Was versteht man unter Neoliberalismus?

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5 Antworten

Neoliberalismus ist inzwischen ein unbrauchbares Schlagwort, ein Etikett, hinter dem die Benutzer sehr gegenläufige Inhalte verstecken. Wenn man sich den langen Beitrag bei Wikipedia durchliest, wird deutlich, dass es keine einheitliche ökonomische Theorie gibt, die man als Neoliberalismus im Kern bezeichnen könnte. Der Liberalismus ist ja als ökonomische und politische Ausrichtung der Aufklärung entstanden als Befreiungsbewegung von Fürstenwillkür und der Diktatur von Adel und Klerus. Im Kern war der Liberalismus die Vorstellung von Freiheit und Selbstverantwortung der Bürger als Grundlage für ein gleichmäßigeres Wohl aller.

Wie immer ist die Idee das eine und die realhistorische Entwicklung das andere. Das Problem liegt in unserer menschlichen Existenz einmal als Individuen und zum andern als gesellschaftliche Wesen, deren individuelles Wohl nur letztlich durch eine gut funkionierende Gesellschaft gesichert werden kann. Diese Spannungen zwischen notwendigen gesellschaftlichen wie ökonomischen Strukturen und der Orientierung am Wohl des Einzelnen finden sich in ökonomischen wie politischen Auseinandersetzungen wieder. Der dem Neoliberalismus zugeordnete "Freiburger Ordoliberalismus" z.B. versucht einen Mittelweg zwischen beiden Polen. Man kann ihm durchaus den Begriff Neo-Liberalismus zugestehen, weil auch der klassische Liberalismus immer das Wohl der Allgemeinheit gegen das Einzelwohl der Fürsten im Auge hatte.

Ich persönlich halte von den inzwischen vergriffenen Etiketten gar nichts. Ich bin immer dafür, zu prüfen wo politische und ökonomische Programme im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Verantwortung und der Beschränkung durch die Gesamtheit stehen. Dabei ist vor allem zu prüfen, wie weit sich vielfältig verbreitete Möchtegern-Diktatoren und Weltverbesserer hinter der Maske des Gemeinwohls verstecken und den Mitbürgern nur ihre Sicht der Dinge überstülpen wollen. Es ist nun mal ein wichtiger gradueller Unterschied, ob man Auswüchse des Fleischessens in Grenzen weisen will oder ob man unter dem Deckmantel der Fürsorge für die Tiere der Welt die Ideologie des Veganismus überstülpen will. In einer wohlverstandenen liberalen Gesellschaft haben Veganer neben Vegetariern und Fleischkonsumenten Platz und jeder das Recht, Auswüchse des anderen zur Debatte zu stellen. Zur Debatte zu stellen und nicht als unhinterfragbare Wahrheit auszuzwingen.

Ideologen diffamieren Liberalismus gern als Egoismus. Sie verstecken dabei gern ihre Grundhaltung, Meinungsvielfalt zuungunsten ihrer Ideologie aus dem Weg zu räumen. Im politischen Wettbewerb sind Offenheit und Ehrlichkeit selten geübte Tugenden. Man muss immer hinter die Masken der Propaganda schauen, die uns Süßes versprechen und Bitteres verabreichen. Neoliberalismus als politisch unterschiedlich missbrauchtes Schlagwort ist eine solche Maske. Man soll sich dabei immer fragen, was soll mir da in Wirklichkeit als Medizin verkauft werden, die ich jenseits des Schleiers der Schlagwortvernebelung eigentlich gar nicht nehmen will.

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Zeitweilig eine wirtschaftspolitische bewegung, mit der auf kapitalistische krisen regeirt wurde, indem die "Befreiung" der Wirtschaft von sozialen Kosten des Produzierens angestrebt wurde.

Insofern geht Neoliberalismus einher mit einem systematischen Abbau an sozialen Rechten, Arbeitnehmerrechten, Umweltschutzrechten, Unternehmensbesteuerung etc.

Die Hochphase diieser als "Deregulierung" euphemisierten Politik haben wir aber hnter uns.

In Deutschland wird dieser Neolibealismus am eheste von der AfD repräsentiert.


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Eine Art Religion. Die Betroffenen glauben, ein freier Markt ohne Einschränkungen durch Sozialleistungen und Ordnungspolitik würde zu ungeahnten Wohlstand führen.

Tatsächlich kam es aber beispielsweise 2007 zu einer weltweiten Krise, weil die Bankenaufsicht sich an neoliberale Regeln gehalten hatte.

Manche Glaubensbrüder halten es auch für eine Wissenschaft. Ähnlich wie Scientology lehnen sie aber jedwede empirische Überprüfung ihrer Glaubensinhalte ab.

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Kommentar von Apfelkind86
31.08.2016, 10:18

Eine Art Religion. Die Betroffenen glauben, ein freier Markt ohne Einschränkungen durch Sozialleistungen und Ordnungspolitik würde zu ungeahnten Wohlstand führen.

Schön falsch erklärt. Das ist genau der Grund, warum man heute gerne Neoliberalismus als Schimpfwort benutzt...

Was du da beschreibst ist der neoklassische Ansatz.

Der Neoliberalismus lässt sich noch in viele unterschiedliche Strömungen unterteilen. Im Kern jedoch glaubt er eben (im Gegensatz zum Neoklassizismus) nicht an einen vollkommen Markt. er möchte staatliche Eingriffe zwar auf ein Minimum reduzieren, fordert aber genau da, wo der Markt versagt (z.B. Monopolbildung oder auch die Spiele der Banken etc.) staatliche Eingriffe.

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Die meisten haben einfach keine Ahnung, was der Neoliberalismus wirklich ist und verwechseln ihn nur allzu gern mit dem Neoklassizismus, welcher vom Homo Oeconomicus und vom vollkommenen Markt ausgeht.

Der Neoliberalismus lässt sich noch in viele unterschiedliche Strömungen unterteilen. Im Kern jedoch glaubt er eben (im Gegensatz zum Neoklassizismus) nicht an einen vollkommen Markt. er möchte staatliche Eingriffe zwar auf ein Minimum reduzieren, fordert aber genau da, wo der Markt versagt (z.B. Monopolbildung etc.) staatliche Eingriffe.

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Ein Schlagwort des SPD im Kampf gegen die FDP, -

erfolgreiche Verleumdung - ein Griff in die Dreckkiste !

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