Was ist Fundamentalismus

17 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Fundamentalismus ist eine art der Religiösen Dogmatik, die keinerlei Kritik an ihren heiligen Schriften zulässt und diese wort-wörtlich auslegt und jede Kritik an diesen als Angriff auf ihren Gott, ihren Glauben und ihre person verstehen

also auf gut Deutsch: Leute die ein von Menschen geschaffenes Werk (ein Buch) mit Gott verwechseln.

interessante sichtweise....aber schließt nicht alles ein, was ich meine

0
@jotha84m

Was denn nicht?

Christliche Fundis = die Bibel

Mormonische Fundis = das Buch Mormon

Moslemische Fundis = Koran/sharia

Jüdische Fundis = Thora/Talmud

Hinduistische Fundis = Veden, vorallem die Gitta

hab ich was vergessen an Fundis die ihre Bücher anstatt Gott anbeten?

0

Gleichbedeutende Worte zu "fundamental" sind in diesem Zusammenhang "rigoros", "unflexibel", "intolerant". Das Wort Fundamentalist benutzt man vorzugsweise in Bezug auf Religionen, obwohl eine solche Haltung auch im ideologischen (Kryptokommunisten, verborte Nazis, unverbesserliche Rechtsradikale) und politischen (Parteisoldat, Überzeugungstäter) vorkommt. Fundamentalist bezeichnet einen Vertreter einer Religion, der einer speziellen, teils sehr eingeengten Auslegung eines Religionsfundaments (religöse Dokumente und Traditionen) kompromisslos folgt. Der 'hirnverbrannteste' Fall eines Fundamentalisten sind die Selbstmordattentäter (politisch z.b. auch die ETA in Spanien, die IRA in Nordirland), die auf die bloße Versprechung eines künftigen besseren Status hin ihr eigenes Leben auslöschen. Auch manche christliche Heilige sind davon nicht frei. Fundamentalismus ist in einer Demokratie nicht akzeptabel, da in einer Demokratie eine gewisse Toleranzbreite mit Verpflichtung auf Grundwerte (was die Achtung anderer Meinungen einschließt) unabdingbar ist. Andernfalls kommt es zu einem blutigen Glaubenskrieg, wie jetzt in islamischen Ländern zu beobachten, wo sich Schiiten und Sunniten gegenseitig in die Luft jagen. Und alle sind sie den einen heilig, den anderen verdammt.

@ Das Wort FUNDAMENTALISMUS ist heute negativ besetzt und erzeugt bei den Menschen unangenehme Gefühle. Warum ist das so? Und überhaupt was bedeutet dieses Wort(Begriff)?

So wird darüber folgende Definition gegeben:

Fundamentalismus ist eine Überzeugung, die sich darauf beruft im Besitz der (absoluten) Wahrheit zu sein.

Im weitesten Sinne wird als fundamentalistisch eine religiöse oder weltanschauliche Bewegung bezeichnet, die sich auf ein unveränderliches(unwandelbares) Fundament (Absolutes) stützt, bzw. beruft.

@ Diese Auffassung, dass es etwas Absolutes geben könnte, widerspricht der heutigen Denkweise (Pluralismus, Liberalismus), die jedes Absolute ablehnt, weil niemand den Anspruch erheben kann im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein.

@ Wer es aber dennoch in Anspruch nimmt wird deshalb als negativ, als intolerant oder als fundamentalistisch bezeichnet. Denn diese Einstellung ist deshalb abzulehnen, weil sie zwischen Menschen zu Konflikten, Auseinandersetzungen, zu Unterdrückung und auch zu Gewalt führen kann. Was ja in der Vergangenheit zu Religionskriegen und zu politischen Diktaturen geführt hat(im Kommunismus, Faschismus).

@ Darüber hinaus gibt es auch den kapitalistischen Fundamentalismus(dieser wird nicht so bezeichnet) aber in seinem Anspruch, dass er die einzig wahre Wirtschaftsform wäre, deshalb können wir auch ihn dieser fundamentalistischen Denkweise zuzuordnen. Denn diese kapitalistische neoliberale Wirtschaftsform wurde lange Zeit(letzten 20 Jahre) mit allen Mitteln verbreitet und auch mit allen Mittel gegenüber jenen verteidigt, die ihn Frage gestellt haben. De weiters ist zu beachten, dass wohl kaum anderes System soviel Schaden weltweit angerichtet hat als der Neoliberalimus.

@ Dazu gibt es auch noch den atheistischen Fundamentalismus, der heute auch in massiver Weise den Anspruch erhebt, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein, dass es eben keinen Gott gibt. Auf welche Weise er agiert kann unter anderem an Dawkins gesehen werden.

@ Mit meinen Hinweisen wollte ich nur aufzeigen und bewusst machen, dass sich der Fundamentalismus nicht nur auf den religiösen Bereich beschränkt(wie das leider allgemein gemacht wird), sondern genauso in den Ideologien(politischer, weltanschaulicher und wirtschaftlicher Form) zu finden ist.

Deshalb ist es also falsch diesen Fundamentalismus allein auf den religiösen Bereich zu beschränken.

@ Aber damit wurde noch nicht beantwortet, ob es nicht auch positive Seiten des Fundamentalismus gibt. Denn schließlich leitet sich dieser Begriff von dem Wort "Fundament" ab. Denn die Frage ist: Gibt es nicht Dinge, die für uns ein unumstößliches Lebensfundament sein können, die unveränderbar sind, und die es sogar zu verteidigen gilt?

Auch darüber sollten wir nachdenken, was für uns ein Fundament sein kann.

@evagelista: das fundament ist die grundlage einer jeden basis...

0

"Dazu gibt es auch noch den atheistischen Fundamentalismus"

.

:-)) Du meinst die rationale Grundeinstellung, dass es auf der Welt mit natürlichen Dingen zugeht?

0
@Solipsist

@ Solipsist

Du musst überhaupt zuerst definieren was Rational überhaupt ist, denn bis heute gibt es dafür keine 100% Erklärung.

Analytische Philosophen haben versucht einen Rationalitätsbegriff zu definieren, aber eine endgültige Fassung gibt es noch nicht.

Interessant ist auch die Feststellung in der Psychologie, dass der Mensch mehrheitlich irrational und nicht rational handelt(auch nicht immer entscheidet).

Eine weitere Erkenntnis ist, dass es Dinge gibt, die wir mit unserer Ratio weder erklären noch begründen können. Leider kennen wir die gesamte Realität(Wirklichkeit) noch nicht.

0
@evangelista

Rational: Mensch meint man könne nie über Wasser laufen.

Irrational: Mensch meint man könne über Wasser laufen.

.

Rational: Mensch meint Schlangen können grundsätzlich nicht sprechen.

Irrational: Mensch meint Schlangen können manchmal sprechen.

.

Rational: Mensch meint Menschen entwickelten sich als Säugetier.

Irrational: Mensch meint Menschen wären aus Lehm getöpfert.

.

Rational: Mensch meint Menschen machen Fehler.

Irrational: Mensch meint Menschen machen Sünden.

.

Rational: Mensch meint Jungfrauen gebären Kinder.

Irrational: Mensch meint Jungfrauen gebären keine Kinder.

.

Rational: Mensch meint Menschen sterben.

Irrational: Mensch meint Menschen sterben um hernach in der Kneipe zum Güldenen Herzjesulein wieder zu erwachen.

.

.

Falls Du was nicht verstehst, frag ruhig.

0
@Solipsist

Außerdem geht es beim Fundamentalismus nicht darum, dass jemand ein Fundament, eine Wahrheit für sein Leben gefunden hat, sondern darum, dass er seine Wahrheit anderen aufzwingen will. Wenn ich mich entscheide in völliger Askese und Einsiedelei in den Bergen zu leben, garantiert mir unsere Verfassung sogar, dass ich das machen kann. Wenn ich versuche, weil ich glaube, dass das der einzige Weg zu leben ist, alle anderen dazu zwingen will, in Askese in den Bergen zu leben, dann bin ich ein Fundamentalist.

0
@Solipsist

Hallo Soli:

":-)) Du meinst die rationale Grundeinstellung, dass es auf der Welt mit natürlichen Dingen zugeht?"

Rein formal gefragt (also keine diskussion um übers-Wasser-laufen): Steht diese Grundhaltung unverrückbar fest oder wäre sie diskutabel/veränderbar?

0
@dreadnought

Hallo Dread.

"Diskutabel" und "Veränderbar" sind in diesem Zusammenhang elementar unterschiedliche Sachverhalte und somit auch Themengebiete. Dem entsprechend kann ich Dir die Frage so nicht beantworten.

.

Stöckchen also bitte neu schnitzen.

0
@dreadnought

"Veränderbar" also.

.

Diese Veränderung der Grundhaltung der Weltsicht, dass es auf der Welt mit natürlichen Dingen zugeht, wäre selbstverständlich möglich.

.

Dazu müsste nichts weiter als ein überprüfbares Faktum benannt werden, wonach es eben eine "übernatürliche" Entität gebe.


Unter einer übernatürlichen Entität verstehe ich hierbei ein real existierendes, individuelles Bewusstsein, welches nicht an ein materiell vorhandenes Gehirn gebunden ist. Um dem Begriff mal eine Definition zu geben.


.

Nun gibt es aber jenes Faktum zur Beweisbarkeit jener Entität nicht.

.

Gut. Meinetwegen. Darauf will ich gar nicht ausruhen, obwohl ich jedes Recht dazu hätte.

.

Dann würde also auch eine plausible, formal richtige Herleitung dafür reichen, warum jene Entität, Gott also, nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, tendenziell eher als existent denn als inexistent zu betrachen sei.

Selbst das würde reichen.

.

Solange die Behauptung von Gottes Existenz also argumentativ unterhalb dieser 50% Wahrscheinlichkeit bleibt, ist die Position unveränderbar. Kommt sie darüber, wird sie veränderbar. Recht vernünftige Einstellung, will ich mal behaupten.

.

.

Anmerkung:

Man möge sich mal fragen, warum sich die Anhänger einer angeblichen Wahheit so unfähig zeigen, jene Wahrheit wenigstens in ihrer Wahrscheinlichkeit korrekt beschreiben, bzw. darlegen zu können.

Denn Wahrheiten, so sie denn "reine" Wahrheiten sind, haben eigentlich das untrügliche Merkmal immer erkannt werden zu können, egal aus welcher Perspektive man auf sie blickt.

0
@dreadnought

10:54 & 10:55

Welch schöner Zufall.

Da hast Du ja einen potentiellen Gottesbeweis um nur eine Minute verpasst.

:-)) Schade.

0
@Solipsist

Hallo soli,

bin wieder da! Vielen Dank für die Mühe der Argumentation. Über das Thema "Gottesbeweise" haben wir uns ja schon gar ausführlich unterhalten. Darauf wollte ich garnicht hinaus, sondern auf das: Ich bin davon überzeugt, daß jeder ein tragfähiges geistiges Fundament braucht, um eine konsistente Weltsicht entwickeln und vernünftig argumentieren zu können. Und da hat mich Deines interessiert, sozusagen die Säulen von Soli´s Erde. Es geht mir überhaupt nicht ums Stöckchenspringenlassen oder reinlegen. Mich würde z.B. Deine Definition von "natürlich" interessieren. Was meinst Du: ziehen wir ins Forum um oder ärgern wir uns mit dem Layout hier?

0
@dreadnought

Hier bitte. Ich hasse diese lieblose und vor allem unübersichtliche Optik des Forums.

.

Was ich unter "natürlich" verstehe, schrieb ich doch oben. Alles was kein Gehirn hat, hat auch kein Bewusstsein und somit keinen Willen, vereinfacht ausgedrückt. Da darfst Du in dem Fall sogar ein kleines "Basta!" dahintersetzen.

.

Keine Sorge übrigens wegen dem Stöckchen, das war als Witz gedacht.

0
@Solipsist

Da muß ich was überlesen haben. Du hast mit Beispielen illustriert, was Du für rational hältst und "übernatürlich" definiert. Aber die Definition von "natürlich" habe ich nicht entdeckt.

0
@dreadnought

Weiß - Schwarz. Oben - Unten. Warm - Kalt. Natürlich - Übernatürlich. ...Kann man doch ableiten.

.

Oder wie wäre es mit "Erklärbar". ..So auf die Schnelle.

0
@Solipsist

natürlich- unnatürlich? natürlich-widernatürlich? natürlich-gekünstelt/künstlich? Das alles setzt verschiedene Naturbegriffe voraus. "Übernatürlich" selbstredend (natürlich :-) auch. Also ich hätte es gern ein bißchen genauer, sorry. "Erklärbar" löst glaub ich das Problem auch nicht so recht.

0
@dreadnought

Lieber Dread, betreibe hier bitte keine Beweislastumkehr.

Götter, Wunder, Schwebende Menschen, Hellsehen, Telepathie, Jenseits, so Zeug. Wir wissen alle mit welchen Begriffen sich diese Liste fortführen lässt. Alles "Übernatürlich". Alles reine Behauptung.

Beanstpruchst Du Wahrheit für eins dieser oder anderer, ähnlicher Begriffe, belege sie dann bitte, aber frag mich nicht deren Gegenteil zu belegen. Solches ist schlicht unsinnig.

0
@Solipsist

Soli, ich wollte lediglich von Dir wissen, was Du mit "natürlich" oder "Natur" meinst. Es müßte doch möglich sein, das positiv zu definieren.

Das hat doch nix mit Beweislast zu tun. Um "Übernatürliches" geht´s mir doch garnicht.

0
@Solipsist

Also was? In diesem Fall hast Du eine Behauptung aufgestellt, daß alles auf der Welt natürlich zugehe. Gut. Also interessiert es mich, was für ein Naturbegriff dahintersteckt. Es ist nicht befriedigend, daß Du ihn nur in Abgrenzung zum "Übernatürlichen" beschreibst. Mir z.B. wäre es näher, "künstlich" als Gegensatz zu sehen. Normalerweise reagierst Du doch auf religiöse Sätze mit der Beweisforderung, das müßte doch ein ganz bekanntes Verfahren für Dich sein. Also bitte eine Definition (kein Beweis):

"Natur ist...".

0
@dreadnought

:-)) Netter Versuch.

Dread, Die "Behauptung" lautet nicht das alles natürlich vonstatten gehe. Das ist keine Behauptung, sondern das ist erst mal der Ist-Zustand. Wenn Du oder wer anderes etwas "übernatürliches" nun als Wahr einschieben oder deklarieren wollen, also Geschehnisse abseits der "Norm", ("Götter, Wunder, Schwebende Menschen, Hellsehen, Telepathie, Jenseits, so Zeug") dann kann man das im Einzelfall besprechen. Der Nachweis liegt dann aber grundsätzlich bei Euch. Sicher nicht bei mir.

.

Trotzdem schenk ich Dir nen weiteren Versuch:


Unter der "Natürlichkeit", im Sinne der Diskussion hier, verstehe ich die Summe, den Durchschnitt der profanen Alltagserfahrungen aller Menschen + Occam´s Razor.


.

Wenn in diesem Pool "alle Menschen", freilich nun auch jene dabei sind, die meinen ihr Krebs wäre wegen einem Gebet und nicht wegen der medizinischen Behandlung zurückgegangen, o.Ä., was soll ich machen? Dann sind die Jungs eben nach wie vor in der Beweispflicht das zu belegen. Seltsamerweise kann das nie einer von denen. Kein Beweis + das Rasiermesser erledigt das dann.

.

Hier im Forum is z.B. irgendwer unterwegs der meint erlebt zu haben, wie bei einem Freund durch Gebete das kürzere Bein wieder nachgewachsen wäre. Belegen kann er das freilich nicht, für natürlich hält er es dennoch. Kannst Du dem auch nicht ausreden. Well,... was will man da machen? Soll er´s gern glauben. Aber er zahlt nen Preis dafür. Den, dass er sich der Lächerlichkeit preisgibt.

.

Ne schärfere Definition wirst Du kaum erhalten. Das liegt in der Natur der Sache. Ich nutze schlicht den Gesunden Menschenverstand, das ist alles.

.

.

Weißt Du was Dein Problem hier sein wird? :-))

.

Ich weiß, dass Du genau weißt, wie ich das alles meine.

0
@Solipsist

Das ist ja erst mal ne Definition, sozusagen ein Teilziel, wobei allerdings das Worte "profan" und "gesunder Menschenverstand" mich wieder neugierig machen. Besonders das letztere gehört nun überhaupt nicht zu den Instanzen, auf die ich mich unbedingt verlassen möchte.

Was wird mein Problem sein? Bestimmt nicht das , daß ich versuchen will, Dich aufs Kreuz zu legen. Siehst Du, ich will einfach erfahren, was Dein archimedischer Punkt ist, von dem aus Du die Welt erklärst, wegen mir Deine Letztbegründung. Das würde nämlich etwas leisten: es kann ja sein, daß Du die Gesamtheit der Realität so wasserdicht immanent formulierst, daß eine Veränderung immer schon in principiis ausgeschlossen wäre. Und dann wären ja eine Menge Auseinandersetzungen gegenstandslos.

0
@dreadnought

?? Du willst Dich nicht auf Deinen Gesunden Menschenverstand verlassen?

Wahrscheinlich meinst Du den aller Menschen, nehm ich an.

.

Wie ich mir die Welt erkläre?

Was meinst Du?

Wie das alles ursächlich entstanden ist?

Well, Urknall ist die bislang verlässlichste Theorie. Macht Sinn.

Weshalb wiederum überhaupt den Urknall?

Meine Antwort: Ich weiß es nicht.

Was ich übrigens für eine vollwertige Antwort erachte. Wenn die Mehrzahl der Menschen –ich behaupte mal vornehmlich Gläubige– eine falsche/ungewisse Antwort lieber haben als gar keine Antwort, so ist das bei mir umgekehrt. Ich hab lieber keine Antwort als eine falsche.

.


"es kann ja sein, daß Du die Gesamtheit der Realität so wasserdicht immanent formulierst, daß eine Veränderung immer schon in principiis ausgeschlossen wäre."

.

Nö.

Du könntest mich tatsächlich von jetzt auf gleich "bekehren". Ich würde ohne mit der Wimper zu zucken sofort an Gott glauben, da bräche mir kein Zacken aus der Krone.

Alles was dafür nötig wäre, wären Evidenzen. Und wenn die nicht vorhanden sind, so würden mir sogar –ich wiederhole mich– schon schlüssige Hinweise dafür reichen, das Gott wahrscheinlicher als unwahrscheinlich ist.

Aus welchem Grund glaubt man denn sonst was?

Doch nur deswegen, weil man die zu glaubende These als die naheliegendste aller verfügbaren Thesen annimmt und man weiterhin das eben schlüssig begründen kann.

.

Sag mir also warum es wahrscheinlicher ist, dass es Gott geben soll, und ich unterschreib sofort wenn das was Du sagst in sich schlüssig ist.

Super einfach die Sache.

0
@Solipsist

Das würde aber bedeuten, daß ich etwas "transzendentes" immanent erklären müßte. Das hatten wir doch schon. Nochmal: für mich ist Gott keine Krücke zur Welterklärung sowenig wie für Dich. Ich tu jetzt aber mal so als ob:

Die Grundfrage könnte so formuliert werden: "warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?" Wir nehmen dabei mal an, daß das astronomische Standardmodell die Entwicklung richtig wiedergibt (es hat noch Löcher, ist aber nicht tragisch).

An dieser Stelle versagen alle Erklärungen naturwissenschaftlicher Art, weil Naturwissenschaften (NW) auf Fakten angewiesen sind. Die 3°Kelvin- Strahlung ist eins. Die Warum-Frage nicht. Jetzt nehmen wir mal an, es stünden sich die Alternativen "Gott", "keine Ahnung" und "Zufall" gegenüber. Ich meine, daß hier die Antworten auf Extrapolierungen angewiesen sind, die alle nicht auf dem Boden der NW stehen. Keine Ahnung ist eben keine Ahnung. "Gott" und "Zufall" sind beides Deutungen, denn Zufall ist sowenig eine NW Kategorie wie Gott. Deswegen ist es nicht zielführend, Gottesbeweise innerhalb nw Parameter zu verlangen, genausowenig wie es nw statthaft ist, beweisen zu sollen, daß alles Zufall ist. Das Instrumentarium, dessen wir uns sonst bedienen, verfängt hier nicht.

0
@dreadnought

Hey, Ihr zwei ..
.
verfolge das hier mit größtem Vergnügen ;-))
.
.
@dreadnought .. vielleicht ist in Bezug auf "Gott" überhaupt gar keine "Warum" Frage zielführend. Selbstredend, wenn Du eine "Warum" Frage zum Ausgangspunkt nimmst, muss sich auch ein Gott innerhalb definierbarer "Darum" Parameter bewegen. Dies impliziert Raum und Zeit.
.
Und .. wer sagt denn, dass "Gott" ein Transzendentes ist? Das ist eine Annahme, die Du hast. Und die stößt eben nicht nur an die "Warum" Grenze, sondern auch an die erkenntnistheoretische. Vielleicht führt die Annahme einer "Immanenz" wesentlich weiter oder sogar noch darüber hinaus ;-))

0
@holodeck

hier wird´s zeilenmäßig eng! Das nervt! Also ich bin doch für Umzug. Was meint Ihr?

0
@dreadnought

Hab ich in dem Zusammenhang je das Wort Zufall erwähnt? Oder andere Atheisten hier?

Nein, oder?

.

Wenn ich kurz pauschalisieren darf:

Ihr Gläubigen könnt mit dem Wort "Zufall" wirklich am allerwenigsten umgehen.

.

Kein Wunder (sic!), dass Ihr Gott für wahrscheinlicher haltet, wenn ihr dauernd meint das Gegenmodell wäre lediglich der Zufall.

0
@Solipsist

Wie es bei anderen ist, weiß ich nicht, allerdings begegnet mir "Zufall" als Erklärungsersatz zu häufig, um es zu ignorieren. In einer 30-minütigen Sendung zum Darwin-Jahr letzthin über 20 mal z.B. Wo waren wir eigentlich?

Achso: Hallo couchjumper & holodeck, und soli: natürlich darfst Du nicht pauschalisieren! Sondern argumentieren bitte. :-D

0

Da behelfen wir uns einfach mit "wieder breiter machen" ;-))

0
@Couchjumper

Natürlich zufällige Telepathie.

Telepathisch natürlicher Zufall.

Zufällig telepathische Natur.

Telepathisch zufällige Natur.

Natürlich telepathischer Zufall.

Zufällig natürliche Telepathie.

0
@Solipsist

Zwei Dumme - die begeisterndste Nuance von telepathisch!
.
oder, um es auf den Punkt zu bringen:
.
Das telepathische Glühen galaktischer Zellen. Natur!

0
@Couchjumper

"Zufall!? Ja! Denn telepathieren ist natürlicher als rasieren."

0

"hier wird´s zeilenmäßig eng! Das nervt! Also ich bin doch für Umzug. Was meint Ihr?"

.

Dann macht man halt auf wundersame Weise wieder breiter. :)

0
@Solipsist

Ihr Kindsköppe! Soli: Es ging mir um den "zufall" als Deutungskategorie, mit dem ich gut umgehen kann. Er hat sehr wohl etwas mit dem Urknall zu tun, weil man die biotische und abiotische Evolution nicht voneinander trennen kann. Außerdem darfst Du überhaupt nicht pauschalisieren, weil Du sonst vom support in Pauschalist umbenannt wirst. :-)

0
@dreadnought

Erklärst Du mir mal bitte warum die Evolution etwas mit dem Urknall zu tun haben soll? Also dem Entstehen von Raum/Zeit/Materie aus einer Singularität heraus?

Und weiterhin was eine "abiotische Evolution" sein soll?

??

0
@Solipsist

Unter abiotischer Evolution versteht man den Teil der Naturgeschichte vor dem Auftritt des Lebens.

Es muß ja konsistent sein, d.h. die Naturgeschichte des Lebens darf der abiotischen Geologie vorher ("Azoikum") nicht widersprechen, die nicht der Entwicklung des Sonnensystems und die nicht dem Standardmodell des Universums, sonst gibt´s kein Gesamtbild.

0
@dreadnought

Klingt auf den ersten Blick interessant.

Hast Du diesbezüglich Quellen für das was Du da sagst? Abseits von Mathematik und Chemie, die mich in Deinem Konstrukt sofort als den kleinsten gemeinsamen Nenner anspringen.

.


Trotzdem:

Wenn ich morgen in Tokio aufwache, muss ich wohl vorher meinen Pass besorgt haben und dann ein Flugzeug bestiegen haben. Sonst gibt das auch kein Gesamtbild. Nur ist das lediglich die Rückschau.

Es gibt aber absolut keinen Hinweis darauf dass ich irgendwann zwangsläufig in Tokio hätte aufwachen müssen.

Will sagen: Wir stellen uns die Frage nach dem Sinn, weil wir eben hier SIND. Wären wir das nicht, könnten wir die Frage nicht stellen.

.

Wenn man sich von der Vorstellung befreit, der Mensch sei GEWOLLT gewesen, sieht man um einiges klarer und die Fragen am Horizont werden wesentlich zahlreicher und interessanter.

0
@Solipsist

Quellen? Also alles in einem Buch? Ist mir so leider keins bekannt. Ach doch: Hoimar v. Ditfurth hat früher mal so Sachen geschrieben. Sind natürlich veraltet jetzt.

"Will sagen: Wir stellen uns die Frage nach dem Sinn, weil wir eben hier SIND. Wären wir das nicht, könnten wir die Frage nicht stellen".

Das steckt hinter dem "schwachen anthropischen Prinzip".

"Wenn man sich von der Vorstellung befreit, der Mensch sei GEWOLLT gewesen, sieht man um einiges klarer und die Fragen am Horizont werden wesentlich zahlreicher und interessanter."

Da unterscheiden wir uns. Ich glaube, daß wir gewollt sind und finde Naturwissenschaften total spannend, auch wenn ich vieles davon natürlich nicht verstehe, unter anderem wegen einer an Dyskalkulie grenzenden Matheschwäche :-/ Meine persönliche Interpretation (kein Gesetz) ist die, daß Gott uns die Gabe gegeben hat, uns ein bißchen in seinem Labor umzusehen. Das heißt, ich ginge an solche Fragestellungen mit demselben Eifer dran wie ein Nichtgläubiger und glaube auch klar zu sehen.

0
@dreadnought

"Da unterscheiden wir uns. Ich glaube, daß wir gewollt sind"

Du hältst also Gott für wahrscheinlicher als unwahrscheinlich.

.

Warum?

0
@dreadnought

Mal eine kurze Zwischenfrage:

-

Wenn die Evolution des Lebens auf die chemische Evolution folgt, ist das dann ein kausaler Zusammenhang oder eine zeitliche Abfolge?

-

Kurz: Geht die Evolution logisch aus einer entstehung des Lebens hervor oder folgt sie zeitlich darauf?

0
@Qualia

Wow!

@soli: Ich bin davon überzeugt, daß die Veranstaltung Kosmos mit uns darin von Gott gewollt ist, allerdings ist das keine quantifizierbare Wahrscheinlichkeit, sondern eine Glaubensaussage außerhalb der NW- Erklärungszusammenhänge.

@ qualia: Ich denke, daß die biotische Evolution kausal aus der abiotischen hervorgeht, wegen der Einheit von Ort und Zeit. Und ich meine, daß Evolution sowohl anorganisch sowie organisch verstanden werden muß, sonst fällt uns das NW Weltbild unheilbar auseinander. Weltbild ist nicht dasselbe wie Weltanschauung, daß ich da nicht falsch verstanden werde. Das NW- Weltbild teile ich voll, eine materialistische WEltanschauung nicht.

0
@Solipsist

"allerdings ist das keine quantifizierbare Wahrscheinlichkeit, sondern eine Glaubensaussage"

.

Nicht ganz richtig. Glaube ist ja nichts weiter als quantifizierbare Wahrscheinlichkeit, wenn man so will.

Du glaubst ja an Gott, da die Summe all Deiner "Informationen" (nenn ich das mal trocken), Dich annehmen lassen, dass von beiden möglichen Szenerien diejenige der Realität am nächsten kommt, welche Gott beinhaltet. Diese also für Dich die wahrscheinlichere ist. (Scheint wahrer als die andere)

.

Und ich frage Dich hiermit also was diese "Informationen" sind.

Du lebst wie ich auf dieser Welt und teilst mit mir den gleichen Kulturkreis und Sprachraum. Wir haben also –sehr weit gegriffen– ähnliche Erfahrungen dieser unserer Umwelt.

Weshalb, Dread, nimmst Du an, es gäbe einen Gott, wenn Du Deine Umwelt betrachtest?

0
@dreadnought

Was haben die Einheiten Zeit und Raum mit der Begründung einer Kausalität zu tun?

-

Beispiel:

Ich rufe 3 mal am Tag laut in den Wald neben meinem Haus, dass bitte keine Bären hinauskommen sollen um mich zu fressen.

Verblüffenderweise kommen keine Bären hinaus.

Ich bilde einen kausalen Zusammenhang zwischen meinen Rufen und den ausbleibenden Attacken.

Dann erfahre ich, dass es in diesem Wald gar keine Bären gibt.

-

An dieser Stelle kann man dann entweder festellen, dass es sich nicht um einen Kausalzusammenhang handelt, sondern lediglich um eine zeitliche Abfolge (Rufen - Aubleiben des Bärenangriffs); oder aber man behauptet weiter, dass der Zusammenhang kausal sei, da das mit dem Rufen ja dennoch klappt, auch wenn die Bären weiter entfernt sind.

-

Dies nennt man "Post hoc ergo propter hoc" - Fehlschluss.

Menschen neigen häufig dazu Kausalzusammenhänge zu sehen, wo es keine gibt.

0
@Qualia

Mit der Einheit von Ort und Zeit meinte ich, daß es Leben auf der Erde ja nicht immer gab, aber schon Evolution (Wetter, Klima, chemische Vorgänge, geologische Umwälzungen) und daß dann nach einer langen abiotischen Zeit Leben auf der Erde entstand- wie, ist noch nicht geklärt. Mir erscheint es allerdings logisch zwingend, auch dort eine Kausalkette anzunehmen. Es ist natürlich theoretisch möglich, daß Aliens es hier gesät haben, aber nicht sehr wahrscheinlich.

0
@Solipsist

"Glaube ist ja nichts weiter als quantifizierbare Wahrscheinlichkeit, wenn man so will."

Genau das wäre Glaube für Dich, eine Art mehr oder weniger begründete Vermutung. Da liegt der Unterschied. "Man" will so aber nicht, weil ich nicht so glaube.

Glaube ist keine Vermutung, sondern eine Überzeugung. Ich glaube erst an Gott und von daher bin ich in zweiter Linie überzeugt, daß er auch der Schöpfer ist. Ich denke mir nicht irgendeinen Gott als Hypothese aus, sondern glaube, daß Gott in Christus erkennbar ist. Und von da her denke ich dann.

@ qualia: Man geht davon aus, daß es zwischen der abiotischen (chemischen, geologischen) usw. Evolution sehr wohl einen kausalen Zusammenhang zur Entstehung des Lebens gibt, obwohl die Abläufe im einzelnen noch nicht geklärt sind. Würde aber die erlaubten 2000 Zeichen bei weitem sprengen, sorry.

0
@dreadnought

"Glaube ist keine Vermutung, sondern eine Überzeugung"

.

Gern, Dread, aber auf Basis wovon?

Man glaubt etwas weil man es für "Wahr" hält. Warum hältst Du Gott für wahr?

.


Wobei, fällt mir ein,ist da noch ne Frage vorher zu klären...

Bist Du von Kindesbeinen an gläubig?

0
@Solipsist

soli, von Kindesbeinen an? Irgendwie schon, obwohl ich garnicht besonders religiös erzogen worden bin. Bestimmte Dinge waren mir unmittelbar klar (ich liebe Descartes).

Warum ich glaube? Aus sehr subjektiven und auch persönlichen Gründen. Ich erzähl sie Dir gerne, aber nicht hier.

0

Wieviele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben

von Robert Gernhardt

.


Die bekannte Streitfrage der Scholastiker, wieviele Engel auf einer Nadelspitze Plkatz haben, erregte die Gemüter der Pariser Theologen so sehr, daß sich der Dekan 1289 zu einem damals ungewöhnlichen Schritt entschloß.

Des Streites der drei sich befehdenden Gruppen müde, lud er sie am ersten Sonntag nach Trinitatis in die Aula der Universität ein.

.

"Wieviele Engel haben nach Euerer Meinung Platz auf einer Nadelspitze?" fragte er Le Varlin, den Sprecher der ersten Gruppe.

"Kein einziger", antwortete dieser,"die ätherische Beschaffenheit dieser Wesen..."

"Das wissen wir", unterbrach ihn der Dekan und sah Grandgouche, den Sprecher der zweiten Gruppe an. "Was meinen Sie?"

"Natürlich 150", entgegnete dieser, "wer sich nur etwas in den Schriften des Thomas von Aquin..."

"Danke", sagte der Dekan und wandte sich an Bateux, den Verfechter des dritten Standpunktes.

"Jeder", sagte dieser zornig, "der nur etwas Verstand hat, wird wissen, daß es unzählige sind. Diese immateriellen Geschöpfe..."

.

"Gut", sagte der Dekan laut,"wir kennen nun ihre Meinungen.Jetzt passen Sie mal auf."

.

Er griff in seine Tasche, holte eine Nadel heraus und steckte sie mit dem stumpfen Ende in eine Tischritze. Darauf faltete er seine Hände, und nach kurzer Zeit kamen einige Engel in den Raum geschwebt.

Sie kreisten eine Weile über der Nadel, dann setzte sich erst einer darauf, nach einigem Zögern ein zweiter, schließlich ein dritter. Ein vierter Engel versuchte es , er rutschte aus und fiel auf den Tisch. Er versuchte es ein zweites Mal, wieder mißlang es, die Nadel bot keinen weiteren Platz mehr. Die Engel blieben eine Weile, dann verließen sie lautlos die Aula.

.

"Bitteschön", sagte der Dekan nach einer Pause,"es sind drei Engel, keiner mehr und keiner weniger. Und jetzt beendet den Streit."

Die Sprecher der Parteien schwiegen einen Moment.

"Das waren aber merkwürdige Engel", sagte Le Varlin schließlich.

"Sie waren viel zu groß", sagte Grandgouche. "Jeder, der etwas von Engeln versteht", sagte Batteux, "wird wissen, daß das keine waren, da ihre immaterielle Substanz es ermöglicht, daß unzählige auf einer Nadelspitze Platz haben."

.

"150", meinte Grandgouche.

"Keiner", sagte Le Varlin fest.

"Aber meine Herren", rief der Dekan,"nun ist doch bewiesen..."

"Bewiesen ist nur eines", sagten die Sprecher aus einem Munde,"daß das keine Engel waren." Und da sie sich das erste Mal in ihrem Leben einig waren, marschierten sie schnurstracks zum Großinquisitor, dem der Dekan schon lange ein Dorn im Auge war.

.

Am zweiten Sonntag nach Trinitatis sah man denn auch den schönsten Scheiterhaufen, der je vor Notre Dame gebrannt hatte.

Wunderschöne Geschichte!

0
@holodeck

tragisch - traurig , mit 100 % Wahrheitsgehalt .

0
@norelig

Ja, so lief damals der Wissenschaftsbetrieb, bei Theologen, Philosophen, Juristen und Medizinern. Das ist das Mittelalter!

0

"Fundamentalismus ist einer der am meisten gebrauchten Begriffe auf dem Feld der Religion, der Kultur und Gesellschaft, unabhängig ob es sich dabei um Moslems, Hindus, Juden oder Christen handelt" (Maas, 2006, S. 147).

  • In der Geschichte ist Fundamentalismus Reaktion auf Entkolonialisierung, den europ. Imperialismus und die amerikanische Hegemonie (Huntington Theorie).

Was möchtest Du wissen?