Was ist das Gegenteil von unserem Behaviorismus?

4 Antworten

Der Behaviorismus betreibt Verhaltensforschung durch naturwissenschftlich ausgerichtete Beobachtung von außen mit einem Reiz-Reaktion-Modell und erklärt das Lernen und Handeln durch von äußeren Umständen bedingte Anpassungen, die auch ein Muster erzeugen können (Konditionierung).

Dazu gibt es nicht ein einziges Gegenteil mit einer festen Bezeichnung. So etwas entsteht erst durch die Prägung fester Begriffspaare.

Möglich ist eine Sammelbezeichnung für das Gegenteil: nicht-behavioristischer Ansatz.

Innerhalb der Psychologie ist eine sich vom Behaviorismus abgrenzende Richtung der Kognitivismus: der Mensch ist ein selbstgesteuertes Wesen, das durch kognitive Denk- und Verstehensprozesse lernt und die über die Sinnesorgane wahrgenommenen Reize selbstständig und aktiv verarbeitet. Innerpsychische Vorgänge sind bedeutend. Denkstrukturen durch ein organisiertes Netz vorhandener Informationen werden beim Gewinnen neuer Einsichten herangezogen.

Daneben gibt es die Tiefenpsychologie (Psychoanalyse, analytische Psychologie), bei der das Unbewußte eine große Rolle spielt und die Ganzheitliche Psychologie. Diese betont den großen Zusammenhang. Dazu gehören eine humanistische Psychologie (Menschen entfalten sich mit dem Ziel der Selbstverwirklichung und haben durch ihre Vernunft gute Selbstheilungskräfte), die Gestaltpsychologie (Erleben eines Ganzen, die Elemente sind mit einem bestimmten Sinn gestalthaft angelegt) und die Feldtheorie (Menschen handeln in einem Lebensraum, in dem wie in einem Feld independente und dynamische, also voneinander abhängige und sich verändernde Kräfte angeordnet sind).

Auf einer weiteren, allgemeineren Stufe, der Anthropologie, gibt es sehr viele und unterschiedliche Theorien, die zum Behaviorismus in einem Gegensatz stehen. Dazu gehören viele religiöse Lehren und alle philosophischen Weltanschauungen, in denen Ideen und Transzendenz oder Bewußtsein und Subjektivität einen wichtigen Platz einnehmen. Indeterministische Auffassungen (nehmen eine Willensfreiheit an) sind ein Gegenteil zu der mechanistischen Betrachtungsweise des Behaviorismus.

Super Antwort!! DH!!

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Hallo,

habe im Duden das Folgende aufgenommen:

" ..der; sozialpsychologische Forschungseinrichtung,

die sich nur mit dem objektiv beobachtbaren u. messbaren Verhalten beschäftigt. "

Kann man das so kurz stehen und gelten lassen ?

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@mutzzie

Als Kurzbeschreibung, wie das Wort verwendet wird, ist dies möglich, aber mit leichten Einschränkungen: Behaviorismus ist eine Forschungsrichtung (ich vermute einen Schreibfehler; eine Einrichtung ist in diesem Zusammenhang eine Institution) und die Beobachtung beginnt schon bei Individuen.

Für eine nähere Beschäftigung ist dann eine anspruchsvollere, genauere und ausführliche Darstellung besser, um die Eigenart des Behaviorismus in Abgrenzung von anderen Ansätzen gut zu verstehen. Dann kann auch eine Auseinandersetzung einsetzen, die verdeutlicht, was ausgeklammert wird und welche Problematik dadurch entsteht.

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Das kann man nicht mit einem Wort beantworten -Es gibt dicke Bücher darüber. Ich würde so denken: Unpünktlichkeit, Faulheit, Unsauberkeit - aber alles IMHO

Der Behaviorismus geht davon aus, dass man durch Konditionierung einem Menschen praktisch jedes Verhalten antrainieren kann (oder sollte ich sagen: den Menschen "dressieren" kann?) - das gehört in den Zusammenhang der Frage, ob der Mensch stärker von seiner Umwelt geprägt wird oder von seinen Erbanlagen (z.B. die Anlage-Umwelt-Diskussion der 70er Jahre).

Ich bin der Meinung, dass die Anlagen eine wichtige Rolle spielen, ob jemand intelligent wird oder nicht, ob er später Musiker, Ingenieur oder Maler wird: das bewirken meiner Meinung nach nicht nur die Einflüsse von außen.

Der Gegensatz um Behaviorismus wäre dann einerseits (wie Albrecht schon erklärt hat) der Kognitivismus, andererseits die Berücksichtigung der Erbanlagen.

Fachbegriff zur Bedeutung der Erbanlagen für die Entwicklung des Individuums: Nativismus.

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