Was soll man noch tun, um sich den Traum vom eigenen Pferd erfüllen zu können?

8 Antworten

uh, das kommt mir ja bekannt vor :D Ich leg jetzt nochmal den Finger in die Wunde: Ich stecke gerade mitten im Pferdekauf ;) Bin gestern 18 geworden und meine Wunschgeschichte ist deiner ziemlich ähnlich. Ich reite seit ich laufen kann, wollte in der 1. Klasse schon ein eigenes Pferd (oder 4, man weiß ja nie ;D) und hatte dann ab der 8. Klasse immer RBs. Das Thema ist für mich jetzt abgehakt, ich bin es leid ein Pferd mit unpassendem Sattel zu reiten weil der Besitzer weder einen ordentlichen Sattel kaufen will, noch den Sattler zahlt. Und ich will nicht mehr tatenlos danebenstehen müssen wenn es dem Tier nicht gut geht, der Besitzer das Ganze aber lieber aussitzt statt zu handeln. Sowas geht mir immer sehr nah und das merken meine Eltern auch. 

Allerdings will ich dir gleich sagen: Du machst es dir zu einfach. VIEL zu einfach. War auch mein Fehler am Anfang. 

1. Du verlässt dich darauf dass du das alles selber finanzieren kannst. Schaffst du aber nicht, auch bei 500€ im Monat nicht, es sei denn, du lebst bei Mutti und Vati unterm Dach und musst nichts bezahlen. 400€ gehen Minimum (!) für das Pferd drauf, bleiben vllt 100€, maximal. Dann hast du noch Handykosten denke ich mal und willst dir vllt auch mal was gönnen, sei es Kino mit Freunden, ein Mädelsabend oder vor allem: Sachen fürs Pferd ;) Und die sind ja bekanntlich nicht billig. Also wenn du zhs wohnst und da nichts zahlen musst, dann musst du deine Eltern trotzdem bitten cirka 100-150€ der fixkosten zu übernehmen. Oder mehr

2. Du verlässt dich allgemein zu sehr auf alles. Ich kann dir mittlerweile aus Erfahrung sagen: Es ist nichts sicher, so lange du es nicht hast. Hatte einen Stallplatz über 3 Monate reserviert, jetzt wo ich ihn bräuchte und anrufe wird der Stall aufgelöst. Dachte das ist safe und innerhalb von 5 Minuten steh ich ohne Stall da. Was machst du, wenn in dem Wunschstall kein Platz ist?? Und ist bei 200€ Vollpension mit drin? Ohne ist es unwahrscheinlich dass du das alles so hinbekommst dass du noch zum Reiten und "Glücklichsein" kommst. Nach 17 Uhr ist es im Winter schon lange dunkel, wenn du dann noch misten und füttern und tränken füllen/putzen/enteisen musst, dann hast du nicht mehr sehr viel Zeit zum Reiten, und Ausreiten ist dann auch erstmal nicht möglich. Im Sommer mag das funktionieren, aber in den dunklen Monaten wirst du so wahrscheinlich nicht glücklich. Mit Vollpension kosten die meisten Ställe so 250-300€ im Monat. Rechne das besser so ein. 

Und kennst du den Stall? Warst du da schon öfter drin? Kennst du die Leute die dort ihr Pferd haben? Wie ist das Klima und sind es eher Turnierreiter oder eher Buschreiter? Wenn da nur dumme Schnepfen rumhüpfen zieht das einen ziemlich runter. Und auch wenn es nette Leute sind, geht deine Ambition (z.B. viel Gelände) im gegensatz zu denen der übrigen Einsteller (z.B. Turnierreiter) dann fühlt man sich oft trotzdem etwas "outsiderhaft". Wenn die selten ausreiten gehen und du aber so gut wie nur raus willst gibts Probleme. 

Auch auf den Freund Hufschmied würde ich mich nicht unbedingt verlassen. Am Ende macht er seine Arbeit nicht so wie du es möchtest oder das Pferd es braucht und dann musst du doch den Normalpreis zahlen. Oder das Pferd muss aus irgendwelchen Gründen doch beschlagen werden, oder der Hufbearbeiter muss öfter kommen als normal und dein Kumpel das entweder nicht macht oder doch gerne Geld dafür will. Bei mir macht es dann auch ein guter Kumpel, und trotzdem rechne ich für eine Bearbeitung alle 8 Wochen 60€ ein. Wenn er weniger will, oke. Aber rechne immer eher mehr als wenig. 

Alles was du planst wird am Ende sowieso wieder über den Haufen geworfen. Es kommt 1. immer anders 2. als du denkst ;D Und ich frage mich was an Futter bei den 200€ mit drin ist? Heu vllt, aber mehr? Und ist das Heu dann auch gut? Und nicht gelb-grau und total staubig? Für den Preis kann man normalerweise nicht sooo viel erwarten. Es sei denn du wohnst in der Pampa, dann mag das vllt gehen. Und was ist mit dem restlichen Futter? Ein gutes Mineralfutter ist bei den meisten Pferden sehr angebracht und kostet auch ein gutes Stück. Ich möchte das Magnostabel von Iwest füttern, da kostet ein 5kg-Eimer 72€. Cirka alle 3 Monate 72€ ausgeben. Das musst du einrechnen. Und auch Saftfutter kostet etwas, denn die wenigsten bauen im Garten so viel Wurzelgemüse an dass das Pferd damit durchs Jahr kommt ;) 

Und von Versicherung hab ich noch gar nix gelesen. Eine gute Haftpflicht mit min. 10 Mio übernahme solltest du auf jeden Fall abschließen. Evtl schließt du auch eine kleine OP-Versicherung ab, je nachdem wie schnell du im Fall der Fälle mal 5.000€ locker machen kannst. meiner Meinung nach planst du viel zu wenig und zu minimalistisch. Rechne mal genau nach. Wenn du Fragen hast, ich sitze ja aktuell dran und kann dir gerne via pn meine Kostenrechnungen usw schicken ;) Und wie viel Geld hast du für das Pferd? Wie siehts mit der Zukunft aus? Bist du bereit bei denen Eltern zu wohnen bis du ü20 bist und auch aufs Auto zu verzichten? 

Mein Rat: Plane besser, rechne genauer und realistischer und warte einfach noch dieses eine Jahr ab, dann bist du eh 18. Und den Kauf selbst tätigen ist eh viel cooler als sich das Pferd schenken lassen (mit 17 kannst du ja nix kaufen). 

Ich hab das Gefühl ich werd erst ein Pferd bekommen, wenn ich mit 18 ausziehe und mir dann keiner mehr dazwischen funken kann. 

Und wieso ist das falsch?  

Dann kann es dir auch keiner mehr wegnehmen und es wird nicht als Druckmittel gebraucht ("Wenn du XY nicht machst, kommt das Pferd weg").  

Ich hab eher das Gefühl meine Eltern sind zu geizig max 100€(oder bei Krankheiten mehr) zu übernehmen

Es ist ihre Sache, wofür sie ihr Geld ausgeben und ich finde es extremst dreist, das einfach als normal hinzustellen, dass du jeden Monat ein paar hundert Euro bekommst.

verdiene ich dann über 500, bei dem ich nur 70€ im Monat brauche.

500€ sind bei einem Pferd schneller weg, als du "Geldschlucker" sagen kannst. 200€ im Monat für den Stall, dann kommen aber noch ein paar Sachen dazu.

Versicherung, Hufbearbeitung (was, wenn dein Bekannter das nicht umsonst machen kann? Der muss auch von irgendwas leben), Tierarzt, Zahnarzt, Unterricht (wohl mit das Teuerste monatlich), Zusatzfutter, Ausrüstung, die ersetzt werden muss, Sattler alle halbe Jahre (mindestens!), manueller Therapeut usw. 

Stall wäre nur 2km weg und Unterbringung kostet +Ausmisten+Futter+ Reitplatz und Halle nur 200€. 

Was, wenn du irgendwann dort Probleme hast und dein Pferd woanders einstellen musst? Und es dort 300€ oder 400€ kostet?  

Auch das Pferd würde ich zahlen, da meine bereits verstorbene Großtante mir für diesen Wunsch einen Bausparer gemacht hat. 

Da ist jetzt die Frage aller Fragen - hast du das Geld schon? Wenn nicht, kannst du einen Bausparer normal erst auflösen, wenn du bauen oder kaufen willst. Zu anderem Zweck kannst du wenigstens nicht das gesamte Geld haben. Soweit zumindest mein Wissen.  

Also - warte noch zwei Jahre. Investiere Zeit und Geld, auf Kurse zu fahren und so viel wie möglich zu lernen.

Ich weiß schon, was Du tun kannst, um Dir Deinen Traum zu erfüllen:

Eine Berufsausbildung machen, einen guten Arbeitsplatz finden, sesshaft werden und solltest Du ein Einkommen haben, das groß genug ist, eines kaufen.

Man muss damit rechnen, dass der erste Tausender seines Einkommens für den eigenen Lebensunterhalt drauf geht. Ob man nun in Miete wohnt oder ein Eigenheim finanziert ... ein Tausender ist noch gar nichts für eigene Wohnung inkl. Nebenkosten, Strom, Telefon, Auto (ohne kommst als Pferdebesitzer nicht weit), Versicherungen, Lebensmittel und Drogerieartikel, Kleidung, ...

Für das Pferd bist Du eh noch nicht reif, wenn Du keine Kosten für Hufbearbeitung ansetzt. Dass Du einen Schmied in der Bekanntschaft hast und da keine Kosten für ein Barhufpferd ansetzt, spricht nicht für den Schmied. Eine gute Barhufbearbeitung kostet den Bearbeiter eine halbe Stunde, denn er sollte schon exakt ausschneiden, sich das Pferd im Stand und in der Bewegung ansehen, wie es mit den Hufen klar kommt, exakt raspeln und nicht einfach abrunden, sondern so, wie es physiologisch sinnvoll ist. Selbst, wenn er Dir alle spätestens vier Wochen (bei Beschlag macht man nur deshalb länger, weil sonst die Nagellöcher zu nah beisammen liegen, nimmt dann eben den Nachteil in Kauf, dass es physiologisch belastend ist - die Pferde der Queen werden alle zwei Wochen gemacht, nur mal so nebenbei) die Arbeit schenkt, was ist, wenn Du den Ort wechseln musst, weiter weg ziehen, weil es z.B. Deine Arbeit erfordert? Schenkt er Dir dann die Arbeit plus alle paar Wochen eine weite Fahrt? Kalkuliere immer alle Kosten und freue Dich, wenn Dir mal jemand entgegen kommt, aber nimm es nie als gegeben, sonst ist Dein Pferd ganz schnell wieder weg. Du wärst nicht die erste, deren Traum platzt, weil sie nicht rechnen kann.

Insgesamt kannst Du neben einer Vollpensionsunterbringung 200 Euro monatlich aus durchschnittliche Ausgabe für das Pferd rechnen. Natürlich gibt es Monate, wo man nichts fällig wird, aber es werden auch die Monate kommen, wo ein neuer Sattel fällig wird oder etwas anderes großes ansteht.

Kranken- und Verletzungskosten sind in die 200 Euro nicht einkalkuliert, denn die sind nicht planbar. Unsere Pferde haben nun seit 2012 nur zweimal einen 50er für einen Entzündungshemmer gebraucht, aber vorher auch mal ein paar Tausender für eine Verletzung, aufgrund derer einer mehrere Wochen in der Klinik war.

Ich habe mit 33 Jahren das Risiko eines eigenen Pferdes auf mich nehmen können und Dur darfst mir glauben, dass ich trotz abgeschlossenem Studium und relativ sicherem Job noch ein hohes Risiko eingehe, denn durch meine Lebenshaltungskosten (und bei mir gibt's nicht jedes Jahr neue Kleidung!) und die Kosten des Pferdes bleibt mir nicht viel für meine Altersvorsorge und wenn ich mir ansehe, was ich lt. Bescheid der staatlichen Rentenkasse bekommen werde, ist davon auszugehen, dass ich weiterarbeiten muss, bis ich sterbe und dass ich nie ein Pflegefall werden darf.

Ausziehen wäre aber sowieso unnötig, da ich einen eigenes Stockwerk habe. Auch Auto hab ich schon, da man in Ö ab 15 1/2 den Führerschein machen kann

Mit dem Hufschmied war das so gemeint, dass der nichts verlangt da er mir noch einen großen Gefallen schuldet und er mal meinte, wenn ich ein Pferd hab, wird er das sicher gerne behandeln. Klar da wäre auch kein Problem für einen anderen. 

Wie gesagt ich hab sowieso ein dickes Polster für Krankheiten. Auch wenn mir das manche nicht glauben lol

Das wird sehr wahrscheinlich eher nicht passieren, dass ich arbeitsbedingt wohin ziehen würde, da ich in der Firma meiner Eltern arbeiten werde :)

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@Novembernebel99
er mal meinte, wenn ich ein Pferd hab, wird er das sicher gerne behandeln.

Er hat aber nicht gesagt, dass er das kostenlos tut. Und auch "ein Gefallen" wird nicht in kostenlose Hufbearbeitung für immer und ewig ausarten. 

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