Was sind eigentlich Pfingstler?

5 Antworten

Da ich selber viele Jahre lang ein Pfingstler war gebe ich auch meinen Kommentar ab. Betreffend Geschichte und Wikipedia wurde ja alles schon gepostet, deshalb kann ich mich auf die Auswirkungen des Pfingstglaubens beschränken. 

Zuerst einmal gibt es in der Christenheit Pfingstler und Anti-Pfingstler. Die Pfingstler glauben wie schon beschrieben stark auf den Heiligen Geist, man könnte auch sagen sie überbetonen ihn. Sie beten ihn sogar an mit der Begründung, es sei ja schliesslich auch der dreieinige Gott. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes erwarten sie Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen und manche sogar Wohlstand. 

Die Anti-Pfingstler lehnen all dies ab. Sie glauben zwar auch an die oben genannten Dinge, fordern Gott aber nicht exzessiv darüber auf, sondern beten traditionell dafür. Die Gottesdienste der Anti-Pfingstler sind eher ruhig und gesittet, manchmal auch liturgisch und traditionell, während die Pfingstler eher laut und manchmal auch etwas "chaotisch" herüberkommen. Viele Christen sagen, dass man bei den Pfingstlern nur mitmachen könne, wenn man die Zungenrede beherrsche. Das ist aber falsch. 

Die Zungenrede (auch Sprachenrede, Geistestaufe oder Glossolalie) sei ein biblischer Vorgang, welcher jeder Christ erleben müsse, erwarten die Pfingstler. Diejenigen Christen, welche die Geistestaufe noch nicht erlebt hätten sind Christen zweiter Klasse. Es wird wohl nicht so krass gesagt werden, aber gedacht wird es auf jeden Fall. 

Was ist die Sprachenrede / Geistestaufe ? Der Gläubige beginnt im Gebet plötzlich in Sprachfetzen und Sprachlauten Geräusche von sich zu geben und behauptet, dass er bete. Das "Sprachengebet" sei eine Art geistiges Bodybuilding, das den Gläubigen geistig stärke. Manchmal hört man es in Gottesdiensten während des Lobpreises, üblicherweise aber an Gebetsabenden oder bei anderen Gläubigen während des Betens. 

Pfingstler versuchen natürlich, diese Praxis biblisch zu erklären, andere Christen hingegen versuchen hingegen zu erklären, weshalb diese Praxis eben nicht biblisch sei. Man muss wissen, dass es diese Sprachenrede auch in Teilen der römisch-katholischen Kirche gibt und auch in einzelnen afrikanischen Völkern.

Tatsache ist, dass anhand dieser Überbetonung des Heiligen Geistes immer wieder Missbrauch durch die Leiter und den anderen Mitgliedern der Gemeinde passiert: Es heisst, man habe ein Wort von Gott erhalten und möchte das jetzt mitteilen.. Man solle, dürfe, müsse etc. etwas nicht mehr machen oder etwas ganz besonders machen etc. Beispiel: Gott hat mir gezeigt, dass Du noch eine Sünde in Deinem Leben hast und diese müsse noch bereinigt werden und deshalb blah blah blah. In diesem Sinne werden Mitglieder einer Gemeinde manchmal ziemlich für die eigenen Zwecke manipuliert oder zurechtgebogen, wenn sie die Botschaft befolgen sind sie rechtschaffen, machen sie es aber nicht sind sie abtrünnig. Das passiert nicht überall, manchmal passiert es selten, manchmal passiert es oft. 

Es gibt "offizielle" und "inoffizielle" Pfingstler. Die offiziellen sind in einem Bund organisiert und geben sich Leitlinien, was sie machen und was nicht. Die inoffiziellen sind frei und deshalb oftmals auch extremer in ihren Ansichten. Pfingstlerische Gemeinden sind attraktiv für junge Leute, weil sie lebendig und frisch daher kommen. Sie haben aber oft auch etwas sektenartiges an sich, weil Pfingstler glauben, dass sie die wahren Jünger Christi seien, da sie schliesslich Geistestaufe (siehe Zungenreden) erhalten haben und andere Christen eben nicht. 

In pfingstlerischen Gemeinden wird das Zungenreden manchmal öffentlich vorgetragen, damit es ein anderer oder sogar der Vortragende selber auf Deutsch übersetzt. Diese Worte werden dann als direkte Worte von Gott an die Gemeinde verstanden. Das damit auch Gefahren verbunden sind wird üblicherweise in pfingstlichen Gemeinden ausgeblendet. Für traditionelle Christen sind solche Praktiken natürlich der absolute Graus, wenn Menschenwort der Bibel gleichgestellt wird. 

Aus der Pfingstbewegung ist auch die Wort des Glaubens Bewegung entstanden, welche die Pfingstbotschaft mit dem Wohlstandsevangelium vermischt. "Du musst nur genug fest glauben, dann wirst Du gesund und reich" ist vereinfacht gesagt die Botschaft dieser Bewegung. Viele Menschen glauben stark daran, bis sie sich enttäuscht abwenden. Andere bleiben der Bewegung ein Leben lang treu. 

Die Pfingstbewegung ist eine schnellwachsende Bewegung im Christentum, allerdings verlieren sie auch immer wieder viele Leute aus verschiedensten Gründen: Manche werden desillusioniert, andere bemerken, dass sie getäuscht wurden, wieder andere wurden geistig missbraucht und letztere verlieren einfach den extremen Glauben. 

Viele Pfingstler machen eine geistige Odyssee durch, sie beginnen in einer traditionellen Freikirche, wechseln in die Pfingstgemeinde, danach in eine freie Pfingstgemeinde, am Schluss vielleicht in eine Wort des Glaubens ähnliche Gemeinde weil sie immer mehr und mehr wollen. Mehr Glauben, mehr Wunder und einen noch geistigeren Pastor etc. Pfingstglaube kann auch zur Sucht werden man will immer mehr und mehr bis man irgendwann ernüchtert feststellt, dass es keine Steigerung mehr gibt. Dabei wird oft der einfache, ehrliche Glaube an Gott vergessen. 

Aber es muss auch gesagt werden, dass ich tolle Pfingstler kennengelernt habe, bei welchen ich einen echten Glauben spüre und dies über Jahrzehnte. Es ist wie überall, manche haben eine enge Beziehung zu Gott und andere eben weniger. 

Hallo,

die Pfingstbewegung ist eine christliche Konfession.

Entstehung

Im 19. Jh. gab es im Zuge der Romantik im protestantischen Christentum Erweckungsbewegungen ("great awakenings"). Leute, die in den meisten Fällen bereits Christen waren, haben sich zu einer intensiveren Religionsausübung und einer "bekehrt". Im Zentrum des Erweckungschristentums stand die Bibel, welche in dieser Szene fundamentalistisch ausgelegt wurde. Aus den Erweckungsbewegungen des 19. Jh. entstanden einige neue Konfessionen. Eine davon ist die weltweite Pfingstbewegung.

Besonderheiten

Es ist schwer zu sagen, was Pfingstler jetzt eigentlich von anderen Christen unterscheidet, da die weltweite Pfingstbewegung in sich selbst nicht ganz einheitlich ist. Ich versuche mal ein paar Merkmale zu sammeln, die auf die meisten zutreffen dürften:

  • fundamentalistisches Bibelverständnis
  • kongregationalistisches Kirchenverständnis (die Gemeinden sind voneinander unabhängig; übergemeindliche Instanzen wie Bischöfe oder Synoden werden als nicht notwendig betrachtet)
  • Betonung einer individuellen Bekehrungserfahrung
  • Glaube an übernatürliche Heilungen durch Gebte
  • realistischer Glaube an Dämonen und Durchführung von Dämonenaustreibungen durch Gebete
  • Betonung ekstatischer spiritueller Erfahrungen ("Geistesgaben"), wie z.B. Visionen, Prophezeiungen über die Zukunft oder Gottes Willen für einen bestimmten Menschen, Zungenreden (beten in unverständlichen Worten, von denen geglaubt wird, dass sie vom Heiligen Geist eingegeben sind)

wiki sagt:

Die Pfingstbewegung ist eine weltweite christliche Bewegung, die im Laufe ihres Bestehens zahlreiche Denominationen hervorbrachte und gleichzeitig innerhalb der traditionellen Kirchen und Freikirchen – etwa in Gestalt der sogenannten Charismatischen Bewegung – eine bedeutende Wirksamkeit entfaltete. Für alle Richtungen der Pfingstbewegung hat das Werk des Heiligen Geistes eine zentrale Bedeutung bei Lehre und Glaubenspraxis.[1] In den meisten theologischen Fragen steht die Pfingstbewegung in der Tradition des Evangelikalismus.

Vorläufer der Pfingstbewegung existierten bereits im Europa des 16. und im Amerika
des 18. Jahrhunderts. Die heutige Pfingstbewegung geht auf den Anfang
des 20. Jahrhunderts zurück, die von ihr beeinflusste charismatische
Bewegung auf den Anfang der 1960er Jahre.

Was möchtest Du wissen?