Was waren die lustigsten Laborunfälle in eurem Chemiestudium?

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Wohl ein Evergreen, die nicht-beschriftete Lösungsmittelflasche: Ein Kollege war sich sicher, die Bromreste in der Methanolbuddel entsorgt zu haben, hat aber tatsächlcih die Acetonflasche erwischt - und alle in der Box haben sich über rote Äuglein gewundert bis endlich jemandem der zappelnde Schliff auf der Flasche auffiel...

Einem Kumpel ist die Fritte bei der Nickelfällung mal aus dem Gucoring gerutscht, weil er einfach der Pumpe das Wasser abdrehte und der Druck zurückschlug: die Fritte rollte über den Tisch, dabei eine rote Schleimspur hinter sich herziehend, über den Rand und zerschellte auf dem Boden. Peterle kehrte alles zusammen (inklusive toter Fliegen und Wollmäusen), wog die Reste aus und gab das Analyseergebnis ab bevor der Assi eine neue Probe austeilen konnte: eine Abweichung von weniger als 1% - volle Punktzahl!

Und nicht zu vergessen unser (leider verlorengegangenes) Labormaskottchen: eine Schutzbrille mit einem Glassplitter von einem implodierten Exsiccator im "Glas", der etwa 2 mm vorm Augapfel zum Halten kam...

Bromreste […] Acetonflasche […] rote Äuglein

Das wirkt auch bei mir. Ich habe gerade Tränen gelacht.

Das erinnert mich an den Kollegen im Jahr vor mir, der das berüchtigte ω-Brom­aceto­phenon kochen mußte. Unter großem Tränenverlust konnte er es um­kristal­li­sie­ren und hat es dann in den Trockenschrank gestellt. Eine Minute später war das Labor leer, der Trocken­schrank hat natürlich weitergeheizt, und das Abzugssystem hat es im ganzen Haus verteilt, sogar bis zu den Kristallographen (not amused). Das war ein tra­gi­scher Tag für das ganze Gebäude.

Die Geschichte mit den Wollmäusen zeigt wieder mal eindrücklich, daß man besser der Fehler­kompen­sation als der Arbeitstechnk vertrauen sollte, zumindest im Praktikum.

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Die Silvesterfeiern fanden traditionell auf dem Dach des Institutes im Freiluftlabor statt. Hier wurden die übers Jahr angefallenen kleineren und größeren (!) Reste (?) verschiedener Alkalimetalle dem Anlass entsprechend mit Wasser zur Reaktion gebracht. Die optischen und akustischen Effekte waren zum Teil sehr beeindruckend.

Ein Kollege, mit dem ich im OC-Praktikum Rücken an Rücken gearbeitet habe, musste für ein Präparat Äther absolutieren. Also Standard-Apparatur aus Heizpilz, Rundkolben und Rückflusskühler und vermutlich – es war nicht genau zu erfahren - einem Glasstopfen als krönender Abschluß. Während ich mit meinem Präparat beschäftigt war, bemerkte ich, wie sich die Farbe der Laborgestelle von silber in ein kräftig-leuchtendes Gelb-Orange änderte. Für die gedankliche Auseinandersetzung mit diesem Farbwechsel blieb jedoch keine Zeit, denn unmittelbar danach spürte ich einen Schwall seeeehr warmer Luft in meinem Rücken, der mich vorsorglich in die Knie zwang, weiteres Unheil erwartend. Glücklicherweise bestand der Schaden lediglich aus dem nicht mehr vorhandenen Äther und jeder Menge angekokelter Haare.

Ein anderes temperaturempfindliches OC-Präparat – welches weiß ich nicht mehr – sollte über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Ob Lösungsmitteldämpfe oder ein technischer Defekt des Kühlschranks für den Brand verantwortlich waren, ließ sich abschließend nicht mehr klären. Die Feuerwehr hatte keine große Mühe, den Brand zu löschen. Das Labor sah allerdings nicht mehr ganz so aus, wie man es tags zuvor verlassen hatte.

Im AC-F-Praktikum wurde jeder Praktikant zur Chemikalien- und Sachmittelausgabe geschickt, um eine Ewald-Kugel zu holen. Nun ist die Ewald-Kugel, von dem kein Praktikant jemals etwas gehört hatte, kein realer Gegenstand, sondern eigentlich nur eine mathematische Konstruktion, um ein reziprokes Kristallgitter – Hilfe - abzubilden. Die meisten Praktikanten kamen enttäuscht zurück, weil die besagten Kugeln zur Zeit alle vergriffen seien und demnächst erst wieder geliefert würden. Auf die Aufklärung über die Nichtexistenz der Kugel wurde je nach Temperament unterschiedlich reagiert.

Im AC-Grundpraktikum mussten ca 30 Mischungen in Plastik-Fläschchen, die am Vorabend für die qualitative Analyse vorbereitet waren, am nächsten Tag neu hergestellt werden. Allerdings in etwas modifizierter Form. Ein Assistent hatte wohl die Tatsache verkannt, dass Gemische von einem starken Oxidationsmittel und einem ebenso starken Reduktionsmittel vielleicht in Verbindung mit einem hygroskopischen Stoff auch bei Normaltemperatur recht heftig reagieren können, sofern die minimale Aktivierungsenergie aufgebracht ist, Da die 'Reaktion' nachts stattfand, bestand der Schaden lediglich in dem Verlust der Analysensubstanzen einschließlich der Fläschchen und einen ramponierten Transportbehälter.

Hey, das mit der Ewald-Kugel muß ich mir merken. Erinnert mich sehr an den teuf­li­schen Geo­graphie-Lehrer, der eines häßlichen Vormittags die ganze Klasse, einen nach dem an­de­ren, zur Weltkarte hervorrief und sich die Langerhansschen Inseln zei­­gen lassen wollte. Er hat beinhart jedem ein Minus eingetragen. ☹

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Ich glaube, ich gebe noch einen zum Besten. Ist eine längere Geschichte, aber sie lohnt sich.

Im Analytik-Labor „Quanti“, also hauptsächlich Titrationen. Einer der Assistenten fiel in jedem Jahrgang unangenehm auf, weil er immer versuchte, die Studentinnen an­zu­gra­­ben, mit extrem schlechter Ausbeute wegen schrägen Charakters. Im Jahr­gang nach mir gab es eine Gruppe von Studentinnen, die einen Abwehrplan entwickelten.

Eine der Aufgaben bestand darin, irgendetwas mit Iodat zu titrieren; am Ende der Titra­tion sollte dann das überlebende Iodat einen Farbstoff (Methylenblau) ir­rever­sibel oxi­dieren, man erwartet also einen Farbumschlag von Blau nach Farblos.

Die Studentinnen besorgten sich kreativ H₂O₂, Malonsäure, Iodat und Stärke und er­setz­ten einfach die Probelösung durch ein Belousov–Zhabotinskij-Reaktions­gemisch, also eine oszillierende Reaktion, die zwischen Blau und Farblos hin- und her­pen­delt. Da die Reaktionsmischung selbst Iodat enthält, reagiert sie tolerant aus Zutropfen von ein bißchen der Maßlösung.

Dann lief die blondeste aus der Truppe zum Assi und erklärte unter Tränen, daß sie den Umschlag der Titration „nicht finden“ könnte. Dankbar für ein hilfloses Opfer lief der Assi zum Arbeitsplatz — und staunte.

Nach einiger Zeit kam ihm ein Gedankenblitz: Gönnerisch erklärte er den ihn respekt­voll an­himmelndenDamen, es sei ihm eine oszillierende Reaktion bekannt, die so ähn­lich aus­­sieht, und wahrscheinlich sei Methylenblau wegen des darin vor­kom­men­den Schwe­fels (dafuq?) für den Effekt verantwortlich, weil der ja in mehreren Oxi­da­tions­stufen vor­­kom­men kann. Von seiner eigenen Theorie überzeugt, lief er dann von Zim­mer zu Zimmer, um seinen Kollegen von seinem Durchbruch und dem kom­men­den No­bel­­preis zu erzählen.

Dummerweise hatte aber einer der anderen Assistenten am Tag zuvor die Damen bei der Generalprobe be­ob­ach­tet (er hatte sich den Kolben mit der blinkenden Flüssig­keit nur aus dem Augenwinken angesehen, Belousov–Zhabotinskij gemurmelt und war wei­ter­gegan­gen). Der zählte natürlich Zwei und Zwei zusammen und klärte den Kol­­le­­gen auf.

Am nächsten Tag wurde ich Zeuge, wie ein anderer Assistent das Opfer zufällig am Gang traf und nur mitleidvoll bemerkte „Ja Herbert, was machst denn du mit den Stu­den­ten, daß sie dir so etwas antun?“

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Chemiestudium mit Diss über Quanten­chemie und Thermodynamik

Wunnebaa! ;)))

Apropos Titration: ein Kollege hat nach der großen Knall-Bumm-Vorlesung gut 30 g elementares Iod mit konzentrierter Salpetersäure behandelt... Ein vorbeilatschender Assi fragte: "Na Udo, was machste denn da?" "Ich mache Iodstickstoff!" "Ah, gut - schöne Eigeninitiative..." 15 min später wurde der Abzug von einem hektischen Assi-Aufgebot geräumt und in der Nacht noch sämtliche Schließfächer und Spinde inspiziert, ob nicht etwa Spuren davon zur Seite gebracht wurden...

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@Bevarian

Braucht man da nicht Ammoniak dazu? I₂+HNO₃ sollte doch Iodsäure oder Periodsäure ergeben.

Mit NI₃ habe ich nie herumgespielt, 30 g sind sicher eine sportliche Menge. Wir hatten einen Assi, der sich eine Synthese von irgendeinem Cyanursäurezeug aus­gedacht hat, bei der NCl₃ in stöchiometrischen Mengen anfällt. Nach jedem Ansatz hatte er dann waffen­taug­liche Mengen Explosivstoff in der Kühlfalle, aus­genom­men in den Fällen, in denen das Zeug vorher hochgegangen ist. Alle zwei Jahre bekam er eine neue Innen­einrich­tung fürs Labor spendiert.

Das war übrigens derselbe Typ, der alles Platin des Instituts zusammengeschnorrt und zur Elektrosynthese von NH₄ClO₄ eingesetzt hat. Damit hat er dann Raketen gebaut (von der Thermometerhülle bis zur Dokumentenrolle). Und ich habe mit ihm mal Urotropinperoxid gemacht und damit den Laboranten erschreckt. ☺

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@indiachinacook

Mit einer Kleinstmenge NI₃ in Methanol, die großflächig über den Boden geschüttet wurde und danach die Fenster aufgerissen, haben wir uns mal so richtig Ärger eingehandelt: anstatt daß unsere Kollegen von dem graublauen Schimmer auf dem Boden hochghoben wurden mit lila Wölkchen an den Sohlenseiten, ist ein Geschwader Putzfrauen darüber "gestolpert" - und hat geschlossen gekündigt... ;(((

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Danke für diese "Frage"!

Zwei Wochen später klärt sich die Frage nach der schlech­ten Aus­beute. Ein Kollege am Nach­bar­tisch muß Am­moniak in seinen Kolben ein­­lei­ten und pfuscht bei der Dich­tung. Es stinkt. Die Kollegin errötet. Flächen­deckend. Am ganzen Mantel. Und sekundär dann auch im Gesicht.

Bei uns wird im ersten OC-Praktikum standardmäßig Fluorescein synthetisiert. Anschließend wird dann alles und jeder mit einer UV-Lampe kontrolliert, um zu zeigen wie schlampig alle arbeiten.

Als ein Grignard gekocht werden sollte, hatte eine Person das Anspringen des Grignards nicht abgewartet. Da die Abzugskollegen ja schon bei der weiteren Zugabe waren, hat sie dies auch gemacht. Beim Hochheizen hat sich der Grignard dann durch den Rückflusskühler nach oben "blitzevakuiert".

Beim Kochen von e-Caprolactam hat eine Studentin das Skript nicht so genau gelesen. Statt das Edukt langsam (gelöst in H2SO4) in heiße H2SO4 zu tropfen, hat sie das Edukt mit H2SO4 hochgeheizt. Obwohl im Skript eine entsprechende Warnung stand. Die Apparatur wurde dann bei etwa 60 °C zu einer H2SO4 Fontäne.

Es soll auch schon öfters vorgekommen sein, dass sich Leute aus Versehen eine Kanüle oder Glaspipette durch die Handfläche hindurch (!) gestochen haben.

Oh ja, ausgezogene Kanülen zum Wasserstoffnachweis bohren sich beim Rückschlag der Flamme ins RG recht tief ins Holz des Abzugs... ;)))

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Ich habe mit Chemie nichts am Hut, kann aber aus meiner Schulzeit berichten: Da hat eine Referendarin unsere 10. Klasse in einer Übungsstunde eine farblose Flüssigkeit zum Sieden bringen lassen, mit Bunsenbrennern. Wir sollten den Siedepunkt messen und aus ihm die Verbindung erraten.

Nach einigen Minuten entflammten sich bei einer der Übungsgruppen die Dämpfe der Flüssigkeit, dann auch die Flüssigkeit selbst. Die Referendarin wurde panisch, hat nach einem Feuerlöscher gegriffen und ihn unabsichtlich Richtung eines Schülers entladen. Inzwischen wurde das Reagenzglas mit der Flüssigkeit umgekippt, fiel auf den Boden, es bildete sich eine brennende Pfütze. Nachdem es mit dem Feuerlöscher nicht geklappt hat, kam die Löschdecke zum Einsatz, damit konnte das Feuer nach einiger Zeit gelöscht werden.

Man muss dazu sagen, dass während die Referendarin panisch versuchte das Feuer zu löschen, die Schüler das Ganze recht entspannt und amüsiert beobachtet haben. Am Ende ist auch niemand zu größerem Schaden gekommen.

Übrigens, die unbekannte Flüssigkeit hat sich später als Aceton herausgestellt. Keine Ahnung, wie die Referendarin auf die Idee kam, einen leichtentzündlichen Stoff über offenem Feuer zu erhitzen und dann auch noch die Schüler machen ließ. Spaßig war die Stunde aber auf jeden Fall!

Och, so was kommt auch noch im OC-F-Praktikum vor. Ein Kollege hat sich gewundert, daß sein Präparat nicht ausfiel: kein Wunder bei knapp 2 l Lösungsmittel! Also nahm er ein riesiges Becherglas, setzte es auf ein Asbestnetz und stellte 2 Bunsenbrenner drunter, um seine 2 l Petrolether einzuengen - und das mitten im Labor... ;(((

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