Welche Bibelübersetzung ist die genaueste?

4 Antworten

Das kommt ganz darauf an, wie "deutsch" die "Übersetzung" noch sein soll. Je nach zugrundegelegtem Übersetzungsprinzip wird es sehr "genau", aber keine Übersetzung mehr im eigentlichen Sinn. Geordnet von "Starrheit" nach "Verständlichkeit" gibt es z.B. Interlinearübersetzungen, wo oben der hebräische/griechische Grundtext steht, und darunter eine wörtliche Übersetzung jedes einzelnen Wortes oder sogar Wortteile gemäß der Struktur des Grundtextes. Johannes 3,16 liest sich bei z.B. Dietzfelbinger so: "So ja hat geliebt - Gott die Welt, daß den Sohn - einziggeboren er gab, damit jeder - Glaubende an ihn nicht verloren geht, sondern hat ewiges Leben." Die Bindestriche repräsentieren dabei ein griechisches Wort, welches nicht im Deutschen wiedergegeben ist (weil es evtl. nicht wiedergegeben werden kann). Der Interlinearübersetzungstext ist aber eigentlich nur ein Hilfsmittel, um demjenigen, der sich mit dem Grundtext beschäftigt, einen Anhaltspunkt und eine bessere Orientierung zu geben, anstatt als tatsächlicher Bibeltext gelesen zu werden. Dann gibt es etwas weniger starre Übersetzungen nach dem "konkordanten Prinzip" (jedes Grundtextwort mit demselben deutschen Wort wiedergegeben), wo das Konkordante NT des Konkordanten Verlags Johannes 3,16 wie folgt wiedergibt: "Denn so -liebt Gott die Welt, daß Er Seinen einziggezeugten Sohn -gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe". Ferner die "Neue-Welt-Übersetzung" der Zeugen Jehovas, wo Johannes 3,16 übersetzt wurde mit "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe." (berücksichtige insbesondere das Wort "vernichtet" anstatt "verloren", welches zwar "wörtlicher" sein mag, aber aufgrund der Zeugen-Theologie die übliche Assoziation von "Vernichtung" und "Tod" in der Bibel außer Acht lässt). Diese drei "Übersetzungen" sind keine Übersetzungen im eigentlichen Sinn, sondern eher Wörterbücher, deren allzu wörtliche Wiedergabe ohne Berücksichtigung des Kontextes, durch welchen einzelne Wörter eine Färbung bekommen können, sehr leicht zu schwerwiegenden Missverständnissen führen können. Außerdem sind diese "Übersetzungen" keineswegs ob ihrer Genauigkeit als autoritativ anzusehen, zumal bei der Übersetzung von einer Sprache in eine andere hinsichtlich des Wortschatzes auch Synonyme, oder aber auch gänzlich fehlende Entsprechungen usw. auftreten können. Es handelt sich also eher um Werkzeuge, wenn man ohnehin Grundtext-Kenntnisse hat und mit dem Text arbeiten möchte. Ansonsten wird bei genauen Übersetzungen mit trotzdem noch hinreichend verständlicher deutscher Sprache meistens die alte und/oder revidierte Elberfelder vorgeschlagen. Es gibt noch ein paar mehr eher unbekannte genaue Übersetzungen, aber die Elberfelder ist in dieser Hinsicht ein solider Ausgangspunkt. Und nein, ich bin kein Zeuge Jehovas, ganz im Gegenteil.

'Hallo Raiauer,

persönlich habe ich viele Bibelübersetzungen in Gebrauch.

Aus Kenntnis und persönlicher Überzeugung heraus halte ich die Neue Welt Übersetzung für die genaueste, schon deshalb, weil dort der Name Gottes korrekt wieder gegeben ist.

Hier ein kleiner Film, der beschreibt mit welcher Mühe Bibelübersetzungen heute weltweit gefertigt werden (117 Sprachen im Jahr 2012). Der Film ist leicht mit Google zu finden:

Eine gute Botschaft für jede Nation, jeden Stamm und jede Zunge

Daneben ist es ja wichtig, das möglichst viele Menschen die Bibel wirklich verstehen und kennen lernen.

Dort gibt es auch einen kleinen Film über den Namen Gottes:

Wie heißt Gott? Hat Gott überhaupt einen Namen?

Beste grüße

JensPeter

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Intensives Bibelstudium ab 1992, leite kostenlos Bibelkurse

Die unrevidierte Elberfelder 1905 ist die exakteste deutsche Übersetzung.

Und verändert wurde auf Konzilen nichts, das wäre auch gar nicht möglich gewesen. Das AT allein zirkulierte schon Jahrtausende in tausenden Abschriften, bei denen die Juden bei jeder Abschrift bis auf jeden Punkt genau auf alles achteten. Wenn jemand z.B. ein ganzes Buch abschrieb und am Ende des Buches ein Satzzeichen falsch setzte, wurde das nicht korrigiert, sondern das ganze Buch sofort vernichtet! Auch die Schriften des NT zirkulierten längst in unzähligen Gemeinden in vielen unterschiedlichen Gebieten, als Konzile stattfanden. Da kann man nicht mal eben irgendwas ändern und dann in der halben Welt alle (!) Schriften unter den Juden und Christen einsammeln und die neuen, veränderten austeilen. Sowas ist unmöglich, aber Verschwörungstheorien sind ja beliebt.

Mit Mythen hat die Bibel auch nichts zu tun. Zahlreiche Berichte sind die ersten ihrer Art, und andere, bei denen verschiedene Versionen zirkulierten, widersprechen der biblischen Darstellung nicht, sondern bestätigen vielmehr ihren historischen Gehalt, denn wenn etwas geschichtlich Geschehenes weitererzählt wird, entstehen automatisch verschiedene Versionen. Wenn z.B. verschiedene Sintflutberichte existieren, dann kann das auch einfach nur bedeuten, dass sich die Menschen auch mündlich über das Ereignis unterrichteten, was durch die Generationen zu immer mehr Abweichungen gegenüber den ersten Augenzeugen führen kann.

Und zuletzt: Ja, die "Originale" gibt es nicht mehr, und trotzdem haben wir zwischen diesen und den ersten Abschriften eine so knappe Zeit, teilweise nur wenige Jahrzehnte, dass dies unter der antiken Literatur ohne Beispiel ist! Bei anderen Schriften von Historikern, Schriftstellern, Philosophen usw. haben wir auch keine Originale, sondern nur Abschriften, aber die Zeit zwischen ihnen liegt da meist bei Jahrhunderten, teilweise bei sogar über 1000 Jahren! Und das beklagt niemand, da sagt auch niemand, dass man ja gar nicht wissen könne, ob Texte von z.B. Platon ernstzunehmen sind, weil man eben nichts gegen diese Texte, aber sehr viel gegen die Bibel hat.

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