Was haltet ihr von der Tradition des Leichenschmaus?

13 Antworten

Ich kenne eine Stadt, da befindet sich in unmittelbarer Nähe des Friedhofes eine Gaststätte die sich "Zur letzten Träne" nennt.

War auch schon zu einigen Festivitäten ( Leichenschmaus) eingeladen. Das ist vielerorts Tradition. Vorallem auf dem Land.

Irgendwann, wenn sich die Stimmung aufschaukelt hat, werden da auch Witze erzählt und es wird gelacht, obwohl man kurz zuvor noch am Grab stand.

Manche.sagen, das wäre auch im Sinne des Verstorbenen gewesen.

Ob das nun geschmacklos ist, möchte ich nicht beurteilen. Finde das auch nicht immer passend, aber bei Traditionen wird da weniger darauf geachtet, ob dieses Verhalten nun in Ordnung ist, oder nicht.

Es geht hier ja nicht um den Verstorbenen. Der ist tot und hat seine Ruhe.

Es geht darum, den Hinterbliebenen den Abschied leichter zu machen und die Trauer ertragen zu helfen. Wenn ihnen das hilft, ist das in Ordnung.

Es ist auch ein schönes Angedenken an den Verstorbenen, weil meist gemeinsam erlebte lustige Zeiten besprochen werden. Ich finde man sollte gemeinsam weinen und gemeinsam lachen, man ist ja auch nur deshalb so traurig, weil man so gerne mit dem Verstorbenen zusammen war. Ich habe meinen Vater sehr geliebt, furchtbar geheult, etliche Tage lang, trotzdem war der Leichenschmaus teils traurig, teils lustig - genauso, wie er das geliebt hat. Also für mich keinesfalls pietätlos, sondern total in seinem Sinne.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Angehörige, die sich einem Leichenschmaus verweigern, noch nach zwei Jahren mit hängenden Köpfen durch die Gegend laufen.
Depressionen und die Unfähigkeit, wieder in die menschliche Gesellschaft zurückzukehren, kennzeichnen häufig diese Trauernden.

Der Leichenschmaus hilft Trauernden, nach dem Tod eines lieben Angehörigen wieder einen Weg zu den Lebenden zu finden. Er ist eben nicht pietätslos sondern lebensbejahend.

Es spricht deutlich gegen unseren Zeitgeist, wenn einerseits der Tod an den Rand des Bewusstseins und an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird und andererseits Rituale und Bräuche, die zur Bewältigung des Todes beitragen, abgelehnt werden.

Nein, geschmacklos würde ich das nicht nennen. Es ist eine alte Tradition, die unter Anderem mit dazu beitragen soll, daß den trauernden Angehörigen dieser so schwere Tag etwas leichter gemacht wird.

Im Gegensatz zu uns Deutschen wird in anderen Ländern der Tod als ganz selbstverständlich angesehen und auch dementsprechend anders damit umgegangen. Da wird richtig gefeiert, mit Musik und Tanzen. Da ist man keineswegs traurig, sondern ganz besonders fröhlich. Wir tun uns mit diesem Thema Tod / Beerdigung hier immer noch sehr schwer, verdrängen es lieber als uns damit auseinander zu setzen. Dann könnten wir auch besser damit umgehen.

Es gibt Kulturen in denen der Tod als Feier begangen wird weil der/die gestorbene in eine bessere Welt übergeht. Ich glaube z.B. die Hindus gehören dazu. und irgendwie haben die auch recht. Sogar bei den Christen wird doch behauptet nach dem Tod geht die Seele in eine bessere Welt über. Warum freut man sich da nicht für den Toten sondern macht ein Drama draus? Man sieht ihn ja wieder wenn man selber diesen Weg gegangen ist.

PS: Ich selber bin gläubiger Atheist ;-) Der Tod ist Bestandteil des Lebens. So schmerzlich der Verlust einer/s Angehörigen oder wie auch immer ist, das Leben muss weiter gehen und ewige Trauer bringt die/den Verstorbene/n auch nicht wieder.

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