Was passiert in einem Wald,wenn man die Endkonsumenten(Wölfe,Bäre...)rausnimmt?

6 Antworten

Die sog. Endglieder in einer klassischen Nahrungspyramide sind die Großräuber. Heute wird im Bereich der Ökologie besser mit sog. Nahrungsnetzen operiert, bei denen man die wechselseitigen Abhängigkeiten besser sichtbar machen kann. Fällt also z.B. der Wolf und der Bär weg, dann kommt es zu einem Anstieg in der Populationsdichte der großen Pflanzenfresser. Dieser Zustand besteht ja auch in unseren Wäldern. Obwohl der Jäger die Großräuber heute ersetzt, wird der Bestand an Rotwild und Rehwild auf einem viel höheren Niveau gehalten als dies in grauer Vorzeit (mit Bären und Wölfen) gewesen wäre. Man macht das, um genügend jagdbares Wild verfügbar zu haben. Es gibt halt so viele Leute mit Jagdschein, und die wollen auch mal was schießen. Wenn sich nun die großen Pflanzenfresser (jetzt ohne Bejagung) rasch vermehren, kommt es zu starkem sog. Wildverbiß, d.h. die jungen nachwachsenden Bäume und Sträucher werden komplett herausgebissen, was für die Regeneration des Waldes ein großer Nachteil ist. Dieser ökologische Schaden kann sich so ausweiten, dass die Vegetation komplett ruiniert ist. Ich habe solche Zustände auf Hawaii (Kauai) studieren können, wo die großen Pflanzenfresser allerdings Ziegen sind. Es gibt jedoch zu dieser Situation sehr gute kontrollierte Versuche auf bestimmten noch relativ großen Inseln, auf denen man absichtlich alle Großräuber durch Abschuss entfernt hatte. Die Reduktion der Pflanzendecke ist schließlich so dramatisch, dass es zu einem Massensterben der großen Pflanzenfresser bis herab auf wenige Exemplare kommt. Erst allmählich kann sich dann der Pflanzenbestand erholen, bis es wieder zu einer größeren Vermehrungsrate der großen Herbivoren kommt (diese könnten allerdings auch aussterben). Jetzt kommt es entweder zu zyklischen Prozessen oder andere kleinere Pflanzenfresser bilden mit den Pflanzen ein neues Gleichgewicht, was dann völlig anders zusammengesetzt ist als das ursprüngliche.

Den Endkonsumenten gibt es nicht, allenfalls Glieder in der Nahrungskette. Aber um bei dem Beispiel zu bleiben: Wenn für eine Art der einzige ernsthafte Fressfeind wegfällt, vermehrt sie sich zunächst einmal, ohne aber unsterblich zu werden. Die nächste Folge sind Überbevölkerung, zyklischer Nahrungsmangel und dann die Ausbreitung von Parasiten und Krankheiten. Der gesamte Lebensraum kann verändert werden, da die Futterpflanzen der Art zurückgedrängt werden. Bevölkerungsschwankungen nehmen zu. Man muss allerdings bedenken, dass Fressfeinde selten (oder nie) die Haupt Todesursache von Tieren sind, solange stabile Verhältnisse herrschen.

Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch. Der frist, fällt, tötet alles.

Wenn man jetzt ein hypothetisches Ökosystem nimmt, in dem es keine Menschen gibt und die größten Predatoren rausnimmt, profitieren die kleineren Jäger. Die nicht mehr abgejagten Arten vermehren sich und verbrauchen dann ihre Nahrungsgründe und weiten ihr Populationsgebiet aus.

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