Was sind die Ursachen von Sado/Masochismus?

20 Antworten

Mag sein, dass es funktioniert, wenn zwei nur leicht Gestörte aufeinandertreffen, alles in einem menschlich gerade noch vertretbaren Rahmen abläuft und "consensual" auch wirklich im von den BDSM-lern immer gerne betonten Sinne gemeint ist.

Und nicht einer der Partner nur mitmacht, weil sie/er Angst hat, den "Partner" sonst zu verlieren, was doch bei ehrlicher Betrachtung meist der Fall sein wird auch wenn das von BDSM-Anhängern gerne zu negieren versucht wird. Es ist ja inzwischen schwer geworden, seine ablehnende Haltung offen auszusprechen, weil in vielen Kreisen so getan wird, als ob BDSM-Praktiken normal und das Normale unnormal und langweilig wäre.
Ich kenne Frauen, die nur aus Angst, sonst als uncool und langweilig zu gelten und/oder aus Angst, den Partner sonst zu verlieren, mitmachen. Was aber rein rechtlich gesehen natürlich "consensual" ist.

Aber selbst, wenn es im rechtlichen Sinne "consensual" ist, können Beteiligte schlimmste psychische Schäden erleiden (von den körperlichen mal ganz abgesehen, die für mich ab gewissen Grenzen eindeutige absichtliche Körperverletzungen darstellen).

Die Verfechter dieser Praktiken haben entweder keine Ahnung oder wollen häufig nicht wahrhaben, welche Schäden Personen erleiden können, bei denen durch BDSM-Praktiken beispielsweise alte Traumata getriggert werden, was häufig der Fall ist.

Wenn bestimmte Grenzen überschritten werden, ist das absichtliche seelische Misshandlung - ob theoretisch consensual oder nicht. Wer nur aufgrund von alten Traumata mitmacht und/oder manipuliert wurde, wird seelisch und sexuell missbraucht.

Mit Eurer Betonung von "consensual" als Grundprinzip, schafft Ihr Euch einen Freibrief selbst für schlimmste Grausamkeiten und eine Scheinwelt, in der viel mehr Leid zugefügt wird, als es auf der Welt Masochisten geben kann, die sich daran dauerhaft und zu ihrem Wohl erfreuen könnten.

Nur weil Sie selbst vielleicht ein lieber BDSM-ler sind, der tatsächlich am Wohl der Partnerin interessiert ist, alles freiwillig in jeder Hinsicht ist und Sie sich sogar an Code-Wörter halten, sollten Sie bitte nicht so tun, als würden unter dieser Überschrift nicht schlimmste, folgenschwere Dinge passieren. Das zu bagatellisieren, halte ich für fatal, weil viele Frauen die Gefahren für ihr Wohl nicht absehen und massiv geschädigt werden können.

sm, ich bin selbst betroffene, habe dies lange unterdrückt und unglücklich in normalen beziehungen gelebt. Jetzt habe ich einen partner gefunden. Es fühlt sich für mich gut an, endlich das fühlen zu dürfen, nachdem ich mich sehne. Es ist für mich sexuelle erfüllung und für meinen partner ebenso. So viel Vertrauen und Respekt ist mir noch nie begenet, obwohl ich in unserer beziehung der masochistische Part bin. Weshalb soll eine erfüllte beziehung nun als Krankheit bezeichnet werden, wenn sie beiden guttut? Vieviele "normale" Partnerschaften machen die betroffenen krank? Vielleicht wäre ein bischen mehr toleranz in der Gesellschaft für alle beteiligten eine guter Lösungsansatz. Ja, ich hatte eine versaute Kindheit. Und die Psychologen hatten keinen Lösungsansatz. Jetrzt hab ich meinen eigenen Weg gefunden und das ist gut so.

Das hat mit Blockaden zu tun, Muster, welche sich ein Mensch angeeignet hat. Das sind oftmals Menschen, welche als Kind wenig Macht hatten, sie müssen es auch nicht mehr wissen, aber das läuft dann bei denen weiter wie ein Programm...kannte schon mehrere denen es gleich erging...z.B. einen Jungen welcher extrem gemobbt wurde, der nahm dann Drogen und auch, wenn er mittlerweile wieder runter ist, diese Gefühl ohne Macht zu sein und andere "bemächtigen" zu dominieren zu wollen, dies auch endlich einmal erleben und ausleben zu wollen, was er lange nicht konnte, durch die extremen Hänseleien, führten dann dazu.

Dieser junge Mann ist mittlerweile einer der gefährlichsten, verlogensten und manipulativsten Menschen, welche ich bis jetzt getroffen habe und da kann man sich nur mehr in Sicherheit bringen, da sieht man was Mobbing und Drogen bei einem Menschen anrichten können, aber das ist eine andere Geschichte...war aber nur ein Beispiel, was Gründe sein können.

Es gibt auch Leute, wo der Vater zu dominant ist, die Kinder das sehen und sich als Frau z.B. dann extra dominant geben, damit Ihnen das nicht auch passiert usw... da gibt es viele Gründe.

Auch wenn Leute von einer Neigung sprechen, für mich ist das keine Neigung, sondern ein riesiges Problem, was dahinter steckt, aber jedem das Seine...ich habe immer wieder beobachtet, dass bei einigen in der Vita etwas gehörig schief lief, was denen gar nicht bewusst war und die jetzt diese Neigung haben.

Liebe Grüße!

Ich habe selten so viel Quatsch gelesen wie hier zu diesem Thema. Ich stelle mal die Behauptung auf, dass jeder Mensch einen gewissen Anteil Masochismus und Sadismus in sich trägt. Sexualität ist lebendig und hat immer etwas mit Spannung, Energie und Aggression (keine negative Aggression) zu tun. Habt Ihr schon mal jemandem kurz vor oder während des Orgasmus ins Gesicht geschaut? Glücklich, lächelnd und sanft schaut da niemand - erst anschließend. BDSM ist mit unter sehr gefühlvoll, fürsorglich und zärtlich.

SM : Krankheit?!

Es gab mal eine Zeit, da wurde Dissoziation für eine Krankheit gehalten. Heute ist sich die Psychiatrie da nicht mehr (eindeutig / einstimmig) sicher. Kein Wunder, zumal wir keine Ahnung davon haben, was Persönlichkeit, Identität, Bewusstsein, Un(ter)bewusstsein eigentlich sind. Wir klassifizieren sie nach ihren Symptomen und beobachten die Wechselwirkungen. Wir schreiben überall "Normal" drüber, wenn die Allgemeinheit oder das, was man dafür hält mangels besseren Wissen oder ehrlichen Umfragedaten das auch so praktiziert / ist / darstellt / mag und dergleichen. Jeden Ausreisser davon bezeichnen wir daher als abnormal - und was also vermeintlich ungewöhnlich ist, ist automatisch eine Krankheit. Denn pro Körper nur eine Person, nein, nehmen sie den nächsten Körper, dieser hier ist schon besetzt! So bleibt unser Leben überschaubar - und die Sonne dreht sich auch weiterhin um die flache Erdscheibe... Es gibt glücklicherweise Psychiater, die das in Frage stellen. Hauptsächlich deswegen, weil wir kaum etwas WIRKLICH über uns selbst wissen.

SM ist ein ventilartiges Reizspiel.

Es wird mit sexuellen Machteffekten gereizt. Abnormal? Dann ist jegliches Angestelltenverhältnis auch abnormal. Denn auch hierbei hat einer Macht (der Chef / die Chefin) und einer muss ackern und hat nix zu melden. Unsere ganze menschliche Gesellschaft ist auf solchen Hierarchien gebaut, das fängt schon in der Familie an. Das Kind möchte durchs Leben geführt werden, solange es noch nicht erwachsen ist. Denn alleine schafft ein Kind das nicht. Das kann sich einprägen, es kann sich kombinieren mit anderen Faktoren, seien sie gefühlstechnisch positiver oder negativer Natur und findet im Akt der Liebe seinen sexuellen Katalysator bzw. sein Ventil.

Ein Beispiel für einen Hintergrund: Viele Mädchen hängen ihren Vätern nach. Einige wollen sogar insgeheim mit ihnen schlafen, haben zumindest solche Phantasien. Wie ist das zu erklären? Möglicherweise so, dass sich das Anlehnungs- und Schutzbedürfnis abstrakter Natur mit der Person im "Bauch" verbindet, zu der man volles Vertrauen hat. Unsere Gefühle werden nicht von uns gesteuert, sie tauchen wie Ideen auf. Genauso entstehen dann entsprechende Muster, die nach irgendeiner Vergegenständlichung trachten, nach einem Ventil, um verarbeitet, gelebt werden zu können. Unsere Tränen behielten wir ja auch nicht für uns, wenn wir traurig waren. Dominante Persönlichkeiten entsprechen diesem Muster später.

Beim Liebesakt werden wir sprichwörtlich zu Tieren, selbst die Schmusekuschler. Aus und Vorbei das Schön- und Hochgeistige, wir werden von "niederen" Trieben regiert. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das limbische System, also die Etage in unserem Hirn unterhalb des Neokortex ist dabei am aktivisten. Evolutionär gesehen haben wir diesen Hauptpart des Hirns von den Tieren geerbt. Wir sind nur in unserer Grosshirnrinde ein Wesen mit edlen Tugenden. Moral, Gerechtigkeitssinn, Kalkulationen, all das findet man nur dort, so scheint es. Aber das ist nicht alles, was wir sind. Letztlich, ob es uns passt oder nicht, besitzen wir auch einen tierischen Teil, der beim Sex aktiv wird. Auf welche Weise - das bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist SM von Vergewaltigung oder gar Pädophilie (was auch eine Vergewaltigung ist) zu unterscheiden. Letztere definieren sich dadurch, dass der sexuelle Akt GEGEN den Willen eines Beteiligten stattfindet, bzw. selbst im seltenen Fall, wo Kinder das tatsächlich wollen: wie viele andere Dinge auch, können sie auch dies nicht für sich selbst entscheiden. Ihre Reifung ist noch nicht abgeschlossen, Schäden sind vorhersehbar und wahrscheinlich. Ein extremer Grenzfall ist dann gegeben, wenn einer der beiden Erwachsenen bewusst zu Schaden kommen will. Zum Beispiel offensichtlicherweise beim Kannibalismus. Das Leben ist ein schützenswertes Gut, Sex hat einen psychologisch motivierten Hintergrund, dient der Bereicherung des Lebens und dessen Fortsetzung im Falle einer Zeugung. Keines von beiden lässt sich mit dem genannten Extrembeispiel kombinieren, daher steht es auch meines Erachtens nach völlig richtig und rechtens unter Strafe. Wir sind weder reine Vernunftswesen, noch triebgesteuerte Tiere, sondern eine Mischung aus beiden. Für die Ambivalenzen, die sich daraus ergeben, gibt es aber in unserem geregelten Alltag keinen Platz, daher finden sie Ihre Bühne beim "Akt" :). Diese Ambivalenzen sind in jedem Menschen drin. Oder wie kann man sonst erklären, dass eine ganze Ecke Frauen brutale Schlägertypen ablehnt, mit Kuschelbärchies aber langfristig gesehen auch nicht glücklich wird? Oder dass Männer reine "Hinterherlauf-"Freundin über kurz oder lang langweilig und sexuell abturnend finden, während sie bei Hausdrachen als Lebenspartnerin schnell Reißaus nehmen? Und selbst das kann man nicht verallgemeinern, denn es gibt für beides Gegenbeispiele. Letztlich kann man feststellen, dass der Mensch in Symbiosen leben möchte. SM ist eine solche.

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