Wechsel der Erzählperspektive (Er- & Ich-AG Erzähler) innerhalb eines Romans?

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4 Antworten

Den Wechsel von der Ich- zur Er-Perspektive kannst du ganz gut an dem Roman „Der Dritte Mann“ von Graham Greene studieren. Ein Ich-Erzähler (Oberst Calloway) taucht auf; bei seinen Gesprächen mit Rollo Martins haben wir es mit einer Ich-Erzählung zu tun.

Dann wechselt die Perspektive zur Er-Erzählung; z.B. als Rollo Martins Anna Schmidt besucht, von ihr eine Abfuhr erhält, das Haus wieder verlässt und unten, in einer Nische, eine Gestalt entdeckt, die sich, als ein Lichtschein auf das Gesicht der Gestalt fällt, als Harry Lime herausstellt. Alles wird in diesem Kapitel aus der Sicht Rollo Martins in der Er-Form geschildert, wobei auch Gedanken und Gefühle Rollos mitgeteilt werden.

In diesem 11. Kapitel haben wir es also mit einer Er-Erzählung bzw. einer Er-Erzählperspektive zu tun.


Ich schreibe auch gerne. Und es ist zu meiner Angewohnheit geworden einer der Personen aus der Ich-Perspektive und einige andere (da picke ich mir immer bestimmte raus) aus der Er-Perspektive zu schreiben.  Natürlich sorge ich dafür, dass es nicht Sprunghaft ist und man erst einmal bei einer Person bleibt. Ich für mich finde es also vollkommen in Ordnung.

Als ich deswegen auch einmal verstärkt beim Bücher-Lesen darauf geachtet habe, ist mir aufgefallen, dass z.B. "House of Night" auch einen Perspektivenwechsel hat. Die Hauptprotagonistin immer in Ich-Form und die Nebenprotagonisten in Er-Form.

Ich habe eine Buchkritik gelesen, wo der Hauptprotagonist vielen überdrüssig geworden ist und ein recht spät einsetzender Perspektivenwechsel "frische" mit rein gebracht hat.

Ich hatte  zu dem Zeitpunkt als ich das las, zwar nicht vorgehabt meinen Schreibstil zu ändern, aber dadurch bin ich darin noch bestärkt worden.
Und wenn es einigen nicht gefällt, müssen sie es ja nicht lesen. Jeder mag eben anderes.

Darum schreibe wie es dir lieb ist, also ruhig mit Perspektivwechsel. Dann ist das eben dein Schreibstil.  (^_^)

Das kann man mal als Experiment machen.
Auf die Dauer finde ich es ätzend.

Wenn aus der Ich-Perspektive erzählt wird, werden auch Gedanken, Pläne usw. mit dargestellt, was bei der Er-Perspektive weitgehend unterbleibt, weil diese ja wesentlich sachlicher daherkommt. Ich komme mir dann vom Protagonisten abgeschnitten vor.

Aber wer's mag, mag's mögen.

Ob es häufig ist oder nicht, sollte zweitrangig sein. Wichtig ist, dass es für den Leser nachvollziehbar d.h. lesbar ist. Wobei ich als Lektorin noch bei inneren Monologen des Ich-Erzählers mitgehen würde, sachliche Schilderungen bzw. Erklärungen aber in den Anhang verbannen würde, wenn es nicht mögich ist, die erforderlichen Infos aus der personalen Perspektive rüberzubringen. Sie hemmen einfach den Lesefluss.

Innere Monologe einer dritten Person innerhalb eines Textes aus der Ich-Perspektive kann ich mir allerdings nicht gut vorstellen. Vermutlich würde ich das Buch weglegen oder, falls ich das Manuskript lesen müsste, Schmerzensgeld statt Honorar verlangen ;-)

Perspektivwechsel sollten zudem deutlich gekennzeichnet ein. Am besten durch ein neues Kapitel, zumindest aber durch einen neuen Absatz. Wenn ein Perspektivwechsel innerhalb eines Absatzes stattfinden soll, würde ich ihn - wenn er da unbedingt sein muss! - kursiv schreiben. Aber überleg doch bitte mal, wie du die vermeiden kannst. Es geht!

Viel Erfolg!

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