immer die spezifische Wirklichkeit, wie sie der Künstler sieht. Das Bild, das er von der Welt entwirft, mag naturalistisch, poetisch geformt (s. poetischer Realismus) oder symbolisch überhöht sein (z.B. Goethes spätere Werke, "Novelle" oder "Wilhelm Meister"). Entscheidend ist - wenn es sich wirklich um ein Kunstwerk handelt - , dass der Betrachter/Leser/Hörer eigenes Erleben in dem Werk wiederfindet. Mit Eichendorff gesprochen, muss (z.B.) der Dichter das Zauberwort treffen, sodass die ganze Welt anhebt zu singen. M.a.W.: der Künstler ist ein Zauberer. Wenn ein Werk den Leser / Betrachter / Hörer völlig kalt lässt oder sogar Ekel hervorruft, ist das ein Indiz dafür, dass es sich nicht um ein Kunstwerk handelt (Ausnahme: die schwierigen Kunstwerke, die sich einem erst langsam erschließen; z.B. Brahms).

Wenn man die menschliche Erkenntnis in zwei Gruppen teilt, dann sind da einmal das analytische Denken in Begriffen, das der Wissenschaft und Philosophie/Theologie zugrunde liegt.

Die zweite Gruppe wäre ein "emotionales Denken" in Andeutungen und Ähnlichkeiten und Erlebnisangeboten durch die Kunst. Dazu würde ich evtl. an je einem Beispiel diese These erläutern:

Musik z.B. das Halleluja von Händel - auf Youtube mehrfach - weil es das Gefühl des Hoheitlichen vermittelt und den Zuhörer mitreist

Malerei: z.B. Franz Marc, Tiger (im Netz), und unter Franz Marc Tiger findest Du sogar Bildbeschreibungen - Gut geeignet auch Eduard Munch - Der Schrei.

Bildhauerei: z.B. "David" von Michelangelo - findest Du auch im Netz Abbildungen und Beschreibungen

Literatur - Gedichte: Kurz aber toll:Jj.W. Goethe Ein Gleiches - gibt es das Gedicht samt Interpretationen im Netz - ein romantisches Gedicht mit viel Emotion

Literatur - Roman: George Orwell: Die Farm der Tiere - Statt einer soziologischen oder philosophischen Gesellschaftskritik mit nüchternen Analytiken packt Orwell seine beängstigende Sicht einer missratenen Gesellschaft in eine Fabel. Wir erleben die Entstehung dieser Gesellschaft mit ohne zunächst selbst betroffen zu sein. Gibt es bei Wikipedia eine Analyse drüber.

Theater/Film: Kannst Du durchaus MATRIX nehmen oder Mutter Courage von Bert Brecht, weil selbst unter GFN viele Beiträge zeigen, wie sehr dieser Film/dieses Stück mit seiner Fiktion das Wirklichkeitsbild der Zuschauer beeinflussen kann.

Damit hättest Du soviel Material - evtl. reichen auch zwei, drei Beispiele - mit denen Du demonstrieren kannst, wie Kunst die Menschen erreicht.

Hallo! Noch eine Ergänzung zu meinem Kommentar: Frage nach den möglichen Sichtweisen der Künstler; frage, wie ein jugendlicher, erwachsener, alter Künstler die Welt sieht (z.B. gefühlvoll, voll Wut, kritisch - die Sturm- und Drang-Dichter; romantisch - Künstler, die noch auf eine relativ intakte und technikferne Umwelt blickten; realistisch, naturalistisch - Künstler, Dichter, die auf eine durch Industrialisierung veränderte Umwelt blickten; expressiv - Dichter, Maler, die auf eine durch Krieg und Elend veränderte Welt blickten - Künstler des Expressionismus. Frage, was noch die Sicht des Künstlers beeinflussen kann, welche Ereignisse (z.B. Kriege). Frage, wie ein Künstler/Dichter die Welt sieht, der einen Krieg erlebt bzw. mitgemacht hat.

Es gitb keine "Wirklichkeit", nach buddhistischer Lehre etwa ist die gesamte, sichtbare Welt eine reine Projektion des Geistes. Ausserdem gibt es, wenn überhaupt, u.a verschiedene "Realitäten", die des Reichen, des Armen, des Verhungernden, des Gesättigten, des TV Konsumente, des Esoerikers, des Teilnahmslosen, des Fußballfans, etc.

Jedes Bild bildet eine oft persönlich gehaltene Weltsicht der "Wirklichkeit" ab, wie sie die entsprechende Person etwa auf verschiedenen Levels/ebenen versucht hat, darzustellen, man kann sich in diese Welten begenen, sie zu verstehn lernen, oder auch nicht begreifen, oder ebenso ignorieren Das ist ähnlich wie bei Büchern die eigene Realitäten simulieren oder abbilden, auf die man sich ebenso einlassen kann, Realität und gesellschaftliche Strukturen sind nicht "natürlich" gegegeb, sondern in erhöhter Potenz vom Menschen gemacht und dieser drückt z.B. der Erde sein und seinem Lebensraum (Indem er sich dabei auch noch hinter einem "ominösen" Gott versteckt, der angeblich alles leitete, ..) sein Abild, seine Wirklichkeit auf.

Als Beispiel:

Es ist z.B genügend Nahrung für alle da, aber egoistische Menschen schränken deren Anbau und natürliches Vorkommen ein um sie dann ungerecht, auch in ihrem Sinn zu verteilen. Tiere im Wald etwa dürfen nicht an dem nat.. ihnen angemessenen Lebensraum partizipieren, wenn das der Mensch ihnen verbietet, oder sie ihm "seine" Ressourcen wegfressen, was ist den deren Wirklichkeit, die der Tiere, etc.?

Was möchtest Du wissen?