Was würdet ihr tun, wenn das Pferd buckelt und bockt?

9 Antworten

Hallo Otakumitherz.... Ich interpretiere deine Frage jetzt mal so, dass du wissen möchtest, ob man dem Pferd gewisse Verhaltensweisen durchgehen lassen sollte und wie man damit richtig umgeht ? Das Beispiel mit dem Buckeln, ausweichen, nicht aufsteigen lassen und steigen ist ein Extrembeispiel, bei dem natürlich tatsächlich abzuklären ist, welche gesundheitlichen Probleme vorhanden sind. Ein gesundes Pferd, das sich so aufführt, wäre absolut unerzogen, damit sollte man sich als RB nicht belasten, weil es viel zu gefährlich wäre. Da sollte sich der Pferdebesitzer Profihilfe holen und nicht von einer RB, die ihm auch noch Geld bezahlt, erhoffen, dass sie ihm das Pferd wieder hinbiegt.

Um bei deinen Beispielen zu bleiben: Wenn das Pferd rundum gesund ist, mich mag, sich freut, wenn ich komme und nur das Reiten Mist findet, dann arbeite ich an mir. Nehme Reitunterricht, hole mir vielleicht auch Hilfe von einem RL oder Bereiter, der gemeinsam mit mir dem Pferd den Spass am geritten werden wieder vermittelt. Gesunde Pferde, die nicht gerne geritten werden, werden in der Regel falsch geritten. 

Gut, also nehmen wir mal an, du hast ein rundum gesundes Pferd, was sich freut, wenn du kommst, sich sogar gerne reiten lässt.... Auch dieses wird - je nach Charakter des Pferdes - öfter mal nachfragen: "muss ich jetzt wirklich nen Zirkel laufen obwohl ich eigentlich lieber ganze Bahn gehen würde" oder "ach, traben ist so anstrengend, galloppieren wäre jetzt viel schöner - und los gehts...". Dem begegnet man mit aktiven Reiten. Mit der Zeit merkt man ja, WO das Pferd schon überlegt, ob es statt dem Zirkel die ganze Bahn geht, also passt man da schon auf und gibt die entsprechende Hilfe. Beim Tempowechsel pariert man in die vom MENSCH gewollte Gangart durch oder treibt nach. Das ist aktives Reiten. Nicht nur draufsitzen und hoffen, dass Pferdi das tut, was Mensch gerne möchte. 

Das heißt ja nicht, dass man das Pferd mit "Gewalt" in die richtige Richtung zwingt, sondern eben einfach aktiv und bestimmt ist. Dieser Spruch "zeigen, wer der Boss ist", wird auch häufig falsch interpretiert, weil anscheinend sehr viele Menschen von brüllenden Chefs ausgehen, die ihren Mitarbeitern lautstark klar machen, was getan werden soll (Gerteneinsatz in Firmen ist ja glücklicherweise verpöhnt :-)). Aber das ist eben falsch: Der wirklich gute Boss ist einer, der dir ruhig und klar sagt, was er von dir erwartet. Der nicht heute das von dir will und morgen das genaue Gegenteil, ein guter Boss ist jemand, bei dem du weisst, er setzt sich auch für dich ein, er "beschützt" dich, wenn es in der Firma mal rauher zugeht und gibt nicht dir die Schuld, wenn mal was nicht klappt. Der dich motiviert, wenn du was gut gemacht hast und dich nicht dafür bestraft, wenn was nicht geklappt hat. DAS ist ein guter Boss und SO sollte man dann auch bei Pferden sein. So jemand wird sowohl vom Mensch als auch vom Mitarbeiter geschätzt. Deshalb gibt es ja auch Managerseminare mit Pferden, wo die "Bosse" lernen sollen, wie sie sich klar und motivierend bei ihren Mitarbeitern verhalten :-)

Genauso ist es übrigens mit "vorsichtig versuchen". Stell dir vor, du hast einen Chef / Lehrer, der immer nur ganz lieb und nett was von dir verlangt, was Zeitaufwändig/Lästig/anstrengend ist. Tust du es nicht, passiert auch nix.... Was passiert? Nix - genau.... Da dürften wohl die meisten warten, bis ein Machtwort kommt, bis man das tut, was gefordert ist.... Also, warum sollte Pferdi auf "vorsichtig weiterversuchen" reagieren ? 


tolle antwort

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wow danke :D richtig gute antwort, genau so habe ich das gemeint, ich habe immer angst, dass wenn ich mich durchsetzte, dass das Pferd mich dann hasst oder angst vor mir bekommt :/ klingt blöd ist aber so

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@Otakumitherz

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p>Kann ich verstehen - ist aber wirklich nicht so.... Im Gegenteil, wenn das Pferd merkt, dass du wirklich klare Ansagen machst, wird es dich mögen.

Das lernt man aber mit der Zeit.... gerade die klaren Ansagen sind als Anfänger oder mit nur wenigen Jahren Reiterfahrung in einem Reitschulbetrieb gar nicht so leicht - man täuscht sich auch selber sehr oft, weil man denkt, man würde eine klare Ansage machen - die Pferde durchschauen einen aber sehr gut... Die merken sofort, ob man hinter eine Ansage steht, oder sich auch auf einen Kompromiss einlässt.

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Ich interpretiere deine Frage mal so, dass du wissen möchtest, ob man im Sinne eines "gewaltfreien Umgangs" auf das verzichtet, was man wollte, wenn das Pferd Widersetzlichkeiten zeigt oder ob man sich eben doch mal durchsetzen muss!?

Vorweggeschickt zunächst mal, dass es in den meisten Fällen tatsächlich gesundheitliche und/oder materialbedingte Ursachen haben dürfte, wenn Pferde bocken (Freudensprünge ausgenommen...die sind in Maßen auch erlaubt), gibt es natürlich auch die Sorte, die bereits einmal gelernt hat, dass sie sich mit Bocken vor bestimmten Dingen drücken können. Das ist allerdings auch die Sorte Pferd, auf die nur ein sehr erfahrener Reiter gehört...wenn überhaupt. Habe schon ein solches Pony erlebt, wo das Bocken beim aufsteigen anfing und sich die ganze Stunde fortsetzte, selbst wenn man es in den Sattel geschafft hat. Das arme Ding war schlichtweg in jungen Jahren überfordert worden und wusste gar nicht was sie sollte... da half nur ein kompletter "Reset", heißt: Pferd ein paar Monate auf die Wiese und dann nochmal neu ganz langsam und schonend mit Bodenarbeit etc. anfangen als wäre das Pferd noch roh...

Bei einem älteren Pferd, das schlicht sauer geritten ist, wird das Verhalten etwas manifestierter sein und mit ein paar Bodenarbeitseinheiten nicht zu beheben. Da muss man dann also durch. Auf das Reiten verzichten ist natürlich nicht der Weg. Runde um Runde im Schritt bleiben eher auch nicht, denn das ist ermüdend und für das Pferd wenig motivierend, es soll ja über kurz oder lang wieder Spaß an der Sache finden. Bei den meisten (aus Widersetzlichkeit) bockenden Pferden, die mir bislang untergekommen sind, liegt das Heil im Vorwärts... ein Pferd das mit weichen Hilfen immer lang und frei vorwärts geschickt wird, kann sich im Rücken nicht fest machen, sich nicht aufrollen und damit auch nicht bocken. Nebenbei wird das Energielevel gesenkt und das Pferd wird im Laufe der Reitstunde immer mehr "runter kommen". Das kostet Anfangs ziemlich Überwindung, wenn man schon das Gefühl hat, auf einem Pulverfass zu sitzen, auch noch aktiv vorwärts zu reiten. Wenn meine Stute mal in Dynamit-Stimmung ist (gottseidank passiert das selten), nehm ich mir gern ne Freundin mit auf den Platz oder in die Halle mit der Aufgabe, mir die Ohren vollzuquatschen und mich abzulenken... dann bin ich lockerer und kann mich nicht an dem Gedanken festhalten "gleich geht sie los"... meist geht es dann nach einer Weile ganz gut und wir können arbeiten... oder wir lassen es dann einfach für den Tag dabei und haken das Training als "Stresskilling" ab.

Kurzum: ja, man muss sich durchsetzen, aber das geht auch ohne Gewalt, indem man den Pferden quasi vorgreift und ihm keine Chance lässt. Allerdings vorausgesetzt, dass man sich wirklich sicher ist, dass kein anderer, ernst zu nehmender Grund hinter dem Verhalten des Pferdes steckt!

Soetwas kommt ja nicht von heute auf morgen ;-), wenn mein eigenes Pferd mich auf einmal nicht mehr ausfsitzen lassen würde, würde ich icht aufsteigen sondern ganz dringend Ursachenforschung betreiben, denn meinen Dicken kenne ich seit über 15 Jahren, und weiß das er das nicht ohne Grnd machen würde oder weil "kein Bock". Gleiches gilt, wenn das Hü auf einmal unter mir Rodeo spielt. Ein Bocksrung beim angaloppieren finde ich nicht so tragisch - würde bei mir wahrscheinlich daran liegen, dass ich mich nicht konzentriert habe und mein äußerer Schenkel ein munteres Eigenleben geführt hat. Wenn ein Pferd das ich "neu" reite, dieses Verhalten zeigt --> Besitzer fragen, warum. Wenn alles ausgeschlossen ist (Gesundheit, Ausrüstung, Ausbildung des PFerdes) scheitert es an der Ausbildung des Reiters, sprich ich würde mir jemanden suchen, der schaut was ich da gerade oben vermurkse, dass das Pferd sich wehren muss (ich gehe mal jetzt nicht von einmal Po hoch beim Pferd aus). Ansosnten bei der Ausbildung des Pferdes soweit zurück gehen, dass man an die Stelle gelangt, an der das Problem entstanden ist, und von dort neu aufbauen.


P.S.: Ein absolut gesundes, korrekt ausgebildetes Pferd, mit einem gut reitendem Reiter, das steigt, bockt und einen nicht aufsitzen lässt ist mir noch nie begegnet - ich wage zu behaupten das es das gibt, im Zweifelsfalle hakt es immer an der Ausbildung von Mensch oder Tier, oder bei beiden

meiner hat immer zum "aufwärmen" ne runde gebockt (nicht gebuckelt, sondern richtig gebockt). mit oder ohne sattel - egal. bocken am anfang des ausrittes musste einfach sein.

der versuch, es ihm abzugewöhnen hat eh nichts gebracht - und ich kam bestens damit klar. man lernt das einfach zu sitzen. mit sicherheit wars kein versuch, mich abzuwerfen - das hat ja eh nie geklappt. er hat einfach gebockt, weil er gebockt hat.

deine reitlehrerin hätte freude an ihm gehabt - die "abgewöhnerei" oder abstrafung mit der gerte - oder überhaupt die benutzung einer gerte wurden mit heftigen tritten unter den reiterfuss quittiert. okay, bin ich halt ohne geritten.

für mich kommts drauf an - ein paar hopser aus purer lebensfreude oder freude an der bewegung kann ich jedem pferd verzeihen. wenn ansonsten ein pferd zumittst der reitstunde allerdings anfängt, zu buckeln oder gar zu bocken - dann muss ich an mir was ändern. dann macht nämlich nicht das pferd was falsch - sondern ich. und es wird das buckeln bleiben lassen, wenn ich als reiter da oben korrekte hilfen gebe und die ausrüstung nicht zwickt und zwackt.

und aufsitzen... zumindest bei ponys konnte ich das früher auch im galopp. ein grosspferd durfte maximal schritt gehen, damit ich ohne sattel hochkam. also widerstand beim aufsitzen zwecklos. auch das haben pferde sehr schnell heraus.

wenn ein pferd im umgang super artig ist und dann den reiter aber nichtmal aufsteigen lässt, ist es meistens ein ernstzunehmendes schmerz-problem.
entweder hat das pferd selbst schmerzen z.b. im rücken durch blockaden etc, oder der sattel passt nicht und verursacht druckschmerz, oder der reiter wird als unangenehm empfunden weil er z.b. im maul rumreisst.

natürlich merken pferde sehr schnell wer sich "durchsetzen" kann und wer nicht und wie sie sich um leistungen drücken können. das tun sie in der regel aber nicht durch bocken  und absolutem verweigern jeglicher kommunikation.
in dem fall würde ich erstmal einen rund-um-check veranlassen. ostheopat, sattler, reitlehrer.

nehmen wir an, es ist kein körperliches Problem, dann darf ich mich schon durchsetzen und trotzdem z.b versuchen anzugaloppieren? ich möchte das Pferd ja auch nicht zwingen..

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@Otakumitherz

geht es dir jetzt darum, dass das pferd nicht aufs kommando angaloppiert oder darum, dass es buckelt? das ist ein großer unterschied!

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